Von Hühnern und Herrschern
Statler bringt es mal wieder treffend auf auf den Punkt.
Statler bringt es mal wieder treffend auf auf den Punkt.
Eine schrumpfende und alternde Bevölkerung wird allgemein als Problem angesehen. Der Aufsatz "Population Aging and Future Carbon Emissions in the United States" von Michael Dalton und Kollegen kann dem aber offenbar auch etwas Positives abgewinnen:
Changes in the age composition of U.S. households over the next several decades could affect energy use and carbon dioxide emissions. This article incorporates population age structure into an energy-economic growth model with multiple dynasties of heterogeneous households. The model is used to estimate and compare effects of population aging and technical change on baseline paths of U.S. energy use and emissions. Results show that population aging reduces long-term carbon dioxide emissions, by almost 40% in a low population scenario, and effects of aging on emissions can be as large, or larger than effects of technical change in some cases.
250.000 Berliner sind am Sonntag für den Klimaschutz in die Pedale getreten. Stolz verkündet der ADFC-Chef am Rande dieses Spektakels: "Radfahren reduziert die Emissionswerte auf Null." Nun den Zahn muß man dem Kollegen wohl ziehen.
Radfahren erhöht den Energieverbrauch eines Menschen um 210-280 kcal/h gegenüber dem Grund- und Leistungsumsatz bei mittelschwerer Arbeit von 100 kcal/h. Bei täglich einstündiger Radelei ergibt sich daher eine Steigerung des menschlichen Energieverbrauchs von 2400 kcal/24h auf mindestens 2610 kcal/24h. Diese Energie muß dem Körper zusätzlich an Nahrung zugeführt werden, was eine zusätzliche Nahrungsmittelproduktion notwendig macht. Zwar ist der menschliche Kohlendioxidausstoss aufgrund seiner Herkunft aus Biomasse zunächst klimaneutral, doch dürfte inzwischen bekannt sein, dass die Landwirtschaft zu den größten Netto-Treibhausgasemittenten gehört. Vor allem die sehr potenten Treibhausgase Methan und Lachgas, die das 23 bzw. 296fache Treibhauspotential von Kohlendioxid haben, entstehen bei der Lebensmittelproduktion in der Landwirtschaft. Wird mehr geradelt, muß mehr gegessen werden. Insofern müsste die Landwirtschaft ihre Produktion spürbar steigern um den zusätzlichen Energiebedarf zu decken, würde jeder Bürger täglich eine Stunde radeln statt das Auto zu benutzen. Klimaneutral ist das sicher nicht. Es ist nicht einmal sicher, ob nicht statt des Griffs zum Fahrrad eher die eine oder andere PKW-Fahrgemeinschaft gegründet werden sollte. Das würde die ebenfalls dürftige Effizienz eines PKW erhöhen und den Menschen davor bewahren seine spritverbrauchsbedingten Kohlendioxidemissionen durch ebenfalls kritische Emissionen aus der Landwirtschaft zu ersetzen. Eins muß man der Radelei lassen, man kann die unter diesem Blickwinkel eher problematische Schinderei im Fitness-Studio verkürzen.
Im letzten Zeit-Magazin ist ein interessanter Artikel über die Alberto Alesinas und Andrea Ichinos Idee einer Einkommensteuersenkung für Frauen und entsprechende Reaktionen von Wissenschaftlern und Politikern auf diesen Vorschlag.
Grundsätzlich ist diese Idee interessant. Frauen verursachen aufgrund ihres Kinderwunsches und des damit verbundenen Erziehungsaufwands höhere Kosten für viele Unternehmen. Oft steht auch die Erziehungsarbeit einer für den Karieresprung geeigneten Qualifizierung im Wege, mit der Konsequenz, dass Frauen am Arbeitsmarkt oftmals weniger gute Chancen haben und mitunter geringer bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen. Eine Senkung der Einkommensteuer für Frauen hat unter diesen Bedingungen einen doppelten Effekt. Aufgrund der höheren zu erwartenden Nettolöhne lohnt sich eine bessere Qualifikation und ein höheres Arbeitsangebot. Gleichzeitig sinken die Bruttolöhne, was eine Beschäftigung von Frauen für die Unternehmen interessanter macht. Damit folgt diese Idee der Theorie effizienter Steuern von Frank P. Ramsey, nach der die Wirtschaftssubjekte nach der Elastizität ihres Angebots differenziert besteuert werden sollten, um volkswirtschaftlich ineffiziente Ausweichreaktionen auf die finanzielle Belastung zu reduzieren. Da das Arbeitsangebot von Männern weniger auf Veränderungen der Steuerlast regiert als bei Frauen, sollten letztere mit geringeren Steuersätzen besteuert werden, um die Wirkung der höheren Arbeitsangebotselastizität zu gewährleisten und damit gleiche Chancen für Frauen wie für Männer auf dem Arbeitsmarkt zu fördern. Gleicht man den durch die mehrheitlich von Frauen getragene Last der Kinder auf diesem Wege aus, werden auch Kinder implizit gefördert.
Und wie reagieren Politiker? Wie immer? Keine Lust auf neue Ideen oder mehr oder weniger ignorante Einwände. So etwa die Finanzexpertin der Grünen Scheel, Frauen bekämen wegen der geringeren Bruttolöhne weniger Rente. Aber der niedrigere Bruttolohn ist ja nichts anderes, als das Ergebnis der steuerlichen Kompensation der Belastung der Sozialversicherungsbeiträge und des damit verbundenen höheren Arbeitsangebots der Frauen. Egal, ob sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Sozialversicherungsbeiträge formell teilen, in der neuen Situation stehen sich die Frauen finanziell besser. Und bekanntlich bleibt bei einem höheren Nettolohn auch mehr Geld für eine private Altersvorsorge übrig. Die Abschaffung des Ehegattensplittings als Alternative zur Steuerentlastung der Frauen könnte jedoch zu kurz greifen. Zwar wird durch das Ehegattensplitting die Arbeit von Frauen - sollten sie die Niedrigverdiener in der Ehe sein - mit dem höheren Durchschnittsteuersatz beider Einkommen höher belastet, doch wird gleichzeitig der besser verdienende Ehepartner subventioniert. Insgesamt werden die Ehepartner entlastet. Auch ist nicht in jedem Fall der Mann der Besserverdienende. Eine treffsichere Förderwirkung würde also sowohl die Abschaffung des Ehegattensplitting als auch eine zusätzliche steuerliche Entlastung der Frauen notwendig machen. Auch Frau Thorns Einwand, die Unternehmen würden die Steuersenkung vollumfänglich für eine Lohnsenkung nutzen ist kurzfristig gedacht. Neue Arbeitgeber würden schnell auf den Markt drängen und die gesunkenen Bruttolöhne nutzen und somit die Arbeitsnachfrage erhöhen. Dumpinglöhne wären daher bestenfalls eine vorübergehende Erscheinung.
Manch eines Frieden ist nur einen Steinwurf weit entfernt. Wie man sieht, sind nicht nur die Polizisten Opfer der Globalisierungsgegner, sondern auch ihre Mitbürger, die jetzt die Reparatur mutwillig zerstörter Wege finanzieren müssen. Aber nach Keynes schafft das ja Arbeitsplätze. Auch wenn man dafür auf andere angenehme Dinge verzichten muss, Hauptsache es gibt etwas zu tun. Schön, macht doch kaputt was euch kaputt macht, der Wiederaufbau vertreibt die Langeweile. Viel mehr ist zu diesem Bild von den G8-Krawallen wohl nicht zu sagen.
Der israelische Astrophysiker Nir Shaviv erläutert auf seinem Weblog ScienceBits, dass Al Gore's historische Kohlendioxid-Temperatur-Korrelation auch andere als die erwünschte Schlußfolgerung erlaubt.