Mit dem Kopf voran

18.08.2007 um 19:15 Uhr

Politik im Auftrag der Glückseeligkeit?

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftspolitik

Über die Essenz und den politischen Missbrauch der Erkenntnisse der sog. "Glücksforschung" ist beim britischen Institute of Economic Affairs die Studie Happiness, Economics and Public Policy von Helen Johns und Paul Omerod erschienen.

15.08.2007 um 16:03 Uhr

Mehrweg-Mafia

von: steffenh   Kategorie: Beobachtungen

06.08.2007 um 14:03 Uhr

Urlaubspause

von: steffenh   Kategorie: Blogosphäre

Hier gähnt für eine Woche ein Sommerloch. Ich setze mich für ein paar Tage nach Lettland ab.

06.08.2007 um 14:01 Uhr

Der laufende Klimasünder

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Lesern dieses Weblogs dürfte bekannt sein, dass ich landläufige Ökobilanzen, abgesehen von ihrer ökonomischen Dürftigkeit, allein wegen ihrer Ignoranz des Energieverbrauchs des Menschen und damit auch die üblichen Appelle zum Ersatz des Autos durchs Fahrrad bzw. den Fußweg für zweifelhaft halte. Nun weist Tyler Cowen auf Marginal Revolution darauf hin, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, das Ganze tatsächlich genau nachzurechnen. Und siehe da, der Klimasünder fährt nicht immer auf vier Rädern.

04.08.2007 um 23:47 Uhr

Milchmädchenrechnung

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftspolitik

SPON, die Bundesregierung und Milchproduzenten vergießen Krokodilstränen über die Preissteigerungen für Milchprodukte. Schon schwebt der erhobene Zeigefinger des Landwirtschaftsministeriums und des Kartellamts über den Milchhändlern. Doch wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steien werfen. Ein paar Klicks durchs Internet bringen etwas Licht ins Dunkle des europäischen Milchmarktes und geben ein paar Anhaltspunkte dafür, warum sich Angebotsengpässe und die gewachsene Weltmarktnachfrage gerade in Europa in den Milchproduktpreisen niederschlagen.

Europas Milchbauern tummeln sich in einem von staatlichen Interventionspreisen und Milch(fett)quoten zusammengehaltenen Preis-Mengen-Zwangskartell, was der eigentliche Anlass für das Eingreifen der Wettbewerbshüter sein sollte. Doch auf dem Auge für die Selbstdiagnose ist die Behörde bekanntlich blind. Ein echter Preiswettbewerb findet also nicht statt. Überschüssige Milchmengen werfen die Bauern deshalb nicht etwa auf den europäischen Markt, sondern werden mit Hilfe von Exportbeihilfen auf dem Weltmarkt verramscht. Zudem wirken sich die EU-Importzölle auf Milchprodukte aus Drittländern negativ auf das Angebot und damit preiserhöhend aus. Klar ist, dass in einer Situation steigender Nachfrage nach Milchprodukten auch inländische Hersteller von Milchprodukten verstärkt auf Auslandsmärkte drängen, was sich ebenfalls negativ auf das Inlandsangebot auswirkt.

Wenn SPON also einen Blick auf die Weltmarktentwicklungen wirft, dann ist das Magazin den klagenden Politiker sogar ein Stück voraus. Doch über den Rest der Geschichte schweigt man sich lieber aus.

03.08.2007 um 16:20 Uhr

Hoppe, hoppe Reiter...

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

..., wenn er fällt dann schreit er. Oder vielmehr der Vorreiter, das geflügelte Wort in der deutschen Klimapolitik für einen proaktiven deutschen Klimaschutz, der aller Welt zeigt, wo die umwelttechnische Harke hängt. Obgleich Ökonomen seit jeher betonen, dass Emissionsminderungsmassnahmen aus Kostengründen weltweit dort vorgenommen werden sollen, wo sie zu den geringsten Kosten möglich sind, opfert die deutsche Klimapolitik dieses eherne Prinzip einer Melange aus missverstandenen Schuldgefühlen und dem Glauben, Deutschland zu Lasten einer effizienten Klimaschutzpolitik zum Powerhouse der globalen Klimaschutztechnik-Industrie machen zu können.

Jedenfalls betont eine Presserklärung des Umweltbundesamts, dass man ein Hauptproblem der flexiblen Kyoto-Instrumente darin sieht, weniger Vermeidungsmaßnahmen im Inland durchzuführen, was Deutschland bezüglich seiner fortschrittlichen Klimaschutztechniken ins Hintertreffen geraten ließe. Nicht nur, dass mit dieser Argumentation die Logik des kostenminimalen Klimaschutzes auf den Kopf gestellt wird. Es ist ziemlich einleuchtend, dass es wesentlich teurer ist das letzte Quäntchen Wirkungsgrad aus moderner Kraftwerkstechnik zu pressen oder in unseren Breiten Solaranlagen zu betreiben, als irgendeine Dreckschleuder in China zu ertüchtigen. Nein, es fehlt auch eine schlüssige Begründung dafür, dass für die Produktion von Umweltschutztechnik der Absatzmarkt gleich um die Ecke sein muss. Es mag sein, dass die Unternehmen wegen des Testfelds vor der Tür hier und da Kosten sparen. Aber seit wann haben die Klimaforscher den anthropogenen Treibhauseffekt erfunden, um deutschen Unternehmen neue Absatzmärkte direkt vor den Fabriktoren zu verschaffen? Und warum soll gerade Deutschland der Ausrüster für den weltweiten Klimaschutzhype sein? Auch mit dem Klimawandel gibt es genügend andere Dinge, die Deutschlands Unternehmen auf die Weltmärkte werfen könnten. Die Tatsache, dass Umwelttechnik gerade angesagt ist, bedeutet noch lange nicht, Deutsche hätten ein besonderes Händchen dafür. Schließlich verbraucht die Produktion von Umwelttechnik Ressourcen, die clevere Unternehmer auch in andere Erfolgsprodukte stecken könnten. Nur kann die anonyme Masse der Deutschen, die für die Vorreiterrolle der Klimaschutzbranche die Zügel kürzer halten muß, nicht den Klimawandel als ultimative Trumpfkarte aus dem Ärmel ziehen.

Auch wenn sich in dem Kinderspruch der Reiter wegen seines Übermutes ordentlich den Allerwertesten verrenkt, in der traurigen politischen Realität wird schon argumentativ dafür gesorgt, dass die blauen Flecken als Opfer für eine noble Sache durchgehen.

03.08.2007 um 10:53 Uhr

Real(klima)politik

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Gregory Mankiw trifft mit seinem fundamentalen Theorem der Ökosteuer den Nagel auf den Kopf. Der Emissionshandel zieht seine politische Attraktivität nicht etwa aus seiner herausragenden Effizienz oder einfachen Handhabbarkeit. Ganz im Gegenteil, er lebt von seinem Missbrauchspotential als umweltpolitisches Verteilungsinstrument. Ökonomen werden nicht müde zu betonen, dass die Wirkung des Emissionshandels der einer Emissionssteuer mit Rückvergütung der Steuereinnahmen an den Unternehmenssektor entspricht. Und diese Umverteilungsmasse macht seinen Charme aus, den leider nur die einschlägigen Politiker und die betroffenen Unternehmen durchschauen. Wenn Otto-Normalverbraucher als Wähler sich diesbezüglich etwas mehr Klarheit verschaffen würde, wäre die Fundamentalopposition zur Ökosteuer mit einer alle Sektoren einbeziehenden Bemessungsgrundlage oder zumindest zur Forderung nach einer vollständigen Versteigerung der Emissionsrechte bald gebrochen.

02.08.2007 um 13:17 Uhr

Windiger Geselle

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Früher hat der Wind die Menschen mit plumpen Streichen genervt. Dank der Hilfe einiger geschätstüchtiger Unternehmer und Politiker ist das Ärgernis heute subtiler. Und deutlich teurer.

02.08.2007 um 10:33 Uhr

Man kauft nicht beim Discounter!

von: steffenh   Kategorie: Beobachtungen

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund hat festgestellt, dass eine ausgewogene Ernährung für Kinder von ALG-II-Familien aus finanziellen Gründen nicht unproblematisch ist. Die Forscher haben die Kosten einer ausgewogenen Tagesration für Kinder verschiedener Altersgruppen in unterschiedlichen Nahrungsmitteleinzelhandelssegmenten mit dem offiziellen ALG-II-Tagessatz verglichen und festgestellt, dass das festgelegte Budget keine großen Sprünge erlaubt. Leider gibt die verfügbare Pressemitteilung wenig her, was die Methodik der Untersuchung betrifft. Doch eines wird aus der Pressemitteilung klar und zwar eine unverhohlen elitäre Ansicht über bestimmte Einzelhandelsformen:

"Für vier- bis sechsjährige Kinder reichen die veranschlagten 2,57 Euro gerade aus - allerdings auch nur, wenn die Lebensmittel beim Discounter gekauft werden", fasst Mathilde Kersting die Ergebnisse zusammen. "Wer in normalen Supermärkten zugreift, kommt mit dem Geld nicht hin: Dort muss man durchschnittlich 3,86 Euro hinblättern."

Laut Pressemitteilung haben die Autoren der Studie ungeachtet der Einzelhandelsform Wert auf den Erwerb eines ausgewogenen Warenkorbs gelegt:

Die FKE-Forscher haben im März 2004 in Dortmund die Preise von mehr als 80 Lebensmitteln erhoben, die für die gesunde Ernährung benötigt werden. Die Testkäufe erfolgten in Supermärkten der Ketten REWE und Edeka, bei den Discountern Aldi und Lidl sowie in einem Bioladen. Anhand dieser Daten berechneten die Wissenschaftler nach Altersgruppen gestaffelt die Kosten für die so genannte "Optimierte Mischkost". Dabei handelt es sich um ein vom FKE entwickeltes Konzept, das eine gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche zu vergleichsweise günstigen Preisen gewährleisten soll.

Wo also liegt das Problem, wenn sich eine ausgewogene Ernährung auch beim Discounter beschaffen lässt? Sollte man aus dieser Studie nicht eher den Schluß ziehen, dass auch ALG-II-Empfänger dank der Existenz von Discountern und ihrem sehr preisgünstigen Lebensmittelangebot zumindest ihre kleineren Kinder gesund ernähren können. Der Einkauf im höherpreisigen Lebensmittelmarkt oder im Ökoladen ist kein Selbstzweck und das ALG-II ist eine Sozialleistung für Arbeitslose und keine Einzelhandelssubvention. Denn die von den Experten geforderte ALG-II-Erhöhung steigert nur die Lebensmittelnachfrage, was bei zunächst unverändertem Lebensmittelangebot schlichtweg in höheren Preisen verpufft. Den Kindern ist damit wenig geholfen.