Mit dem Kopf voran

11.09.2007 um 14:10 Uhr

Nichts wissen macht nichts

von: steffenh   Kategorie: Beobachtungen

Abiturienten sollen im Unterricht lernen was "Glück" ist, also offenbar auch den adäquaten Umgang mit den deprimierenden Folgen des mäßigen Abschneidens in mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächern. Schließlich sei es ja oft nur eine Frage der Sichtweise, die eine Situation positiv oder negativ erscheinen lässt. Auch eine Möglichkeit mit Problemen umzugehen...

11.09.2007 um 09:55 Uhr

Starker Staat für Kinder?

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Das ganze Land ächzt unter den steigenden Gesundheitskosten während Bayerns Ministerpräsident den starken Staat für Kinder fordert und die Pflichtvorsorgeuntersuchungen für Kinder einführt. Einzige Evidenz für diesen Befund ist die Erkenntnis, dass 10 Prozent der bayrischen Eltern ihre Kinder nicht untersuchen lassen. Untersuchungen zum Gesundheitszustand von Kindern werden zwar immer wieder mit sehr ernster Miene der Öffentlichkeit präsentiert, doch eine nähere Inspektion der veröffentlichten Ergebnisse legt nahe, dass sich die gravierenden Mängel vor allem in Klagen über den subjektiven Gesundheitszustand bei knapp 16 Prozent der Kinder und in Feststellungen des "zu hohen" Verzehrs von Süßigkeiten sowie der Verweigerung der obligatorischen fünf Obsteinheiten pro Tag erschöpfen. Nicht gerade viel für eine zusätzliche Kostenoffensive, die vor allem für Kinderärzte eine lukrative Einnahmequelle darstellen dürfte. Zur gleichen Zeit gibt es Wissenschaftler, die recht überzeugend argumentieren, dass sich eine Halbierung der Gesundheitsausgaben nur unwesentlich auf unseren Gesundheitszustand auswirken dürfte.

10.09.2007 um 10:07 Uhr

Zitat des Tages

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Eine Politik, die nicht in der Lage ist, die Krankenkassenbeiträge zu stabilisieren, gibt nun vor, die Welttemperatur in 100 Jahren um zwei Grad regulieren zu können.

Aus einem Auszug aus dem neuen Buch von Dirk Maxeiner Hurra, wir retten die Welt!.

08.09.2007 um 02:34 Uhr

Zugrunde spenden

von: steffenh   Kategorie: Beobachtungen

NGOs sind häufig auf Spenden angewiesen, weshalb sie nicht unbeträchtlichen Aufwand betreiben, potentielle Spender bei der Stange zu halten. Ich selbst bekomme regelmäßig Briefe und kleine Aufmerksamkeiten vom Deutschen Roten Kreuz, damit ich mal wieder die Spendierhosen anziehe. Was kann man also machen, wenn man eine bestimmte NGO, ihre Ziele oder die Art wie sie diese verfolgt nicht ausstehen kann? Man erhöht ihre Kosten. Einfach dadurch, dass man einmalig eine lächerlich geringe Summe spendet und sich in den folgenden Monaten und Jahren diebisch darüber freut, wenn regelmäßig aufwendige Bettelbriefe im Postkasten liegen, deren Kosten das Budget der unbeliebten NGO nicht unerheblich belasten.

Diesen und andere interessante Tricks präsentiert Tyler Cowen in seinem Buch Discover your Inner Economist. Unbedingt ein Lesetipp!

07.09.2007 um 19:45 Uhr

Der Fiskus mit dem Metermaß

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

In einer gerechten Gesellschaft, so fordern viele, sollten diejenigen am höchsten besteuert werden, denen das Geldverdienen am leichtesten fällt. Ein sozialer Planer steht jedoch vor dem Dilemma, dass das Einkommen als Bemessungsgrundlage der Besteuerung keine klare Trennung zwischen angeborenen körperlichen und geistigen Vorteilen und mühsamem Arbeitseinsatz zulässt. Daher führt die Einkommenssteuer nicht nur zu einer Besteuerung "unverdienter" Fähigkeiten, sondern auch des Arbeitsaufwands, was wiederum bei den Steuersubjekten zu unerwünschten Ausweichreaktionen wie etwa nachlassenden Anstrengungen auf der Arbeit und in der Ausbildung führt. Folglich bringt die Einkommensteuer nicht das gewünschte gerechte Ergebnis.

Warum also nicht direkte Indikatoren für ohne eigenes Zutun vorhandene Einkommensvorteile besteuern? Zum Beispiel die Körpergröße. Diese ergänzende Bemessungsgrundlage schlagen Gregory Mankiw und Matthew Weinzierl in ihrem Paper "The Optimal Taxation of Height: A Case Study of Utilitarian Income Redistribution" vor und verweisen auf die empirische Tatsache, dass die Körpergröße eng mit dem Einkommen korreliert ist. Also meinen sie, dass für eine optimale Besteuerung des Einkommens bei gleichem Verdienst von einem großen Menschen ein deutlich höherer Beitrag zu fordern wäre als von einem kleinen. Schließlich hat Letzterer im Mittel mehr kämpfen müssen, um in die gleiche Position wie sein längerer Mitbürger zu kommen.

Dabei ist den Autoren durchaus klar, das dieser Vorschlag vor allem auf Unverständnis und Gelächter stoßen wird. Doch ist diese Reaktion eigentlich unangebracht, liegt den Berechnungen doch die immer wieder vorgebrachte Idee der vertikalen Steuergerechtigkeit zugrunde. Wer also die Besteuerung der Körpergröße als Indikator für angeborene Leistungsvorteile ablehnt, der kann sich auch nicht auf althergebrachte Theorien der gerechten Besteuerung berufen. Insofern sind diese Überlegungen aus dem Elfenbeinturm nicht ganz für die Katz. Immerhin regen sie zum Nachdenken an.

07.09.2007 um 13:31 Uhr

Der lange Weg der Freiheit

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Die neuste Ausgabe des Economic Freedom of the World Reports ist draußen und mit ihr eine interaktive Weltkarte, auf der die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre visuell nachvollzogen werden kann.

06.09.2007 um 22:03 Uhr

Man muss nicht alles wissen...

von: steffenh   Kategorie: Beobachtungen

...man sollte es nur immer bei sich haben. Über 640000 Artikel beinhaltet das deutsche Offline-Wikipedia des WPMP-Projekts (Stand August 2007) für ein mit dem Mobipocket-Reader bestücktes Mobile Phone. Mit meinem XDA Orbit finde ich jetzt nicht nur dank eingebautem GPS-Empfänger jede Party. Nein, ich kann dort ab sofort auch ohne großen Aufwand und teuren Internetzugang den großen Klugscheißer geben. Schöne neue Technik-Welt.

06.09.2007 um 19:20 Uhr

Wer zuerst kommt zahlt

von: steffenh   Kategorie: Beobachtungen

Dass eine effiziente Preisdifferenzierungsstrategie von der Kundschaft nicht immer als gerecht angesehen wird, musste jetzt die Firma Apple feststellen, als sie ihrem iPhone einige Monate nach dem Verkaufsstart eine Preissenkung verordnete. Dabei ist diese sogenannte Preisdiskriminierung dritten Grades, bei der die Verbraucher in bestimmte Gruppen eingeteilt werden und unterschiedliche Preise zahlen, nicht unüblich, wird jedoch selten so offensichtlich durchgezogen. Buchverlage drucken wenigstens noch eine Paperbackausgabe, Theater lassen sich den Rentner- oder Studentenausweis zeigen, wenn sie ein (nahezu) identisches Produkt zu unterschiedlichen Preisen anbieten. Die Strategen von Apple haben einfach die Zeit zur Auswahl der Nutzergruppen für sich arbeiten lassen. Richtige Fans, deren sklavische Begeisterung für das technische Spielzeug am Anfang eine unelastische Nachfrage erzeugte, zahlten fast jeden Preis, waren aber nach kurzer Zeit bedient. Nun geht es darum andere Kunden, die auch einen Blick über den Tellerrand der Apple-Welt werfen, für einen Kauf zu bewegen. Weil der Besitz eines iPhones für sie nicht der Sinn des Lebens ist und auch die Konkurrenz nicht schläft, senkt man nun den Preis für das technische Spielzeug. So kommen auch etwas weniger wohlhabende Käuferschichten in den Genuß eines iPhones und der erwartete Gewinn des Unternehmens stimmt trotzdem. Jede andere Strategie hätte dem Unternehmen (abgesehen von dem Imageverlust) weniger Gewinn eingebracht, schließlich hätte man zu einem höheren Preis für alle eine geringere Stückzahl abgesetzt, bei einem niedrigeren Einstiegspreis jedoch die Zahlungsbereitschaft der Fans nicht so weit abgeschöpft. Wer aber auch ins Zukunft auf immer neue Gimmicks der Unterhaltungselektronik scharf ist, der darf sich nicht beschweren, wenn die Hersteller sich den Aufwand dafür vergolden lassen.

Update: Inzwischen hat Apple beschlossen den Image-Schaden zu begrenzen und will die "geprellten" Kunden mit 100 Dollar entschädigen. 

05.09.2007 um 23:45 Uhr

Richard Feynman ist schuld...

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

...das Robert Barro doch noch den Weg zur Ökonomie einschlug und es wenigstens ein Lehrbuch der Makroökonomie gibt, das Keynes dorthin plaziert wo er hingehört. Ins letzte Kapitel.

Via Marginal Revolution.

05.09.2007 um 23:31 Uhr

Krokodilstränen des Ökolandbaus

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftspolitik

Vorbei sind die Zeiten da Subventionen als Mittel zur Rettung aus Notsituationen galten. Inzwischen ist sogar das Gegenteil Grund genug nach Almosen zu betteln. Während die Öko-Lebensmittelbranche boomt und die Biosupermärkte wie Pilze aus dem Boden sprießen, jammern hiesige Öko-Bauern, die Förderung des Öko-Landbaus würde nicht ausreichen um die sprunghaft angestiegene Nachfrage zu befriedigen. Nicht erwähnt wird dabei, dass dem Öko-Landbau nach wie vor noch recht üppig unter die Arme gegriffen wird und die Kapazitätsengpässe auch durch die noch höhere Förderung des Anbaus von Energiepflanzen verursacht werden. Und was macht dieses Anliegen so dringlich? Der deutsche Lebensmittel-Nationalismus, mit dem die Angst vor der kulinarischen Überfremdung geschürt wird. Und wie immer wird die Nachhaltigkeit als Strohmann präsentiert, ungeachtet der Tatsache, dass der ökologische Vorteil einheimischer Bioproduktion gegenüber der ausländischen Konkurrenz ein Mythos ist.

04.09.2007 um 14:43 Uhr

Alles eine Frage der Motivation?

von: steffenh   Kategorie: Soziobiologie

Der Sozialpsychologe Roy F. Baumeister beschreibt in dem Artikel "Is there anything good about men?" seine Sichtweise zum Stand der Genderforschung. Er meint, das die Differenzen zwischen den Geschlechtern weniger eine Frage der Fähigkeiten als der Motivation ist und fügt dem eine interessante evolutionsbiologische Erklärung an:

...The huge difference in reproductive success very likely contributed to some personality differences, because different traits pointed the way to success. Women did best by minimizing risks, whereas the successful men were the ones who took chances. Ambition and competitive striving probably mattered more to male success (measured in offspring) than female. Creativity was probably more necessary, to help the individual man stand out in some way. Even the sex drive difference was relevant: For many men, there would be few chances to reproduce and so they had to be ready for every sexual opportunity. If a man said “not today, I have a headache,” he might miss his only chance...

Und noch eins. Bevorteilt unsere Gesellschaft tatsächlich immer die Männer?

Seeing all this, the feminists thought, wow, men dominate everything, so society is set up to favor men. It must be great to be a man.

The mistake in that way of thinking is to look only at the top. If one were to look downward to the bottom of society instead, one finds mostly men there too. Who’s in prison, all over the world, as criminals or political prisoners? The population on Death Row has never approached 51% female. Who’s homeless? Again, mostly men. Whom does society use for bad or dangerous jobs? US Department of Labor statistics report that 93% of the people killed on the job are men. Likewise, who gets killed in battle? Even in today’s American army, which has made much of integrating the sexes and putting women into combat, the risks aren’t equal. This year we passed the milestone of 3,000 deaths in Iraq, and of those, 2,938 were men, 62 were women.

 

03.09.2007 um 09:38 Uhr

Zuerst kam das Rauchen...

von: steffenh   Kategorie: Beobachtungen

Irgendwann haben sie angefangen Dinge zu verbieten, weil sie angeblich nicht gut für uns waren. Zuerst kam das Rauchen, dann kam der Alkohol, und dann das Grillen und immer erklärten sie uns, dass es das Beste für unsere Gesundheit sei. Dann kam immer mehr dazu: Kaugummi kauen, Popcorn, Pomes Rot-Weiss, Energiesparbirnen, die Lindenstraße und dann kamen die Bücher und dann die Filme...

Dieser Trailer des Oldenburger Filmfestivals 2007 trifft es auf den Punkt.

02.09.2007 um 17:16 Uhr

Nationale (Um-)Verteilungspläne

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Mit der europaweiten Verteilung der Emissionsrechte des Europäischen Treibhausgashandels lässt sich hervorragend Umverteilungspolitik machen. Schließlich geht es um riesige Vermögenswerte. Auch wenn nach Beginn des Handels jeder Betreiber einer einzelnen Anlage ungeachtet seiner Anfangsausstattung mit dem Marktpreis eines Emissionsrechts als Kostenfaktor konfrontiert ist, so streiten sich die Unternehmen gemeinsam mit Hilfe ihrer Regierungen um den ökonomischen Gegenwert des Emissionsbudgets, dessen Verkauf für die höheren Produktionskosten entschädigen soll. Mit welch harten Bandagen hierbei gekämpft wird verspüren derzeit die neuen EU-Staaten, die im Vergleich zu den alteingesessenen Mitgliedern bei der Zuteilung den Gürtel erheblich enger schnallen müssen.

02.09.2007 um 16:38 Uhr

Leute, kauft beim Discounter!

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Was kommt dabei heraus, wenn man die Erkenntnis der Ökonomie, dass Preisunterschiede zumeist nichts anderes als den unterschiedlichen Einsatz von Produktionsfaktoren wiederspiegeln, ernst nimmt und eine vollständige Ökobilanz von Nahrungsmitteln vornimmt, die nicht nur den Energieverbrauch und die Emissionen des Transport, sondern der gesamten Produktionskette berücksichtigt? Neuseeländische Wissenschaftler haben sich die Mühe gemacht, alle Faktorimputs landwirtschaftlicher Produkte und damit verbundene externe Umwelteffekte miteinander zu vergleichen und kommen zu einem klaren Ergebnis: Obwohl neuseeländisches Lammfleisch 11000 Meilen nach Großbritannien transportiert werden muss, wird über die gesamte Produktionskette nur ein Viertel der Kohlendioxidemissionen von britischen Lammfleisch emittiert. Sie berücksichtigten den unterschiedlichen Verbrauch von Wasser, den Einfluß der jeweiligen Produktionstechnik, die Nutzung alternativer Energieträger, die Menge des durch Photosynthese aufgenommenen Kohlendioxids, Transporttechniken, die Lagerhaltung, Verpackungsmaterialen und andere Faktorinputs.

Sind Lebensmittel auf dem europäischen Markt wettbewerbsfähig, obwohl sie über weite Strecken transportiert werden mussten, dann kann man davon ausgehen, dass dieser zusätzliche Aufwand durch den Minderverbrauch anderer Produktionsfaktoren kompensiert wird. Und das liegt häufig daran, dass unter anderen klimatischen Bedingungen bessere natürliche Ausgangsbedingungen für die Lebensmittelproduktion vorliegen. So existieren in Neuseeland große Flächen mit nahrhaftem Futter, was die in Großbritannien aufgrund des ungünstigeren Klimas und größerer Flächenkonkurrenz notwendige Versorgung mit Ersatzfutter reduziert. Zweifelsohne können die geringen Kosten auch durch geringere Umweltstandards in anderen Ländern verursacht sein. Doch dies ist kein zu generalisierendes Argument und rechtfertigt nicht, dass man aus Umweltschutzgründen per se zu regionalen Lebensmitteln greift.

Als Faustregel kann daher gelten: Preiswerte Lebensmittel sind solange auch ökologische Lebensmittel, wie man nicht den konkreten Beleg dafür erbringen kann, dass bei ihrer Produktion die Umwelt überdurchschnittlich geschädigt wird. Und Biolebensmittel sind nicht allein deshalb unverdächtig, weil sie aus der Region kommen. Auch dann nicht, wenn ihnen mit einem Label die Absolution erteilt werden soll.