Was kommt dabei heraus, wenn man die Erkenntnis der Ökonomie, dass Preisunterschiede zumeist nichts anderes als den unterschiedlichen Einsatz von Produktionsfaktoren wiederspiegeln, ernst nimmt und eine vollständige Ökobilanz von Nahrungsmitteln vornimmt, die nicht nur den Energieverbrauch und die Emissionen des Transport, sondern der gesamten Produktionskette berücksichtigt? Neuseeländische Wissenschaftler haben sich die Mühe gemacht, alle Faktorimputs landwirtschaftlicher Produkte und damit verbundene externe Umwelteffekte miteinander zu vergleichen und kommen zu einem klaren Ergebnis: Obwohl neuseeländisches Lammfleisch 11000 Meilen nach Großbritannien transportiert werden muss, wird über die gesamte Produktionskette nur ein Viertel der Kohlendioxidemissionen von britischen Lammfleisch emittiert. Sie berücksichtigten den unterschiedlichen Verbrauch von Wasser, den Einfluß der jeweiligen Produktionstechnik, die Nutzung alternativer Energieträger, die Menge des durch Photosynthese aufgenommenen Kohlendioxids, Transporttechniken, die Lagerhaltung, Verpackungsmaterialen und andere Faktorinputs.
Sind Lebensmittel auf dem europäischen Markt wettbewerbsfähig, obwohl sie über weite Strecken transportiert werden mussten, dann kann man davon ausgehen, dass dieser zusätzliche Aufwand durch den Minderverbrauch anderer Produktionsfaktoren kompensiert wird. Und das liegt häufig daran, dass unter anderen klimatischen Bedingungen bessere natürliche Ausgangsbedingungen für die Lebensmittelproduktion vorliegen. So existieren in Neuseeland große Flächen mit nahrhaftem Futter, was die in Großbritannien aufgrund des ungünstigeren Klimas und größerer Flächenkonkurrenz notwendige Versorgung mit Ersatzfutter reduziert. Zweifelsohne können die geringen Kosten auch durch geringere Umweltstandards in anderen Ländern verursacht sein. Doch dies ist kein zu generalisierendes Argument und rechtfertigt nicht, dass man aus Umweltschutzgründen per se zu regionalen Lebensmitteln greift.
Als Faustregel kann daher gelten: Preiswerte Lebensmittel sind solange auch ökologische Lebensmittel, wie man nicht den konkreten Beleg dafür erbringen kann, dass bei ihrer Produktion die Umwelt überdurchschnittlich geschädigt wird. Und Biolebensmittel sind nicht allein deshalb unverdächtig, weil sie aus der Region kommen. Auch dann nicht, wenn ihnen mit einem Label die Absolution erteilt werden soll.