Mit dem Kopf voran

31.10.2007 um 18:06 Uhr

Wussten Sie,...

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

...dass jährlich ca. 150 Mio. EUR aus dem EU-Subventionstopf an deutsche Tabakbauern fließen? Politik schafft sich eben in der Regel die Probleme, die sie danach versucht zu lösen.

31.10.2007 um 16:23 Uhr

Wie kapert man einen PC

von: steffenh   Kategorie: Technik

Wie man jeden X-beliebigen Intel-PC mit wenig Aufwand und einem USB-Stick temporär zu seinem persönlichen Ubuntu-Linux-Arbeitssklaven macht beschreibt dieser Artikel. Schön zu wissen, dass man Büro und Desktop jetzt in die Hosentasche stecken kann.

31.10.2007 um 11:52 Uhr

Pre-Filter

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Bevor der Tropensturm "Noel" wieder als Beweis zunehmender Extremwetterereignisse durch den Klimawandel herhalten muß, soll hier schon vorab darauf hingewiesen werden, dass sich ein Trendanstieg nicht belegen lässt (siehe Grafik). Die Aktivität tropischer Wirbelstürme dieses Jahres erscheint gegenüber dem langjährigen Mittel (Nulllinie) eher moderat.

31.10.2007 um 11:32 Uhr

Im falschen Film

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Leider sitze ich nicht im Kino, denn es ist der falsche Film. Bedauerlicherweise ist es auch keine Film, sondern die Realität einer Gesellschaft, die trotz modernster Technik zuweilen im intellektuellen Mittelalter verharrt. Haben vor Jahrhunderten noch Kleinkriminelle, Hexen und Ungläubige am Pranger gestanden, macht die moderne Variante des Gutmenschen nun Jagd auf die vermeintlich katastrophalen Folgen unserer technischen Entwicklung. Eben noch als technische und gesellschaftliche Errungenschaft gefeiert, müssen heute das Internet und deren Nutzer wegen Klimavergehen den Bösewichten der Vergangenheit Gesellschaft leisten. Fleißige Technokraten rechnen dazu minutiös nach, wie hoch der ökologische Fingerabdruck jeden einzelnen Mausklicks ist. Warum nur Jagd auf Autofahrer, Interkontinentalreisende und Kühlschranknutzer machen, wenn auch der letzte Blogger noch als gewissenloser Schlingel geoutet werden kann.

Aber warum bei arglosen Google-Nutzern haltmachen? Die Menschheit strotzt nur so von Energieverschwendern und Klimaverwesern. Nehmen wir beispielsweise Deutschlands Kranke, Siechende und kreisende Frauen. Jedes Jahr verursacht die Inanspruchnahme stationärer medizinischer Leistungen enorme Energieverbräuche und Kohlendioxidemissionen. Rechnet man etwa die Verbräuche und Emissionen von Bremens Krankenhäusern auf gesamtdeutsche Krankenhauskapazitäten um, dann kommt man auf nicht weniger als 58 Mio. MWh Primärenergie und 13 Mio. t CO2. Wieviele Mausklicks und Suchanfragen wären möglich und wie oft könnte unsere Klimaschutzbürokratie in ihrer Mission für das Klima ohne schlechtes Gewissen um die Welt jetten, würden wir uns diesen zivilatorischen Luxus sparen.

Offenbar brauchen wir erst so absurde Beispiele, um uns klar zu machen, wie sinnlos dieses mechanische Aufrechnen von Energieverbräuchen und Klimagasemissionen ist, wenn diesen Zahlen nicht der Wert  gegengerechnet wird, den unsere Gesellschaft aus der jeweiligen Nutzung von Energieressourcen zieht. Nichts spricht dagegen auf die Suche nach ökonomisch sinnvollen Energiesparpotentialen zu gehen. Immerhin setzen wir damit Ressourcen für sinnvollere Verwendungen frei. Doch die vollkommen zusammenhangslose Ökobilanzierung der menschlichen Zivilisation deckt nicht nur den begrenzten Denkhorizont seiner Protagonisten, sondern irgendwie auch eine dürftige moralische Grundhaltung auf. Kann bitte mal jemand diesen Film, nein, diese Realität anhalten.

30.10.2007 um 17:01 Uhr

Das Kartell der Tittenmacher

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Gar Wundersames aus der Welt des gesundheitlichen Verbraucherschutzes der Bundesregierung hat La Deutsche Vita zu berichten.

30.10.2007 um 14:12 Uhr

Pendelpolitik

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Die SPD will die Pendlerpauschale wieder ab dem ersten Kilometer zahlen. Will sie damit die PKW-Fahrer kompensieren, die aufgrund der drohenden CO2-Grenzwerte bald mehr für PKW-Kauf aufwenden müssen? Klimapoltisch ist diese Strategie die absolute Nullnummer. Teurere PKWs, die aufgrund ihres geringeren Verbrauchs pro Kilometer weniger Kosten verursachen und dann noch für jeden Kilometer Arbeitsweg eine Steuererleichterung. Genossen, so wird das nichts mit der Verkehrs- und Emissionsreduzierung.

30.10.2007 um 10:01 Uhr

Öko-Talk

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Bruce Yandle, einer der bekanntesten Free-Market-Umweltökonomen der USA, war gestern zu Gast bei EconTalk, dem ultimativen Ökonomie-Podcast von EconLib.org. Bei dem gut einstündigen Gespräch mit Russ Roberts ging es um Ursachen von Umweltproblemen aus eigentumsrechtlicher und transaktionskostentheoretischer Perspektive. Für deutsche Hörer dürfte das von Bruce Yandle angeführte Beispiel einer Privatisierungslösung gravierender Wasserverschmutzung in Hessen im 19. Jahrhundert besonders interessant sein. Als Vertreter eigentumsrechtlicher Lösungen von Umweltproblemen mit Hilfe einer auf dem Gewohnheitsrecht aufbauenden Rechtsordnung geht er auch auf die Probleme und Ursachen einer immer stärker zentralisierten Umweltregulierung ein.

30.10.2007 um 09:43 Uhr

Temporäre Zwangsumsiedlung

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

„Die Auswirkungen der Sommerzeit auf die innere Uhr kann man in eine geografische Veränderung übersetzen“... Dies bedeute, dass die gesamte Bevölkerung Deutschlands im Frühjahr theoretisch zwangsweise nach Marokko transportiert werde und im Herbst wieder zurück.

So lautet die Kurzfassung des Ergebnisses einer Studie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München zur Wirkung der jährlichen Umstellung auf die Sommer- bzw. Winterzeit. Ursprünglich unter dem Eindruck der Ölkrise in den siebziger Jahren zum Energiesparen eingeführt, zeigte sich schnell, dass das Gegenteil der Fall war.

29.10.2007 um 14:33 Uhr

„Man wohnt hier mit gutem Gewissen”

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Und lässt es sich, wie es der Begriff für den energetischen Baustandard KfW40 ja schon sagt, vom Steuerzahler bezahlen. Das "Ende der Hochkultur" ist wirklich erreicht, wenn die Leute nicht mehr zwischen eigener und fremder Leistung unterscheiden können.

29.10.2007 um 10:12 Uhr

Ineffizienz? Ein Update

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Wie abwegig Presseverlautbarungen von immer ineffizienteren Industrien sind, konnte man bereits vor ein paar Tagen hier erfahren. Das ganze Ausmaß der Abwegigkeit zeigt sich allerdings, wenn man den Zeithorizont der Betrachtung etwas erweitert. Via Greg Mankiw's Blog.

 

29.10.2007 um 09:56 Uhr

Am Ende?

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Einer der diesjährigen Umweltpreisträger will die moderne Welt neu erfinden, weil er glaubt auf der Basis von ein paar Modellsimulationen ein "Ende der Hochkultur" voraussagen zu können. Das wird wohl nicht mehr notwendig sein, den die derzeitige Klimapolitik (nicht nur) der Bundesregierung ist ein deutliches Zeichen, dass dieses Ende zumindest politisch bereits erreicht ist.

29.10.2007 um 01:31 Uhr

SPAMonomics

von: steffenh   Kategorie: Netzökonomie

E-Mails sind billig. Die minimalen, im wesentlichen fixen Kosten für den User werden spätestens dann zur Plage, wenn man in einer Flut von Spam-Mails zu ertrinken droht. Technische Gegenmassnahmen liefern sich ein Wettrennen mit den Spammern, so dass nach wie vor Netznutzer und -betreiber unter den Kosten ächzen. Auch rechtliche Regelungen haben sich bislang als unwirksam erwiesen. Eine Kosten-Nutzen-Bilanz ist jedoch schwierig. Spammen lohnt sich. Spam-Mails kosten aber auch bares Geld. Sie sorgen für Traffic und erfordern technische Gegenmaßnahmen beim Empfänger. Aber gibt es immer wieder Leute, denen die Werbesendung entgegen kommt und die daher für satte Gewinne der Sender sorgen. Damit halten sie jedoch die Spam-Maschinerie am Leben. Und so sind es eigentlich nicht die Spammer, sondern deren Empfänger und Nutzer, die einen negativen externen Effekt für andere Internet-Nutzer erzeugen.

Was tun, wenn Gesetze weder praktikabel noch wirklich wünschenswert sind und herkömmlich Filtertechnik versagt? Bislang konnte sich auch die obligatorische Bezahlung von Mails oder eine zeitlich verzögerte versendung als Kostenfaktor nicht durchsetzen. Aber es gibt noch andere interessante Ideen. So schlägt der amerikanische Ökonom David D. Friedman in seinem neuen Buch über die nahe Zukunft des Internets und seine Konsequenzen "Future Imperfect" (Chapter VII: Slicing Spam) vor, dass der Empfänger von E-Mails entscheiden können sollte, ob er bestimmte Mails nur öffnet, wenn er für deren Lektüre bezahlt wird. Jeder der nicht auf einer selbsterstellten Whitelist auftaucht, bekommt seine Mails mit dem Verweis zurück, dass diese erst mit einer per Micropayment bezahlten Briefmarke auszustatten ist, deren Erlös an den Empfänger geht. Der Preis der Briefmarke kann vom Empfänger je nach Intensität der Abneigung gegenüber ungewünschten Mails beliebig festgelegt werden. Dieser Preis sollte Spammer davon abhalten eine Werbeflut loszutreten. Bis es soweit ist, kann man sich hiermit ganz gut aushelfen.

29.10.2007 um 00:12 Uhr

Rudelbildung - eine Bilanz

von: steffenh   Kategorie: Blogosphäre

Marian hat eigentlich schon fast alles gesagt: Gummersbach war wirklich gut. Nette Leute, gute Diskussionen und zum Schluß ein überzeugender Dirk Maxeiner (es gibt nur einen, der noch eleganter mit einem Globus hantieren kann). Besonders interessant waren die Debatten mit Marian, R.A. und Tomislav. Wirklich bedauernswert, dass R.A. nicht auch blogt. Soviel Harmonie wie an diesem Wochenende kann ja keiner ertragen. Dort würde ich mir mit Vergnügen mit einigen Kommentaren wieder eine Lage Kölsch einhandeln. Und M.M., wir sind doch wichtig...

26.10.2007 um 13:33 Uhr

Rudelbildung...

von: steffenh   Kategorie: Blogosphäre

...sagt Rayson. Egal, ich fahre trotzdem für zwei Tage nach Gummersbach, um mit R.A. ein Bier zu trinken.

25.10.2007 um 18:31 Uhr

Das "grüne Paradoxon" der Umweltpolitik

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Der hier und anderswo beklagte klimapolitische Aderlass zu Gunsten von Anbietern erneuerbarer Energieträger und Herstellern von Energiesparkühlschränken & Co. ist nicht nur schmerzhaft für den Steuerzahler, sondern für den Klimaschutz wohl auch vollkommen wirkungslos. Die Ergebnisse der diesjährigen Thünen-Vorlesung von Hans-Werner Sinn sollten daher Pflichtlektüre für jeden Umweltpolitiker sein. Nach seiner Ansicht bestimmen nicht unsere Bundeskanzlerin, sondern die Rohstoffanbieter, wie schnell fossile Rohstoffe verbrannt werden. Die ökonomische Logik intertemporaler Rohstoffmärkte legt nahe, dass alle politischen Signale, die zu einer Entwertung der Rohstofflagerstätten in der Zukunft führen, einen Vorzieheffekt bei der Rohstoffextraktion auslösen. Ob und wie stark sie damit auch das Ausmaß des Klimawandels bestimmen, ist dagegen noch nicht klar.

Ganz nebenbei, offenbar gibt es in Deutschland auch bei der Qualität der umweltökonomischen Forschung so etwas wie ein Nord-Süd-Gefälle.

25.10.2007 um 12:06 Uhr

Brenzlige Flaute?

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Für Al Gore ist ohne Zweifel der Klimawandel die Ursache für die verheerenden Waldbrände in Kalifornien. Einige Wissenschaftler sind sich da nicht so sicher. Es könnte auch sein, dass die brandfördernde Trockenheit im amerikanischen Südwesten etwas mit der diesjährigen Wirbelsturmflaute zu tun hat. Das dürfte aber zu komplex für eine auf monokausale Erklärungen getrimmte Öffentlichkeit sein. Möglicherweise aber auch für Herrn Gore selbst.

24.10.2007 um 13:27 Uhr

‘We don’t need more science. We need more bulldozers.’

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Brennende Kohlelagerstätten in China emittieren pro Jahr bis zu 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid (im Vergleich dazu Gesamtemissionen in Deutschland 2006: 878 Millionen Tonnen):

Beginning in 1993, Chinese scientists joined with Dutch and, later, German researchers to map China’s coal fires from satellites and aircraft, leading to the discovery of many new fires. “We know there are thousands, but it is too hard to count,” says Stefan Voigt, a geographer at the GermanAerospaceCenter near Munich. Extinguishing the fires would require heavy equipment to dig them out and smother them with soil—but China is still largely dependent on picks and shovels. “The Chinese recognize the problem,” says Voigt, “but sometimes they’ll say: ‘We don’t need more science. We need more bulldozers.’ ”

Ist noch immer jemand der Meinung, wir sollten knappe Klimaschutz-Ressourcen in Windenergieanlagen investieren?

Via Freakonomics-Blog

24.10.2007 um 10:29 Uhr

Ausnahme oder Regel?

von: steffenh   Kategorie: Beobachtungen

David Leonhardt hat für die New York Times Kinderspielzeug auf seinen Bleigehalt testen lassen:

Any guess as to how many of our toys contained more lead paint than the law allows?

Zero.

Only five items had any detectable lead: three necklaces from a vending machine at a Shop-Rite in Brooklyn (which had up to 27 parts per million) and two pieces of jewelry from a store called National Wholesale Liquidators (up to 49 parts). All of our Wal-Mart toys were lead-free.

I see two big lessons from the experiment. The first is that making toys without lead is not difficult. Most of the toy industry is already doing it right.

... 

Which brings us back to Thomas — and the second moral of the story. The companies involved in the recent recalls aren’t simply the unlucky ones that got caught. Either out of carelessness or a misplaced cost-cutting zeal, they are the ones that didn’t make the effort to keep their toys safe.

24.10.2007 um 10:13 Uhr

Frisiert

von: steffenh   Kategorie: Blogosphäre

Gregory Mankiw stöbert in einer Buchhandlung und stößt auf Robert Reichs neues Buch "Supercapitalism". Bei der narzistischen Suche nach seinem Namen im Index deckt er diese Räuberpistole auf:

In short, here is what appears to have happened:

  1. Gabaix and Landier make a modelling assumption for purposes of analytic convenience.
  2. I describe their model and its implications on this blog.
  3. Wessel quotes part of that description in the Journal.
  4. Reich reads the Journal and cites me as an authority using the partial quotation.
  5. As a result, a modelling assumption morphs into an established fact.

You might call that data-free empirics.

Meine Erfahrung: Keine Ausnahme, sondern die Regel.

23.10.2007 um 16:13 Uhr

Put your money were your mouth is...

von: steffenh   Kategorie: Beobachtungen

Libertas Cara mögen keine Heizpilze. Boche quittiert das ganz treffend mit "Nichts, wofür Leute freiwillig Geld bezahlen, ist Verschwendung." Bedauerlicherweise besteht der dringende Verdacht, dass der Gasverbrauch der Heizpilze nicht ganz umweltneutral ist und der Gaspreis dieses Manko nicht reflektiert. Was tun? Wie Berlins Grünen-Chefin ein Heizpilzverbot fordern?

Angenommen eine Tonne Kohlendioxid in der Atmosphäre erzeugt einen Schaden von X €. Dann sollten Heizpilze solange aufgestellt werden wie ihre Verwendung dem Betreiber eines Cafes pro emittierter Tonne Kohlendioxid mindestens einen Gewinn von X € einbringt. Mit einem Verbot verhindert man aber nicht nur Einsatzbereiche, die für den Betreiber weniger als X € wert sind, sondern auch Situationen, in denen das Cafe erheblich mehr als X € pro Tonne Klimagasemissionen erzielt. Nicht gerade effizient. Ein Verbot reduziert überdies die Gasnachfrage, was die Anbieter mit Preissenkungen quittieren, worauf ein anderer Verbraucher es sich leisten kann den Gashahn weiter aufzudrehen. Also ist ein Verbot auch nicht besonders wirksam.

Was tun? Libertas Cara können Geld sammeln, um jeden einzelnen Heizpilz von der Straße wegzukaufen. Dann gibt es weniger Heizpilze. Und die Grünen können statt Verbote zu fordern konsequent für eine Kohlendioxidsteuer eintreten. Wer aber mit Wählerstimmen bezahlt wird, hat ein Problem seiner gesamten Klientel reinen Wein einzuschenken.