Mit dem Kopf voran

05.10.2007 um 21:51 Uhr

Kauft den Regenwald!

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Björn Lomborg und Roger Sedjo rechnen vor, dass die gesamten lateinamerikanischen Regenwälder für 500 Milliarden Euro zu haben sind, obwohl sie aufgrund ihrer Eigenschaft als Kohlendioxidspeicher eigentlich einen mindestens vierfachen ökonomischen Wert haben. Zu schön um wahr zu sein. Wären die Industrieländer wirklich am Klimaschutz interessiert, würden sie die Nutzungsrechte an den Regenwäldern erwerben. Eine Kontrolle dieser Verfügungsrechte sollte mit der heutigen Satellitentechnik kein Problem sein. Nachhaltige Landwirtschaft bzw. forstwirtschaftliche Nutzungen wären ebensowenig ausgeschlossen. Was hindert die Politik daran diesen Schritt zu unternehmen? Sicherlich ist es schwer eine internationale Aufteilung der Kosten zu vereinbaren. Ein größeres Problem einer solchen Maßnahme scheint jedoch, dass sich hiermit kaum Interessengruppenpolitik betreiben lässt. Weder Wähler noch Lobbyisten lassen sich hiermit zufrieden stellen. Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, dass wir selbst unser Kleingeld anlegen.

05.10.2007 um 15:48 Uhr

Linkspragmatismus

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftspolitik

Alberto Alesina und Francesco Giavazzi erläutern warum sich wahre Linke in den Liberalismus verlieben sollten:

Our point is that the goals that are traditionally held dear by the European left – like protection of the economically weakest and aversion to excessive inequality and un-earned rewards to insiders – should lead the left to adopt pro-market policies. What has often been the norm in Europe from the 60s until recently – heavy market regulation, protection of the status quo, an enormous public sector which rewards not the very poor but the most-connected and requires highly distortionary taxation, universities which often produce mediocrity in the name of egalitarianism (while the very rich get a good education anyway, somehow) –all end up decreasing efficiency and justice at the same time.

Doch es ist wie immer im Leben: Wer verliebt sich schon in die inneren Werte?

Via Marginal Revolution

04.10.2007 um 15:05 Uhr

Weggeblasen

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Das dramatische Abschmelzen des arktischen Eises als Vorbote eines noch schlimmeren Klimawandels ist in aller Munde. Jetzt haben NASA-Forscher herausgefunden, dass zumindest in den letzten beiden Jahren weniger der Mensch als ausgemachter Klimaanheizer, als vielmehr der eisige Nordwind zur Verantwortung gezogen werden muss:

The scientists observed less perennial ice cover in March 2007 than ever before, with the thick ice confined to the Arctic Ocean north of Canada. Consequently, the Arctic Ocean was dominated by thinner seasonal ice that melts faster. This ice is more easily compressed and responds more quickly to being pushed out of the Arctic by winds. Those thinner seasonal ice conditions facilitated the ice loss, leading to this year's record low amount of total Arctic sea ice.

Nghiem said the rapid decline in winter perennial ice the past two years was caused by unusual winds. "Unusual atmospheric conditions set up wind patterns that compressed the sea ice, loaded it into the Transpolar Drift Stream and then sped its flow out of the Arctic," he said. When that sea ice reached lower latitudes, it rapidly melted in the warmer waters.

Via The Reference Frame.

03.10.2007 um 12:49 Uhr

Synkrisis

von: steffenh   Kategorie: Blogosphäre

Bei manchen Blogeinträgen fällt mir immer wieder diese Webseite ein.

01.10.2007 um 22:38 Uhr

Homo Speculatius

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Ohne Zweifel ist Jeffrey Sachs ein international anerkannter, wenn auch nicht unumstrittener Ökonom. So ist auch seine Diagnose der Entwicklung der internationalen Agrarmärkte nicht von der Hand zu weisen. Kommt jedoch der Klimawandel ins Spiel setzt inzwischen auch bei Fachleuten wie ihm die Expertise aus. Missernten werden dem Klimawandel in die Schuhe geschoben, wobei damit implizit stets vom Menschen verursachte Veränderungen gemeint sind. Rekordernten vorangegangener Jahre werden dagegen unter den Tisch geschoben. Und wenn es an die Lösung der Probleme geht, dann hilft natürlich nur die geballte Kraft der Staatengemeinschaft, die mit öffentlichen Mitteln die "gewaltigen Potentiale" der erneuerbaren Energieträger fördern soll. Als wären die nicht genauso knapp wie die vermissten Energieträger und daher möglichst wirtschaftlich einzusetzen. Man muss nicht unbedingt Ökonomie studiert haben, um die Dürftigkeit dieser Politikempfehlung zu erkennen. Publikumswirksames Engagement in der Entwicklungshilfe entschuldigt keineswegs die Ignoranz mikroökonomischer Basics. Der Blick in ein Lehrbuch der Preistheorie sollte auch für einen gestandenen Makroökonomen zum täglichen Denksport gehören. Sonst findet man sich schnell auf dem analytischen Niveau des tagespolitischen Mainstreams wieder.

01.10.2007 um 13:52 Uhr

Öl im Schlußverkauf

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Wenn am Ende der Saison neue Klamotten in die Warenlager drängen, werden die alten Kleider auf dem Grabbeltisch verramscht. Alles muß raus! Schließlich repräsentiert der Preis von Dingen, die nicht mehr produziert werden müssen, sondern lediglich Lagerplatz in Anspruch nehmen, die Kosten der Lagerhaltung und den entgangenen Erlös, den man von der jeweils zahlungskräftigsten Person erwarten könnte. Machen sich die Schönen und Reichen unter uns über die Trends der neuen Saison her, wird der Rest von gestern der weniger zahlungskräftigen Käuferschar vorgeworfen. Eigentlich eine feine Sache, schließlich kommen so auch weniger betuchte Bürger in den Genuss halbwegs modischer Fummel.

Was aber hat das mit dem Klimawandel zu tun? Eine ganze Menge, wie der Münchener Ökonom Hans Werner Sinn uns in seinem neuen Aufsatz "Public Policy against Global Warming" erläutert. Heute verkauftes Öl ist nicht nur deshalb so teuer, weil die Produktionskosten so hoch sind, sondern weil heute verkauftes Öl morgen nicht mehr verkauft werden kann. Geht der Anbieter einer Ölquelle davon aus, dass er mit zunehmender Knappheit des brennbaren Goldes, durch zukünftige Verkäufe mehr erlösen kann als heute, besteht für ihn ein Anreiz nicht alles Öl heute auf den Markt zu werfen, sondern sich in Geduld zu üben. Also reduziert er sein Angebot, was bei gegebener Nachfrage zu einem Preis führt, der über den unmittelbaren Produktionskosten liegt. Ökonomen nennen diese Preiskomponente allgemein den intertemporalen Schattenpreis.

Führt die Politik in dieser Situation zur Nachfragesenkung eine Wertsteuer auf fossile Brennstoffe ein oder reduziert sie die Nachfrage durch die Förderung von regenerativen Energiesubstituten, erzeugt sie einen Schlußverkaufseffekt bei den fossilen Brennstoffen. Weil zukünftige Erlöse sinken, vergrößert sich das Angebot an fossilen Rohstoffen und der Marktpreis nähert sich mehr und mehr den eigentlichen Produktionskosten an. Mit dem Ergebnis, dass der Energiepreis trotz Besteuerung weniger stark steigt und in Ländern ohne nachfragesenkende Politik sogar sinkt, so dass der gesamte Energieverbrauch auch steigen kann. Für das Klima ist durch diese Politik daher vergleichsweise wenig gewonnen.

Also was tun? Isolierte Klimapolitik, wie sie die EU gegenwärtig praktiziert bringt nichts. Steuern auf den Energieverbrauch belasten die Volkswirtschaft, reduzieren aber gleichzeitig die Energiepreise jenseits der europäischen Grenzen. Es mag tröstlich sein, dass unsere hohe Mineralölsteuer die billigen Spritpreise der USA subventioniert hat. Die Förderung der Erneuerbaren Energien ist nicht nur eine besonders ineffiziente Form der Umverteilung, sondern sie trägt auch kaum zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen bei, wenn sie die fossilen Energieträger billiger macht. Wenn man Klimapolitik und Emissionsminderungen für notwendig erachtet, dann sollte man nicht den Energieverbrauch, sondern die Emissionen reduzieren und zwar weltweit.

Via Marginal Revolution.