Mit dem Kopf voran

29.11.2007 um 10:09 Uhr

Gesunde Reaktion

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Was Deutschlands Kranken wohl nicht abhanden kommt, ist die gesunde Reaktion auf regulative Anreize. So deuten Mitteilungen aus Nordrhein-Westfalen darauf hin, dass die abschreckende Wirkung der Praxisgebühr inzwischen durch die Praxis der prophylaktischen Ausstellungen von Facharztüberweisungen an Schlagkraft eingebüßt hat. Homo ökonomikus erfreut sich offenbar bester Gesundheit.

28.11.2007 um 18:15 Uhr

Magere Ausbeute

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Ein Aufsatz in der aktuellen Ausgabe von Regulation verpasst den großen Hoffnungen, die in die Nutzung von Bioethanaol zur Kraftstofferzeugung gesetzt werden, deutliche Dämpfer. Zum einen ist die tatsächliche Energieausbeute äußerst dürftig. So ist ledig ein Viertel der Energie aus einem Liter Bioenergie ein echter Gewinn an nutzbarer Energie, weil der Rest für die Produktion aufgebracht werden muß.

Auch mit der Zuverlässigkeit der Energieversorgung durch Bioethanol ist es nicht so weit her. Eine Untersuchung der relativen Verfügbarkeit von Maiserntemengen und Ölimporten ergab, dass die Streuung der Erntemengen beim Mais wesentlich gößer war als die der US-Importmengen beim Erdöl. Während also beim Bioethanol in einem von 20 Jahren mit einem Ernteausfall von fast 32% zu rechnen ist, muß man für das Öl nur Importausfälle von 15% befürchten (sie Erläuterungen unten). Glaubt man den Horrormeldungen über den Klimawandel sollte sich dieses Problem noch verschärfen.

Letztlich nimmt dadurch die Verletzlichkeit der Volkswirtschaft gegenüber der Ölversorgung aus dem Ausland noch zu. Während bei schlechtem Wetter wie Hitzewellen und Ölverwendung zwar die Nachfrage steigt bleibt das Ölangebot davon in der Regel ausgenommen (mal abgesehen von Fällen wie Katrina). Verlässt man sich dagegen auf Bioethanol zur Kraftstoffproduktion steigt bei Hitze nicht nur die Nachfrage, sondern es sinken auch die Erntemengen und damit die Angebotsmengen. Und das umso mehr, je stärker die Biokraftstoffpolitik sich dem Welthandel verschließt, was gegenwärtig die Norm ist. Das ganze verursacht wesentlich höhere Preissprünge als beim Erdöl, wie die Abbildung verdeutlicht.

 

Erläuterungen zur zweiten Abbildung: Die logistische Verteilung der betrachteten Daten hat eine symmetrische Dichtefunktion. Die Autoren ermitteln aus den Daten ein symmetrisches 90%-Konfidenzinterval um den Mittelwert. Links von der unteren und rechts von der oberen kritischen Grenze liegen also jeweils 5% der Verteilungsmasse. Wenn man viele Ernten beobachtet, werden 5% der voneinander unabhängigen "Ziehungen" einen Ernterückgang von mindestens - 31,8% aufweisen und 5% mit Erntezuwächsen von 38,6% und mehr verbunden sein. Im Text formulieren die Autoren das ganze dann als Ziehung aus einer Binominalverteilung um, im Sinne von "Wenn ich zwanzig Ernten beobachte, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Ernterückgangs von - 31,8%?" Dieser Erwartungswert für die Binominalverteilung ist E(X)=n*p, also 20*0,05=1.

27.11.2007 um 11:15 Uhr

Einfach billig machen?

von: steffenh   Kategorie: Netzökonomie

Die EU-Kommission will das mobile Telefonieren wieder einmal billiger machen. Nachdem sie bereits glaubten, dass sich die Mobilfunkkosten über Preisregulierung beim Roaming einfach reduzieren ließen und die darauffolgenden Preissenkungen der Netzbetreiber als Erfolgsbeweis interpretierten, sind jetzt die Roaming-Preise für Datendienste an der Reihe. Zielsicher wie immer ist die EU-Kommission auf der Suche nach dem Free-Lunch.

Zu dumm nur, dass Mobilfunk-Ökonomie nicht so simpel wie das Denken der Brüsseler Bürokraten gestrickt ist. Mobilfunknetze verursachen hohe Investitionskosten, später jedoch nur geringe variable Kosten. Zur Denkung der laufenden Kosten müssen die Gebühren tatsächlich nicht hoch sein. Allerdings ist es notwendig langfristig auch die hohen Investitionskosten zu decken, was die Mobilfunkbetreiber mit differenzierten Mobilfunkpreisen umsetzen. Dort, wo die Nachfrageelastizität am niedrigsten ist, werden hohe Gesprächs- bzw. Datendienstpreise verlangt. Reagieren die Kunden dagegen sehr sensibel auf zusätzliche Kosten, reduziert man die Preise. Roaming-Kunden, die relativ unempfindlich auf hohe Gesprächskosten reagieren, weil sie wenige, aber dafür sehr wichtige Gespräche führen, subventionieren damit im Prinzip die Vieltelefonierer, die bei höheren Kosten wohl auf die lange Leitung verzichten würden.

Eine administrative Senkung der Roaming-Preise erschwert die Fixkostendeckung über eine Preisdifferenzierung, was langfristig zu weniger Investitionen und allgemein zu relativ höheren Gesprächspreisen führt. Auf jeden Fall ist nicht zu erwarten, dass die Gewinneinbußen der Mobilfunkbetreiber ohne Konsequenzen für die Konsumenten bleiben. Da der technische Fortschritt generell preisenkend wirkt, dürfte es für den Verbraucher schwer sein, diese Wirkung der Mobilfunkregulierung zu erkennen. Verschwunden ist sie deshalb noch lange nicht.

26.11.2007 um 16:54 Uhr

Preisverdächtig

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Ein energiepolitisches Perpetuum Mobile wollten kürzlich die Autoren des EEG-Erfahrungsberichts dem Umweltministerium verkaufen (S. 21):

Die aus dem EEG resultierenden Differenzkosten ergeben sich aus den Vergütungszahlungen und dem anlegbaren Wert für die entsprechenden Strommengen. Werden dafür die Kosten einer alternativen Strombeschaffung angesetzt, beläuft sich der Differenzbetrag im Jahr 2006 auf insgesamt 3,2 Mrd. €. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass die vorrangige Abnahme von Strom aus Erneuerbaren Energien auch eine senkende Wirkung auf die Großhandelspreise hat, weil die Bestimmung des Preises an der Strombörse durch die Kosten der Strombereitstellung der jeweils teuersten fossilen Kraftwerke erfolgt, deren Einsatz durch die eingespeisten EEG-Strommengen vermieden wird. Dieser so genannte Merit-Order-Effekt hat 2006 zu Einsparungen von rund 5 Mrd. € geführt und überkompensiert die Differenzkosten des EEG.

Immer auf der Suche nach originellen Energiesparmaßnahmen fallen derartige Räuberpistolen bei Politikern sicherlich auf fruchtbaren Boden. Was jedoch von einer derartigen Vulgärökonomie zu halten ist, kann hier nachgelesen werden.

26.11.2007 um 16:21 Uhr

Das Umweltopfer auf dem Klimaaltar

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Eine aktuelle Ökobilanzstudie zur energetischen Nutzung von Biomasse zeigt einmal mehr, dass nicht nur der Wohlstand, sondern auch die Umwelt einer ineffizienten Klimapolitik geopfert wird. Ein großer Teil der subventionierten Bioenergieträger (außerhalb des grünen Rechtecks) verursacht bei seiner Produktion mehr Umweltschäden als konventionelles schwefelfreies Benzin. Der unsichere Zusammenhang zwischen Kohlendioxidemissionen und dem Klimawandel wird mit anderen Worten von der Klimapolitik inzwischen höher bewertet als bereits heute mess- und sichtbare negative Umweltwirkungen. Geht es hier wirklich noch um Umweltschutz?

 


 

26.11.2007 um 10:45 Uhr

Naive Schwarzseherei

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Google hat mit Blackle und Aidgle gleich zwei neue Gutmenschenprodukte auf dem Markt. Das eine Tool richtet sich an PC-Nutzer, deren technisches Verständnis rudimentär ausgebildet ist und die deshalb, wenn sie nicht tatsächlich noch einen alten Kathodenstrahlenmonitor benutzen, nicht wissen, dass moderne Flachbildschirme permanent hintergrundbeleuchtet sind und Farbpixel den Lichtdurchlass regulieren. Ein schwarzer Hintergrund lässt also von dem ohnehin erzeugten Hintergrundlicht nur sehr wenig bis auf die Bildschirmoberfläche durch und kann dadurch keine Energie durch dunkle Hintergründe einsparen. Das andere Tool ist ein Trick von Google, an der Karitativität seiner Nutzer zu verdienen. Nicht so orginell, auch Vattenfall hat das hier nicht unkommentiert schon versucht. Nicht nur in der Politik ist die Einfalt der Verbraucher eine nette PR- oder gar tolle Gewinn-Quelle.

Überzeugten Energiesparern sein noch einmal die Thünen-Vorlesung von Hans-Werner Sinn vor der diesjährigen Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik ans Herz gelegt.

Update: Ein Leser weist darauf hin, dass Google mit den Angeboten offenbar nichts zu tun hat. In einem Google-Blog-Beitrag gelangt man sogar zu der Auffassung, dass eine Blackle-Nutzung den Energieverbrauch von Flachbildschirmen erhöhen kann.

23.11.2007 um 14:05 Uhr

Was hindert uns am Energie sparen?

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Ein EU-Einfuhrzoll von 66,1 % auf Energiesparlampen aus China, Vietnam, Pakistan und den Philippinen, von bis zu 48,5% auf Fahrräder, von 10% auf energiesparende Autos, von 40%-100% auf Bioethanol sowie Zölle auf Windkraftanlagen außereuropäischer Produzenten und und und ...

23.11.2007 um 10:32 Uhr

Kein Eigeninteresse?

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Ein Leser kritisierte kürzlich eine von mir vorgebrachte Vermutung über das Eigeninteresse der Ärzteschaft als ein Motiv der Ablehnung der selbstbestimmten Sterbehilfe via Dignitas als "perfide und indiskutabel". Eine aktuelle Äußerung des Marburger-Bund-Chefs mag illustrieren, weshalb ich bei dieser Auffassung bleibe:

„Wir haben diesen Weg der Tötung nicht mehr nötig“, sagte Henke und verwies auf den Ausbau von Palliativmedizin und Hospizdiensten. Zugleich forderte er, diese Bereiche weiter zu stärken. Mediziner sollten Partei für das Leben ergreifen. Man würde den Sinn des Berufes zerstören, wenn Ärzte damit anfingen, absichtlich zu töten. „Wir wollen diese Lizenz zum Töten nicht“, so Henke.

Niemand zwingt Ärzte ebenfalls die Dienstleistung von Dignitas anzubieten. Also welches Problem hat die Ärzteschaft mit der Sterbehilfe, wenn nicht die Angst, einen Teil ihrer "Kunden" zu verlieren? 

22.11.2007 um 16:47 Uhr

Edmund Phelps über ökonomische Dynamik und soziale Marktwirtschaft

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftspolitik

Die deutsche Übersetzung seiner diesjährigen Ludwig-Erhard-Lecture in Berlin ist jetzt online:

Meiner Ansicht nach ist empirisch erwiesen, dass ein funktionierender Kapitalismus, dort wo er durchführbar ist, neue innovative Ideen, ihre Entwicklung und Evaluierung besser stimulieren kann als einerseits der osteuropäische Sozialismus oder das westeuropäische Wirtschafts- und Sozialsystem - wie auch immer wir das nennen wollen.

21.11.2007 um 17:57 Uhr

Augen auf im Subventionsdschungel!

von: steffenh   Kategorie: Beobachtungen

Die Webseite der Global Subsidies Intiative gibt einen interessanten Einblick in das tiefe Dickicht des internationalen Subventionsdschungels:

The International Institute for Sustainable Development’s Global Subsidies Initiative (GSI) is a project designed to put the spotlight on subsidies and the corrosive effects they can have on environmental quality, economic development and governance.

21.11.2007 um 10:33 Uhr

Optimale Anpassung?

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel erlangen trotz ihrer gegenüber Emissionsminderungsmaßnahmen wesentlich größeren Wirksamkeit in der Politik und der Öffentlichkeit keine große Aufmerksamkeit. Tatsächlich gibt es Ökonomen die meinen, anders als bei den Treibhausgasemissionen lägen auch keine externen Effekte vor, so dass auch ein optimales Niveau an Anpassungsmaßnahmen zu erwarten sei. So argumentiert etwa John Quiggin in einer Reaktion auf einen Artikel zur Anpassung an den Klimawandel in der Zeitschrift Nature:

Prins and Rayner also assume that because adaptation is as important as mitigation, it should receive equal attention as a focus of public policy. But emissions of greenhouse gases represent a market failure. No individual or nation has a strong incentive to reduce their own emissions. Hence, mitigation requires a global policy response so that this externality is taken into account. By contrast, private parties, in deciding how to adapt to climate change, will, in the absence of policy intervention, bear the costs and receive the benefits of their decisions in most cases. There is no reason to expect too little adaptation.

Tatsächlich dürfte davon auszugehen sein, dass Anpassungsmaßnahmen aus diesem Grund wesentlich leichter umzusetzen sind. Schließlich profitieren die Akteure unmittelbar von den Maßnahmen für die sie die Kosten aufbringen müssen. Auch dürfte der Bedarf nach internationaler Koordination der Aktivitäten geringer sein.

Im Bezug auf Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsländern, die wie das Beispiel der jüngsten Sturmkatastrophe in Bangladesh zeigt deutlich stärker von Extremwetterereignissen betroffen sind, bestehen jedoch wesentlich fundamentalere Probleme. So betonte Barun S. Mitra vom Liberty Institute in Neu-Dehli in einem Vortrag im Berliner Instititut für unternehmerische Freiheit, dass neben der Armut und der schlechten Infrastruktur vor allem der Mangel an Eigentumsrechten ein Hemmnis für Anpassungsmaßnahmen darstellt. Nicht nur, dass fehlende Eigentumsrechte an Grund, Boden und Immobilien Anreize zu Investition in solide Behausungen und wirksame Schutzmaßnahmen reduzieren. Ein mindestens ebenso großes Problem ergibt sich daraus, dass sich die Bewohner trotz Lebensgefahr nicht wagen ihren Hof zu verlassen, aus Angst bei ihrer Rückkehr, weder Land noch Eigentum wieder in Besitz nehmen zu können. Wer Angst haben muß, bei seiner Rückkehr festzustellen, dass sein vormaliges Grundstück von fremden Leuten anektiert wurde und keine rechtliche Möglichkeit besteht dies zu verhindern oder rückgängig zu machen, weil keine Eigentumstitel existieren, der wird es kaum wagen bei Gefahr rechtzeitig eine Gefahrenzone zu verlassen. Immerhin kann der Mutigste zwar sein Leben verlieren, aber auch seine paar Quadratmeter Heimat beschützen oder sich das Eigentum anderer aneignen. Solange also die rechtlichen Grundlagen für den Schutz von Eigentumsrechten nicht bestehen, ist nicht zu erwarten, dass Menschen ein ausreichendes Maß an Anpassungsmaßnahmen vornehmen. Allerdings handelt es sich hier eindeutig nicht um Marktversagen, sondern um ein Scheitern des Staates. Schließlich unterbindet der Staat auch, dass sich alternative Institutionen zu dem von ihm vernachlässigten Rechtssystem herausbilden.

20.11.2007 um 20:38 Uhr

Deutscher Bauernkrieg reloaded

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftspolitik

Deutsche Bauern fühlen sich gegenseitig übervorteilt, weil sie gar unterschiedlich tief in den Subventionstopf greifen dürfen und balgen sich um die Agrarförderung. Deren Selbstverständnis verbietet ihnen allerdings nach einer noch viel größeren Ungerechtigkeit zu fragen, wofür sie die Förderung überhaupt bekommen. Keine Frage also, dass einer der betroffenen Landwirte auch eindringlich davor warnt, das bei zu reichlich Beglückten einzusparende Geld in den EU-Haushalt zurückfließen zu lassen. Ein von der Bundesregierung als Agrarminister beschäftigter Bauernlobbyist hat gegen die drohende Sparkur ebenfalls sein Veto angekündigt. Eine derartige Rückendeckung hatten deutsche Bauern vor einem guten halben Jahrtausend nicht. Und da sie heute auch die Seite gewechselt haben, sollte es doch eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis sich wieder einmal der Volkszorn entlädt.

20.11.2007 um 10:29 Uhr

Zitat des Tages

von: steffenh   Kategorie: Blogosphäre

As I drove west on Route 66, I witnessed the vivid fruit of economic illiteracy - 5 miles of stalled east-bound traffic.

Bryan Caplan, Econlog  

20.11.2007 um 10:09 Uhr

Mobile Gefahr!

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftspolitik

Vorbei sind die Zeiten, da das freie Unternehmertum auf freiwilligen Handel als konstitutives Element unserer Marktwirtschaft baute. Die von Vodafon erwirkte einstweilige Verfügung gegen den exklusiven Vertriebsvertrag zwischen Apple und T-Mobile für das iPhone ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Gefahren für die individuelle Freiheit nicht allein von der Politik ausgehen. Vodafon hatte eigene Verhandlungen mit Apple abgebrochen, weil man sich nicht auf gegenseitig vorteilhafte Vertragsbedingungen einigen konnte. Jetzt versucht der Netzbetreiber doch noch unter Inanspruchnahme staatlicher Zwangsmaßnahmen am iPhone-Hype mitzuverdienen.

Every businessman is in favor of freedom for everybody else, but when it comes to himself that’s a different question. He’s always the special case. He ought to get special privileges from the government, a tariff, this, that, and the other thing…

Milton Friedman

19.11.2007 um 11:04 Uhr

Simplify your Climate Policy

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Björn Lomborg trifft den Nagel auf den Kopf. Im Zuge der Verstädterung sind die Menschen seit Jahrzehnten einer zunehmenden urbanen Erwärmung ausgesetzt. Ein Effekt, der mitunter zu einer Erhöhung der Umgebungstemperatur von 10 C am Tage führen kann. Dennoch konnte die Zahl der Hitzetoten durch verbesserte Gesundheitsversorgung und Klimatisierung der Räume reduziert werden. Und es gibt weitere Möglichkeiten dieses Problem zu vermindern, alle um einiges billiger und wirksamer als uns bekannte Verfahren der Reduktion der Klimagasen. Mehr Grün in die Städte, mehr Wasser gegen die Trockenheit und einfach weiße, reflektierende Farbe an die Wände. So naheliegend das ist, aber lässt sich politisch damit ein Blumentopf gewinnen? Haben die Verbände der Farbenindustrie, des Gartenbaus und der Wassertechnik die selbe Lobby wie Umweltverbände und Energietechnikproduzenten? Und ist der Weg über kleine unspektakuläre Lösungen so sexy wie die fatale Mischung aus der Technologiegläubigkeit der einen und der Ideologie des Verzichts anderer?

17.11.2007 um 17:52 Uhr

Unfreiwillig ehrlich

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Aus einer Bildunterschrift eines SPON-Artikels über den jüngsten Klimabericht:

Je mehr sich die Industrien Emissionsbekämpfung kosten lassen, desto größer die Einsparungspotentiale.

Zugegeben, der Autor meint Kohlendioxidminderungen, aber auch für die Kosten selbst trifft die Aussage voll zu. 

16.11.2007 um 19:04 Uhr

Wir leisten uns was

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Es ist zum Heulen, wenn man sieht wie unter dem Vorwand von Energiesicherheit und Klimaschutz von den Regierungen der Industriestaaten wertvolle Ressourcen vernichtet werden. Eine neue OECD-Studie über die gegenwärtige Biokraftstoffnutzung bringt da Trauriges zu Tage:

16.11.2007 um 13:43 Uhr

Nach mir die Sintflut

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Robin Hanson kommentiert auf Overcomming Bias einen Nature-Artikel über den Segen einer in ferner Zukunft aussterbenden Menschheit mit einer treffenden Frage:

Thomas is "optimistic" that humans and any descendants with a remotely similar population or resource-intensive technology will be extinct in a million years.   Yet if a plague, for example, were to produce this outcome within the next ten years, I'm pretty sure most everyone would see this as a catastrophe of the highest possible order.  So how does this become a good thing if it happens in the next million years?

Nun, weil auch dem überzeugtesten Naturschützer das Hemd näher als die Hose ist. 

16.11.2007 um 13:32 Uhr

Klima-Sündenregister

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Hinter der Webseite mit dem tiefsinnigen Namen CARMA verbirgt sich so eine Art Klimasünder-Anschiss. Dennoch nicht uninformativ.

16.11.2007 um 11:41 Uhr

Baumlose Klimageschichte

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Was kommt dabei heraus, wenn man bei der Analyse historischer Temperaturproxies die fehlerverdächtigen Jahresringe von Bäumen nicht berücksichtigt? Man hat weniger Daten, aber die Temperaturkurve erhält auch eine andere Form (via ClimateAudit inklusive spannender Diskussion):

Historical data provide a baseline for judging how anomalous recent temperature changes are and for assessing the degree to which organisms are likely to be adversely affected by current or future warming. Climate histories are commonly reconstructed from a variety of sources, including ice cores, tree rings, and sediment. Tree-ring data, being the most abundant for recent centuries, tend to dominate reconstructions. There are reasons to believe that tree ring data may not properly capture long-term climate changes. In this study, eighteen 2000-year-long series were obtained that were not based on tree ring data. Data in each series were smoothed with a 30-year running mean. All data were then converted to anomalies by subtracting the mean of each series from that series. The overall mean series was then computed by simple averaging. The mean time series shows quite coherent structure. The mean series shows the Medieval Warm Period (MWP) and Little Ice Age (LIA) quite clearly, with the MWP being approximately 0.3°C warmer than 20th century values at these eighteen sites.

Loehle, C. 2007. A 2000-year global temperature reconstruction based on non-treering proxies. Energy & Environment 18(7-8): 1049-1058.