Mit dem Kopf voran

13.01.2006 um 00:28 Uhr

Das ging nach hinten los

Mit einem Brief versuchte mir heute mein Stromanbieter, die KES Kommunale Energiedienstleistungsgesellschaft Südsachsen mbH, eine notwendige Preiserhöhung schmackhaft zu machen. Nicht dass ich dafür kein Verständnis hätte, immerhin habe ich mich beim Vertragsabschluß auf eine mögliche Preisanpassung eingelassen. Was mich ärgert sind die windigen Argumente, mit denen das Unternehmen versucht bei seinen Kunden zu punkten. Zwar wird zunächst ganz plausibel der Preisanstieg für die Energieträger Öl, Gas und Kohle angeführt. Auch der Emissionshandel und die zusätzlichen Kosten des Ausbaus erneuerbarer Energien sind nachvollziehbare Gründe für den Preisanstieg. Doch dann wird es nebulös. Auch die "Auswirkungen der Klimakatastrophen des letzten Jahres", "rein spekulative Geschäfte europäischer Großbanken an den Stromhandelsbörsen" und die "Gewinnmaximierungsstrategien" vermeintlich den deutschen Markt dominierender "Energiekonzerne" seien schuld an der Hiobsbotschaft.

Nun, tropische Wirbelstürme in der Karibik sind Unwetter- und keine Klimakatastrophen und deren Zusammenhang mit dem globalen Klimawandel ist nach wie vor wissenschaftlich umstritten. Der spekulative Börsenhandel mit Strom ist nichts Ungewöhnliches und mir ist es egal, ob nun Energieversorger oder Großbanken ihr Geld mit dem Stromhandel verdienen. Und die Gewinnmaximierung von Konkurrenten ohne einen plausiblen Beleg für eigene systematische Wettbewerbsnachteile anzuprangern, ist eine allzu durchsichtige und zumindest in meinem Fall gründlich misslungende Argumentation. Was, wenn nicht den Gewinn, maximiert denn mein Stromanbieter?

Sicher ist, dass dieser Brief voll in die Hose gegangen ist. Obgleich Strom eigentlich keine Qualitätsunterschiede kennt, kann man sich doch das Wohlwollen seiner Kunden verscherzen. Was zählt ist das Gesamtangebot und damit auch die Qualität der Argumente. Deshalb werde ich am Wochenende mal wieder eine Strompreissuchmaschine für einen Anbieterwechsel anwerfen. Es lebe der Wettbewerb!


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