Denn sie wissen nicht was sie tun
Wie man den Klimaschutz wieder besseren
Wissens teurer machen kann als er ohnehin schon ist zeigen uns die
aktuellen Verlautbarungen aus dem Umweltministerium, den Unternehmen
den Bau neuer Kohlekraftwerke durch eine für 18 Jahre
garantierte Menge an Emissionsrechten schmackhaft machen zu wollen.
Sicher wird der Umweltminister damit sein Ziel, die Kohle am Leben zu
erhalten erreichen, denn dieses Versprechen setzt den
Energieversorgern den Anreiz ihre Anlagen nicht allein nach den
Effizienzanreizen des Marktes, sondern auch nach dem Versprechen der
Politiker zu konzipieren.
So ist damit zu rechnen, dass potentielle
Betreiber von neuen Kohlekraftwerken Anlagen errichten, die zwar
Kohle als Bedingung für möglichst hohe
Zertifikatszuteilungen verbrennen, dies aber mit möglichst hohem
Wirkungsgrad, damit später noch reichlich Emissionsrechte zum
Verkauf übrigbleiben. Doch ein hoher Wirkungsgrad in
Kohlekraftwerken ist kein Selbstzweck, geht es doch darum die
Emissionen dort zu vermindern wo es am billigsten ist. Allein weil
diese Allokationsregel den technologischen Anpassungsspielraum der
Energieversorger künstlich einengt und die Unternehmen von
billigeren Alternativen ablenkt, ist dies nicht gegeben. Im Endeffekt
hat die SPD zwar ihre Kohle und damit die Gunst ihrer Stammwähler im Ruhrpott gerettet, die Zeche bezahlen aber die Konsumenten,
da teure Vermeidungstechnologien zwangsläufig zu hohen Preisen
der Emissionsrechte führen, die nach der
betriebswirtschaftlichen Logik so weit wie möglich auf die
Energiepreise überwälzt werden.
Ob die Bundesregierung sich
mit diesem Schritt leichter aus dem Dilemma des umstrittenen
Atomausstiegs befreien kann, ist im Übrigen auch höchst
unklar. Atomenergie operiert mit sehr niedrigen
Kohlendioxidvermeidungskosten. In einem Emissionshandel, der wegen
einer Vielzahl von Sonderregeln zu besonders teuren
Vermeidungsmaßnahmen anregt und damit die Zertifikatspreise in
die Höhe treibt, hat die Atomenergie besondere
Vorteile. Dies jedoch wird die Betreiber gewiss nicht veranlassen, bei
ihrer Forderung nach einer Laufzeitverlängerung locker zu
lassen.
Wie immer haben wir es mit dem klassischen Problem zu tun. Die Politik versteht die Funktionsweise ihrer eigenen Regulierung nicht und die Unternehmen wissen geschickt, diese Situation auszunutzen.

Handelsblatt Nr. 050 vom 10.03.06 Seite 38
CO2-Markt entspannt sich
Experten erwarten sinkende Preise für Emissionsrechte - Auch Strom dürfte billiger werden
UDO RETTBERG | FRANKFURT Der Preis für Kohlendioxid-Emissionsrechte wird nach Ansicht von Experten in den kommenden Monaten sinken. Damit dürften auch die hohen Strompreise nachgeben, weil die Versorger ihren Kunden die Verschmutzungsrechte in Rechnung stellen. \"Die Fundamentaldaten des Marktes werden sich in den nächsten Monaten deutlich ändern\", sagt der geschäftsführende Direktor des Finanzdienstleisters Natsource, Paul Vickers. Denn in den kommenden Monaten dürften zusätzliche Verschmutzungszertifikate auf den Markt kommen und den Nachfrageüberhang ausgleichen.
Immer mehr europäische Unternehmen erhalten von den Aufsichtsbehörden so genannte CO2-Kredite für umweltfreundliche Projekte, die zu einem Rückgang der Treibhausgase führen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Unternehmen der Agrar- und Forstwirtschaft oder der Energietechnologie, deren Projekte zum Beispiel in Asien nachgewiesenermaßen den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) reduzieren. Diese Unternehmen dürften diese CO2-Emissionskredite auf dem Markt anbieten und so zu einer stärkeren Ausbalancierung der Kräfteverhältnisse führen.