Deppenecho
Wenn der eine deutsche Stromversorger dazu zwingen will Kraftwerke zu verkaufen und eine Fachkollegin darauf außerordentlich "geistreich" entgegnet, ein solcher Schritt "könnte einer Einladung an ausländische Monopolisten und Staatskonzerne zum Erwerb deutscher Kraftwerkskapazitäten gleichkommen", dann weiß man nicht nur, dass es sich hier um einen Schlagabtausch zwischen Politikern handelt, sondern auch um ganz niedriges Diskussionsniveau. Wer Forderungen von dieser Tragweite stellt oder glaubt darauf qualifiziert anworten zu können, von dem sollte man erwarten, sich nur ansatzweise mit der Materie auszukennen.
Dabei ist das notwendige Fachwissen frei im Internet erhältlich. Erst kürzlich hatte Prof. Axel Ockenfels von der Universität zu Köln in einer ausführlichen Analyse (Kurzinterview hierzu) der von EU-Kommission in Sachen Energiemarktkonzentration verwendeten Informationsbasis (sog. LE-Studie) gezeigt, dass die hierzulande sehr gern vorgebrachten Marktmachtargumente gegen Stromversorger mit hohen Marktanteilen nicht stichhaltig sind. Man muß dieser Analyse als Politiker nicht in allen Punkten zustimmen, aber man sollte sie zur Kenntnis nehmen. Obige Verlautbarungen aus deutschen Amtsstuben legen nahe, dass dies nicht der Fall ist. Schließlich geht es den Ministern in den Wirtschaftsressorts ja nicht um ökonomisch fundierte Wettbewerbspolitik, sodern um Sprüche die beim Wähler ankommen. Und einfache Botschaften im Gut-Böse-Schema kommen da immer gut an. Traurig, traurig.
