Mit dem Kopf voran

31.05.2007 um 10:38 Uhr

Der Mythos vom rationalen Wähler

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftspolitik

Bryan Caplan hat sein neues Buch The Myth of the Rational Voter exzerptiert:

In theory, democracy is a bulwark against socially harmful policies. In practice, however, democracies frequently adopt and maintain policies that are damaging. How can this paradox be explained?

The influence of special interests and voter ignorance are two leading explanations. I offer an alternative story of how and why democracy fails. The central idea is that voters are worse than ignorant; they are, in a word, irrational—and they vote accordingly. Despite their lack of knowledge, voters are not humble agnostics; instead, they confidently embrace a long list of misconceptions.
Economic policy is the primary activity of the modern state. And if there is one thing that the public deeply misunderstands, it is economics. People do not grasp the “invisible hand” of the market, with its ability to harmonize private greed and the public interest. I call this anti-market bias. They underestimate the benefits of interaction with foreigners. I call this anti-foreign bias. They equate prosperity not with production, but with employment. I call this make-work bias. Finally, they are overly prone to think that economic conditions are bad and getting worse. I call this pessimistic bias.
In the minds of many, Winston Churchill’s famous aphorism cuts the conversation short: “Democracy is the worst form of government, except all those other forms that have been tried from time to time.” But this saying overlooks the fact that governments vary in scope as well as form. In democracies the main alternative to majority rule is not dictatorship, but markets. A better understanding of voter irrationality advises us to rely less on democracy and more on the market. (hier weiterlesen)

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenParker8 schreibt am 01.06.2007 um 09:22 Uhr:Interessanter Einwand von Dani Rodrick <a href=http://rodrik.typepad.com/dani_rodriks_weblog/2007/05/this_book_devel.html">hier</a& gt;: Der mittlere Wähler kann durchaus rational handeln, wenn er sich einer langfristig angelegten ökonomischen Perspektive verschließt. Beispielsweise kann ihn die aktuelle Globalisierung tatsächlich schlechter stellen.
  2. zitierensteffenh schreibt am 01.06.2007 um 10:07 Uhr:Einmal ehrlich, Rodricks Kritik ist wenig substantiell. Wenn ich eins in mehr als 10 Jahren Berufserfahrung als Ökonom unter Nichtökonomen gelernt habe, dann die Tatsache, dass ökonomischer Analphabetismus so weit verbreitet ist, dass es manchmal weh tut. Meine Stichprobe mag einen Bias haben, aber niemand von diesen Leuten ist so persönlich von der Globalisierung bedroht wie etwa eine Textilarbeiterin. Ökonomische Basics werden nur deshalb über den Haufen geworfen, weil es en vogue ist. Und der Behauptung, dass die Situation des Medianwählers sich durch die Globalisierung verschlechtert hat, widerspricht nun so ziemlich alles, was die Wachstumsforschung so in den vergangenen Jahren zu bieten hatte. Es dürfte sich wohl eher um gefühlte, als um tatsächliche Verschlechterung handeln. Und ebenso um eine gefühlte Kausalität. Also erstmal lesen, dann zerreissen. Das gilt auch für Rodrick.
  3. zitierenParker8 schreibt am 01.06.2007 um 10:54 Uhr:Da haben Sie den armen Dani aber ganz schön zusammengefaltet; 'ökonomischer Analphabetismus', Junge, Junge. - Der entlassene oder Lohn-degradierte Arbeitnehmer geht halt nicht nach Hause und liest Krugman/Obstfeld, um sich zu versichern, dass das auch alles seine Richtigkeit hat. Und je nach Entwicklung des Volkseinkommens kann diese geringe Heilserwartung schließlich durchaus den Medianwähler betreffen.

    P.S. Die Hyperlinks, die man als Kommentator setzt, gehen ja leider kaputt.
  4. zitierensteffenh schreibt am 01.06.2007 um 13:15 Uhr:Bitte keine Unterstellungen, meine Aussagen bezogen sich explizit nicht auf Dani Rodrick, sondern auf mein Umfeld. Versuchen Sie bitte nicht mehr aus den Zeilen herauszulesen als möglich ist, bloß um den Mangel eigener Argumente zu kompensieren. Ich sagte lediglich, dass Rodricks Argumentation schwach ist. Und der "lohn-degradierte" Arbeitnehmer ist sicherlich nicht der Medianwähler. Schon gar nicht in einer Dienstleistungsgesellschaft. Wenn ein Automobilwerker angst vor der Auslagerung seines Werks hat, ist dies verständlich, nicht jedoch, wenn sagen wir ein Wirtschaftskundelehrer die Globalisierung als Nullsummen- oder gar Negativsummenspiel seinen Schülern verkauft (und sich dabei in hahnebüchenden logischen Widersprüchen verstrickt).
  5. zitierenNicht ueberzeugt schreibt am 01.06.2007 um 13:22 Uhr:Der gleiche Mensch der Waehler ist, ist doch ebenso Konsument. Wenn ich den Konsumenten in der Aggregation rationales Verhalten unterstelle, dann gibt es keinen vernuenftigen Grund das fuer die Aggregation der Waehler nicht zu tun. Irgendwo ist Politik schliesslich auch nichts anderes als ein Markt fuer Ideen und Konzepte.
    Die Frage mit den Biases ist auch nicht so einfach. Noch nie in der Geschichte der Menschheit sind die Menschen in so viele ferne Laender gereist und haben so viele fremde Gueter und Diensleistungen konsumiert. Wo ist da der foreign-bias?
    Einer der wenigen mir bekannten wirklich belegten Biases ist der, das Menschen lausig in der Wahrnehmung von Risiken sind. So werden Risiken die man glaubt in der Hand zu haben unterschaetzt, wohingegen Risiken die man nicht beeinflussen kann ueberschaetzt werden. Vielleicht sollte man den Antiglobalisierungs-Bias mal daraufhin untersuchen in wie weit er auf den vorgenannten zurueckzufuehren ist.
    Ich glaube, dass in der Politik wie auch auf den Maerkten hin und wieder zu irrationalen Uebertreibungen kommt. Daher ist es notwendig einen institutionellen Rahmen zu schaffen, der diese Uebertreibungen abmildert.
  6. zitierensteffenh schreibt am 01.06.2007 um 13:27 Uhr:Ich schlage vor wir lesen alle zusammen zumindest den Aufsatz zum Buch und diskutieren dann weiter.
  7. zitierenParker8 schreibt am 03.06.2007 um 21:38 Uhr:"Und der "lohn-degradierte" Arbeitnehmer ist sicherlich nicht der Medianwähler. Schon gar nicht in einer Dienstleistungsgesellschaft."
    Durchaus auch dort. Siehe Alan Blinder. Und nein, für ein Nullsummenspiel halte ich die Globalisierung überhaupt nicht. Nur wirkt sie sich so aus, dass sie Parameter wie Arbeitnehmerentgelte und mittleres Haushaltseinkommen am Boden hält. Bei uns, nicht in China.
  8. zitierensteffenh schreibt am 03.06.2007 um 23:36 Uhr:Globalisierung intensiviert die Arbeitsteilung und entwertet damit so manche hierzulande erworbene Qualifikation. Dort wo deutsche Erwerbstätige eine komparativen Kostenvorteil haben und sich ihre Produktivität erhöht stellen sie sich besser. Dort wo sie es nicht schaffen profitieren sie von billigeren Produkten. Wer, wie, wo und in welchem Maße von dieser Entwicklung betroffen ist, ist eine empirische Frage und kann nicht handstreichartig mit Hilfe autoritärer Verweise geklärt werden.

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