Mit dem Kopf voran

17.09.2007 um 23:56 Uhr

Die Quittung geht an den Verbraucher

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftspolitik

Noch versuchen die Brüssler Wettberbsschützer ihr hartes Vorgehen gegen Microsoft mit dem Dienst am Konsumenten zu begründen. Da weder sie noch die Verbraucher den größten Mythos der Wettbewerbsökonomie je begreifen, werden Brüssels Strategen auch noch lange stehende Ovationen für ihre langfristig wohl eher fortschrittshemmende Politik erhalten. Denn wenn jedes Unternehmen im Netz- und Softwarebereich mit seinen enormen Netzwerkeffekten und Größenvorteilen Angst haben muss nicht zu groß zu werden, dürfte sich die zukünftige Investitionsbereitschaft eher in Grenzen halten. Wer heute wie etwa Google noch jedermanns Liebling ist, kann sehr schnell an Brüssels Pranger stehen. Und ist es nicht nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand die marktbeherrschende Stellung von Apples iPod beklagt, weil er seine eigenen Ladenhüter nicht los wird? Aber bis man in dieser Branche selbst einer der Großen ist, kann man die Zeit nutzen und die Kartellbehörden als langen Arm im Wettbewerb missbrauchen.

Update: Ein hierzu passender Kommentar von Dave Kopel.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenRayson schreibt am 18.09.2007 um 00:33 Uhr:Das Problem ist doch eher, dass MS die beherrschende Stellung als Betriebssystemanbieter dazu nutzt, durch die Geheimhaltung wichtiger Schnittstellen auch in der Anwendungssoftware entscheidende Vorteile zu erlangen. Ich finde nicht, dass ein Einschreiten gegen solche Strategien verwerflich ist. Bei der Bahn ist uns ja auch lieber, dass Netz und Betrieb getrennt sind...

    Allerdings zeigt sich in diesem Urteil ein ganz anderes Problem staatlicher Maßnahmen: Mangelndes Timing. Die Wettbewerbsvorteile, die sich Microsoft dadurch verschafft hat, waren vor 10 Jahren entscheidend und mögen kräftig zum Reichtum der MS-Aktionäre beigetragen haben, sind heute aber am Verschwinden, weil auch die Bedeutung der Betriebssysteme schwindet. Das endgültige Urteil wird eindeutig zu spät kommen und keinen besonderen Nutzen mehr entfalten können.
  2. zitierenDavid schreibt am 18.09.2007 um 03:04 Uhr:Oh, Rayson war da. Ich sage in etwa das gleiche, nur länger: http://www.bissige-liberale.com/2007/09/18/markt-und-microsoft-urteil-und-exkurs/
  3. zitiereneuckens erbe schreibt am 18.09.2007 um 09:15 Uhr:Mißbrauchskontrolle bleibt nötig:http://fdog.org/2007/09/18/misbrauch/
  4. zitierensteffenh schreibt am 18.09.2007 um 09:19 Uhr:@rayson: Was ist aus liberaler Perspektive an einer Geheimhaltung von Softwareschnittstellen zu kritisieren. Das ist das gute Recht von MS, die ja durchaus verständlich versuchen, durch das Angebot eines Softwarebündels, dass sie allein kostengünstiger herstellen zu glauben als die Konkurrenz. Du kannst das ja persönlich für verwerflich, für mich ist das ein normal funktionierender Markt unter den Bedingungen von Netzwerkeffekten, die wie du siehst auch ihre Grenzen haben. Wer den privaten Schutz von Eigentumsrechten an Produktionstechnologien nicht respektiert oder verwerflich findet, der soll mir bspw. erklären, warum er ein Problem mit der Politik der Bundesrepublik im Bezug auf die Privatsphäre im Internet hat. Letztlich versucht da auch jemand an dein selbst beanspruchtes intellektuelles Eigentum zu gelangen. Insofern sehe ich in deiner Forderungen ein Stück mangelnde "Prinzipienfestigkeit".

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