Mit dem Kopf voran

08.05.2007 um 18:28 Uhr

Die wahren Kosten des Verkehrs

von: steffenh   Stichwörter: Verkehrspolitik

Eine von der Allianz pro Schiene veröffentlichte Studie hat versucht die externen Kosten des Verkehrs zu schätzen. Nicht die Schäden für die Umwelt, sondern die Unfallkosten bilden die Hauptkomponente des gesellschaftlichen Zusatzkosten des Straßenverkehrs.

 

 

Zu Recht fordert der Herausgeber die Kostenwahrheit im Verkehr. Nur sollte sich diese nicht nur auf den Straßen- und Flugverkehr, sondern auch auf den Schienenverkehr beziehen. Alle drei Verkehrsträger verursachen nur deshalb so hohe externe Kosten, weil die öffentliche Finanzierung der Infrastruktur zu einer systematischen Reduzierung der Verkehrskosten für die Infrastrukturnutzer führt. Eine direkte Nutzerfinanzierung der Kosten und ein Verzicht auf Infrastruktursubventionen würde nicht nur zu einer bedarfsgerechten Bereitstellung der Infrastruktur jenseits politischer Opportunitäten führen, sondern als Gratiseffekt auch das Niveau der externen Kosten des Verkehrs senken. Für eine weitere Reduzierung der externen Kosten sollte jedoch nicht reflexartig das Verursacherprinzip bemüht werden. Hier wäre vielmehr zu fragen, wer die potentiellen Schäden des Verkehrs mit den geringsten Kosten vermeiden kann.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenFlorian schreibt am 08.05.2007 um 19:27 Uhr:Die Unfallkosten des Autoverkehrs sind aber doch im wesentlichen internalisiert, richtig?
    In erster Linie qua Haftpflichtversicherungs-Beiträge. In zweiter Linie durch nicht versicherte Schäden, die der betroffene Autofahrer selbst tragen muss (incl. Personenschäden).
    (Externalisierte Kosten wie z.B. die Polizei, die den Unfallort absperren muss dürften doch den kleinsten Teil der Unfallkosten ausmachen).
    Entsprechend gehen die Unfallkosten in das Kosten-Nutzen-Kalkül der Autofahrer durchaus ein.
    (Immer vorausgesetzt, Autofahrer handeln rational, wovon wir hier mal ausgehen wollen).

    Wenn man bei obiger Rechnung nun diese Unfallkosten abzieht, dann stellt man - oh Wunder - fest, dass die externen Kosten von Auto und Zug fast genauso hoch sind.
    Kaum das Ergebnis, dass sich "Pro Schiene" gewünscht haben dürfte...
  2. zitierensteffenh schreibt am 08.05.2007 um 19:50 Uhr:Guter Punkt! Insofern führt die Subventionierung dazu, dass wir viel zu hohe Versicherungsbeiträge zahlen müssen. Ein Problem sehe ich allerdings in der Kostenzuordnung. Die Haftpflichtversicherung zahlt man strenggenommen nur grob nach dem Unfallrisiko, weil sie a) nur im Block als Fixkosten zu entrichten sind und daher relativ wenig verhaltensrelevant b) unabhängig von der Verkehrsdichte, der Geschwindigkeit und sonstigen Fahrbedingungen. Eine richtig nach Straßenbelastung strukturierte Maut würde diese Kosteninternalisierung wesentlich besser leisten, weil sie genau diese Kosten, wenn auch nicht nur zur Unfallvermeidung einkalkulieren dürfte. Weniger Unfälle würden dann auch geringere Versicherungsbeiträge möglich machen. Auch bin ich mir nicht sicher, ob eine Versicherung wirklich alle Unfallkosten abdecken kann. Ein vermiedener Unfall ist besser als ein entschädigter, oder?

Diesen Eintrag kommentieren