Dienstleistungsrichtlinie: Einseitige Wahrnehmung
Die Wochenendausgabe des Tagesspiegel schafft es doch tatsächlich eine ganze Seite über die Wirkungen der neuen EU-Dienstleistungsrichtlinie einseitig aus der Perspektive der betroffenen Branchen und der in Gewerkschaften organisierten Arbeitnehmer zu füllen. Ein einziger Satz erwähnt die preissenkende Wirkung einer europäischen Liberalisierung des Handels mit Dienstleistungen. Ein einziger Satz widerspiegelt die Interessen von mehreren Millionen deutscher und europäischer Konsumenten, der Leser dieser Tageszeitung.
Da wird über die Anpassungsprobleme deutscher Dienstleister schwadroniert und als einzige positive Seite der bessere Marktzugang wieder anderer deutscher Dienstleister betont. Dass zusätzliche Arbeitsplätze nicht nur dadurch entstehen, dass deutsche Fahrschulen Zweigstellen in Spanien eröffnen, sondern auch, weil Firmen mehr investieren können, wenn sie Kosten durch billigere Dienstleistungen sparen, bleibt unerwähnt. Ebenso unter den Tisch fällt die Tatsache, dass deutsche Konsumenten die Ersparnisse ihrer Haushaltskassen woanders beschäftigungswirksam anlegen können. Keine Zeile wert ist die Tatsache, dass nicht nur der Preis, sondern auch die Vielfalt und die Qualität der Dienstleistungen zunehmen dürften.
Bedauerlich, dass wenigen diese Schieflage auffällt. Vielleicht sollten sich die Leser dieser und anderer Tageszeitungen öfter einmal klar machen, dass mit dem Einlenken der Politik im Interesse derjenigen, denen der Wind der Konkurrenz kräftig um die Nase pfeift, auch die Beilagen der Zeitung, in denen mit preiswerten Konsumgütern geworben wird, seltener werden dürften.
Da wird über die Anpassungsprobleme deutscher Dienstleister schwadroniert und als einzige positive Seite der bessere Marktzugang wieder anderer deutscher Dienstleister betont. Dass zusätzliche Arbeitsplätze nicht nur dadurch entstehen, dass deutsche Fahrschulen Zweigstellen in Spanien eröffnen, sondern auch, weil Firmen mehr investieren können, wenn sie Kosten durch billigere Dienstleistungen sparen, bleibt unerwähnt. Ebenso unter den Tisch fällt die Tatsache, dass deutsche Konsumenten die Ersparnisse ihrer Haushaltskassen woanders beschäftigungswirksam anlegen können. Keine Zeile wert ist die Tatsache, dass nicht nur der Preis, sondern auch die Vielfalt und die Qualität der Dienstleistungen zunehmen dürften.
Bedauerlich, dass wenigen diese Schieflage auffällt. Vielleicht sollten sich die Leser dieser und anderer Tageszeitungen öfter einmal klar machen, dass mit dem Einlenken der Politik im Interesse derjenigen, denen der Wind der Konkurrenz kräftig um die Nase pfeift, auch die Beilagen der Zeitung, in denen mit preiswerten Konsumgütern geworben wird, seltener werden dürften.

Die Investitionen infolge Kostensenkungen hätten ihnen wenig geholfen, weil da wieder die Einsicht greift, dass sich aus einem Anstreicher oder Schlachter nicht mal eben ein Versicherungssachbearbeiter machen lässt.
Den entstehenden Nachfrageausfall hätten die polnischen Arbeitnehmer nicht ersetzt. Sie geben ihr Geld überwiegend da aus, wo ihre Familien leben.
All das wollten die Politiker ihren Wählern eben ersparen. In Wirklichkeit findet eine Angleichung an die polnischen Löhne natürlich längst statt. Nicht zuletzt durch den existenten schwarzen oder grauen Dienstleistungsmarkt hierzulande. Aber das ist ein allmählicher Prozess, und damit politisch leichter zu handhaben.
Dieses Rollback auf Seiten des Produktionsfaktors Arbeit wäre makroökonomisch - da Sie von Verantwortung sprechen - äußerst riskant gewesen. Quasi über Nacht hätte sich die Bargaining Power der Mehrzahl der Arbeitnehmer drastisch reduziert. Eine derartige Liberalisierung im Bereich Non-tradables ist im übrigen historisch ohne Vorbild.
P.S.: Mit diesem Server ist das Kommentieren etwas mühsam.
Das \"Ausflaggen\" aller Dienstleistungen ist höchst unwahrscheinlich, da weder die Dienstleistungen noch die Arbeitskräfte so mobil sind. Da für die Summe der Deutschen die Dienstleistungen billiger werden, sind sie in der Lage ihre Güternachfrage auszudehnen, ebenso wie ein Rückgang der Gaststättenpreise für einen Singlehaushalt, zwar zu weniger eigenen Kochanstrengungen, nicht aber zu mehr Hunger führt. Auch wenn ein Teil der Dienstleister arbeitslos wird (die Reduzierung der privaten Essenszubereitung im Beispiel) führt die Senkung der Dienstleistungspreise nicht zu einer gesamtwirtschaftlichen Reallohnsenkung, sondern zu einem Reallohnzuwachs.
Zunächst zum Ausflaggen: Dazu braucht es keine mobilen Arbeitnehmer. In Ihren Arbeitsvertrag wird lediglich als Ort Kattowitz o.ä.eingetragen. C\'est tout.
Dann zur Güternachfrage: Sie müssen sich vor Augen halten, dass die Menge der Verbraucher und die der Arbeitnehmer grosso modo identisch ist. Im Dienstleistungssektor sind 70 Prozent der deutschen Arbeitnehmer beschäftigt. Kürzt man die Löhne across-the-board, dann gibt es nicht viele Verbraucher, die davon profitieren könnten. Konkret: Von 1,13 Billionen Euro Arbeitnehmerentgelten wären 790 Mrd. dem Dienstleistungssektor zuzurechnen. Wenn für die Hälfte davon das Gehalt um 30 Prozent runtergesetzt wird (das wäre noch ein exzellentes polnisches Lohnniveau), dann reden wir über einen Verlust von rund 120 Mrd. Euro. Das wäre in 20 Jahren nicht auszugleichen.
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