Mit dem Kopf voran

25.09.2007 um 18:37 Uhr

Ein Ausreißer?

von: steffenh   Kategorie: Blogosphäre

Ganz zufällig bin ich im Internet auf den Leserbrief  (etwas nach unten scrollen) eines Softwareentwicklers gestoßen, der eine etwas andere Perspektive der Microsoft-Debatte als bei den Leuten von B.L.O.G. repräsentiert:

...Let's not forget that at the early stages crucial reason for Microsoft dominance was the developer support. Programming for Microsoft platforms with the first editions of Visual Basic and C++ compilers was easier than doing the same things for any other platform.

Even today MSDN is one of the best developer resources out there, there's no match for that in Linux/Unix/Apple/Amiga/OS2 world as far as I've seen. Plus, I always go to MSDN events to pick up some new stuff even if it doesn't relate to my work. When was the last time a developer from Apache Foundation visited your friendly town to tell about upcoming features and listen to the requests?

Anyway, among the companies to develop for Microsoft still has the lowest barrier for entry with free .NET compilers with SDK and plenty of documentation, books, and access to the guys like Alex (A.d.A: Alex ist ein Microsoft Developer Evangelist, der diesen Job auf seinem Weblog definierte und dafür Prügel einstecken musste).

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenRayson schreibt am 25.09.2007 um 19:04 Uhr:"Programming for Microsoft platforms with the first editions of Visual Basic and C++ compilers was easier than doing the same things for any other platform. "

    Und das hat natürlich auch wieder nichts damit zu tun gehabt, dass MS den Quellcode des Betriebssystems kannte...

    Jetzt aber mal abgesehen davon, dass ich nicht wirklich beurteilen kann, ob Borlands Turbo Pascal (später: Delphi) so viel komplizierter war, offenbart sich da doch eine interessante Sichtweise: Da schafft sich ein Angebot seine Nachfrage - die Produzenten entscheiden autonom über ihr Produkt aufgrund ihrer Präferenzen für die Produktionsanlagen und die Verbraucher bzw. Industriekunden nehmen, was sie vorgesetzt kriegen.
  2. zitierensteffenh schreibt am 25.09.2007 um 19:19 Uhr:Was ist daran so ungewöhnlich? Es passiert häufig, dass sich ein Angebot seine Nachfrage schafft, wobei ich sagen würde, es weckt eine latente Nachfrage. Wusstest du, dass du jemals in der U-Bahn telefonieren wolltest. Insofern verstehe ich deinen Einwand nicht.

    Abgesehen davon spricht der Mann ausdrücklich von der Relation zur Konkurrenz und nicht davon, dass ihm nichts anderes übrig blieb. Vielleicht sollte man nicht immer alle Argumente dahin drehen, wohin man sie braucht... ;-) Übrigens, schade, dass wir uns nicht in Gummersbach treffen (streiten?).
  3. zitierenRayson schreibt am 25.09.2007 um 23:20 Uhr:Komisch, ich will immer noch nicht in der U-Bahn telefonieren... Aber ja, die Relation zur Konkurrenz, um genau die geht es doch. Das wäre, um in deiner Analogie zu bleiben, vergleichbar mit der Aussage, dass zwar vielleicht eine latente Nachfrage des mobilen Telefonierens geweckt wurde, der Umstand, dass dies jedoch nur mit einer bestimmten Handymarke erfolgt, auf die Vorlieben von Entwicklern zurückzuführen ist. Adé, du Wahlfreiheit des Konsumenten...

    Neben einer grundsätzlichen Abneigung gegen Rudelbildung im speziellen und RL-Treffen im allgemeinen hält mich übrigens eine starke Präferenz für das Zusammensein mit meiner Liebsten von vermeidbaren Wochenendreisen ab.
  4. zitierensteffenh schreibt am 26.09.2007 um 09:54 Uhr:...was hier wiederum nicht passt, weil ich mit mehr als einem Betriebssystem problemlos arbeiten kann. Im Übrigen ist der Nachfrager immer darauf angewiesen, dass sich irgendjemand das Angebot auch leisten kann. Soweit geht die Wahlfreiheit dann doch nicht, außer vielleicht im Schlaraffenland...

    Grundsätzliche Abneigung gegen Rudelbildung? Ich kenne mich damit nicht aus, wollte das erste mal hinfahren. RL-Treffen? Dann viel Spaß mit deinem Kleinrudel daheim. ;-)
  5. zitierenR.A. schreibt am 26.09.2007 um 12:18 Uhr:Die Aussage dieses Typs ist schlicht falsch.

    "at the early stages crucial reason for Microsoft dominance"
    In den 80er Jahren errang MS mit DOS seine Dominanz, bis Anfang der 90er auch mit Windows.

    Ich habe in dieser Zeit in DOS programmiert, auf Atari, auf Apple und auf Windows.

    Und der MS-Entwickler-Support war lausig.

    "Programming for Microsoft platforms with the first editions of Visual Basic and C++ compilers was easier than doing the same things for any other platform."
    Definitiv falsch. Und man fragt sich, weiß es der Typ nicht besser, oder lügt er.

    Visual Basic kam überhaupt erst 1991, da war MS schon fett Marktführer.
    MS C++ kam 1993 auf den Markt, da waren die meisten OS-Konkurrenten schon so gut wie platt.

    Und in den ersten Jahren waren beide Produkte ziemlich schlecht - ein professioneller Entwickler verwendete Borland.

    Wie es heute aussieht, kann ich nicht sagen - ich programmiere seit über 10 Jahren nicht mehr. Mag sein, daß MSDN etc. inzwischen gut sind. Aber das ist dann deutlich NACH der Etablierung von MS als Quasi-Monopolist gekommen.

    Es macht mich immer ganz fertig, wenn sich Leute als Experten ausgeben, aber schon mit einfachen Fakten nachweisbar falsch liegen.

    Alles weitere in Gummersbach ;-)
  6. zitierensteffenh schreibt am 26.09.2007 um 13:35 Uhr:Was hältst du davon, wenn du den Streit mit dem Typen persönlich schlichtest. Abgesehen davon, 1993 war die Dominanzfrage noch nicht geklärt, schließlich gab es noch OS2 von IBM, die ihr System 1994 zu Warp aufhübschten, es anfangs sogar recht gut vermarkteten (selbst ich Depp hab mir damals eine Version für fast 200 DM gekauft), aber später mangels Software und Treibern jämmerlich versagten. Im selben Jahr schickte sich NEXT an ihr NEXT-Step für Intel zu entwickeln etc...

    Bis Gummersbach... ;-)
  7. zitierenR.A. schreibt am 26.09.2007 um 15:08 Uhr:
    steffenh:Was hältst du davon, wenn du den Streit mit dem Typen persönlich schlichtest.

    Wieso, ich kenne ihn doch gar nicht?
    Und ich habe keinen Streit, ich stelle nur fest, daß er Unsinn schreibt.
    Und zwar so krassen, daß er entweder keine Ahnung hat oder bewußt lügt.

    1993 war die Dominanzfrage noch nicht geklärt

    Die war schon Jahre vorher geklärt.
    Ich weiß nicht genau, wann MS seinen Marktanteil auf über 80% geschraubt hat (Mitte der 80er?), 1993 hatten sie ihr De-Facto-Monopol, von den Konkurrenten damals hat nur Apple in seiner Graphik-Nische überlebt.

    Den Next haben wir uns damals intensiv angeschaut (einer im Team hatte auch einen), als mögliche Basis für eine Entwicklung im Einzelhandel.
    Das Gerät war wirklich Innovation pur (und nicht zu vergessen: Das WWW wurde auf einem Next entwickelt!), aber da hat man sehr deutlich den Netzwerkeffekt gesehen: Keine Nutzer, also keine Software, als weiter keine Nutzer ...
  8. zitierensteffenh schreibt am 26.09.2007 um 17:42 Uhr:Lieber R.A.,

    irgendwie nervt mich dein Diskussionsstil, weil du nicht nur MS, sondern auch allen anderen, die deiner Auffassung widersprechen Unredlichkeit vorwirfst. Wenn der Typ der Meinung ist, ihm als Softwareentwickler hätte MS die Arbeit erleichtert, dann solltest du das zunächst hinnehmen und nicht als Unsinn oder Ahnungslosigkeit hinstellen. An deiner Stelle würde es mich interessieren, warum manche Leute nicht so denken wie du. Deine Strategie, jedem der von deiner Auffassung abweicht den Idioten zu unterstellen, ist ziemlich destruktiv.

    Im Übrigen kann man den Netzwerkeffekt nicht dem etablierten Systemanbieter vorwerfen, der kommt von ganz allein. Mir hat das Beispiel OS2-Warp gezeigt, dass IBM eine recht ordentliche Startposition versaut hat, weil bereits bei der Hardwareunterstützung nicht in Vorleistung gegangen war bzw. die Anbieter zur Zusammenarbeit eingeladen hat. Hierzu haben nicht nur die Netzwerkeffekte beigetragen.
  9. zitierenR.A. schreibt am 27.09.2007 um 12:45 Uhr:> irgendwie nervt mich
    > dein Diskussionsstil,
    Das tut mir leid, ich werde auch versuchen, das zu verbessern.
    Aber ich denke, daß ich beim logischen Aufbau meiner Argumentation recht sorgfältig bin - und Dein Ärger liegt vielleicht daran, daß Du hier etwas zu schnell gelesen und daher den Knackpunkt übersehen hast.

    Es ist NICHT so, daß ich Unredlichkeit vorwerfe, wenn jemand eine andere Beurteilung abgibt. Aber wenn jemand (offenbar bewußt) falsche Fakten bringt, dann ärgert mich das sehr.

    Mal als Vergleich:
    Man kann die "Agenda 2010" für schlecht oder für genial halten. Das ist Ansichtssache und beides ist legitim als Standpunkt.
    Aber wenn jemand behaupten würde, Schröder hätte 1998 wegen der Agenda die Wahl gewonnen - dann wäre das schlicht gelogen, und zwar ziemlich dreist.

    So ähnlich ist das hier. Ob man sich nun als Entwickler beim MS-Compiler oder dem von Borland besser aufgehoben fühlt, ist Ermessenssache.
    Von mir aus fühlte er sich bei MS besser betreut - das ist ok.

    Aber das ist Stand Mitte der 90er, und es ist hanebüchen, dies als Erklärung für die MS-Dominanz anzubieten, die damals schon Jahre bestand.

    > An deiner Stelle würde
    > es mich interessieren,
    > warum manche Leute nicht
    > so denken wie du.
    Das interessiert mich sehr, das zu lernen ist mein Hauptziel bei solchen Diskussionen.
    Aber wenn Leute so dümmlich lügen, dann ist das nicht mehr interessant.

    > Im Übrigen kann man den
    > Netzwerkeffekt nicht
    > dem etablierten
    > Systemanbieter vorwerfen,
    Völlig richtig, tue ich auch gar nicht.
    Ich habe nur festgestellt, daß dieser Effekt stark genug war, daß Next sich nicht behaupten konnte.
    Daraus läßt sich aber überhaupt kein Vorwurf an MS ableiten.

    Und Du hast auch völlig recht, daß man sich diesen Effekt wie IBM auch selber verbeuteln kann. MS hat Fehler dieser Art nicht gemacht, das ist über die Jahre ja auch eine Leistung.
  10. zitierensteffenh schreibt am 27.09.2007 um 19:42 Uhr:;-) Ich denke die Dominanz war damals noch nicht so klar, denn wir standen noch recht am Anfang der Entwicklung graphischer Bedienoberflächen für MS/PC-DOS. Ich selbst (stets nur als User) hab mit verschiedenen Alternativen herumexperimentiert. Erst mit GeoWorks auf meinem Schneider-PC. Eigentlich eine feine Sache, aber ohne Anwendungsprogramme. Später mit OS2, das selbe Manko und permanenter Ärger mit Treibern für Grafikkarten und Soundkarten. BeOS hab ich mal ne Chance gegeben. Aber irgendwann war meine Spielphase vorbei, da mussten die Dinge einfach da sein und funktionieren. Und der Bluescreen war mir stets das geringere Übel als die extra Scheine für einen Mac. Wenn ich jetzt noch Computerspieler gewesen wäre, wär mir so oder so nichts anderes übrig geblieben. Das alles hat viel mit Netzwerkeffekten, aber genauso viel mit dem Versagen der Wettbewerber zu tun. Denke ich...
  11. zitierenR.A. schreibt am 28.09.2007 um 11:52 Uhr:> Das alles hat viel mit
    > Netzwerkeffekten, aber
    > genauso viel mit dem
    > Versagen der Wettbewerber
    > zu tun.
    Das gehört wohl zusammen.
    Fehler sind im Geschäftsleben unvermeidlich. Und im schnell-lebigen EDV-Bereich sind sie besonders häufig, ALLE hier diskutierten Firmen haben sehr viele Fehlentwicklungen und Murksentscheidungen vorzuweisen (kein Vorwurf an die Entscheider, hinterher ist man immer schlauer).

    Und das Gag ist halt: Der Marktführer hält dank Netzwerkeffekt viel mehr Fehler aus als die Mitbewerber.

    Ansonsten noch eine Anmerkung zum Thema Diskussionsstil: Internetdiskussionen (insbesondere in der wenig struktierten Form von Blogkommentaren) haben strukturelle Schwächen.
    Es wird selten klar gemacht, welche These konkret mit welchen Belegen diskutiert wird.
    Meist ist man schon mitten im Gefecht bevor man weiß, worauf der Gegenüber eigentlich aus ist.

    Diese Probleme nerven mich (als Mathematiker bin ich auf klare Strukturen fixiert) offenbar zunehmend, daher vielleicht eine gewisse Gereiztheit, wenn aus meiner Sicht SCHON WIEDER ein Beitrag am Punkt vorbeigeht.

    Meine Haupthoffnung an Gummersbach ist, dort auch bessere Kommunikationsmöglichkeiten in der Szene reden zu können, als sie bisher existieren.
    Die liberale Blogosphäre hat eine Größe und Qualität erreicht, wo das sehr sinnvoll wäre.

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