Mit dem Kopf voran

28.05.2006 um 01:03 Uhr

Keine Angst vor der Maschine

Robert Shiller versucht seine Studenten zu beruhigen. Auch wenn Computer in den vergangenen Jahren mehr und mehr manuelle und kognitive Routinearbeiten auch aus intellektuell anspruchsvollen Berufen übernommen haben, müssen sich  ambitionierte Studenten heute nicht vor der sog. "Kommodisierung" der akademischen Jobs fürchten. Allerdings gibt es auch nicht die krisensichere Berufsausrichtung, die gegen jegliche Aufgabenkonkurrenz durch moderne Kommunikationstechnik gefeit ist, sondern es kommt eher darauf an, innerhalb der bestehenden Jobs in die Art von Problemlösungskompetenz und Kommunikationsfähigkeit zu investieren, die (noch) nicht vom Computer übernommen werden kann. Also sind Studenten gut beraten, weniger Mühe in das Auswendiglernen von Wissen als in das grundlegende Verständnis und vor allem die Weiterentwicklung der Studieninhalte zu investieren. Eigentlich keine neue Weisheit.

Doch zieht der Mensch im Konkurrenzkampf mit der Maschine nicht irgendwann doch den Kürzeren? Automatisieren wir uns in die Bedeutungslosigkeit? Was für ein Glück, dass wir Menschen nicht nur so schlau sind, intelligente Maschinen zu bauen, nein wir haben immer auch komparative Kostenvorteile auf unserer Seite. James Millers Beispiel einer Kuchen/Wein-Zwei-Güter-Welt zeigt, dass wir stets unseren Hals aus der Schlinge des technischen Fortschritts ziehen werden. Produzieren Roboter nur Wein oder Kuchen, ist es für uns Menschen immer vorteilhaft immer das anzubieten, was  Maschinen gerade nicht so gut können wie wir. Und je besser die Maschinen ein Gut produzieren können, um so lohnenswerter wird es, uns auf die Produktion des anderen Gutes zu spezialisieren. Immer wenn die Maschine ein Gut besser als das Andere produzieren kann, und sie wird nie Beide gleich gut zustande bringen, macht es für uns Sinn, die Produktion des anderen Gutes zu übernehmen. So wie der Arzt, der womöglich die Behandlung seiner Patienten und die Buchhaltung besser als seine Sprechstundenhilfe beherrscht, sich trotzdem auf den Arztberuf spezialisiert, weil seine Sprechstundenhilfe davon noch weniger als von der Buchhaltung versteht.

Was für zwei Güter gilt, stimmt auch in unserer realen Welt. Je billiger Maschinen die Güter produzieren, bei denen sie einen komparativen Vorteil haben, um so wertvoller werden die Produkte, die Maschinen weniger gut erledigen können. Und hier liegt unsere Chance, in einer technisierten Welt Karriere zu machen. Die Kunst liegt darin, sich auf das zu spezialisieren, was Maschinen, Roboter und Computer weniger gut können.

Zugegeben, so wird unsere Welt schneller und wir müssen flexibler sein. Wer A sagt muß auch B sagen. Wer einen schnellen Computer für Berechnung von Daten nutzen will, darf sich nicht darüber beschweren, dass der ihm nach und nach den eigenen Job wegrechnet. Doch für diesen Teil der alten Jobs gibt es unzählige Neue, manchmal nur geringfügig veränderte. Leben bedeutet eben auch lernen, leider (?) bis zur wohlverdienten Rente.



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