Konstruiertes Glück!
Glaubt man einer Studie der New Economics Foundation, dann ist Glück nicht so sehr eine Sache von Wohlstand und Gesundheit, sondern schlichtem Lebensstandard. Jedenfalls stellen sie fest, dass die südpazifische Inselgruppe Vanuatu (Jahreseinkommen 3346 $(PPP)/Kopf) die glücklichsten Menschen beheimatet, gefolgt von den Entwicklungsländern Columbien, Costa Rica, der Dominikanischen Republik, Panama und Cuba. Die Bewohner von Industriestaaten wie Großbritannien (30470 $/Kopf) und den USA (41399 $/Kopf) gehören dagegen nach dem Glücksindex der Studie zu den unglücklichsten Bewohnern dieses Planeten.
Wie kommt man zu einem derartigen Index? Nun, man hat eine Agenda im Kopf, nach der jederman unglücklich zu sein hat, der einen großen "ökologischen Fußabdruck" erzeugt und setzt diese Agenda in einen Index um, der vom Einfluß des "ökologischen Fußabdrucks" dominiert wird:
Glücksindex = (Zufriedenheit x Lebenserwartung)/"ökologischer Fußabdruck"
Was daraus resultiert ist klar, wenn man berücksichtigt, dass die Variablen Zufriedenheit und Lebenserwartung ebenso signifikant positiv mit dem Pro-Kopf-Einkommen korelliert sind wie der "ökologische Fußabdruck". Dann ist der Einfluß zusätzlichen Einkommens auf den Glücksindex zunächst bestenfalls unbestimmt. Berücksichtigt man zusätzlich, dass die Einkommenselastizität der Zufriedenheit und der Lebenserwartung im verwendeten Datensatz degressiv positiv ist, der "ökologische Fußabdruck" - dominiert vom Energieverbrauch - dagegen proportional zum Einkommen wächst, dann ist ein negativer Einfluß des Einkommens auf das Glück vorprogrammiert (ausführliche Analyse und Abbildungen bei Heavy Lifting).
Die ideologische Konstruktion dieses Glücksindex war denn auch Anlaß für diese schallende Ohrfeige vom Experten in Sachen Glücksforschung Will Wilkinson:
Heavy Lifting's Kommentar "My take is that while it is possible to be happy with less, it is far easier to be happy with more." kann ich nur zustimmend ergänzen: Wir verweichlichten Wohlstandsbürger haben es einfach verlernt, mit chronischen Zahnschmerzen und schlecht bezahlten Knochenjobs glücklich zu sein. Hacken zusammen, man kann auch im Unglück noch lachen! Hauptsache der Energieverbrauch hält sich in Grenzen.
Update: Ein etwas objektiveres Glücksranking inklusive einer Weltglückskarte veröffentlichte unlängst der New Scientist. Hier haben die gar nicht so armen Dänen (34737 $/Kopf) die Nase vorn.
Update 2: Florian hat mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass wichtige deutsche Massenmedien wie tagesschau, Spiegel-Online u.a., ohne auch nur eine Minute über die fragwürdige Methode des Glücks-Index nachzudenken, entsprechend reißerische Beiträge wie "Gefühlstudie: Die Glückskinder von Vanuatu" veröffentlicht haben. Diese Art der Berichterstattung kann jedoch nicht allein an der berufsbedingten Oberflächlichkeit von Journalisten liegen. Denn wer in verschiedenen Zeitungen zum Thema recherchiert und sich anstatt zuerst die Untersuchungsmethodik unter die kritische Lupe zu nehmen die Mühe macht, die Inhalte eines Interviews eines Journalisten einer in Vanuatu ansäßigen Zeitung zu zitieren, der hat die Agenda der Autoren der Studie wohl bereits verinnerlicht.
Wie kommt man zu einem derartigen Index? Nun, man hat eine Agenda im Kopf, nach der jederman unglücklich zu sein hat, der einen großen "ökologischen Fußabdruck" erzeugt und setzt diese Agenda in einen Index um, der vom Einfluß des "ökologischen Fußabdrucks" dominiert wird:
Glücksindex = (Zufriedenheit x Lebenserwartung)/"ökologischer Fußabdruck"
Was daraus resultiert ist klar, wenn man berücksichtigt, dass die Variablen Zufriedenheit und Lebenserwartung ebenso signifikant positiv mit dem Pro-Kopf-Einkommen korelliert sind wie der "ökologische Fußabdruck". Dann ist der Einfluß zusätzlichen Einkommens auf den Glücksindex zunächst bestenfalls unbestimmt. Berücksichtigt man zusätzlich, dass die Einkommenselastizität der Zufriedenheit und der Lebenserwartung im verwendeten Datensatz degressiv positiv ist, der "ökologische Fußabdruck" - dominiert vom Energieverbrauch - dagegen proportional zum Einkommen wächst, dann ist ein negativer Einfluß des Einkommens auf das Glück vorprogrammiert (ausführliche Analyse und Abbildungen bei Heavy Lifting).
Die ideologische Konstruktion dieses Glücksindex war denn auch Anlaß für diese schallende Ohrfeige vom Experten in Sachen Glücksforschung Will Wilkinson:
There is simply no non-crazy sense in which Vanuatu is the world’s happiest country. And there is no credible empirical reason for docking countries on any kind of index of human well-being for producing a lot of wealth. The evidence says that the happiness of poor populations like Vanuatu’s would skyrocket with swift economic growth. But growth is exactly what NEF is trying to limit. Their pseudo-study encourages us to be complacent about the poverty of Vanuatu, which is, after all, the “happiest” place on our “happy planet,” on the basis of the fact that they use almost no energy. If you really care about the well-being and happiness of the world’s poor, then agressively misleading publicity stunt studies like this one, and the people who author them, deserve nothing but our scorn.
Heavy Lifting's Kommentar "My take is that while it is possible to be happy with less, it is far easier to be happy with more." kann ich nur zustimmend ergänzen: Wir verweichlichten Wohlstandsbürger haben es einfach verlernt, mit chronischen Zahnschmerzen und schlecht bezahlten Knochenjobs glücklich zu sein. Hacken zusammen, man kann auch im Unglück noch lachen! Hauptsache der Energieverbrauch hält sich in Grenzen.
Update: Ein etwas objektiveres Glücksranking inklusive einer Weltglückskarte veröffentlichte unlängst der New Scientist. Hier haben die gar nicht so armen Dänen (34737 $/Kopf) die Nase vorn.
Update 2: Florian hat mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass wichtige deutsche Massenmedien wie tagesschau, Spiegel-Online u.a., ohne auch nur eine Minute über die fragwürdige Methode des Glücks-Index nachzudenken, entsprechend reißerische Beiträge wie "Gefühlstudie: Die Glückskinder von Vanuatu" veröffentlicht haben. Diese Art der Berichterstattung kann jedoch nicht allein an der berufsbedingten Oberflächlichkeit von Journalisten liegen. Denn wer in verschiedenen Zeitungen zum Thema recherchiert und sich anstatt zuerst die Untersuchungsmethodik unter die kritische Lupe zu nehmen die Mühe macht, die Inhalte eines Interviews eines Journalisten einer in Vanuatu ansäßigen Zeitung zu zitieren, der hat die Agenda der Autoren der Studie wohl bereits verinnerlicht.

Aber jetzt die schlechte Nachricht: Es hat funktioniert!
Bei Google News gibt es 77 Links zu Veröffentlichungen im deutschsprachigen Raum. Darunter Medien wie Tagesschau, Handelsblatt und N24.
Keines dieser Medien hatte es nötig, dass eigene Hirn einzuschalten.
Statt dessen wird dann auf tagesschau.de jemand mit dem Spruch zitiert: \"\"Die Menschen hier sind glücklich, weil sie mit sehr wenig zufrieden sind\", \".
Aha. Na wenn das so ist, dann können wir die Entwicklungshilfe jetzt wohl einstellen...