Mit dem Kopf voran

02.09.2007 um 16:38 Uhr

Leute, kauft beim Discounter!

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Was kommt dabei heraus, wenn man die Erkenntnis der Ökonomie, dass Preisunterschiede zumeist nichts anderes als den unterschiedlichen Einsatz von Produktionsfaktoren wiederspiegeln, ernst nimmt und eine vollständige Ökobilanz von Nahrungsmitteln vornimmt, die nicht nur den Energieverbrauch und die Emissionen des Transport, sondern der gesamten Produktionskette berücksichtigt? Neuseeländische Wissenschaftler haben sich die Mühe gemacht, alle Faktorimputs landwirtschaftlicher Produkte und damit verbundene externe Umwelteffekte miteinander zu vergleichen und kommen zu einem klaren Ergebnis: Obwohl neuseeländisches Lammfleisch 11000 Meilen nach Großbritannien transportiert werden muss, wird über die gesamte Produktionskette nur ein Viertel der Kohlendioxidemissionen von britischen Lammfleisch emittiert. Sie berücksichtigten den unterschiedlichen Verbrauch von Wasser, den Einfluß der jeweiligen Produktionstechnik, die Nutzung alternativer Energieträger, die Menge des durch Photosynthese aufgenommenen Kohlendioxids, Transporttechniken, die Lagerhaltung, Verpackungsmaterialen und andere Faktorinputs.

Sind Lebensmittel auf dem europäischen Markt wettbewerbsfähig, obwohl sie über weite Strecken transportiert werden mussten, dann kann man davon ausgehen, dass dieser zusätzliche Aufwand durch den Minderverbrauch anderer Produktionsfaktoren kompensiert wird. Und das liegt häufig daran, dass unter anderen klimatischen Bedingungen bessere natürliche Ausgangsbedingungen für die Lebensmittelproduktion vorliegen. So existieren in Neuseeland große Flächen mit nahrhaftem Futter, was die in Großbritannien aufgrund des ungünstigeren Klimas und größerer Flächenkonkurrenz notwendige Versorgung mit Ersatzfutter reduziert. Zweifelsohne können die geringen Kosten auch durch geringere Umweltstandards in anderen Ländern verursacht sein. Doch dies ist kein zu generalisierendes Argument und rechtfertigt nicht, dass man aus Umweltschutzgründen per se zu regionalen Lebensmitteln greift.

Als Faustregel kann daher gelten: Preiswerte Lebensmittel sind solange auch ökologische Lebensmittel, wie man nicht den konkreten Beleg dafür erbringen kann, dass bei ihrer Produktion die Umwelt überdurchschnittlich geschädigt wird. Und Biolebensmittel sind nicht allein deshalb unverdächtig, weil sie aus der Region kommen. Auch dann nicht, wenn ihnen mit einem Label die Absolution erteilt werden soll.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenStephan schreibt am 02.09.2007 um 19:30 Uhr:Nun ja, durch die extensive Viehwirtschaft lässt sich in NZ wirklich gut Fleisch produzieren. Aber wer sagt denn, dass bei uns nicht auch genauso extensiv produziert werden kann?

    Gut, dann stünde vielleicht weniger zur Verfügung, was aber nicht wirklich ein Problem sein sollte. Schließlich muss man ja nicht täglich Fleisch essen, oder ist jeden Tag Sonntag?
  2. zitierenFlorian schreibt am 02.09.2007 um 19:31 Uhr:Nun ja.
    Der entscheidende Kostenfaktor sind doch auch bei der Lebensmittelproduktion letzlich die Löhne.
    Wenn chilenische Spargel günstiger sind als Deutsche, dürfte das der Hauptgrund sein - und nicht der sparsamere Einsatz sonstiger Ressourcen.
    Jetzt ist natürlich richtig: Der "ökologische Fußabdruck" eines chilenischen Erntehelfers dürfte deutlich kleiner sein als der eines Schrobenhauser Bauern.
    Aber das ist vielleicht doch etwas zynisch gedacht. Zu Ende überlegt könnte der ökoligische Fußabdruck der Weltbevölkerung natürlich deutlich verkleinert werden, wenn wir alle zurück auf Steinzeitniveau gingen. Nur wollen wir das? Wohl kaum.

    Was Biolebensmittel betrifft: Absolut richtig.
    Man kann es sogar noch härter formulieren: Würde die ganze Menschheit auf ökologische (=extensive) Landwirtschaft umsteigen, würde der landwirtschaftliche Flächenbedarf gewaltig zunehmen. Mit "Öko" könnte man die Welt auf jeden Fall nicht ernähren.
    In den Worten der Grünen: ökologische Landwirtschaft ist ressourcenintensiver und somit viel weniger nachhaltig als die konventionelle Variante!
    Wer gerne Öko-Produkte isst, soll das von mir aus gerne machen. Nur bitte schön nicht dann auch noch die Aura moralischer Überlegenheit verbreiten.
  3. zitierensteffenh schreibt am 03.09.2007 um 00:40 Uhr:@Florian:

    Nun ja, nicht alle Lebensmittelimporte sind aus der dritten Welt, also nicht immer sind die geringen Kosten durch geringere Löhne verursacht. Zudem sind geringe Löhne, wie du richtig andeutest, ökologisch eher unverdächtig, sondern eher eine Folge vieler Arbeitskräfte mit wenigen produktiven Alternativen. Damit ändert das nichts an dem o.g. Argument.

    Deiner abschließenden Aussage kann ich nur zustimmen.
  4. zitierenFlorian schreibt am 03.09.2007 um 14:34 Uhr:Note to myself:
    Blog-Kommentare nicht mehr mit "nun ja" beginnen.
    Sieht ja furchtbar aus, wenn das 3 mal hintereinander kommt.
    ;-)

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