Mit dem Kopf voran

22.08.2006 um 00:04 Uhr

"Natürlicher" Wettbewerb

Der Wettbewerb auf dem Markt für Bioprodukte erfolgt offenbar mit harten Bandagen. Kein Wunder, haben doch die etablierten Anbieter durch den Einfall der Supermärkte in das Bioproduktspektrum ein erhebliches Maß an Substitutionskonkurrenz zu erleiden. Unter diesen Bedingungen können die kleinen Einzelhändler ihre oftmals deutlich höheren Kosten nicht mehr durch überdurchschnittlich hohe Margen decken. Noch immer läßt sich ein Liter Biomilch, dessen Herstellung vergleichsweise geringe Zusatzkosten verursacht, mit erheblich zusätzlichen Preisaufschlägen verkaufen:

Durchschnittliche Preise und Marktspanne bei Trinkmilch in Deutschland 12/2001 (Spiller, 2002, S.41)

Milchpreis Konventionelle Ware
Ökologische Ware
Unterschied Konventionell-Bio
Erzeugerpreis EUR 0,33
EUR 0,41
24%
Verarbeitungsspanne EUR 0,32
EUR 0,55
72%
Endverbraucherpreis EUR 0,65
EUR 0,95
48%

Quelle: C. Schweizer: Analyse des Preisbildungsprozesses bei Biomilch in der Schweiz, Diplomarbeit, 2003.

Kein Wunder also, dass der Wettbewerb mit unlauter erscheinenden Mitteln und einer gehörigen Portion Ideologie geführt wird. Letztlich muß sich der Verbraucher entscheiden, ob er durch den Kauf von Bioprodukten die Natur und Umwelt oder überkommene Einzelhandelsstrukturen retten möchte. Das fiese Konkurrenzgeklapper jedoch sollen die Hersteller und Händler unter sich selbst ausmachen. Gegen den Kunden wird dieser Prozess langfristig keine Chance haben. Die von einigen Kommentatoren geforderten Eingriffe des Staates, in der Landwirtschaft schon destruktiv genug, sind hier jedoch sicherlich fehl am Platze.

Lesetipp: Tim Harford beschreibt in seinem bald in auch in deutscher Sprache erscheinendem Buch "Ökonomics" die Preisdifferenzierungsstrategien von Lebensmittelanbietern, unter denen die Hochpreisstrategie der Bioprodukte der letzte Schrei ist. Doch Wettbewerb wirkt auch hier wieder Wunder.

Via B.L.O.G.

 


Diesen Eintrag kommentieren