Mit dem Kopf voran

29.10.2007 um 01:31 Uhr

SPAMonomics

von: steffenh   Kategorie: Netzökonomie

E-Mails sind billig. Die minimalen, im wesentlichen fixen Kosten für den User werden spätestens dann zur Plage, wenn man in einer Flut von Spam-Mails zu ertrinken droht. Technische Gegenmassnahmen liefern sich ein Wettrennen mit den Spammern, so dass nach wie vor Netznutzer und -betreiber unter den Kosten ächzen. Auch rechtliche Regelungen haben sich bislang als unwirksam erwiesen. Eine Kosten-Nutzen-Bilanz ist jedoch schwierig. Spammen lohnt sich. Spam-Mails kosten aber auch bares Geld. Sie sorgen für Traffic und erfordern technische Gegenmaßnahmen beim Empfänger. Aber gibt es immer wieder Leute, denen die Werbesendung entgegen kommt und die daher für satte Gewinne der Sender sorgen. Damit halten sie jedoch die Spam-Maschinerie am Leben. Und so sind es eigentlich nicht die Spammer, sondern deren Empfänger und Nutzer, die einen negativen externen Effekt für andere Internet-Nutzer erzeugen.

Was tun, wenn Gesetze weder praktikabel noch wirklich wünschenswert sind und herkömmlich Filtertechnik versagt? Bislang konnte sich auch die obligatorische Bezahlung von Mails oder eine zeitlich verzögerte versendung als Kostenfaktor nicht durchsetzen. Aber es gibt noch andere interessante Ideen. So schlägt der amerikanische Ökonom David D. Friedman in seinem neuen Buch über die nahe Zukunft des Internets und seine Konsequenzen "Future Imperfect" (Chapter VII: Slicing Spam) vor, dass der Empfänger von E-Mails entscheiden können sollte, ob er bestimmte Mails nur öffnet, wenn er für deren Lektüre bezahlt wird. Jeder der nicht auf einer selbsterstellten Whitelist auftaucht, bekommt seine Mails mit dem Verweis zurück, dass diese erst mit einer per Micropayment bezahlten Briefmarke auszustatten ist, deren Erlös an den Empfänger geht. Der Preis der Briefmarke kann vom Empfänger je nach Intensität der Abneigung gegenüber ungewünschten Mails beliebig festgelegt werden. Dieser Preis sollte Spammer davon abhalten eine Werbeflut loszutreten. Bis es soweit ist, kann man sich hiermit ganz gut aushelfen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenR.A. schreibt am 29.10.2007 um 12:51 Uhr:> Spammen lohnt sich.
    Diebstahl lohnt sich auch.

    Diebstahl läßt sich auch nicht immer mit technischen Mitteln verhindern. Es wäre auch grob unverhältnismäßig die Gesetze so zu verschärfen, daß es nie wieder Diebstahl gibt.

    Aber eine vernünftige Zurückdrängung von Diebstahl gelingt durch Gesetze etc. schon.

    Strafbar sollte Spammen auf jeden Fall bleiben.
  2. zitierensteffenh schreibt am 29.10.2007 um 14:26 Uhr:Spammen ist aber kein Diebstahl, sondern eine für manche Empfänger unangenehme Marketing-Strategie. Und die Frage muss doch sein, wie soll man sich dagegen wirksam chützen. Wozu nach staatlichen Maßnahmen rufen, wenn es private Lösungsalternativen gibt. Was, wenn ich einen Teil der Mails, die andere kategorisch ablehnen, tatsächlich haben will (manchmal ist diese Porno-Spam-Werbung wirklich lustig, auch ohne Besuch der Seite ;-))? Genau an dem Punkt bekommen wir die Diktatur der Mehrheit.

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