SPONtane Schlamperei
Statt seine Aussagen zu verifizieren verkündet Spiegel Online eilig das Klimaschutz nicht teuer werden wird:
Als Ziel dafür geben die Klimaexperten vor: Bis 2050 müsse der Kohlendioxid-Ausstoß um 50 bis 85 Prozent gesenkt werden. Dazu müssten die weltweiten CO2-Emissionen bereits im Jahr 2015 sinken. So werde sich die durchschnittliche globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 wohl auf zwei Grad Celsius begrenzen lassen. Die Kosten dafür würden 0,12 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts betragen - trotz der kleinen Prozentzahl immer noch eine Riesensumme. Doch in Mitigation zu investieren, so der Weltklimarat, lohne sich.
Aber was steht tatsächlich im SPM WG3 des IPCC? Folgende Tabelle (S. 26):
Die vom SPON angegebene Größe ist die prognostizierte Abnahme der Wachstumsrate des weltweiten BIP. Wie man leicht der Tabelle entnehmen kann liegt die Reduktion des jährlichen BIP wesentlich höher. Aber muß ein Journalist den Unterschied wirklich kennen, wenn sich mit etwas Leichtfertigkeit die bessere Schlagzeile machen lässt?
Update: In einem anderen SPON-Beitrag wird zwar zunächst von Wachstumsverlusten gesprochen, doch dann der Fehler wiederholt:
Wir verzichten auf ein Promille Wirtschaftswachstum, investieren höchstens ein paar Prozent mehr: Das ist der Kostenvoranschlag des Weltklimarats zur Abwendung der Klimakatastrophe. Das einzige Problem: Die Rechnung geht nur auf, wenn alle mitmachen.
Das steht im Aufgalopp, dann folgt jedoch wieder:
Die Kosten dafür würden 0,12 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts betragen - nur ein Tausendstel der Jahreswirtschaftsleistung des Planeten. Dies ist die zentrale Zahl, die sich in Tabelle sechs der 35-seitigen Zusammenfassung des Dokuments aus Bangkok versteckt: Bis zum Jahr 2050 würde die Weltwirtschaftlsleistung also um eben jene 0,12 Prozent pro Jahr vermindert, wenn die Menschen sich auf eine Obergrenze von 445 bis 535 Teilchen CO2 pro Millionen Luftteilchen (ppm) einigten.
Später tauchen die 5,5 % Wohlstandsreduktion aus der SPM-Tabelle dann doch noch auf:
Doch schon der Ausblick über das Jahr 2050 hinaus zeigt: Hier geht es höchstens um grobe Größenordnungen. Für das ehrgeizigste Ziel von 445 bis 535 ppm CO2 in der Atmosphäre werden dann Kosten von 5,5 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung veranschlagt - oder mehr.
Was für ein Chaos? Offenbar ist dem Autor nicht klar, dass die zunächst verharmloste Wachstumsbremse dann doch nicht ganz so schmerzlos ist.

noetos