Mit dem Kopf voran

16.08.2006 um 10:15 Uhr

Tigerfarmen

In dem interessanten Beitrag "Sell the Tiger to Save It" in der New Yorck Times schlägt Barun Mitra, Direktor des indischen Liberty Institute, vor, die vergeblichen Artenschutzversuche der Vergangenheit durch eine pragmatische Marktlösung zu ersetzen. Der Bedarf nach Produkten des Tigers für die traditionelle chinesische Medizin, der heute zu diesem Zweck im großen Maßstab gewildert wird, ließe sich seiner Ansicht nach problemlos aus Tigerfarmen decken. Dort wird diese leicht zu züchtende Raubkatze, genau so wie andere Nutztiere des Menschen gehalten, zwangsläufig geschlachtet und verarbeitet. So werden freilebende Tiger geschützt und die bedrohten Arten erhalten. Zudem entsteht für die einheimische Bevölkerung eine neue Einkommensquelle. Bisherige Wilderer könnten zum Beispiel ins Tigerzuchtgewerbe einsteigen.

Natürlich kann man auch an die Vernunft der Menschen appellieren, allein aus Tierschutzgründen auf Heilmethoden unter Verwendung von Produkten aus wildlebenden Tieren zu verzichten. Entsprechende Aufklärung ist wünschenswert, reicht aber bei weitem nicht aus. Moralische Appelle haben ebensowenig gebracht, wie Millioneninvestitionen in das Verbot und die gewaltsame Unterbindung der Wilderei. Weder der Tiger noch das Nashorn oder der Elefant haben davon in den vergangenen Jahren wirklich profitiert.

Interessantes zur Rolle unterschiedlicher Interessengruppen im internationalen Artenschutz: The Ivory Bandwagon: International Transmission of Interest-Group-Politics , W.H.Kaempfer; A.D.Lowenberg, The Independent Review, Fall 1999.


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