Mit dem Kopf voran

27.09.2006 um 09:14 Uhr

Verkehrte Welt

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Wofür wird das Unternehmensmanagement eigentlich bezahlt? Niemand wird mir für die Behauptung widersprechen, die Honorierung erfolgt für die Maximierung des Unternehmensgewinns. Der Unternehmensgewinn ist bekanntlich dann am größten, wenn die Differenz zwischen dem Erlösen und den Kosten maximal ist. Und das wiederum kann das Management durch die Variation der Inputfaktoren, kurzfristig vor allem Arbeit und Rohstoffe, bewerkstelligen. Wenn also der Siemens-Vorstandschef Kleinfeld mit einer Gehaltserhöhung bedacht wird, dann hat man ihn für die gewinnmaximierende Variation der Faktoreinsätze, also gerade für die Reduzierung der Unternehmenskosten, vor allem durch Personalabbau bezahlt. Der Mann macht ganz einfach seinen Job und wird dafür gut bezahlt. Geht seine Strategie der Unternehmensumstrukturierung auf, dann wird es nicht bei diesen Vorschußlorbeeren bleiben. Wenn nicht, dann wird er wie viele andere vor ihm gehen müssen. Kleinfeld wird schließlich nicht von den Siemens-Angestellten dafür bezahlt, dass er ihnen um den Preis der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens den Job sichert.

Wirft man Kleinfeld und dem Siemens-Aufsichtsrat also Instinktlosigkeit vor, weil der Mann angesichts sozialer Härten seiner Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung erhält und fordert von ihm einen Akt der Selbstlosigkeit, dann sollte man zunächst einmal selbst in sich gehen und fragen, wo der eigene Beitrag zur Lösung des Problems liegt. Wir alle profitieren von Kostensenkungen und Entlassungen in Unternehmen, entweder weil wir die Konsumenten billiger werdender Produkte oder selbst Anteilseigner über irgendeine Sparanlage oder einen Aktienfond sind. Jeder reibt sich die Hände über billiger werdende Handys und Waschmaschinen oder plant schon die nächste Urlaubsreise aus den Dividenden seiner Ersparnisse. Wer aber nimmt das gesparte Geld und gibt es einem der armen, von der Entlassung bedrohten Siemens-Mitarbeiter? Ich habe noch keinen von derartig großzügigen Plänen reden gehört. Schon gar nicht einen der besonders laut polternden Politiker oder Funktionäre, die ja bekanntlich nicht gerade zu unseren ärmsten Mitbürgern zählen. Und solange wir mit dieser Inkonsistenz in unserem eigenen Verhalten nicht reinen Tisch gemacht haben, sollten wir uns nicht anmaßen über die vermeintliche Gier von Herrn Kleinfeld zu urteilen.

Ergänzung: Sicherlich gibt es auch Interessenskonflikte zwischen dem Management eines Unternehmens und den Unternehmensbesitzern. Wenn also die Vergütungshöhe und die Leistung des Management sich im Nachhinein als unverhältnismäßig erweisen sollte, haben die Anteilseigner ein Problem und einen berechtigten Grund sich zu beklagen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenFlorian schreibt am 27.09.2006 um 15:22 Uhr:absolute Zustimmung.

    Gerade die Kritik im Siemens-Fall ist Heuchelei.

    Im übrigen:
    Die Gehaltserhöhung für die Siemens-Vorstände war die erste in drei Jahren. Auch nach dieser Gehaltserhöhung um 30% liegt Siemens immer noch im Dax-Mittelfeld - obwohl Siemens ja einer der Dax-Schwergewichte ist. Ein Herr Reitzle als VV der (relativ kleinen) Linde verdient auch künftig mehr als Kleinfeld.
    Und wenn ich lese, ein Bischof wirft Kleinfeld "unpatriotisches Verhalten" vor, dann muss man sich schon fragen, seit wann die Kirche für Patriotismus zuständig ist.

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