Mit dem Kopf voran

16.03.2007 um 11:06 Uhr

Vorsicht! Virtuelle Gesetzeslosigkeit

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Mit Argwohn betrachtet der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages die Tatsache, dass der Staat nicht überall seine Finger im Spiel hat. So auch in Second Life, dem virtuellen Paralleluniversum. Nicht nur die Gesetzeslosigkeit in der virtuellen Realität macht den Politikern Sorgen, nein, auch die Tatsache, dass dort der eine oder andere Zeitgenosse die virtuelle Realität dem realen Alltag vorzieht:

Mit der wachsenden Bedeutung von Second Life nimmt auch die geäußerte Kritik zu. Als größtes Problem erscheint vielen Teilnehmern die virtuelle Gesetzlosigkeit, die dazu führt, dass es ermehrt „Verbrechen“ wie unerlaubten Waffengebrauch, sexuelle Belästigung oder massives mobbing innerhalb des Second Life gibt. Auch nimmt der Anteil an pornografischen Darstellungen zu, Glücksspiele sind weit verbreitet. In Hinblick auf Linden Lab wird die fehlende Haftung für virtuelle Güter und Guthaben sowie die mangelnde Systemstabilität stark kritisiert.

Allgemein stellt sich die Frage nach der Gefährdung der Nutzer aufgrund einer möglichen Suchtgefahr. Einer Studie zufolge stellt Internetabhängigkeit ein häufig unterschätztes Risiko dar. Diese Gefährdung könnte durch die Realitätsnähe von Second Life eine ganz neue Dimension erreichen. Betroffene tauchen dabei in eine virtuelle Welt ein, in der sie das sein und verwirklichen können, was sie sich im realen Leben wünschen. Grenzen werden überschritten, die Scheinexistenz nimmt an Bedeutung zu, während der Bezug zu Realität verloren geht.

Uuh, es wird aber Zeit, dass die Bundesregierung ihre Aktivitäten auch in den Cyberspace verlegt. Die armen, glücksspielenden, sexuell belästigten und gemobten virtuellen Gestalten können einem aber auch wirklich Leid tun und brauchen dringend Hilfe. Auch wird der Bau von Ministerien, Abgeordnetenhaus und Bundeskanzleramt in der virtuellen Realität wesentlich billiger. Platz ist im Internet genug.

Doch wenn mit dem Einzug der Bundesregierung in Second Life die Realität des Alltags auch im Internet einkehrt, dann gibt es auch keinen Grund mehr für ein Second Life. Für diesen Fall prognostiziere ich die Abstimmung mit dem Netzschalter.

Schöne Grüße an la deutsche vita.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenra-boenke schreibt am 01.04.2007 um 20:28 Uhr:Allein die auffallend einhellige Häme, mit der die Suchtgefahr von der Usergemeinde bloggend dementiert wird, lässt befürchten, dass die Forscher ins Schwarze getroffen haben...
  2. zitierensteffenh schreibt am 01.04.2007 um 21:05 Uhr:Was geht die Forscher deren Sucht an? Die Sucht anderen Leuten ins Leben reinzureden?

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