Mit dem Kopf voran

12.03.2007 um 23:07 Uhr

Warum ich skeptisch bin?

von: steffenh   Stichwörter: Klimapolitik

Zugegeben, ich verstehe nicht viel vom Klimawandel. Was mich skeptisch macht ist aber die traurige Tatsache, dass Politiker, Interessengruppen und Medien, die ebenso wenig oder noch weniger in der klimawissenschaftlichen Materie stecken, sich für die Lösung des Problems Wege ausdenken, die entweder aus unverstandener Sachlage, ganz privaten Motiven oder ideologischer Befangenheit in nahezu allen Fällen am eigentlichen Problem vorbei gehen oder ungeachtet ihrer gesamtwirtschaftlichen Kosten praktiziert werden sollen.

Ganze Bibliotheken lassen sich mit Forschungsarbeiten zu den ökonomischen Implikationen des Klimawandels und geeigneten Problemlösungsansätzen füllen. So kann dem Klimawandel nicht nur durch Emissionsvermeidung, sondern auch durch Anpassungsmaßnahmen an die Folgen veränderter klimatischer Bedingungen begegnet werden. Denn lässt sich der Schaden zusätzlicher Emissionen durch Anpassungsmaßnahmen billiger vermeiden als durch Emissionsminderungen, macht es keinen Sinn sich lediglich auf Vermeidungsmaßnahmen zu versteifen. Anpassen müssen wir uns ohnehin, ob die Vermeidung von Emissionen wirklich hilft weiß niemand so genau. Doch inzwischen macht man sich als Klimaskeptiker verdächtig, wenn man das Wort Anpassung nur in den Mund nimmt. Zudem sind sich nahezu alle Ökonomen aus gutem Grund einig, dass sich nur solche Instrumente zum effektiven Klimaschutz eignen, die Klimagasemissionen zu minimalen Kosten, also unter minimalem Ressourcenaufwand reduzieren. Viele Klimaschutzinstrumente verursachen jedoch in der Praxis Kosten, die ein Vielfaches über dem Aufwand bekannter Alternativen liegen. Grenzwerte, die weder auf tatsächliche Emissionen noch Möglichkeiten günstiger Vermeidung Rücksicht nehmen, Subventionen für eine handvoll vermeintlicher Schlüsseltechnologien und eine sektorale Trennung der Klimapolitik, die keine übergreifende Kostenminimierung zulässt. Und so gesehen verursachen diese Instrumente zusätzliche Emissionen, da mit dem gleichen Ressourcenaufwand mehr zu erreichen gewesen wäre.

Doch ebenso häufig wie die Protagonisten besonders teurer Klimaschutzinstrumente wie Emissionsauflagen und Subventionen auf die Probleme der politischen Durchsetzbarkeit marktkonformer, kosteneffizienter Instrumente wie Steuern oder Emissionshandel hinweisen, äußern sie ihr grundsätzliches Misstrauen gegenüber diesen Instrumenten, weil ihre Anwendung den Unternehmen Flexibilität bei der Suche nach den kostengünstigsten Emissionsvermeidungsoptionen gibt. Klimapolitik wird mehr und mehr zum Spielfeld antiwirtschaftlicher Propaganda für die eine Seite, privatwirtschaftlicher Profitmaximierung für die andere Seite und für die Politik in der Mitte willkommenes Profilierungsmedium gegenüber einer ängstlichen und uninformierten Öffentlichkeit. Niemand macht sich auch nur die Mühe klarzustellen, dass gesamtwirtschaftlich allen mehr gedient wäre, wenn wir mit Klimaschutzpolitik nicht auch noch versuchen würden Umverteilungs- und Klientelpolitik zu betreiben. Wäre der Bevölkerung das wahre Ausmaß der klimapolitischen Verschwendung bewusst, würden sie sich vielleicht weniger vehement gegen eine Erhöhung der eigentlich viel billigeren Ökosteuer stemmen. Doch wer will sich schon selbst argumentativ dieser politischen Diskretion berauben. Was hätten Politiker zu tun und Interessengruppen zu gewinnen, wenn einfach nur jeder mehr für seine eigenen Klimagasemissionen zu zahlen hätte.

Wenn der Klimawandel nachweislich so erschreckende Folgen hat wie von vielen propagiert wird, will ich die längste Zeit Klimaskeptiker gewesen sein. Klimapolitik-Skeptiker bin ich dann trotzdem noch.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenRayson schreibt am 12.03.2007 um 23:32 Uhr:Schön gesagt. Kann ich unterschreiben.
  2. zitierenLexa schreibt am 13.03.2007 um 00:11 Uhr:Klimapolitikskeptiker sollte man niemals aufhören zu sein. Wenn propagiert wird, dass wir billiger mit Palmöl fahren
    können, als mit Rapsöl. Dieses Palmöl "billig" herbeigeschafft werden kann aus Anbaugebieten in Indonesien. Dann beruhigt es ja erst einmal. Aber dann werden für das Abbrennen und Roden, der zu nutzenden Flächen soviel CO2 freigesetzt,
    sodass wir dieses CO2 niemals einsparen können, durch die Benutzung von Palmöl, wie es schon seine Herstellung
    bzw. Anbau verursacht. Somit sind wir wieder die Buhmänner, wenn wir dann dieses Palmöl nutzen. Und dem Klima hilft
    es nüscht - eher das Gegenteil ist der Fall.LG Lexa
  3. zitierenrstauss schreibt am 13.03.2007 um 08:23 Uhr:Nicht nur Skepsis gegenüber der Klimapolitik ist angezeigt, überhaupt gibt es ausser fundiertem Vertrauen nichts, was uns davon abhalten sollte, über Vorgesetztes nachzudenken.
  4. zitierenDr. Götz schreibt am 20.06.2007 um 08:52 Uhr:Die Erdölreserven gehen zu Ende. Wer denkt, auf Alternativen wie Palmöl verzichten zu können ist naiv. Entscheidend für die Verwendung dieses Brennstoffes ist eine übergeordnete Kontrolle der Nachhaltigkeit des Anbaus dieser extrem effizienten Energiepflanze. Auf Kosten der Regenwälder mit Sicherheit nicht! Wenn das eingehalten wird, ist mit Palmöl ein großes CO2 einsparendes Potential verbunden, das nicht durch kleinkarierte Denkweisen im Vorfeld kategorisch abgeleht werden sollte, das können wir uns eigentlich nicht mehr leisten.

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