Nüchtern betrachtet ist die Ursache für die Opfer, menschlichen
Tragödien und verhehrenden Schäden von Naturkatastrophen nicht die
Natur, sondern der Mensch. Nicht etwa wegen eines wagen Zusammenhangs
zwischen den Unwettern und dem vom Menschen beeinflussten Klimawandel, vielmehr aufgrund der
zunehmenden Besiedlung und des wachsenden materiellen Wohlstands in den
gefährdeten Küstenregionen. So rechnet uns Roger Pielke in einer Kolummne
in der Los Angeles Times vor, dass auf jeden Dollar Schaden der durch
einen Klimawandel bis 2050 verursachten Unwetter weitere 22 bis 60 US-$
Schaden durch eine weiter zunehmende Besiedlung von
Risikoregionen zu erwarten sind. Doch was fällt der
amerikanischen Regierung in dieser Situation als Problemlösung ein.
Nichts besseres, als eine durch den Staat geförderte Neubesiedlung
der durch den Hurrikan Katrina zerstörten Gebiete. Dabei sollen
Unternehmen Steuererleichterungen und Subventionen erhalten, wenn sie
im Katastrophengebiet neu investieren und neue Arbeitsplätze schaffen.
Damit wird der Standort, der aufgrund des hohen Risikopotentials im
ökonomischen Sinne nicht gerade billig ist, erst billig gemacht.
Zukünftige Katastrophen sind damit vorprogramiert.
Einen wesentlich sinnvolleren Vorschlag hat da Steven E. Landsburg in seiner Slate-Kolummne Hurricane Relief? Or a $ 200000 Check?
zu bieten. Er ist der Meinung, dass sagen wir 200 Mrd. US $
Katastrophen- und Aufbauhilfe einfach auf die rund 1 Mio. Betroffenen
als Barzahlung aufgeteilt werden sollten, was für eine vierköpfige
Familie stolze 800000 US $ bedeutet. Vor die Wahl gestellt, was den
Opfern lieber ist, ein Barscheck über diese Summe oder ein staatliches
Wiederaufbauprogramm der Katastrophenregion, könne man sich denken
wofür sich die Mehrheit der größtenteils armen Betroffenen entscheiden
würde. Vor allem ist davon auszugehen, dass die Empfänger sich damit an
einem sichereren Ort wiederansiedeln würden. Diejenigen die denoch
blieben, würden für das höhere Risiko wohl mit äußerst niedrigen
Wohnkosten entschädigt, da die Nachfrage nach Häusern in der Region
wohl zukünftig erheblich sinken dürfte. Doch was spricht gegen diese
einfache und unbürokratische Lösung? Sie ist eben unbürokratisch und kann
nicht von politisch einflußreichen Unternehmen und Politikern ganz
gezielt instrumentalisiert werden. Man braucht keine personalstarken
staatlichen Behörden und Planungsstäbe, kein zusätzlicher Bürokrat wird
beschäftigt. Kein Politiker kann sich profilieren und publikumswirksam
bei der Einweihung neuerrichteter Gebäude und Infrastrukturprojekte
seine Existenzberechtigung feiern. Wenn 1 Mio. Menschen mit jeweils
200000 $ irgendwo in den USA eine neue Existenz beginnen, ist das keine
Schlagzeile in der Zeitung wert.
Für mich hat diese Idee etwas Bestechendes. Warum nicht ein paar mehr
der teuren und häufig wenig wirksamen Methoden sozialer Sicherung auf
diese einfache und unbürokratische Weise lösen. Wie das geht zeigt
ansatzweise das Wohngeld, eine wesentlich elegantere Lösung als der
mißbrauchsanfällige soziale Wohnungsbau. Aber auch andere
Einsatzgebiete wären denkbar gewesen. Zum Beispiel könnte man den rund 36000 Beschäftigten im deutschen Steinkohlebergbau bei rund 2,2 Mrd. € Jahressubventionen (2004)
jährlich ca. 62000 € in die Hand drücken statt sie in gefährliche 1000
m Tiefe zu schicken, um nicht wettbewerbsfähige Steinkohle ans
Tageslicht zu bringen (Hier zieht auch nicht das Argument der
Unabhängigkeit von der Energieträgerversorgung, denn wer Angst vor dem
Ende der Rohstoffversorgung hat sollte seine eigenen Reserven erhalten und
nicht zu einem unnötig frühen Zeitpunkt verbrauchen.). Oder man hätte
vor fünf
Jahren den 800 Ex-Mitarbeitern des Berliner Werks
für Fernsehelektronik einfach 35000 € überweisen sollen, als
mit 28 Mio. € Samsung in die Stadt zu locken, um fünf Jahre später mit
ansehen zu müssen, wie sich das Unternehmen mangels Rentabilität wieder
vom Acker macht.