Einfach billig machen?
Die EU-Kommission will das mobile Telefonieren wieder einmal billiger machen. Nachdem sie bereits glaubten, dass sich die Mobilfunkkosten über Preisregulierung beim Roaming einfach reduzieren ließen und die darauffolgenden Preissenkungen der Netzbetreiber als Erfolgsbeweis interpretierten, sind jetzt die Roaming-Preise für Datendienste an der Reihe. Zielsicher wie immer ist die EU-Kommission auf der Suche nach dem Free-Lunch.
Zu dumm nur, dass Mobilfunk-Ökonomie nicht so simpel wie das Denken der Brüsseler Bürokraten gestrickt ist. Mobilfunknetze verursachen hohe Investitionskosten, später jedoch nur geringe variable Kosten. Zur Denkung der laufenden Kosten müssen die Gebühren tatsächlich nicht hoch sein. Allerdings ist es notwendig langfristig auch die hohen Investitionskosten zu decken, was die Mobilfunkbetreiber mit differenzierten Mobilfunkpreisen umsetzen. Dort, wo die Nachfrageelastizität am niedrigsten ist, werden hohe Gesprächs- bzw. Datendienstpreise verlangt. Reagieren die Kunden dagegen sehr sensibel auf zusätzliche Kosten, reduziert man die Preise. Roaming-Kunden, die relativ unempfindlich auf hohe Gesprächskosten reagieren, weil sie wenige, aber dafür sehr wichtige Gespräche führen, subventionieren damit im Prinzip die Vieltelefonierer, die bei höheren Kosten wohl auf die lange Leitung verzichten würden.
Eine administrative Senkung der Roaming-Preise erschwert die Fixkostendeckung über eine Preisdifferenzierung, was langfristig zu weniger Investitionen und allgemein zu relativ höheren Gesprächspreisen führt. Auf jeden Fall ist nicht zu erwarten, dass die Gewinneinbußen der Mobilfunkbetreiber ohne Konsequenzen für die Konsumenten bleiben. Da der technische Fortschritt generell preisenkend wirkt, dürfte es für den Verbraucher schwer sein, diese Wirkung der Mobilfunkregulierung zu erkennen. Verschwunden ist sie deshalb noch lange nicht.
