Mit dem Kopf voran

20.12.2007 um 13:50 Uhr

Über den Berg

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

James Hamilton vom Econbrowser zitiert die jüngsten Ergebnisse der Wikipedia-Page on Oil Megaprojects und meint, das angesichts der steigenden Förderpreiskapazitäten durchaus Entwarnung bei den Ölpreisen angesagt scheint.

18.12.2007 um 13:27 Uhr

Mehr Wettbewerb durch weniger Angebot?

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Die IHK Berlin fordert den Berliner Senat auf, sich für einen Baustopp von Kraftwerksneubauten der "Großen Vier" einzusetzen. Auch ein Zwangsverkauf von Kraftwerkskapazitäten zählt zu den Patentrezepten der Berliner Wirtschaftslobbyisten gegen hohe Strompreise. Dass die Berliner Schmalspurökonomen bei ihrem Einsatz für die Belange ihrer Klientel keine Zeit haben den wissenschaftlichen Background zur Wettbewerbsdebatte im Strommarkt in Augenschein zu nehmen, mag man gerade noch verstehen können, aber eine Angebotsverknappung als Mittel für mehr Wettbewerb und niedrige Preise zu empfehlen ist schlichter ökonomischer Analphabetismus.

28.11.2007 um 18:15 Uhr

Magere Ausbeute

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Ein Aufsatz in der aktuellen Ausgabe von Regulation verpasst den großen Hoffnungen, die in die Nutzung von Bioethanaol zur Kraftstofferzeugung gesetzt werden, deutliche Dämpfer. Zum einen ist die tatsächliche Energieausbeute äußerst dürftig. So ist ledig ein Viertel der Energie aus einem Liter Bioenergie ein echter Gewinn an nutzbarer Energie, weil der Rest für die Produktion aufgebracht werden muß.

Auch mit der Zuverlässigkeit der Energieversorgung durch Bioethanol ist es nicht so weit her. Eine Untersuchung der relativen Verfügbarkeit von Maiserntemengen und Ölimporten ergab, dass die Streuung der Erntemengen beim Mais wesentlich gößer war als die der US-Importmengen beim Erdöl. Während also beim Bioethanol in einem von 20 Jahren mit einem Ernteausfall von fast 32% zu rechnen ist, muß man für das Öl nur Importausfälle von 15% befürchten (sie Erläuterungen unten). Glaubt man den Horrormeldungen über den Klimawandel sollte sich dieses Problem noch verschärfen.

Letztlich nimmt dadurch die Verletzlichkeit der Volkswirtschaft gegenüber der Ölversorgung aus dem Ausland noch zu. Während bei schlechtem Wetter wie Hitzewellen und Ölverwendung zwar die Nachfrage steigt bleibt das Ölangebot davon in der Regel ausgenommen (mal abgesehen von Fällen wie Katrina). Verlässt man sich dagegen auf Bioethanol zur Kraftstoffproduktion steigt bei Hitze nicht nur die Nachfrage, sondern es sinken auch die Erntemengen und damit die Angebotsmengen. Und das umso mehr, je stärker die Biokraftstoffpolitik sich dem Welthandel verschließt, was gegenwärtig die Norm ist. Das ganze verursacht wesentlich höhere Preissprünge als beim Erdöl, wie die Abbildung verdeutlicht.

 

Erläuterungen zur zweiten Abbildung: Die logistische Verteilung der betrachteten Daten hat eine symmetrische Dichtefunktion. Die Autoren ermitteln aus den Daten ein symmetrisches 90%-Konfidenzinterval um den Mittelwert. Links von der unteren und rechts von der oberen kritischen Grenze liegen also jeweils 5% der Verteilungsmasse. Wenn man viele Ernten beobachtet, werden 5% der voneinander unabhängigen "Ziehungen" einen Ernterückgang von mindestens - 31,8% aufweisen und 5% mit Erntezuwächsen von 38,6% und mehr verbunden sein. Im Text formulieren die Autoren das ganze dann als Ziehung aus einer Binominalverteilung um, im Sinne von "Wenn ich zwanzig Ernten beobachte, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Ernterückgangs von - 31,8%?" Dieser Erwartungswert für die Binominalverteilung ist E(X)=n*p, also 20*0,05=1.

26.11.2007 um 16:54 Uhr

Preisverdächtig

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Ein energiepolitisches Perpetuum Mobile wollten kürzlich die Autoren des EEG-Erfahrungsberichts dem Umweltministerium verkaufen (S. 21):

Die aus dem EEG resultierenden Differenzkosten ergeben sich aus den Vergütungszahlungen und dem anlegbaren Wert für die entsprechenden Strommengen. Werden dafür die Kosten einer alternativen Strombeschaffung angesetzt, beläuft sich der Differenzbetrag im Jahr 2006 auf insgesamt 3,2 Mrd. €. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass die vorrangige Abnahme von Strom aus Erneuerbaren Energien auch eine senkende Wirkung auf die Großhandelspreise hat, weil die Bestimmung des Preises an der Strombörse durch die Kosten der Strombereitstellung der jeweils teuersten fossilen Kraftwerke erfolgt, deren Einsatz durch die eingespeisten EEG-Strommengen vermieden wird. Dieser so genannte Merit-Order-Effekt hat 2006 zu Einsparungen von rund 5 Mrd. € geführt und überkompensiert die Differenzkosten des EEG.

Immer auf der Suche nach originellen Energiesparmaßnahmen fallen derartige Räuberpistolen bei Politikern sicherlich auf fruchtbaren Boden. Was jedoch von einer derartigen Vulgärökonomie zu halten ist, kann hier nachgelesen werden.

15.11.2007 um 14:05 Uhr

Weichgekocht

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Die Wirkungen der globalen Erwärmung machen vor nichts halt, auch nicht vor den Köpfen von Fachkollegen. Jedenfalls wird langsam auch die ökonomische Vernunft weichgekocht. Der Verdacht drängt sich jedenfalls auf, wenn man diesen Kommentar aus Deutschlands Norden liest. Gut, da gibt es auch Vernünftiges zu lesen. Aber plötzlich wird ein Mangel zum Segen, weil der Sinn des Lebens offenbar nicht in einem guten Leben besteht, dass sich leichter durch den Konsum von Gütern erreichen lässt. Nein, Endziel soll es offenbar sein Häuser zu dämmen, Nachts zu frösteln und Energiesparbirnen in Lampenfassungen zu schrauben. Der Verzicht ist wieder in. Und die gegenwärtigen Energiepreissteigerungen machen das plötzlich wirtschaftlich und wir investieren ganz, ganz doll und kurbeln damit unsere Wirtschaft an. Und deshalb sollen Energiepreissteigerungen auch ihre guten Seiten haben.

Leider sind diese Investitionen aber kein Zeichen eines verbesserten Lebensstandards für alle, sondern nur der Ausdruck dessen, dass unser Leben mit billigerer Energie einfacher war und des einen Kosten die Umsätze anderer sind. Mag sein, dass wir Deutschen schon immer mehr Geld für die Umwelt als für sonstige Annehmlichkeiten als andere ausgegeben haben, wir damit vielleicht auch als Exportnation einen Vorteil in der Produktion von Umwelttechnik besitzen. Das sollte uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Käufer dieser Produkte dafür auf den Konsum oder die Produktion anderer Dinge verzichten müssen, was für uns Deutsche als Importeure oder Exporteure weniger umweltrelevanter Güter sicherlich zu negativen Konsequenzen führt. Zu ärgerlich, dass manche Ökonomen noch immer an den "Free Lunch", eine Welt ohne Opportunitätskosten glauben.

15.11.2007 um 11:36 Uhr

Strom ist Strom

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Strom ist Strom, ob Öko oder konventionell interessiert spätestens an der Börse nicht mehr. Also müssen Ökostromhändler für den Strom aus regenerativen Energieträgern im Bezug mindestens soviel bezahlen wie alle anderen Börsennachfrager. Also jammern auch sie über die gestiegenen Börsenpreise und schieben natürlich die Schuld den Energiekonzernen in die Schuhe. Über die Substanzlosigkeit von Verschwörungstheorien wurde hier und hier schon berichtet.

Wer aber verdient so richtig, wenn die Brennstoffpreise steigen und folglich die Kosten für die Produktion von Strom aus Kohle, Gas und Öl in die Höhe gehen? Nun offenbar diejenigen Erzeuger, die keinerlei fossile Brennstoffe benötigen, also neben den Anbieter von Atomkraft auch die Produzenten von Strom aus erneuerbaren Energien. Ihre Produktionskosten bleiben unverändert, der Verkaufspreis an der Börse aber steigt. Also Ökostromkonsumenten, locker bleiben. An euch verdient vor allem die Ökostrombranche.

14.11.2007 um 11:25 Uhr

Rekordjahr 1864

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

In den letzten Tagen näherte sich der Ölpreis gefährlich der 100 $ je Barrel Marke. Für viele ein Grund für Sorgenfalten. Doch handelt es sich dabei um einen historischen Preisrekord? Nicht ganz, denn schließlich lag der Preis nicht nur nach der iranischen Revolution 1980 schon einmal bei 104,7 $, sondern auch im Jahr 1864 bei mehr als 104 $ in heutigen Preisen.

Via The Undercover Economist.

13.11.2007 um 10:32 Uhr

Deppenecho

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Wenn der eine deutsche Stromversorger dazu zwingen will Kraftwerke zu verkaufen und eine Fachkollegin darauf außerordentlich "geistreich" entgegnet, ein solcher Schritt "könnte einer Einladung an ausländische Monopolisten und Staatskonzerne zum Erwerb deutscher Kraftwerkskapazitäten gleichkommen", dann weiß man nicht nur, dass es sich hier um einen Schlagabtausch zwischen Politikern handelt, sondern auch um ganz niedriges Diskussionsniveau. Wer Forderungen von dieser Tragweite stellt oder glaubt darauf qualifiziert anworten zu können, von dem sollte man erwarten, sich nur ansatzweise mit der Materie auszukennen.

Dabei ist das notwendige Fachwissen frei im Internet erhältlich. Erst kürzlich hatte Prof. Axel Ockenfels von der Universität zu Köln in einer ausführlichen Analyse (Kurzinterview hierzu) der von EU-Kommission in Sachen Energiemarktkonzentration verwendeten Informationsbasis (sog. LE-Studie) gezeigt, dass die hierzulande sehr gern vorgebrachten Marktmachtargumente gegen Stromversorger mit hohen Marktanteilen nicht stichhaltig sind. Man muß dieser Analyse als Politiker nicht in allen Punkten zustimmen, aber man sollte sie zur Kenntnis nehmen. Obige Verlautbarungen aus deutschen Amtsstuben legen nahe, dass dies nicht der Fall ist. Schließlich geht es den Ministern in den Wirtschaftsressorts ja nicht um ökonomisch fundierte Wettbewerbspolitik, sodern um Sprüche die beim Wähler ankommen. Und einfache Botschaften im Gut-Böse-Schema kommen da immer gut an. Traurig, traurig.

29.10.2007 um 10:12 Uhr

Ineffizienz? Ein Update

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Wie abwegig Presseverlautbarungen von immer ineffizienteren Industrien sind, konnte man bereits vor ein paar Tagen hier erfahren. Das ganze Ausmaß der Abwegigkeit zeigt sich allerdings, wenn man den Zeithorizont der Betrachtung etwas erweitert. Via Greg Mankiw's Blog.

 

27.04.2006 um 01:18 Uhr

Das Geschäft mit dem guten Gewissen

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

In Berlin tobt der Preiskampf der Stromversorger. Nuon und FlexStrom versuchen mit Kampfpreisen und auffälligen Werbekampagnen dem alteingessenen Stromversorger Vattenfall (früher Bewag) die Kunden abzujagen. Endlich wird den Stromkunden die heilsame Wirkung des Wettbewerbs auf großen Werbeanzeigen vor Augen geführt. Dass sich die Streithähne jetzt wegen ihrer aggressiven Werbestrategien gegenseitig vors Gericht zerren, mag niemanden verwundern.

Vattenfall wird wohl dennoch nicht verhindern können, dass preisbewusste Kunden der Firma den Rücken kehren. Und so versucht der Stromversorger neben der Klage gegen die Werbung der Konkurrenz mit einer cleveren eigenen Werbekampagne seine Kunden bei der Stange zu halten. Das von anderen Anbietern von Natur aus nicht unterscheidbare Produkt Strom wird mit dem Versprechen Kultur und Sport zu fördern aufgepeppt, um so beim treuen und sozial verantwortungsbewussten Kunden Exklusivstatus zu erhalten.

Doch sollte man nicht aufmerken, wenn einem der Stromversorger verspricht für einen Aufpreis auf den Strom eine gute Tat zu vollbringen. Was qualifiziert einen Stromversorger für die Kultur- und Sportförderung? Schließlich kann man auch gut selbst seinen Strom beim billigsten Anbieter ordern und mit dem gesparten Geld eigenhändig Sport und Kunst fördern oder sich einfach ein Paar ordentliche Turnschuhe oder Theaterkarten der Wahl kaufen.

Die Rechtfertigung höherer Preise mit sozialem Engagement ist letztlich nichts anderes, als der Versuch eines Unternehmens seine Kunden in verschiedene Verbrauchergruppen zu trennen, von denen dann mit kundenorientierten Zusatzleistungen die maximale Zahlungsbereitschaft abgeschöpft wird. Niemand kann schließlich kontrollieren, wieviel der zusätzlichen Einnahmen tatsächlich zum Wohle der Gemeinschaft ausgegeben wird und was davon Reingewinn des Unternehmens ist. Aber mit dieser Taktik steht Vattenfall nicht allein da. Viele Unternehmen fahren auf das Geschäft mit dem guten Gewissen ab. Oder wie hieß noch die deutsche Brauerei, die gemeinsam mit dem WWF durch den Verkauf von Bier die tropischen Regenwälder retten will?

24.07.2005 um 19:48 Uhr

Update Ölpreisentwicklung

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Eine Darstellung der realen Ölpreisentwicklung über die vergangenen 150 Jahre ist im BP Statistical Review of World Energy 2005 zu finden. Auch hier sind den Ölmarkt bestimmende Ereignisse auf der Zeitachse berücksichtigt.

 

25.05.2004 um 12:06 Uhr

Energieträgerabhängigkeit und strategische Ölreserven

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Die politische Instabilität im arabischen Raum und die hohen Rohölpreise rücken gegenwärtig die Diskussion um Möglichkeiten der Reduzierung der Energieträgerabhängigkeit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Dabei wird immer wieder die Rolle nationaler strategischer Ölreserven diskutiert. Arnold Kling argumentiert in einem Beitrag auf Techcentral Station recht anschaulich, dass derartige Ölreserven nicht notwendig sind, eine künstliche Verknappung der Ölversorgung verursachen und zudem die Preissetzungsmacht der Ölproduzenten erhöhen.

So kann es in Abhängigkeit von den gegenwärtigen Ölpreisen, zukünftigen Preiserwartungen und dem herrschenden Marktzins ökonomisch sinnvoll sein, in einer Hochpreisphase wie jetzt Ölvorräte zu verkaufen und von dem Erlös auf dem Terminmarkt relativ billige Optionen für die Lieferung in der Zukunft zu erwerben. Eine künstliche Aufrechterhaltung der Lagerhaltung verursacht nicht nur überflüssige Lagerhaltungskosten, sondern treibt die gegenwärtigen Ölpreise überflüssig in die Höhe. Private Unternehmen haben von sich aus einen Anreiz, sich auf dem Terminmarkt gegen heftige Ölpreisschwankungen abzusichern. Eine zusätzliche Lagerhaltung durch den Staat ist daher nicht notwendig. Öl-Embargos, die immer wieder vorgebrachte Begründung für eine staatliche Reservenbildung, sind wirkungslose politische Drohgebahren, die auf einem interdependenten Weltmarkt durch Reimporte wirksam unterlaufen werden können. Die Sicherheit der Energieversorgung und Energiepreise sind weltweite Probleme, die durch nationale Reservenbildung nicht gelöst werden können.