Die finanziell durch die EU unterstütze und
vom Verbraucherschutzministerium promotete Ernährungskampagne
"5 am Tag"
der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. wirbt zur Krebsvorsorge für mehr
Obst und Gemüse auf deutschen Speiseplänen. Nur hat die Kampagne einen
Haken: Nach der derzeitigen Datenlage ist das Krebs-präventiv-Potential
von Obst und Gemüse geringer als angenommen und auf nur wenige
Krebsarten beschränkt. So
schreibt jedenfalls das Deutsche Institut für Ernährungsforschung:
Die Auswertung der beiden amerikanischen Kohorten Nurses Health Study
und Health Professional Study (insgesamt 109,000 Teilnehmer, 2500 Krebsfälle)
zeigte keinen Einfluss des Obst- und Gemüseverzehrs auf das gesamte
Krebsrisiko und nur eine geringe (und nicht signifikante) Absenkung des
Erkrankungsrisikos für chronische Erkrankungen (5%) insgesamt (Hung
et al., 2004). Dieses Ergebnis schließt jedoch nicht aus, dass
es für einzelne Krebsarten und in anderen Populationen signifikante
Assoziationen gibt. Deshalb sollten zur Beurteilung der Datenlage alle
prospektiv angelegten Untersuchungen, die nach Krebsart differenzieren,
insbesondere auch die wichtigsten europäischen Studien, herangezogen
werden (siehe hierzu die Tabelle auf der Webseite).
Die Daten der prospektiven Kohortenstudien zeigen übereinstimmend,
dass zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse und dem Risiko einer
Brustkrebserkrankung keine Assoziation besteht (Smith-Warner et al.,
2001; van Gils et al., 2005). Sie zeigen aber ein signifikant erniedrigtes
Lungenkrebs-Risiko in der Quintile (Fünftel) der Studienteilnehmern
mit dem höchsten Obstverzehr (Voorrips et al., 2000; Smith-Warner
et al., 2003; Miller et al., 2004). Diese Assoziation ist ein Hinweis
auf eine schützende Wirkung des Obstverzehrs, kann diese jedoch
nicht zweifelsfrei beweisen. Es muss zudem hervorgehoben werden, dass
die Daten für den geringeren Obstverzehr von Rauchern korrigiert
werden mussten; einige Autoren schließen deshalb nicht aus, dass
die Assoziation durch einen Rest-Effekt des sog. Confounders Rauchen
zustande gekommen ist (Smith-Warner et al., 2003).
Die Daten zur Rolle des Obst- und Gemüseverzehrs in der Entstehung
des Colon/Rectum-Carcinom sind bislang inkonsistent, zeigen geringe Effekte
und z.T. nur in Subgruppen der Studienpopulationen (s. Tabelle). Allerdings
ist die Rolle der Ernährung für die Entstehung dieser Krebsform
am besten belegt: So hatte die EPIC-Studie gezeigt, dass ein hoher Ballaststoffgehalt
der Ernährung mit einem erniedrigten Dickdarmkrebs-Risiko assoziiert
ist (Bingham et al., 2003).
Offenbar wird der Bürger wiedereinmal mit "ungelegten Eiern"
agitiert. Mitmenschen, denen die drohende Ernährungsdiktatur gründlich
auf den Zeiger geht, sei Udo Pollmers neues Buch Eßt endlich normal! empfohlen.