Mit dem Kopf voran

29.11.2007 um 10:09 Uhr

Gesunde Reaktion

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Was Deutschlands Kranken wohl nicht abhanden kommt, ist die gesunde Reaktion auf regulative Anreize. So deuten Mitteilungen aus Nordrhein-Westfalen darauf hin, dass die abschreckende Wirkung der Praxisgebühr inzwischen durch die Praxis der prophylaktischen Ausstellungen von Facharztüberweisungen an Schlagkraft eingebüßt hat. Homo ökonomikus erfreut sich offenbar bester Gesundheit.

23.11.2007 um 10:32 Uhr

Kein Eigeninteresse?

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Ein Leser kritisierte kürzlich eine von mir vorgebrachte Vermutung über das Eigeninteresse der Ärzteschaft als ein Motiv der Ablehnung der selbstbestimmten Sterbehilfe via Dignitas als "perfide und indiskutabel". Eine aktuelle Äußerung des Marburger-Bund-Chefs mag illustrieren, weshalb ich bei dieser Auffassung bleibe:

„Wir haben diesen Weg der Tötung nicht mehr nötig“, sagte Henke und verwies auf den Ausbau von Palliativmedizin und Hospizdiensten. Zugleich forderte er, diese Bereiche weiter zu stärken. Mediziner sollten Partei für das Leben ergreifen. Man würde den Sinn des Berufes zerstören, wenn Ärzte damit anfingen, absichtlich zu töten. „Wir wollen diese Lizenz zum Töten nicht“, so Henke.

Niemand zwingt Ärzte ebenfalls die Dienstleistung von Dignitas anzubieten. Also welches Problem hat die Ärzteschaft mit der Sterbehilfe, wenn nicht die Angst, einen Teil ihrer "Kunden" zu verlieren? 

15.11.2007 um 19:59 Uhr

Gesundheitssysteme im Vergleich

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Nicht erst seitdem Michael Moores neuer Film Sicko auch in deutschen Kinos läuft wird das amerikanische Gesundheitssystem als teurer und dennoch schlechter als in anderen westlichen Ländern kritisiert. Vor allen Dingen wird dies oft an dem hohen Anteil nicht versicherter Patienten und einer starken privatwirtschaftlichen Orientierung festgemacht. Arnold Kling argumentiert, dass viele dieser Vorwürfe wenig Substanz haben und dass die Ursachen der mäßigen Performance vor allem regulierungsbedingt sind. Zudem weist ein aufmerksamer Leser darauf hin, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Amerikanern höher als sonst auf der Welt ist, wenn man die Daten um nicht-gesundheitsbedingte vorzeitige Sterbefälle, wie Gewalt- und Unfallopfer korrigiert. Greg Mankiw erinnert auch an den erheblich größeren Anteil Übergewichtiger in den USA. Das System mag also teurer, aber nicht unbedingt schlechter sein. Ein Vorbild ist es dennoch nicht.

14.11.2007 um 11:09 Uhr

Ohne Argumente

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Je mehr man über die Sterbehilfediskussion liest, umso schmerzlicher vermisst man echte Argumente:

„Einen durch Ärzte assistierten Selbstmord darf es nicht geben“, sagte der Abgeordnete. „Wenn Mediziner Patienten tödliche Medikamente aushändigen, unterscheidet sich dies kaum noch von aktiver Sterbehilfe.“ Und die sei in Deutschland zu Recht verboten.

Warum? Kann mir das jemand erklären? 

12.11.2007 um 16:00 Uhr

Kategorische Entmündigung

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Selbst das Geschäft mit dem Tod meinen Politiker noch regulieren zu müssen. Und es geht bei dem geforderten Verbot von Dignitas auch nicht einmal um die Sicherheit der Bürger, denn wovor sollen todkranke Menschen, die statt unterstütztem Suizid in einem Hospiz oder unter der Obhut der Palliativmedizin auf ihr Ende warten müssen, noch geschützt werden. Ein weiteres Beispiel dafür, wie Moralapostel fast aller Parteien sich zum Büttel derjenigen machen, die glauben das Monopol für den richtigen Weg ins Jenseits zu besitzen.

31.10.2007 um 18:06 Uhr

Wussten Sie,...

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

...dass jährlich ca. 150 Mio. EUR aus dem EU-Subventionstopf an deutsche Tabakbauern fließen? Politik schafft sich eben in der Regel die Probleme, die sie danach versucht zu lösen.

30.10.2007 um 17:01 Uhr

Das Kartell der Tittenmacher

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Gar Wundersames aus der Welt des gesundheitlichen Verbraucherschutzes der Bundesregierung hat La Deutsche Vita zu berichten.

17.10.2007 um 09:38 Uhr

Selbst ist der Brite

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Grossbritanien ist berühmt berüchtigt für sein sozialistisches Gesundheitssystem. Weil der Rationierungsmechanismus des Marktes in einem derartigen System nicht funktioniert und dank zentraler Mittelzuteilung wenig Anreize bestehen, die notwendigen Kapazitäten für eine ausreichende Behandlung bereitzustellen, greifen Briten jetzt zur Selbsthilfe: Warum nicht auch die Zähne selbst reparieren?

Via Umgebungsgedanken

11.09.2007 um 09:55 Uhr

Starker Staat für Kinder?

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Das ganze Land ächzt unter den steigenden Gesundheitskosten während Bayerns Ministerpräsident den starken Staat für Kinder fordert und die Pflichtvorsorgeuntersuchungen für Kinder einführt. Einzige Evidenz für diesen Befund ist die Erkenntnis, dass 10 Prozent der bayrischen Eltern ihre Kinder nicht untersuchen lassen. Untersuchungen zum Gesundheitszustand von Kindern werden zwar immer wieder mit sehr ernster Miene der Öffentlichkeit präsentiert, doch eine nähere Inspektion der veröffentlichten Ergebnisse legt nahe, dass sich die gravierenden Mängel vor allem in Klagen über den subjektiven Gesundheitszustand bei knapp 16 Prozent der Kinder und in Feststellungen des "zu hohen" Verzehrs von Süßigkeiten sowie der Verweigerung der obligatorischen fünf Obsteinheiten pro Tag erschöpfen. Nicht gerade viel für eine zusätzliche Kostenoffensive, die vor allem für Kinderärzte eine lukrative Einnahmequelle darstellen dürfte. Zur gleichen Zeit gibt es Wissenschaftler, die recht überzeugend argumentieren, dass sich eine Halbierung der Gesundheitsausgaben nur unwesentlich auf unseren Gesundheitszustand auswirken dürfte.

22.08.2007 um 14:49 Uhr

Denkste!

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Emily Oster, Ökonomin an der University von Chicago, präsentiert in einem Vortrag ihre Forschungsergebnisse zu den Ursachen der AIDS-Pandemie in Afrika und erläutert dabei, warum beinahe alles, was wir über die dortige Verbreitung dieser Krankheit zu wissen glauben, noch einmal gründlich zu überdenken ist.

Mein Dank für diesen Hinweis geht an Marian Wirth.

22.06.2007 um 15:22 Uhr

Kartellgeflüster

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Den niedergelassenen Ärzten ist der Wettbewerb durch Kliniken ein Dorn im Auge. Was den Ärztebund-Chef zu der unmissverständlichen Forderung veranlasst, Kooperationen mit anderen Praxen zu bilden und so eine Marktmacht aufzubauen. Das sollte sich mal ein Verbandsvertreter der Energiewirtschaft erlauben.

07.06.2007 um 13:52 Uhr

Für konsistentes Kiffen

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Drüben bei la deutsche vita wird eine Lanze für nachhaltiges Kiffen gebrochen. Dem kann ich mich nur anschließen, obwohl mir die inhaltliche Konsistenz der Überlegungen grüner Cannabis-Protagonisten eigentlich etwas dürftig vorkommt. Denn während man sich in einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung Sorgen um die Qualität von Cannabis-Produkten auf dem Schwarzmarkt macht, sind die unintendierten Konsequenzen der gleichfalls geforderten Verbannung der Raucher aus Gaststätten in ihre Privatwohnungen kein Thema des grünen Anti-Raucher-Aktionismus. Ich stelle mir zum Beispiel vor, wie rauchende Eltern statt Kneipen nun hastig die eigenen vier Wände samt Kinderzimmer ihrer wehrlosen Sprößlinge zuquarzen. Oder die nachvollziehbare Reaktionen der Zigarettenindustrie, die auf die neuen Probleme ihrer Kunden inzwischen mit dem Angebot von Zigaretten antwortet, die mehr Züge erlauben und einen höheren Nikotingehalt aufweisen. Und schließlich stellt sich die Frage, wo genau sich die nachhaltigen Kiffer ihrer neuen Freiheit erfreuen sollen, wenn ihnen die Grünen erst den Joint schenken, aber nach und nach den Platz zum Anzünden des Selbigen streitig machen.

30.05.2007 um 16:54 Uhr

Die Realität des Organhandels

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Organhandel? Die kalte Fratze des Marktes? Ganz im Gegenteil, schreibt der Economist:

That's what Iran has done. An officially approved patients' organisation oversees the transactions. Donors get $2,000-4,000. The waiting list has been eliminated.

...

What's more, having a kidney removed is as safe as common elective surgeries and even beauty treatments (it is no more dangerous than liposuction, for example), which sets it apart from other types of living-organ donation. America already lets people buy babies from surrogate mothers, and the risk of dying from renting out your womb is six times higher than from selling your kidney.

Via Tim Worstall.

30.05.2007 um 09:45 Uhr

Willkürentscheidung?

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Egal, ob man die Entscheidung über den Erhalt einer Spenderniere der Willkür von Millionen Fernsehzuschauern oder von Ärzten und ihren Empfängerlisten überlässt. Die niederländische TV-Sendung macht auf jeden Fall auf ein trauriges Problem aufmerksam, für das es jedoch Lösungen gibt. Und nach dem Lesen gleich hier klicken und mitmachen.

30.05.2007 um 00:16 Uhr

Eigentor

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Ich hab zwar eine Apotheke gleich gegenüber meiner Wohnung auf der anderen Straßenseite, aber nachdem ich so etwas lesen musste, weiß ich erst recht, dass ich in Zukunft nicht nur meine Bücher im Internet kaufen werde.

21.05.2007 um 19:19 Uhr

Die Bedrohung von oben

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Während man sich in Großbritanniens Schulen Sorgen um Kinder an drahtlos vernetzten Computern macht, hat ein aufmerksamer Leser von Tim Worstalls Blog eine noch viel größere und weithin unbeachtete Gefahr ausgemacht:

Wifi uses frequencies of 2.5 GHz to 5 GHz, and power levels of transmissions are typically around 1 W.

However there is another technology also used in schools that emits electromagnetic radiation and is potentially more dangerous, because:

1. this other technology emits radiation in the range of 450-750 THz, i.e. 100,000 times the frequency of Wifi; which means that each electromagnetic particle (or "photon") will carry 100,000 times more energy and is therefore 100,000 times as potentially damaging. Furthermore there are structures near thr human brain which nave been scientifically demonstrated to be especially sensitive to radiation of these frequencies.

2. this other technology uses more powerful transmitters that typically emit 60-100 W. Furthermore, these transmitters are typically kept on all the time (unlike wifi which transmits in bursts), which increases the total amount of energy radiated over a given time.

These facts suggest to me that this other technology is potentially a lot more harmful to health than wifi might be (although having said that it is entitrely possible that neither technology poses a significant harm to health), and that consequently if wifi is to be investigated as a risk to health, this other technology should be investigated much more rigourously.

The name of this other technology?

 

11.06.2006 um 23:56 Uhr

Couch potatos aufgepasst!

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Seth Robert's Shangri-La-Diät dürfte genau das richtige Hilfmittel für diejenigen sein, die sich über die nächsten Fußball-WM-Wochen als passive Sportler vor dem Bildschirm mit Hilfe von Junk-Food das eine oder andere Pfund antrainieren werden. Ausgehend von einer evolutionspsychologischen Erklärung des Zusammenhangs von Geschmackswahrnehmung, Kalorienaufnahme und einem unterbewußt geregeltem "Optimalgewicht" (das in unserer Gesellschaft des Lebensmittelüberflusses alles andere als optimal ist) versucht er mit einer simplen Diät dem Körper die appetitgetriebene Jagd nach überflüssiger Energieaufnahme abzugewöhnen. Mit Hilfe des täglichen Konsums geschmackloser Kalorien in Form von Pflanzenöl oder Zuckerwasser mindestens eine Stunde vor und nach einer Mahlzeit wird das vom Körper gewählte "Optimalgewicht" im Prinzip auf das Niveau einer prähistorischen Nahrungsmittelknappheit heruntergeregelt, so dass der Appetit und das Hungergefühl erheblich sinken. Die für eine Diät notwendige Verringerung der Kalorienzufuhr soll man dadurch ohne Probleme ertragen können. Roberts, der diese Diät im Selbstversuch entwickelte, hat deren wissenschaftliche Hintergründe in seinem Bestseller "The Shangri-La-Diet" veröffentlicht. Das Ganze soll verblüffend gut funktionieren.

Update: Das Projekt braucht Empirie. Freiwillige vor!

17.10.2005 um 23:16 Uhr

Obst und Gemüse gegen Krebs?

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Die finanziell durch die EU unterstütze und vom Verbraucherschutzministerium promotete Ernährungskampagne "5 am Tag" der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. wirbt zur Krebsvorsorge für mehr Obst und Gemüse auf deutschen Speiseplänen. Nur hat die Kampagne einen Haken: Nach der derzeitigen Datenlage ist das Krebs-präventiv-Potential von Obst und Gemüse geringer als angenommen und auf nur wenige Krebsarten beschränkt. So schreibt jedenfalls das Deutsche Institut für Ernährungsforschung:
Die Auswertung der beiden amerikanischen Kohorten Nurses Health Study und Health Professional Study (insgesamt 109,000 Teilnehmer, 2500 Krebsfälle) zeigte keinen Einfluss des Obst- und Gemüseverzehrs auf das gesamte Krebsrisiko und nur eine geringe (und nicht signifikante) Absenkung des Erkrankungsrisikos für chronische Erkrankungen (5%) insgesamt (Hung et al., 2004). Dieses Ergebnis schließt jedoch nicht aus, dass es für einzelne Krebsarten und in anderen Populationen signifikante Assoziationen gibt. Deshalb sollten zur Beurteilung der Datenlage alle prospektiv angelegten Untersuchungen, die nach Krebsart differenzieren, insbesondere auch die wichtigsten europäischen Studien, herangezogen werden (siehe hierzu die Tabelle auf der Webseite).
Die Daten der prospektiven Kohortenstudien zeigen übereinstimmend, dass zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse und dem Risiko einer Brustkrebserkrankung keine Assoziation besteht (Smith-Warner et al., 2001; van Gils et al., 2005). Sie zeigen aber ein signifikant erniedrigtes Lungenkrebs-Risiko in der Quintile (Fünftel) der Studienteilnehmern mit dem höchsten Obstverzehr (Voorrips et al., 2000; Smith-Warner et al., 2003; Miller et al., 2004). Diese Assoziation ist ein Hinweis auf eine schützende Wirkung des Obstverzehrs, kann diese jedoch nicht zweifelsfrei beweisen. Es muss zudem hervorgehoben werden, dass die Daten für den geringeren Obstverzehr von Rauchern korrigiert werden mussten; einige Autoren schließen deshalb nicht aus, dass die Assoziation durch einen Rest-Effekt des sog. Confounders Rauchen zustande gekommen ist (Smith-Warner et al., 2003).
Die Daten zur Rolle des Obst- und Gemüseverzehrs in der Entstehung des Colon/Rectum-Carcinom sind bislang inkonsistent, zeigen geringe Effekte und z.T. nur in Subgruppen der Studienpopulationen (s. Tabelle). Allerdings ist die Rolle der Ernährung für die Entstehung dieser Krebsform am besten belegt: So hatte die EPIC-Studie gezeigt, dass ein hoher Ballaststoffgehalt der Ernährung mit einem erniedrigten Dickdarmkrebs-Risiko assoziiert ist (Bingham et al., 2003).

Offenbar wird der Bürger wiedereinmal mit "ungelegten Eiern" agitiert. Mitmenschen, denen die drohende Ernährungsdiktatur gründlich auf den Zeiger geht, sei Udo Pollmers neues Buch Eßt endlich normal! empfohlen.

29.09.2005 um 17:40 Uhr

Aktive Sterbehilfe: Konkurrenz der Sensenmänner?

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Das Ansinnen der Schweizer Sterbehilfe-Organisation Dignitas eine Zweigstelle in Hannover zu eröffnen hat nicht nur bei einigen Politikern, sondern vor allem auch bei der Ärzteschaft einen Aufschrei der Empörung ausgelöst. Doch wirklich überzeugend sind die Argument gegen ein selbstbestimmtes Sterben mit fremder Hilfe nicht. Sollte es etwa andere, nicht offen genannte Gründe seitens der Ärzte gegen die aktive Sterbehilfe privater Hilfsorganisationen geben? Immerhin ist ein in den Freitod gegangener todkranker Krebspatient keine Einnahmequelle mehr für die Intensivmedizin. Zudem deutet die rechtliche Zulässigkeit der indirekten Sterbehilfe in Deutschland darauf hin, dass die deutschen Ärzte befürchten müssen, durch Dignitas das Monopol auf die Sterbehilfe zu verlieren.

08.03.2004 um 15:52 Uhr

"Puller" waschen senkt die Gefahr der HPV-Infektion

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Gastkommentator Tino hat sich die Mühe gemacht, eine Relativierung unseres Beitrags "Oral-Sex kann Krebs auslösen" aus medizinischer Sicht beizusteuern:

Um den Horror dieser Meldung ein wenig zu reduzieren und die Lust nicht so zu verkopfen, sollte man sich die unterschiedlichen Faktoren der Prävalenz einer HPV Infektion vor Augen halten. So wurde in Rahmen einer Dissertation in Kerala (Indien) untersucht, wie sich verschiedene Faktoren auf die Prävalenz von HPV-Infektionen auswirkt. Niedrige Prävalenzen wurden bei Gruppen von Frauen mit höherem sozioökonomischen Status und bei Frauen mit vermeintlich treuen Männern gefunden. Zusätzlich lässt sich mit angemessener Genitalhygiene das Risiko einer HPV-Infektion deutlich reduzieren. So sank die Prävalenz von HPV-Infektionen bei Männern und Frauen die Genitalhygiene praktiezieren gegenüber solchen, bei denen keine oder unzureichende Genitalhygiene möglichst ist oder praktiziert wird, von 24% auf 7%. Leider ist dieses nicht jedem möglich.

Auch Benutzung von Kondomen und die Beschneidung des Mannes (New England Journal of Medicine) senkt die Prävalenz der HPV-Infektion.

Da die HPV-Infektion hauptsächlich für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist, konnte in den letzten Jahren durch verbesserte Screeningprogramme (Gebärmutterhalsabstrich mit HPV-Nachweis - Leitlinien deutsche Krebsgesellschaft) eine deutliche Reduktion von invasiven Krebs erreicht werden.

Also Leute, mit Waschlappen und Seife vorbeugen ist besser als heilen.