Mit dem Kopf voran

13.12.2007 um 18:49 Uhr

Fußtritt für chinesische Schuhindustrie

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Die chinesische Schuhindustrie schüttelt eine Pleitewelle. Auch ein Ergebnis der im vergangenen Jahr verschärften EU-Anti-Dumping-Zölle.

12.11.2007 um 11:08 Uhr

Kollektives Frieren

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Die Konsequenzen der Planwirtschaft verspüren viele Chinesen sprichwörtlich am eigenen Leibe. Sie frieren, weil überall im Land die Heizenergie zentral gesteuert und überdies der Heizenergieverbrauch nicht verursachergerecht abgerechnet wird. Das führt zur Verschwendung, der die chinesischen Behörden mit Rationierung entgegensteuern. Ein derartiges Nebeneinander von Überfluss und Knappheit kann nur dort enstehen, wo Bürokraten glauben, Entscheidungen die ein hohes Maß an dezentralem Wissen erfordern, zentral lenken zu können.

02.11.2007 um 11:17 Uhr

Lohnt der Irak-Krieg?

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Dieser Tage kommt ein interessantes Buch über die politischen und ökonomischen Hintergründe der oftmals verzweifelten Versuche des Demokratieexports durch industrielle Großmächte in die Buchläden. Der Autor von After War: The Political Economy of Exporting Democracy (Leseprobe) Christopher Coyne (Weblog) versucht eine Lanze für eine nichtinterventionistische, unilateral auf Freihandel setzende Politik als Alternative zur gewaltsamen Strategie des Weltgendarmen zu brechen. Wir Europäer zollen zwar einer friedlichen Problemlösung oft eilig Lippenbekenntnisse, doch mit dem nicht minder wichtigem Bekenntnis zum Freihandel ist es in aller Regel nicht sehr weit her.

Via Marginal Revolution.

19.10.2007 um 11:31 Uhr

Teestunde

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Prof. Dr. Günter Faltin von der Freien Universität Berlin und Begründer der Teekampagne referiert am 24.10.2007 zum Thema „Existenzgründung und Entwicklung von Selbstständigkeit- Erfahrungen aus der Praxis wie der Teekampange" im Institut für unternehmerische Freiheit (IuF) in Berlin.

18.09.2007 um 10:48 Uhr

Lohnt ein Krieg ums Öl?

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

David R. Henderson nimmt in seinem neuen Paper "Do we need to got to war for oil?" die irrwitzige Vorstellung auseinander, Kriege als Mittel zur Sicherstellung einer zukünftigen Energieversorgung führen zu müssen:

Many people fear that a hostile foreign oil producer will be able to damage Americans and, for that reason, think that the U.S. government should ensure U.S. access to oil. But a foreign government cannot cause Americans to line up for gasoline. Only price controls imposed by U.S. governments can do that, which is what they did in the 1970s. A hostile foreign oil producer cannot inflict more than a small amount of harm on Americans by refusing to sell oil to Americans, unless this oil producer is willing to cut its own output. If a hostile foreign oil producer maintains output but cuts exports to the United States, it initiates a game of musical chairs in which the number of chairs equals the number of players. Different buyers will be linked with different sellers than before the hostile producer reduced its oil exports to the United States, but the cost to Americans of switching suppliers would be negligible. The only way a foreign oil producer can harm Americans is by cutting output, but that producer will then harm itself and also harm all other oil users, not just U.S. consumers. This harm is likely to be well under 0.5 percent of U.S. gross domestic product (GDP). Ironically, war for oil could well drive the price of oil higher, not lower, thus costing Americans twice—as taxpayers and as oil users.

15.09.2007 um 13:22 Uhr

Banker für die Armen

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Muhammad Yunus hat es mit seiner Grameen Bank vorgemacht, wir können es auch. Bei Kiva.org kann jeder ab 25 $ zum Kleinkreditgeber werden. Wenn der Spiegel den Unsinn verbreitet, die zinslosen Kiva-Kredite würden den Banken vor Ort den Markt kaputt machen, dann lässt sich das Magazin vor den Karren derjenigen spannen, die sich unliebsame Konkurrenz vom Hals schaffen wollen. Mag sein, dass der Verzicht auf Zins ein Geschenk an die Gläubiger ist. Aber wer sagt, unser kapitalistisches Wirtschaftsystem könnte nicht auch manchmal Geschenke vertragen. Und der Vergleich zur Entwicklungshilfe hinkt gewaltig, denn schließlich müssen die Kreditnehmer das geliehene Geld zurück zahlen. Etwas Risiko kann man Menschen in wirtschaftlicher Not schon abnehmen. Schließlich lebt unsere Gesellschaft von Wettbewerb, Vertrauen und Nächstenliebe.

07.09.2007 um 13:31 Uhr

Der lange Weg der Freiheit

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Die neuste Ausgabe des Economic Freedom of the World Reports ist draußen und mit ihr eine interaktive Weltkarte, auf der die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre visuell nachvollzogen werden kann.

28.08.2007 um 14:40 Uhr

Handys machen reich

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Mobiltelefone senken die Kommunikationskosten enorm. Was für uns in manchen Situationen schon zuviel des Guten erscheint, hat in den Entwicklungsländern einen spürbaren Wachstumsschub ausgelöst. Empirische Schätzungen ergeben, dass eine 10 prozentige Zunahme der Kommunikationsnetzdurchdringung in den Entwicklungsländern eine um 0,44 Prozentpunkte höhere Wachstumsrate des dortigen Bruttoinlandsprodukts bewirkt.

23.08.2007 um 15:51 Uhr

Ungleiche Gleichheit

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Dem regelmäßigen Leser von Marginal Revolution dürfte es bereits aufgefallen sein: Der große venezuelanische "Gleichmacher" Hugo Chavez hat es mit revolutionären Eifer geschafft, die Ungleichheit der Einkommensverteilung in seinem Land noch zu erhöhen. iPienso meldet, dass sich der Gini-Koeffizient, Indikator für die Ungleichverteilung von Einkommen, in den Jahren 2000 bis 2005 im Zuge der "Revolution für die Armen" von 0,44 auf 0,48 erhöht hat.

Update: Derweil subventioniert Herr Chavez die Bustickets für einkommensschwache Londoner, die im Vergleich zu ihren unfreiwilligen Gönnern aus Venezuela eher wohlhabend sein dürften. Der Mann weiß wie er sich einflußreiche Freunde macht.

21.08.2007 um 15:59 Uhr

Die Stacheln der Globalisierung

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Leider erinnert die graphische Animation der globalen Wirtschaftsleistung von William Nordhaus (G-Econ) noch an einen ein gerupften Igel.

18.07.2007 um 11:49 Uhr

Ein afrikanisches Lehrstück

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Robert Mugabe richtet nicht nur sein eigenes Land zugrunde, sondern zeigt uns zugleich noch sehr anschaulich was geschieht, wenn man die simpelsten Grundregeln erfolgreicher Wirtschaftspolitik missachtet. Ein lebendigeres Beispiel für die Folgen administrativer Preissetzung gibt es kaum (via Econlog):

 

 

 

17.07.2007 um 16:44 Uhr

Gewollt und nicht gekonnt

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Aus einem aktuellen Report über die Entwicklungsprobleme der Sahel-Zone:

 

Analyses are ineffective

Many analyses of the situation of vulnerable populations in the Sahel do not examine the root causes and tend to divide causes into immediate and structural issues, allowing the structural issues to be largely ignored. The situations of vulnerable people in the Sahel are complex and nuanced. Vulnerability can be influenced by gender, ethnic group and generation issues, and by contemporary and historical social processes that are often not analysed and not explained. The short-term nature of many contracts in international development makes it difficult for staff members to develop profound and detailed understanding of the situation, and the management systems in development agencies do not demand such understanding.

Too much aid is inefficient

Many aid initiatives are based on the shallow analyses mentioned above and are almost always driven by externally imposed ideas of development. Notwithstanding the lip service paid to “participation”, the majority of aid organizations develop their programmes on the basis of their own priorities and their own visions. In most cases there is an external analysis of what local people lack, and plans are designed to address this lack.

 

10.07.2007 um 08:19 Uhr

Live Sword

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Der wie immer großartige Hans Rosling präsentiert ein visuelles Update seiner Daten zur globalen Entwicklung: New Insides on Poverty and Life around the World.

28.06.2007 um 15:48 Uhr

Der globale iPod

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Hal Varian lüftet in der New York Times das Geheimnis der Produktion des iPods und zeigt ganz nebenbei, warum man mit guten Ideen im Kopf ganz und gar keine Angst vor der Globalisierung haben muss:

The researchers estimated that $163 of the iPod’s $299 retail value in the United States was captured by American companies and workers, breaking it down to $75 for distribution and retail costs, $80 to Apple, and $8 to various domestic component makers. Japan contributed about $26 to the value added (mostly via the Toshiba disk drive), while Korea contributed less than $1.

...

Ultimately, there is no simple answer to who makes the iPod or where it is made. The iPod, like many other products, is made in several countries by dozens of companies, with each stage of production contributing a different amount to the final value.

The real value of the iPod doesn’t lie in its parts or even in putting those parts together. The bulk of the iPod’s value is in the conception and design of the iPod. That is why Apple gets $80 for each of these video iPods it sells, which is by far the largest piece of value added in the entire supply chain.

Those clever folks at Apple figured out how to combine 451 mostly generic parts into a valuable product. They may not make the iPod, but they created it. In the end, that’s what really matters.

26.06.2007 um 18:16 Uhr

Fair Trade, fair Quality?

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Und ich habe mich immer über mäßige Qualität von TransFair-Kaffee gewundert:

“Fair Trade directs itself to organizations and regions where there is a degree of marginality ... we’re talking about unfavorable climates [for coffee production] ... regions which are not competitive,” explains Dean Eliecer Ureña Prado of the School of Agricultural Economics at the Universidad de Costa Rica. The farms in these less optimal growing areas are not able to compete with the farms located in prime coffeegrowing areas. Fair Trade allows these farmers to remain in the coffee business, and perhaps even prosper.

...

Because of the low demand, the farmers can generally only sell a portion of their harvest as Fair Trade at the fixed price. The rest of the harvest must go to the open market, where price is a function of quality. There exists then a theoretical incentive for the farmer to sell the worst quality coffee as Fair Trade, saving the better grades to collect a higher price on the open market. 

While Transfair disputes that Fair Trade coffee is not a high-grade specialty coffee, they acknowledge that farmers do tend to sell the best of the  harvest on the open market. Therefore, Fair Trade exposes the industry to free rider problems. When a farmer delivers his Fair Trade coffee beans to the cooperative for milling, they are mixed in with everyone else’s beans. So any advantage in quality he might have is diminished by the quality of the rest of the coffee. Thus, Fair Trade inadvertently encourages mediocrity in production.

Da man in dem  Aufsatz "Is Fair Trade Production in Coffee Fair and Useful? Evidence from Costa Rica and Guatemal and Implications for Policy" zudem erfährt, dass Fair Trade die Probleme des Kaffee-Marktes keineswegs löst, fragt sich, ob man als Konsument dieses Opfer wirklich bringen sollte.

21.06.2007 um 18:06 Uhr

Eiskalt kalkuliert

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Steven Landsburg rechnet vor, dass für die rationale Begründung einer restriktiven Einwanderungspolitik eine wirklich unangenehme Annahme getroffen werden müsste:

Since we're talking about a single immigrant, wages fall infinitesimally—but you've got to multiply that infinitesimal drop by millions of American workers. A high- end estimate is that 100 million Americans experience wage drops of about $.00000003 per hour. Multiply that out and you have a $3 per hour loss. (Note to econ-geeks: I assumed a wage rate of $10 an hour and an elasticity of wages with respect to labor of 0.3.) This estimate comes from the labor-economics literature, and it really applies only in the very short run, because in the long run, falling wages attract new businesses, which partly bid wages right back up again. But let's ignore all that, too, and assume a worst-case scenario, where the short-run effects are somehow never ameliorated.

Bottom line: When the immigrant crosses the border, Americans lose $3, and the immigrant gains $7. To oppose that, you'd have to count an immigrant as less than three-sevenths of an American.

But wait! It's worse than that. The $7 gain went to a $2-an-hour immigrant. The $3 loss came from $10-an-hour Americans. And we usually think of a dollar as more valuable in the hands of the desperately poor. The most conservative standard assumption is that the value of an extra dollar is inversely proportional to your income, so an extra dollar is worth five times as much to a $2-an-hour Mexican as it is to a $10-an-hour American. The immigrant's second dollar is worth a little less, and the third a little less than that.

Accounting for all that, it turns out that the immigrant's $7 gain is worth about five times the American's $3 loss. In other words, to justify keeping the immigrant out, you'd have to say he's worth less than one-fifth of an American citizen. 

12.06.2007 um 15:57 Uhr

Kinderarbeit

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Diagnose und Therapie der Kinderarbeit sind für einige Kommentatoren recht einfach. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail (Sorry, aber aus gegebenem Anlass zitiere ich folgenden Beitrag noch einmal):

The empirical evidence contradicts the belief that child labour is important in promoting exports. Most empirical evidence, for example, by Eric Edmonds and Nina Pavcnik, shows a positive correlation between more international trade and less child labour.10 Moreover, Eric Edmonds shows that only 1 in every 200,000 economic active children in the world, aged 10 to 14, are employed and only two countries in the world go above 1 in very 10,000.11 Of that tiny fraction only 12% of total working children in developing countries are employed in exporting companies and they have higher wages than those 88% involved in domestic production. Banning child labour would only have a net positive income effect in nations where three conditions apply. One, if the reduction in the supply of working children would imply a similar increase in the demand for adult workers (which are natural substitutes); two, as Kaushik Basu and Pham Hoan Van show, if this larger demand of adult workers would increase their wage levels compensating totally the loss of children wages, and three, if adult workers, now employed, would use their higher wages to send their children to school.12 In these three conditions are not fulfilled, such a prohibition would make working children worse-off, total welfare would deteriorate and eventually working children could end up having working children through their “family poverty trap” impact on lower level of education. The main factor forcing child labour in those countries is that they live in extreme poverty, where “a low paid job is better than no job at all”, as Paul Krugman correctly pointed out.13 Their parents, in order to survive, need their children’s’ wages to complement their own meager incomes.

There are better ways to deter child labour than an outright banning of children working for exports, which historical experience, both in Europe between 1880 and 1910 and in developing countries now, shows do not produce a decline of child labour but only depress wages and may cause more children to work. One is letting human rights-conscious consumers in developed countries to purchase products labelled as “child labour free” at a premium to reduce the incentives to employ children. Another is lowering the cost of schooling in developing countries to attract more children to school, either through conditional cash transfers to their families for making their children to attend the school or through lower education fees for poorest families sending their children to schools. PETI and Bolsa Escola in Brazil, Mid-day meals in India or Progresa in Mexico are effective programs to discourage child labour.

Finally, the last instance and real solution to this problem is not banning manufactures produced by children, but to reducing drastically the protectionists laws and practices by developed countries (and some emerging countries) against agricultural and labour-intensive manufactures produced by developing countries, which are exactly those goods they can export more competitively to the rest of the world and which impede their parents from finding a reasonable job in the export business and from being able to send their children to the school instead of forcing them to take a job.

08.06.2007 um 11:10 Uhr

Lästige kleine Konkurrenten

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Manchmal sind die wahren Motive hinter noblen Gesten andere als man glauben möchte:

In spite of the almost universal presence of legal bans, child labour continues to thrive. The only countries which have advanced in banning child labour are those where the adult unskilled workers face labour market competition from children but, at the same time, do not rely on child labour income in their own family. A large majority of countries introduced the ban because it was politically advantageous, but enforcement may well be ineffective (aus "Are developing countries engaging in 'social dumping'?").

Via Vox, einer neuen Internetseite auf der europäische Ökonomen ihre Arbeiten präsentieren. Unter anderem melden sich hier auch Alberto Alesina und Andrea Ichino mit ihrem Vorschlag einer geschlechtsspezifischen Differenzierung der Einkommenssteuer noch einmal zu Wort.

17.09.2004 um 10:07 Uhr

Spiegelinterview mit US-Ökonom Jagdish Bhagwati

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Spiegel-Online hat mit dem amerikanischen Ökonom und Autor des Buches "In Defense of Globalisation" Jagdish Bhagwati über den amerikanischen Wahlkampf, Globalisierung und Outsourcing von Arbeitsplätzen diskutiert:


... Unsere Firmen verlieren Wettbewerbsvorteile, wenn man sie hindert zu sparen. In toten Firmen finden nur erloschene Seelen eine Arbeit. So retten wir zehn Stellen, indem wir nicht outsourcen, und verlieren schließlich alle 100. Außerdem helfen die Investitionen multinationaler Konzerne Ländern wie Mexiko und Indien, Armut zu bekämpfen. Viele Regionen Afrikas dürsten nach Investitionen aus dem Ausland. Wenn wir als Demokraten dagegen angehen, passt das nicht zu unserer Idee, dass Bush und seine Freunde die Bösen sind.

19.01.2004 um 19:31 Uhr

Wem schaden Sweatshops?

von: steffenh   Kategorie: Globalisierung

Erst kürzlich wieder machten Berliner Studenten und Globalisierungsgegner mit der Besetzung von Textilgeschäften ihren Unmut gegenüber negativen Folgen der Globalisierung für die Bewohner der Entwicklungsländer deutlich. Ihr Problem sind die sog. Sweatshops, in denen unter vermeintlich unerträglichen Arbeitsbedingungen und Dumpinglöhnen für reiche Industrieländer produziert wird. Was ist von diesem Vorwurf zu halten?

Richtig ist, dass die Löhne der Sweatshops mit dem hiesigen Lohnniveau nicht mithalten können. Jedoch ist ein solcher Vergleich aufgrund der Kaufkraftunterschiede der Einkommen zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern nicht ohne weiteres möglich. Jeder von uns, der in südlichen Ländern seinen Schnäppchenurlaub macht profitiert davon. Aber würde ein Lohnangleichung wirklich Vorteile für die Arbeiter in den Entwicklungsländern bringen? Ganz sicher nicht, da die hohe Verfügbarkeit kostengünstiger Arbeitskräfte gegenwärtig oft der einzige Standortvorteil dieser Länder ist. Verschwindet er durch Mindestlöhne und hohe Arbeitsstandards weit oberhalb des Durchschnitts in dem betreffenden Entwicklungsland, wären Investitionen in diese Ländern weniger attraktiv, was zu Lasten der Zahl neuer Arbeitsplätze ginge.

Wie sieht es jedoch in der Realität aus? Produzieren ausländische Unternehmen in den Entwicklungsländern wirklich unter untragbaren Bedingungen? Ergebnisse empirischer Studien zeigen offenbar eher das Gegenteil. Wissenschaftler der amerikanischen Tufts University und der University of Michigan haben verschiedene Länderstudien zusammengefasst und kommen zu einigen interessanten Ergebnissen:

  • Amerikanische Tochtergesellschaften zahlen Lohnaufschläge von bis zu 100% der Durchschnittslohns in Niedriglohnländern,

  • Unterauftragnehmer von Nike zahlten im Juni/Juli 2000 im Schnitt 670$ im Vergleich zum durchschnittlichen Minimallohn von 134$,

  • in Bangladesh liegen die niedrigsten Löhne in "Sweatshops" 40% über den Minimallöhnen für ungelernte Arbeiter, 15% über den Löhnen für teilausgebildete Arbeiter und 50% oberhalb des Minimallohnniveaus für Facharbeiter.

Mit Hilfe von Unternehmensdaten und ökonometrischen Verfahren gewonnene Erkenntnisse für Mexiko und Venezuela untermauern diese Fallbeispiele:

  • Hier führt eine 10%ige Steigerung des Anteils ausländischer Unternehmen zu einem Anstieg der Industrielöhne um 2,5%,

  • dabei erhöhen sich die Löhne sowohl für gelernte als auch für ungelernte Arbeitskräfte, wobei der Anstieg der Löhne für Facharbeiter 50% höher als für ungelernte Arbeiter ist.

Angesichts dieser Fakten sollte man etwas genauer über die übliche Globalisierungskritik nachdenken. Die Sorge der Aktivisten um die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern kann man nur unterstützen. Doch laufen deren Aktivitäten Gefahr, genau das Gegenteil ihres Ansinnens zu erreichen. Statt Groll gegen international operierende Unternehmen und die Konsumenten ihrer Produkte zu hegen und Mindeststandards und deren Überwachung zu fordern, sollten sie sich lieber dafür einsetzen, dass Handelsschranken und politische Hemmnisse der wirtschaftlichen Entwicklung in den Entwicklungsländern abgebaut werden. Und statt "Eddie Bauer"-Läden und "H&M"-Filialen zu besetzen, sollten sie dort vielleicht lieber öfter einkaufen gehen.