Mit dem Kopf voran

31.10.2005 um 01:34 Uhr

Erneuerbare Energieträger - Kein Ende der Verschwendung

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Dass Wahlkampfaussagen in der Regel nicht die Tinte wert sind, mit der sie aufs Papier gebracht werden, zeigen die Koalitionsverhandlungen bei der Frage der Förderung erneuerbarer Energieträger. Noch vor Wochen hatte Frau Merkel eine lange überfällige Überprüfung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) verkündet, doch bereits jetzt sind alle guten Vorsätze vergessen.

Die Förderung Erneuerbarer Energien hat in diesem Lande noch nie ökonomischer oder auch ökologischer, sondern stets einer politischen Logik gehorcht. Warum sonst hält die Bundesregierung an einem Fördermodell fest, dass aus reinem umweltpolitischen Symbolismus Jahr für Jahr Milliardenbeträge in eine Klimaschutzmaßnahme stopft, die genaugenommen nichts anderes als eine faktische Kohlendioxid-Produktion bedeutet. Mit den gegenwärtig 95 bis 198 €/t-Kohlendioxid, die für den Klimaschutz mit Windkraftanlagen aufzubringen sind, wäre bei einem Kohlendioxid-Zertifikatspreis von rd. 22 € /t-CO2 im Kraftwerksbereich mehr als der vierfache Klimaschutz zu erreichen. Ganz zu schweigen von den CO2-Vermeidungskosten die unserer Volkswirtschaft von der Förderung anderer Erneuerbarer Energieträger aufgezwungen werden. Beispielweise liegen die Kosten bei der Biomassenutzung zwischen 120 und 400 €/t-CO2.

Der verzweifelte Versuch, diese Verschwendung mit dem Rückgriff auf Arbeitsplätze, Rohstoffknappheit und Energiesicherheit zu rechtfertigen hält auch keiner näheren Betrachtung des Problems stand.

Arbeitsplätze, die durch eine ineffiziente Produktion von Konsumgütern und Produktionsfaktoren entstehen, sind faktisch nichts anderes als der Verzicht auf den Bagger durch den Rückgriff auf eine Armee von Spatenträgern. Arbeitsplätze, die nicht durch den Wert ihrer Produktion, sondern durch Subventionen erzeugt werden, sind selbst unter Vernachlässigung der Arbeitplatzverluste durch die notwendige Gegenfinanzierung der Förderung kein gesellschaftlicher Gewinn. Ineffizientes Wirtschaften reduziert die Produktivität einer Volkswirtschaft und damit Einkommen, die wiederum bitter nötig sind um neue Beschäftigungsmöglichkeiten in völlig neuen Dienstleistungsbereichen zu schaffen. Jenseits von diesen Überlegungen zeigen empirische Studien schon heute, dass das EEG in absehbarer Zeit netto keine Arbeitsplätze schaffen wird.

Sicherlich werden die Erneuerbaren Energieträger ihren Beitrag zur Energieversorgung der Zukunft leisten müssen. Doch hier ist es sinnvoll, erst dann auf sie umzuschwenken, wenn ihre Nutzung kostengünstiger als die konventioneller Energieträger ist. Auch hier gilt, dass die hohen Kosten für handverlesene Energiealternativen eine unwirtschaftliche Bindung wertvoller Ressourcen bedeutet, die für andere nutzbringende Güterproduktionen nicht mehr zur Verfügung stehen. Schließlich sind flukturierende Energiequellen wie die meisten Erbeuerbaren Energieträger keine geeignete Option für die Herstellung der Energieversorgungssicherheit, da sie ohne konventionelle Energieversorgungskapazitäten nicht auskommen. Generell kann sich kein Land von den Folgen globaler Energiepreisschwankungen abkoppeln, wenn es durch Energie- und Gütermärkte mit dem globalen Markt verbunden ist. Da Energie für alle Produktionsvorgänge wichtiger Input ist, werden die Handelsströme und Güterpreise sehr schnell auf Energieknappheiten an jedem beliebigem Ort dieser Welt reagieren. Wie sicher dieser Effekt international eintritt haben erst kürzlich die Benzinpreissteigerungen in Deutschland als Reaktion auf eine Verknappung der Rafeneriekapazitäten in den USA gezeigt.

19.09.2005 um 18:45 Uhr

Ressourcenknappheit?

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Wie weit Prognosen neben der Wirklichkeit liegen können hat uns gerade der Wahlalltag in Deutschland gezeigt. Niemand kann die Anpassung der Menschen an sich ändernde Bedingungen exakt voraussagen. Doch nicht immer stochern die Macher von Prognosen so im Trüben wie bei der Prognose von Wahlergebnissen. Eine gute Theorie und eine genaue Beobachtung des Anpassungsverhaltens der Menschen an sich verändernde Umweltbedingungen können einen strategischen Vorteil ausmachen. Diesen hat der amerikanische Ökonom Julian Simon genutzt als er 1980 mit dem Biologen Paul Ehrlich eine weltberühmte Wette abschloß. Simon wählte fünf verschiedene Rohstoffe (Chrom, Kupfer, Nickel, Zinn und Tungsten) aus und versprach Ehrlich für den Fall, dass eine Investition von 1000 $ zehn Jahre später zu einer realen (inflationsbereinigten) Wertsteigerung führen würde, einen Scheck mit der Differenz zu senden. Beide hatten sich darauf geeinigt, dass eine Preiserhöhung bei Rohstoffen einer guter Indikator für eine physische Verknappung sei, eine Abnahme der Rohstoffreserven somit zu steigenden Rohstoffpreisen führen müßte. Zehn Jahre später hatte Ehrlich die Wette verloren. Weil alle fünf Rohstoffe billiger geworden waren, mußte er Simon einen Scheck in Höhe von 576 $ auszahlen.

Warum war sich Simon so sicher die Wette zu gewinnen und Ehrlich so ein Pessimist? Simon wußte, dass die Preise nahezu aller Rohstoffe trotz steigendem Verbrauch seit mehr als hundert Jahren trotz häufiger Auf und Abs gefallen waren und dass die Ursache in der Reaktion der Menschen auf temporäre Verknappungen und Preisanstiege, die Suche nach neuen Quellen, Verbesserung der Explorationstechnik, die Nutzung alternativer Rohstoffe, kurz technischem Fortschritt lag. Der stetige Drang der Unternehmen im Wettbewerb um die Kunden die Produktionskosten durch sinkenden Rohstoffeinsatz zu senken, hat das Übrige getan. Ehrlich dagegen hat sich durch seinen Pessimismus und seine Ignoranz gegenüber der Anpassungsflexibilität der Märkte leiten lassen und folgerichtig den kürzeren gezogen.


Grafik 1: Index der Rohstoffpreise (1950 = 1)

Grafik 2: Mengenindex der Weltrohstoffproduktion (1950 = 1)



Simon hätte die Wette wohl auch heute gewonnen, denn ein Blick auf die obigen Grafiken zeigt: Trotz erheblicher Preisschwankungen (Grafik 1) und mitunter enormen Verbrauchszuwächsen (Grafik 2) sind viele Rohstoffe heute nicht teurer, sondern sogar billiger als vor einhundert Jahren. Pessimistische Prognosen über die Verfügbarkeit von Rohstoffen sollten also mit der gebotenen Vorsicht vorgenommen werden. Wer die Kreativität und Findigkeit der Menschen unterschätzt kann schnell mal eine Wette verlieren.

Hierzu auch Betting on the Wealth of Nature.

16.09.2004 um 19:06 Uhr

Wo rohe Kräfte sinnlos walten...

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Maxeiner & Miersch, Deutschlands meistgehaßte Öko-Optimisten, ziehen in einem sarkastischen Artikel in der Welt über so manche Absonderlichkeit der deutschen Energiepolitik her:

...  Welch Insel sonniger Gesinnung: Ein Land mit den besten Atomkraftwerken schaltet diese reihenweise ab! Stattdessen hängen in immer mehr Betrieben zwei Stromzähler. Der eine zählt die Kilowattstunden, die von Solarzellen auf dem Dach ins Netz eingespeist werden. Erlös: 45,7 Cent pro Kilowattstunde. Daneben ein zweiter Zähler, der den vom Energieversorger zurückkommenden Strom berechnet. Preis: um die 15 Cent. "Das ist betriebwirtschaftlich genial", lächeln ausländische Fachleute, "und volkswirtschaftlich fatal."

Irgendwo zwischen den beiden Zählern haben die Deutschen eine Geldverbrennungsmaschine namens Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) installiert. Das setzt - weltweit einmalig - die Gesetze der Ökonomie und der Physik außer Kraft. Von allen Möglichkeiten, Energie und Kohlendioxid einzusparen, werden jene am heftigsten gefördert, die am teuersten sind! Da staunt der Finne, und der Chinese wundert sich.

Die deutschen Verbraucher zahlen für den Spaß jährlich rund 2,7 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Das schmälert ihre Kaufkraft und kostet nach einer Studie der Universität Bremen mehr Arbeitsplätze, als mit Solarzellen oder Windrädern geschaffen werden. Eine Windkraftanlage vernichtet über 20 Jahre per saldo acht Arbeitsplätze. Die Deutschen haben inzwischen 15 000 solcher Anlagen.

Kaufkraft und Arbeitsplätze hin oder her, entscheidendes Manko an der Förderung ist die Verschwendung von Produktionsfaktoren für Strom, der weder für Mensch noch Natur einen zusätzlichen Nutzen stiftet. Wer für diese Art der Emissionsminderung bewußt Geld verschwendet, der bläst faktisch Kohlendioxid in die Luft.