Mit dem Kopf voran

18.10.2007 um 09:49 Uhr

Warum serviert die Google-Kantine kein Pferdefleisch?

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

Was diese Frage mit "Mechanism Design", dem rätselhaften Forschungsgegenstand der drei frisch gebackenen Ökonomie-Nobelpreisträger, zu tun hat, erklärt Al Roth bei Google Tech Talks.

15.10.2007 um 01:36 Uhr

So alt wie unverstanden

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

Matt Ridley präsentiert bei Edge - neben anderen bedeutenden Wissenschaftlern - den seiner Meinung nach wichtigsten und wohl auch ältesten Algorithmus der Menschheit: Die Nutzung von David Ricardos komparativen Kostenvorteilen. Schade nur, dass alle ihn nutzen und davon profitieren, ihn aber häufig weder begreifen noch besonders mögen.

Via EconLog.

24.09.2007 um 16:27 Uhr

Ins rechte Licht gerückt

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

Nicht selten werden in der Umweltökonomie die Kosten der Vermeidung von Umweltschäden als reine Unternehmenskosten behandelt, was - nicht nur bei den Studenten - der irreführenden Betrachtung von Umweltpolitik als Schutz des Gemeinwohls gegen die Interessen der Unternehmen Vorschub leistet. Dass diese Interpretation gänzlich daneben liegt, macht der kanadische Umweltökonom Ross McKitrick in seinem Online-Lehrbuch "Environmental Economics" noch einmal deutlich (S. 52):

Note that the firm’s profits reflect the total value (from society’s point of view) of the production activity generating the pollution, in the sense that when a firm is earning positive profits, the marginal value to consumers of what is produced exceeds the marginal value of the resources and factors used in its production. So by illustrating the reduction in profits due to an emissions cut, the MAC (A.d.A: Grenzvermeidungskosten) captures the marginal social costs of reducing emissions (when read from right to left); and since it shows the marginal increase in profits if emissions increase slightly, the MAC shows the marginal social benefit of emissions (when read from left to right).

07.09.2007 um 19:45 Uhr

Der Fiskus mit dem Metermaß

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

In einer gerechten Gesellschaft, so fordern viele, sollten diejenigen am höchsten besteuert werden, denen das Geldverdienen am leichtesten fällt. Ein sozialer Planer steht jedoch vor dem Dilemma, dass das Einkommen als Bemessungsgrundlage der Besteuerung keine klare Trennung zwischen angeborenen körperlichen und geistigen Vorteilen und mühsamem Arbeitseinsatz zulässt. Daher führt die Einkommenssteuer nicht nur zu einer Besteuerung "unverdienter" Fähigkeiten, sondern auch des Arbeitsaufwands, was wiederum bei den Steuersubjekten zu unerwünschten Ausweichreaktionen wie etwa nachlassenden Anstrengungen auf der Arbeit und in der Ausbildung führt. Folglich bringt die Einkommensteuer nicht das gewünschte gerechte Ergebnis.

Warum also nicht direkte Indikatoren für ohne eigenes Zutun vorhandene Einkommensvorteile besteuern? Zum Beispiel die Körpergröße. Diese ergänzende Bemessungsgrundlage schlagen Gregory Mankiw und Matthew Weinzierl in ihrem Paper "The Optimal Taxation of Height: A Case Study of Utilitarian Income Redistribution" vor und verweisen auf die empirische Tatsache, dass die Körpergröße eng mit dem Einkommen korreliert ist. Also meinen sie, dass für eine optimale Besteuerung des Einkommens bei gleichem Verdienst von einem großen Menschen ein deutlich höherer Beitrag zu fordern wäre als von einem kleinen. Schließlich hat Letzterer im Mittel mehr kämpfen müssen, um in die gleiche Position wie sein längerer Mitbürger zu kommen.

Dabei ist den Autoren durchaus klar, das dieser Vorschlag vor allem auf Unverständnis und Gelächter stoßen wird. Doch ist diese Reaktion eigentlich unangebracht, liegt den Berechnungen doch die immer wieder vorgebrachte Idee der vertikalen Steuergerechtigkeit zugrunde. Wer also die Besteuerung der Körpergröße als Indikator für angeborene Leistungsvorteile ablehnt, der kann sich auch nicht auf althergebrachte Theorien der gerechten Besteuerung berufen. Insofern sind diese Überlegungen aus dem Elfenbeinturm nicht ganz für die Katz. Immerhin regen sie zum Nachdenken an.

05.09.2007 um 23:45 Uhr

Richard Feynman ist schuld...

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

...das Robert Barro doch noch den Weg zur Ökonomie einschlug und es wenigstens ein Lehrbuch der Makroökonomie gibt, das Keynes dorthin plaziert wo er hingehört. Ins letzte Kapitel.

Via Marginal Revolution.

28.08.2007 um 10:24 Uhr

Wachstumstheorie in 75 min.

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

Der bekannte Ökonom Paul Romer, Begründer der endogenen Wachstumstheorie, erläutert in einem Podcast mit Russell Roberts seine Sicht über die Determinanten der wirtschaftlichen Entwicklung. Montag ist definitiv EconTalk-Tag!

31.07.2005 um 00:43 Uhr

Haben wir ein Schuldenproblem?

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

In einem Artikel auf der Webseite der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (ISNM) beklagt Professor Ulrich van Suntum (Autor des sehr empfehlenswerten VWL-"Volks"-Lehrbuchs Die unsichtbare Hand) die enorme Neuverschuldung der Bundesregierung. Diesen Sorgen ist beizupflichten, doch nicht etwa wie der Autor andeutet wegen hoher Zinsen oder der Belastungen zukünftiger Generationen. Nein, vielmehr sollte sich der geneigte Beobachter Sorgen um die häufig ineffiziente und kontraproduktive Verwendung der durch Verschuldung finanzierten Staatsausgaben machen. Die Frage, ob Staatsausgaben durch Steuern oder Schulden finanziert werden ist eher nachrangig.
Warum das so ist, erläutert Steven Landsburg (und Lauren J. Feinstone) im Kapitel "The Mythology of Deficits" seines Bestsellers "The Armchair Economist". Werden wir wirklich durch die Zinsen der Schulden unserer Vorfahren belastet und belasten die Zinsen unserer Schulden unsere Nachkommen? Nicht wirklich, denn es ist zu berücksichtigen, dass unsere Vorfahren und wir entsprechend geringere Steuern gezahlt haben, gesparte Vermögen, die für die privaten Haushalte selbst wieder Zinserträge abwerfen und die Zinslast kompensieren. Häufig wird auch argumentiert, die staatliche Kreditnachfrage führe zu höheren Zinsen und verdränge private Kreditnehmer. Dafür gibt es keine überzeugenden empirischen Belege, schließlich steht das vom Staat geborgte Geld nach dem Kauf von Gütern oder Dienstleistungen sofort wieder dem privaten Markt zur Verfügung:
"Suppose that the government decides to borrow a dollar in order to purchase a paper clip for use at the Pentagon. It effects this borrowing by selling a bond to Jack, who withdraws a dollar from his bank account to make the purchase. The dollar is immediatly used to buy a paper clip from Jill, who deposits it in bank. Now it is true that Jack's bank has a dollar less in deposits, but Jill's has a dollar more. The total number of dollars that the bank have available to lend to David (private Kreditnehmer) is exactly the same as it was before the government started borrowing. Goliath (der Staat) consumes no money; he just moves it around a little."
Worüber wir uns größere Sorgen machen sollten ist daher nicht die Finanzierung, sondern die Verwendung unserer Staatsausgaben. Immerhin ist jede Investition, die mehr Ertrag einbringt als sie inklusive Zinsen gekostet hat, es Wert getätigt zu werden. Das gilt auch, wenn der Staat der Investor ist und wir die Zinsen zahlen. Doch gerade hier ist häufig Skepsis angebracht, denn schließlich stecken regelmäßig nicht sinnvolle Projekte als vielmehr - wie Ulrich van Suntum richtig beklagt - "Subventionen, Transfers und Steuererleichterungen für diese und jene Zielgruppen" hinter den enormen Staatsausgaben. Die volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren werden nicht für Zwecke ausgegeben, für die Konsumenten bereit sind zu zahlen, sondern sie werden vor allem zu denjenigen transferiert, die ihren Grips eher in die Beeinflussung von Politikern als in die Entwicklung von nützlichen Produkten investieren. Und wer möchte schon Zinsen für Investitionen zahlen von denen später niemand etwas hat? Daher sind hohe Staatsdefizite ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass die Staatsausgaben zu hoch sind und der Steuerzahler an der Nase herumgeführt werden soll.
 
Eine ausführliche Diskussion über das Für und Wider der Probleme der öffentlichen Verschuldung ist unter Policy Debate: Is a budget deficit harmful to the economy? zu finden.

21.05.2004 um 12:50 Uhr

Fallende Ölpreise trotz sinkender Vorräte?

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

Der amerikanische Ökonom Russell Roberts beschreibt auf seinem Weblog Cafe Hayek sehr einleuchtend das ökonomische Rationalkalkül der Ölproduzenten und macht deutlich, warum die Förderkosten die entscheidende Determinante der Preisentwicklung sind:

Oil is an asset. If you think oil prices over the next year will rise by 1% when interest rates are only 5%, you're better off selling your oil, taking the money, and putting it in the bank to earn interest. That urge to sell today lowers price today and steepens the growth rate in prices over the next year. If you think oil prices are going to rise by 10% when interest rates are only 5%, you're better off keeping the oil in the ground rather than selling it. That pushes up prices today and lowers the growth in prices. Only when prices rise by roughly the rate of interest are people content with their decision to leave some oil in the ground and to sell some.

...

In the real world, there is an extraction cost, but over time, it doesn't stay constant. And it doesn't just change. It falls steadily over time, driven by technology. This allows the real price of oil to fall over time. To see the intuition, if oil prices are expected to rise at 1% when interest rates are 5%, that would normally encourage me to sell my oil today, driving down the price today and pushing the rate of growth in oil prices up toward 5%. But if I expect it to be a lot cheaper to extract oil next year because of technological improvements in extraction, my net return can actually be higher keeping the oil in the ground and harvesting it next year when extraction costs will be lower than they are today.

Aus eben diesem Grund dürfte auch die Wirksamkeit der Förderung alternativer Energieträger zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen begrenzt sein. Wenn Erdölproduzenten die zukünftigen Energiepreise antizipieren und feststellen, dass erneuerbare Energieträger zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz werden, macht es für sie weniger Sinn, ihre Reserven für die Zukunft aufzuheben. Folglich werden sie ihr heutiges Angebot erhöhen, der Marktpreis sinkt und die nachgefragte Menge steigt. Die Emissionsreduktion des Einsatzes erneuerbarer Energieträger wird durch den Mehrverbrauch von fossilen Energieträgern an anderer Stelle teilweise kompensiert. Ein weiterer Grund, die Eignung der Förderung erneuerbarer Energieträger als Klimaschutzinstrument noch einmal gründlich zu überdenken. Ökosteuern oder Emissionshandel, Instrumente die direkt am Schadstoff ansetzen, sind für diesen Zweck allemal besser geeignet.

Literaturtip: Denjenigen, die es nicht für möglich halten, dass man eine romantische Liebesgeschichte, einen spannenden Krimi und eine Menge Ökonomie in einem Buch vereinen kann, sei Russell Roberts Roman The Invisible Heart: An Economic Romance empfohlen. Wer sich in Romanform mit der ökonomischen Logik des internationalen Handels auseinandersetzen möchte, hat dazu bei der Lektüre von The Choice: A Fable of Free Trade and Protectionism die beste Gelegenheit. Beispielkapitel beider Bücher sind hier zu finden.