Warum serviert die Google-Kantine kein Pferdefleisch?
Was diese Frage mit "Mechanism Design", dem rätselhaften Forschungsgegenstand der drei frisch gebackenen Ökonomie-Nobelpreisträger, zu tun hat, erklärt Al Roth bei Google Tech Talks.
Was diese Frage mit "Mechanism Design", dem rätselhaften Forschungsgegenstand der drei frisch gebackenen Ökonomie-Nobelpreisträger, zu tun hat, erklärt Al Roth bei Google Tech Talks.
Matt Ridley präsentiert bei Edge - neben anderen bedeutenden Wissenschaftlern - den seiner Meinung nach wichtigsten und wohl auch ältesten Algorithmus der Menschheit: Die Nutzung von David Ricardos komparativen Kostenvorteilen. Schade nur, dass alle ihn nutzen und davon profitieren, ihn aber häufig weder begreifen noch besonders mögen.
Via EconLog.
Nicht selten werden in der Umweltökonomie die Kosten der Vermeidung von Umweltschäden als reine Unternehmenskosten behandelt, was - nicht nur bei den Studenten - der irreführenden Betrachtung von Umweltpolitik als Schutz des Gemeinwohls gegen die Interessen der Unternehmen Vorschub leistet. Dass diese Interpretation gänzlich daneben liegt, macht der kanadische Umweltökonom Ross McKitrick in seinem Online-Lehrbuch "Environmental Economics" noch einmal deutlich (S. 52):
Note that the firm’s profits reflect the total value (from society’s point of view) of the production activity generating the pollution, in the sense that when a firm is earning positive profits, the marginal value to consumers of what is produced exceeds the marginal value of the resources and factors used in its production. So by illustrating the reduction in profits due to an emissions cut, the MAC (A.d.A: Grenzvermeidungskosten) captures the marginal social costs of reducing emissions (when read from right to left); and since it shows the marginal increase in profits if emissions increase slightly, the MAC shows the marginal social benefit of emissions (when read from left to right).
In einer gerechten Gesellschaft, so fordern viele, sollten diejenigen am höchsten besteuert werden, denen das Geldverdienen am leichtesten fällt. Ein sozialer Planer steht jedoch vor dem Dilemma, dass das Einkommen als Bemessungsgrundlage der Besteuerung keine klare Trennung zwischen angeborenen körperlichen und geistigen Vorteilen und mühsamem Arbeitseinsatz zulässt. Daher führt die Einkommenssteuer nicht nur zu einer Besteuerung "unverdienter" Fähigkeiten, sondern auch des Arbeitsaufwands, was wiederum bei den Steuersubjekten zu unerwünschten Ausweichreaktionen wie etwa nachlassenden Anstrengungen auf der Arbeit und in der Ausbildung führt. Folglich bringt die Einkommensteuer nicht das gewünschte gerechte Ergebnis.
Warum also nicht direkte Indikatoren für ohne eigenes Zutun vorhandene Einkommensvorteile besteuern? Zum Beispiel die Körpergröße. Diese ergänzende Bemessungsgrundlage schlagen Gregory Mankiw und Matthew Weinzierl in ihrem Paper "The Optimal Taxation of Height: A Case Study of Utilitarian Income Redistribution" vor und verweisen auf die empirische Tatsache, dass die Körpergröße eng mit dem Einkommen korreliert ist. Also meinen sie, dass für eine optimale Besteuerung des Einkommens bei gleichem Verdienst von einem großen Menschen ein deutlich höherer Beitrag zu fordern wäre als von einem kleinen. Schließlich hat Letzterer im Mittel mehr kämpfen müssen, um in die gleiche Position wie sein längerer Mitbürger zu kommen.
Dabei ist den Autoren durchaus klar, das dieser Vorschlag vor allem auf Unverständnis und Gelächter stoßen wird. Doch ist diese Reaktion eigentlich unangebracht, liegt den Berechnungen doch die immer wieder vorgebrachte Idee der vertikalen Steuergerechtigkeit zugrunde. Wer also die Besteuerung der Körpergröße als Indikator für angeborene Leistungsvorteile ablehnt, der kann sich auch nicht auf althergebrachte Theorien der gerechten Besteuerung berufen. Insofern sind diese Überlegungen aus dem Elfenbeinturm nicht ganz für die Katz. Immerhin regen sie zum Nachdenken an.
...das Robert Barro doch noch den Weg zur Ökonomie einschlug und es wenigstens ein Lehrbuch der Makroökonomie gibt, das Keynes dorthin plaziert wo er hingehört. Ins letzte Kapitel.
Via Marginal Revolution.
Der bekannte Ökonom Paul Romer, Begründer der endogenen Wachstumstheorie, erläutert in einem Podcast mit Russell Roberts seine Sicht über die Determinanten der wirtschaftlichen Entwicklung. Montag ist definitiv EconTalk-Tag!
"Suppose that the government decides to borrow a dollar in order to purchase a paper clip for use at the Pentagon. It effects this borrowing by selling a bond to Jack, who withdraws a dollar from his bank account to make the purchase. The dollar is immediatly used to buy a paper clip from Jill, who deposits it in bank. Now it is true that Jack's bank has a dollar less in deposits, but Jill's has a dollar more. The total number of dollars that the bank have available to lend to David (private Kreditnehmer) is exactly the same as it was before the government started borrowing. Goliath (der Staat) consumes no money; he just moves it around a little."
Der amerikanische Ökonom Russell Roberts beschreibt auf seinem Weblog Cafe Hayek sehr einleuchtend das ökonomische Rationalkalkül der Ölproduzenten und macht deutlich, warum die Förderkosten die entscheidende Determinante der Preisentwicklung sind:
Oil is an asset. If you think oil prices over the next year will rise by 1% when interest rates are only 5%, you're better off selling your oil, taking the money, and putting it in the bank to earn interest. That urge to sell today lowers price today and steepens the growth rate in prices over the next year. If you think oil prices are going to rise by 10% when interest rates are only 5%, you're better off keeping the oil in the ground rather than selling it. That pushes up prices today and lowers the growth in prices. Only when prices rise by roughly the rate of interest are people content with their decision to leave some oil in the ground and to sell some.
...
In the real world, there is an extraction cost, but over time, it doesn't stay constant. And it doesn't just change. It falls steadily over time, driven by technology. This allows the real price of oil to fall over time. To see the intuition, if oil prices are expected to rise at 1% when interest rates are 5%, that would normally encourage me to sell my oil today, driving down the price today and pushing the rate of growth in oil prices up toward 5%. But if I expect it to be a lot cheaper to extract oil next year because of technological improvements in extraction, my net return can actually be higher keeping the oil in the ground and harvesting it next year when extraction costs will be lower than they are today.
Aus eben diesem Grund dürfte auch die Wirksamkeit der Förderung alternativer Energieträger zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen begrenzt sein. Wenn Erdölproduzenten die zukünftigen Energiepreise antizipieren und feststellen, dass erneuerbare Energieträger zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz werden, macht es für sie weniger Sinn, ihre Reserven für die Zukunft aufzuheben. Folglich werden sie ihr heutiges Angebot erhöhen, der Marktpreis sinkt und die nachgefragte Menge steigt. Die Emissionsreduktion des Einsatzes erneuerbarer Energieträger wird durch den Mehrverbrauch von fossilen Energieträgern an anderer Stelle teilweise kompensiert. Ein weiterer Grund, die Eignung der Förderung erneuerbarer Energieträger als Klimaschutzinstrument noch einmal gründlich zu überdenken. Ökosteuern oder Emissionshandel, Instrumente die direkt am Schadstoff ansetzen, sind für diesen Zweck allemal besser geeignet.
Literaturtip: Denjenigen, die es nicht für möglich halten, dass man eine romantische Liebesgeschichte, einen spannenden Krimi und eine Menge Ökonomie in einem Buch vereinen kann, sei Russell Roberts Roman The Invisible Heart: An Economic Romance empfohlen. Wer sich in Romanform mit der ökonomischen Logik des internationalen Handels auseinandersetzen möchte, hat dazu bei der Lektüre von The Choice: A Fable of Free Trade and Protectionism die beste Gelegenheit. Beispielkapitel beider Bücher sind hier zu finden.