Frösche küssen - Du warst schlicht und einfach wieder da,so da wie noch nie irgendjemand da war,aber es tat gut.
Ich konnte mich noch nie gut
entscheiden,das war schon so als ich klein war. Kaffee oder Cola?
Englisch oder Deutsch? Ben oder Alex? Doch damals war es für mich noch
kein gravierendes Problem,wen interessiert das schon,ob ich die roten
oder schwarzen Schuhe im Kindergarten trage? Keinen. Und das ist auch
der Unterschied zu heute,wenn ich heute rote Pumps zu lila Pullis
tragen würde,das würde jeden interessieren. Mit so Kleinigkeiten fangen
meine Entscheidungsschwierigkeiten an,und dann geht das den lieben
langen Tag so weiter.
Das mit dir fing schon damals an,vor 2 Jahren,als ich dich
eigentlich noch gar nicht kannte,aber das alles ist die
Vorgeschichte,die mich jetzt zu dir geführt hat. Ja,ich glaube an
Schicksal. Damals lernte ich ihn kennen. Er war nicht wirklich
beliebt,ich kannte viele Leute,auch meine Freunde,die was gegen ihn
hatten,doch das war mir anfangs egal. Ich habe nur das Gute in ihm
gesehen. Die schönen - leider unter einer viel zu teuren Brille
versteckten - braunen Augen von ihm,die Zärtlichkeit mit der er mich
begrüßen konnte und dieses Tollpatschige an ihm. Das Lieblose und die
Gabel hinter seinem Sofa übersah ich leider. Aber wie auch immer,in
einem kleinen Moment der Freiheit,als er grade im Urlaub war und ich
treu wie immer auf ihn wartete lernte ich ihn kennen. Alex. Alex war
ein sonderbarer Mensch. Er war sehr reif für sein Alter,anders als
andere. Er konnte Texte schreiben,wie ein Gott; und das war nicht das
einzige an ihm,was mich so unheimlich faszinierte. Nein,da war noch
viel mehr. Wie er mich Engel nannte,und akzeptierte,dass ich mit ihm
zusammen war. Und auch,wenn ich in seinem Bett lag und er dachte mich
verwöhnen zu können,ich dachte nur an Alex. Auf die Idee wegen Alex
Schluß zu machen,wäre ich nie gekommen. Das hätte auch keine Zukunft
gehabt,dachte ich zumindest. Und irgendwann dann hab ich doch Schluß
gemacht,weil er sich verändert hatte und ich nicht mit ihm und seiner
Familie essen gehen wollte.Vor allem nicht mit seiner Mutter,die hatte
ich noch nie gemocht.
Wenige Monate später lernte ich wieder jemanden kennen,nennen wir
ihn Tom. Tom lernte ich auf dem selben Weg kennen wie Alex damals. Nur
irgendwie war das anders. Er wohnte weit weg und wir wussten von Anfang
an,dass es ein Problem werden würde uns oft zu sehen. 400
kilometer,oder 500. Aber für den Augenblick war das egal,es war die
Liebe,die aus uns sprach,das wortlose Verstehen. Als er hier war,war
die Freude groß. Ich dachte,niemals einen Menschen so sehr,wie ihn
geliebt zu haben. Vielleicht habe ich das auch nicht,ich kann es nicht
sagen. Wir haben uns geliebt,gestritten,geküsst. Es war eine
wunderschöne Zeit,die aber leider nach 11 Tagen ihr Ende mit Bananen
Joghurt Eis fand. Es war ein trauriger Abschied,ich habe die ganze Zeit
über geweint,und das letzte,was er zu mir gesagt hat war "Ich bringe
eben den Koffer rein,dann komm ich nochmal raus und sag dir leb wohl."
Und bevor er wieder rauskam,schloßen sich die Türen und er war weg.
Hätten wir gewusst,dass das schon das letzte Mal war,dass wir uns
gesehen haben,hätten wir den Abschied wohl anders gestaltet,aber das
wussten wir damals noch nicht.
Die Beziehung hielt noch ein bisschen,dann eines Tages bin ich
nach Düsseldorf gefahren,alleine weil er sauer war. Ich wollte am Rhein
sitzen und ihm einen Brief schreiben,ihm sagen,dass ich ihn sehr liebe
und dass das mit den Streitigkeiten aufhören muss. Aber es kam anders.
Ich schrieb den Brief und schon da,am Rheinufer sprach mich ein Typ
an,um die 25,dunkle Locken,vermutlich Spanier oder so. Aber nicht mein
Typ und außerdem zu alt. Dann am Bahnhof schon wieder einer,zu dick.
Aber dann, ER. Die ganze Zugfahrt hatten wir schon Blickkontakt und
dann,als ich aussteigen musste ist er hinter mir hergelaufen. Wir haben
Nummer ausgetauscht und uns wiedergesehen. Ich wollte ihn nie
küssen,weil ich mit ihm zusammen war. Einmal tat ich es trotzdem. Dann
hat er mir von ihren kurdischen Sitten erzählt,und dass man dort seine
Freundinnen schlägt. Wie bei jedem Menschen,habe ich versucht ihn zu
ändern,ihn vom Gegenteil zu überzeugen,aber geschafft habe ich das nie.
Deswegen wurde aus uns auch nie ein richtiges Paar. Mit Tom hab ich
dann auch Schluß gemacht. Den Brief habe ich nie abgeschickt.
Langsam kommen wir dir näher. Oder dem Jetzt,das uns heute
verbindet. Alles hat angefangen,mit Rhianna. Du fandest,dass ich ihr
ähnlich sehe und das hast du mir gesagt. Das eigentliche Problem
war,dass ich zu dieser Zeit schon mit,nennen wir ihn Tim,zusammen war.
Ich habe Tim nicht richtig geliebt,aber ich war mit ihm zusammen,um
mich abzulenken,weil ich Liebe wollte. Und Bestätigung,das war
zugegebener Weise unfair,er hat mich sehr geliebt. Aber dann kamst
du,und irgendwie war es mir auf einmal egal,was mit seinen Gefühlen
ist. Meine Gedanken waren nach dir benannt,mein ganzer Tag richtete
sich nach dir. Vielleicht kann ich nicht viel,aber lieben kann ich. Und
ich liebte dich auf die seltsamste,aber ehrlichste Weise,die ich je
geliebt habe. Das mit ihm beendet ich 7 Tage,nachdem ich dich
kennengelernt habe. Teilweise,weil ich ihn nicht noch mehr verletzen
wollte,größtenteils aber wegen dir,das wusstest du nie. Bis heute
nicht. Daraufhin haben wir irgendwie den Kontakt
verloren,wahrscheinlich,weil ich viele Fehler machte,ich kann dich
verstehen. In Beziehungen und auch auf dem Weg zu diesen,bin ich oft
unfair,auch wenn ich das eigentlich nicht sein will. Ich habe dich nie
behandelt,wie du es verdient hattest und dann warst du weg. Ich habe
irgendwann später übers Schülerverzeichnis rausgefunden,dass du ne
Freundin hast. In deinem Alter und ich glaube auch ganz anders als ich.
Mit Tim bin ich wieder zusammen gekommen,ca. einen Monat später,weil
ich auf der Vernisage seiner Eltern eingeladen war. Bevor ich
hinging,wusste ich eigentlich schon,dass wir wieder zusammen kommen
würden. Auch wenn ich ihn zu dem Zeitpunkt immernoch nicht geliebt
habe,das habe ich nie. "hey,ich bin kais freundin." - "hey,die von
tim." Das waren die Worte,die uns wieder zusammen gebracht
haben,tausend dank an seine Schwägerin,aber ich hasse sie dafür. Es war
nicht richtig,ihm hat das Ganze dadurch noch mehr weh getan,und ich
musste betrunken mit ihm Schluß machen. Das Ganze ging eigentlich sehr
schnell,und ich mag es noch einen nicht verdienten Abschiedskuss auf
die Stirn zu bekommen,wenn ich mit jemandem Schluß gemacht habe. Das
rundet das alles irgendwie ab.
Danach habe ich immernoch lange nichts von dir gehört. Irgendwann
hab ich dann Jan kennengelernt. Und er hieß wirklich Jan. Ihn
getroffen,geküsst,verlassen. Wir waren nie zusammen,aber doch,irgendwie
habe ich ihn verlassen. Das ist vermutlich das sie kann sich nicht für
einen Jungen entscheiden Syndrom,denn ich habe ihn "verlassen" wegen
einen anderen Jungen,der nicht Marco hieß.
Marco fand ich schon toll,seitdem ich ihn das erste Mal gesehen habe.
Rapper,weite Anziehsachen und ne harte Vergangenheit. Wow,wieder
jemand,den ich rette kann. Aber er zeigte kein Interesse an mir. Hätte
mir klar sein müsse,dass ich jemanden wie ihn niemals erreichen könnte.
Er konnte jedes Mädchen haben,er war Rapper. Eigentlich nicht mein
Typ,aber interessant. Die ganze Sache änderte sich,als wir uns pötzlich
im Bus trafen. Ganz unverbindlich haben wir geredet,bis ich aussteigen
musste. Und damit hat es angefangen - geredet,geschrieben,getroffen.
Auch,wenn das mit dem Treffen mit ihm ein schweres Ding war. Immer
hatte er Auftritte oder Jams oder musste was mit seinem Chef
besprechen. Nie hatte er Zeit,bis zu diesem einen Sonntag bei meinem
besten Freund,der gleichzeitig auch sein bester Freund ist. Verliebt.
Oder war das wieder nur ein "Ich will sein Leben verändern" ? Ich habe
ihn nicht geliebt,aber ich fand ihn toll. Vielleicht ein wenig
verknallt,vielleicht. Irgendwann hat er mir dann gesagt,dass er mich
liebt. Ich wusste nicht,was ich sagen sollte,ich hatte in dem Moment
einfach nichts zu sagen. Ich dachte irgendwie,dass ich ihn auch
liebe,aber das tat ich nicht. Wahrscheinlich das erste Mal,dass ich
wirklich nachgedacht habe,obwohl sich das noch anders rausstellen
sollte,denn dann kamst du. Plötzlich warst du wieder da. Wie aus dem
nichts. Ich hab zufälligerweise im Verzeichnis gesehen,dass ihr nicht
mehr zusammen seid,über freunde dann rausgefunden wieso,und ja,dann
warst du wieder da. Wir haben wieder geredet,du warst schlicht und
einfach wieder da,so da wie noch nie irgendjemand da war,aber es tat
gut. Und dann die Frage, der Rapper oder du? Das größte Problem war
wahrscheinlich,dass ihr so gut befreundet seid. Ihr habt euch
gegenseitig erzählt,was ich euch gesagt habe. Ihr habt meine Gehemnisse
ausgetauscht wie Unterwäsche. Um mich kaputt zu machen,oder
wahrscheinlich nicht deswegen,aber ihr habt es gemacht. Ich war
unvorbereitet darauf,und es tat weh. Es tat weh,wie noch nie etwas weh
getan hat. Ich konnte nicht einmal weinen. Vielleicht liebe ich euch
wirklich beide,aber das tut nichts mehr zur Sache,ich habe einen von
euch verloren. Und du,du hast gesagt du brauchst jetzt Zeit. Ich würde
dir alle Zeit der Welt geben und ich warte auf dich. Ich werde mich
nicht wieder auf irgendwen einlassen,wie sonst immer. Und genau das,ist
es wahrscheinlich,was das zwischen uns zu etwas Besonderem macht.
Dieses klitzekleine Knistern in der Luft,die Sekunden in denen das Herz
stockt,weil ich an dich denke,diese Verbindung,die stärker ist,als
das,was mir irgendjemand anders je hätte geben können. Vielleicht sind
das die Beweise,warum du mir den Glauben schenken solltest.
Man muss viele Frösche küssen,um seinen Prinzen zu finden. Und ich
glaube,bei dir sehe ich die Krone durchschimmern,wenigstens ein kleines
bisschen.