ALDI IDEAL
Wann kauft denn so ein Freiberufler ein? Na, am hellichten Nachmittag natürlich! Manchmal auch morgens um 8, ein andermal gegen 11. Also immer dann, wenn es gerade in den Kram passt. In Wahrheit ist es nämlich schlimm mit dem freiberuflichen Dasein. Nicht wegen der flexiblen Einkaufszeit, das ist lustig. Sondern wegen der tendenziös-workaholic Pausengestaltung. Während also der normale Angestellte (ha ha, sowas von normal!) morgens um halb 8 seinen Kaffee schlürft, ruft Freiberufler schon eine Stunde früher die Mails ab und hat um des Angestelltenkaffeezeit bereits zwei Drittel Kanne des dunkelbraunen fein gemahlenen Röst-Mexikos intus. Gefrühstückt wird, wenn es zeitlich passt und sichergestellt ist, dass nach dem Genuss von 2 Brötchenhälften keinesfalls ein Müdigkeitsschub eintritt, wegen akuter Magenfülle. Essen ist lediglich zum Aufrechterhalten der Körperfunktionen da, zumindest tagsüber, und ansonsten eine eher lästige Arbeitsunterbrechung, die fettige Finger macht und außerdem sowieso viel zu lange dauert. 100 Mal jeden Bissen kauen, meine Güte, das soll angeblich glücklich machen. Mich mal jedenfalls nicht. Nur wenn Kühlschrank und Eisfach im Chor rufen: Füll mich!, ja dann muss sich der Herr Freiberufler in den teuren Wagen mit den Designersitzen schwingen und rasch den Kofferraum füllen mit Normal- und Edelfood, Öko-Grünzeug und amtlichen Knabberismen. Haushaltskram nicht vergessen, das Papier im 00-Raum braucht ständig Nachschub, und die komischen gelb-roten Schwämmchen, mit denen man das nass putzt, das nicht in die Spülmaschine darf, die haben auch keine besondere Lebensdauer herstellerseits.
Also ist um halb zwei der Kofferaum voll und der Freiberufler hat den ALDI hinter sich. ALDI ist gut zu einem Freiberufler. Das Gebäude ist samt Parkplatz verkehrsgünstig gelegen, die Einkaufswagen funktionieren und der Laden selber hat drei überschaubare Gänge. Rechts und links die Regale, da muss man nur reingreifen, Verfallsdatum und Inhaltsliste der Lebensmittel checken (ja nichts mit Süßstoff nehmen!) und 10 Minuten später stehe ich in der Schlange an der Kasse. Die ist um diese Zeit überschaubar kurz. Davor musste ich aber das Klientel in Kauf nehmen, das um diese Tageszeit nichts anderes zu tun hat, als rumzushoppen und dabei die Augen offen zu halten. Während ich also den schnellen Schritt draufhabe, macht sich am Salatregal neben mir die Blonde an den Champignons zu schaffen. Ab in die Tütenmilchabteilung, einen Kasten in den Wagen wuchten. Da kommt schon eine Brünette um die Ecke und checkt das Sahneangebot, das in kleinen Tüten. Direkt vor meinen Augen.. Was in aller Welt haben die Damen nachmittags nicht zu tun, dass sie es in den ALDI treibt, Waren anzufassen, in den Einkaufswagen zu legen und so ganz nebenbei alles was nicht mit zwei Möpsen vorne ausgestattet ist, gleich mit abzuchecken. BTW: das nervt . Ab morgen gehe ich mit Sonnenbrille einkaufen.
Ansonsten is es schön bei ALDI IDEAL fehlt nur das E für´s Anagram. Aber I DEAL ist genauso schön. I ROBOT ist es ja auch. Isaac Asimov, was warst Du nur ein ein Meister Deines Fachs. Früher war ALDI ein Karton-im-Regal-Laden, der billigste Trauben-Nuss-Schokolade als Preiswertstversion für normale Angestellte parat hatte und es den Kunden nicht stören durfte, wenn ein bisschen kaputtverpackungsversachtes Waschpulver auf dem Boden die Ladenatmo definierte. Heute ist das anders: Sauberkeit allenthalben, Waren in korrekter Qualität, meistens jedenfalls, und in der zugegeben sehr geringen Wartezeit an der Kasse kann der moderne Multimediamensch noch die Poster mit den Billigangeboten für TFT-Flatscreenmonitore ansehen und im anschließenden Weggehen noch den Reiseprospekt für den nächsten Zypern-Trip mitnehmen. ALDI, wer auch immer du im wirklichen Leben bist, Mensch, Tier, Schuhkarton, Asteroid - du hast es einfach geschafft. Zumindest bei mir.
