kpr56

15.08.2007 um 05:36 Uhr

Wenn der Postmann gar nicht klingelt

von: kpr56

Dann ist auch kein Benachrichtigungszettel im Briefkasten. Obwohl Post da ist. Nur nicht hier. Die ist woanders. Dort, wo der Mann von der Post, der früher mal Postbote hieß, sie hingetan hat. Ich möchte auch gar nicht wissen, wo das ist und wie es dort ausschaut.

Es ist so simpel. Man schreibt einen Brief oder schickt eine CD oder sowas an jemanden. Mit den gesammelten Kleingeldmünzen bewaffnet schafft man sich an den Briefmarkendruckerautomat. Klebt das Teil, das der ausspuckt mit eben jener Flüssigkeit eigener Produktion auf das Kuvert. Dann wird es in den Schlitz im Postraum geschoben, an dem großartig steht: Leerung alle 30 Minuten. Ich schaue ab und zu in den Schlitz und da sehe ich zwei Plastikkörbe mit Post drin. Ja, die sind es dann sicher, die alle halbe Stunde geleert werden. In meinen Tagträumen stelle ich mir dann vor, dass da jemand hingeht und sagt: „Hui, da sind aber wieder viele Briefsachen drin! Da warten bestimmt die Empfänger ganz dringend drauf, da schaffe ich die mal in eins von unseren schönen gelben Postautos!“ Gesagt, getan. Bemützte und beoverallte Leute fahren dann also ziemlich schnell durch die Stadt und ignorieren Radarkontrollen, biegen auf die Autobahn ein und ab geht die Lucie Richtung Postablieferungsort. Das wäre in meinem Fall dann mal Köln gewesen. Dort angekommen übergibt der Herr Post-Overall, kann auch eine Dame sein, das ganze Papierzeug seinem Kollegen zur „Weiterbearbeitung“. Oha, das klingt schon mal kompliziert nach Staffel-Lauf, wo es auf der Aschenbahn ja um Sekunden geht, damit das auch schön ordentlich klappt. Vielleicht gab es eine Sprachbarriere? Ein Missverständnis persönlicher Natur? Ein Zeitsprung? Jedenfalls kam mein Brief mal nicht in Köln beim Empfänger an. Uff.

Was war passiert? Keine Ahnung! Jedenfalls kam der Brief an den Drummer mit der CD drin mit den Daten drauf nicht an. Was war genau passiert? Immer noch keine Ahnung! Nach nämlich fast 3 Wochen kommt der Brief zurück. Hö? Jaha, zurück? Wieso das denn, ich will den doch gar nicht zurück, denn ich will, dass der Drummer in Köln den kriegt. Deswegen hatte ich ihn ja mit bunten Zettelchen mit Geldangabe drauf sorgfältig beklebt und in besagten Post-Schlitz geworfen. Sanft geworfen, damit nichts drin kaputtgeht. Auf dem Briefkuvert steht also: „Benachrichtigt am 11.4.07.“ Sowie am 22.4.07 „Nicht abgeholt.“ Und am 2.5.07 ist das Ding dann wieder bei mir zuhause. Wo es nichts verloren hat, soll es doch in Köln bleiben, denn ich hatte der Post nicht gesagt, dass sie es zu mir schicken. Sie hätten mir eine Mail schicken können und fragen, was sie denn tun sollen. Oder auch anrufen für die Frage. Aber nein, schweigsam wie sie sind auf der Post, ziehen sie ihr Ding durch und schon landet nach nur drei Wochen mein eigener Brief nach einer kleinen Rundreise durch halb Deutschland wieder bei mir. Hurra.

Doch ich hege noch ganz andere Zweifel. Der Herr Drummer ist nämlich ein ganz Zuverlässiger. Da steht auf dem Briefkasten sein vollständiger Name, die Blechschachtel selbst kaum zu übersehen, auch für Blinde nicht. Sogar die Hausnummer ist in 96 Punkt zu lesen. Von verschiedenen Blickwinkeln auch, selbst bei Nebel. Es war auch ein Brief, der da zugestellt werden sollte, nichts weiter. Doch dazu war die Post nicht in der Lage. Nein, sie legten noch nicht mal eine kleine Nachricht in den Briefkasten mit dem Hinweis, dass da was zugestellt werden sollte, aber nicht sollte oder wollte und man das drummerseits doch bitte bald bei deren Lagerstätte abholen möchte. Nö, man machte all das nicht, sondern bevorzugte die Idee der Rücksendung mit vorgeschobenem Grund. Ich sag mal was: Die hatten gar nicht vor, den Brief zuzustellen. Das Teil mit CD gefüllt war denen lästig und da haben sie es gleich im Kölner Postlager liegen lassen. Einen Zettel als Benachrichtung hat auch keiner ausgestellt und dem Drummer in den Briefkasten geworfen, das wäre ja fast noch als Service durchgegangen und sowas tut die Post ja schonmal gar nicht. Also einmal Abkürzung im Handeln, zack zurück an den Absender und mirdochegalichgehnachhause.

Die haben doch nicht mehr alle Zacken an der Marke! Zum Glück hat man heute einen Online-Server mit ziemlich viel Gigabyte Speicherplatz. Da wird die CD bzw. deren Inhalt hochgeladen und den Downloadlink kriegt der Drummer in Köln. Dauert wenige Stunden und alles ist wie es sein soll. Hoffentlich machen wir so diese Postmitarbeiter arbeitslos. Oder halt, die sollen Backups machen, den lieben langen Tag. Als 1-Euro-Job. Tja, so kann´s gehen.