Sonntagsnachts online ein feines T-Shirt mit
Custom-Bedruckung bestellt, per Vorkasse. Am Montag dann online die Überweisung
ausgeführt. Geld ist abgebucht, sieht man ja sofort auf dem Monitor, wenn
Aktualisieren gedrückt wird. Mittwochs dann vom T-Shirt-Shop eine
Zahlungserinnerung bekommen, so eine anonyme Mail, die mit „Ihr freundliches
T-Shirt Dingsda-Team“ unten gezeichnet ist. Am Donnerstag dann dem
Stoffbedrucker eine Mail geschickt, dass die Kohle schon längst da sein müsste
und ich doch gerne mein Hemd hätte, diesmal bitte XL und nicht M mit
irreführendererweise einem XL-Label drin. Wahrscheinlich konnte die
Hemd-Näherin im herstellenden Dritte-Welt-Land noch nicht lesen, das entlastet
selbstverständlich. Dann war Karfreitag bis Ostermontag. Dienstagfrüh kommt
eine Mail von denen, dass das Geld noch nicht da wäre, aber wahrscheinlich noch
am gleichen Tag käme und dann aber auch wirklich auf der Stelle das Ding in
Druck gehen würde. Hurra! Am späten Nachmittag trudelt dann auch die
Wahnsinnserfolgsmeldung per Elektropost ein: Die Kohle ist da, von McStockfish
persönlich verbucht und das Hemd wird jetzt bedruckt mit den Angaben, die ich
im Online-T-Shirt-Bedruckungsgenerator eingegeben habe. Soweit, so gut.
Jetzt rechne ich doch mal rasch zurück. Montag ist das Geld
rausgegegangen und am Dienstag der Folgewoche ist es eingetroffen. Das ist
rekordverdächtig langsam. Also: Wir leben im Computerzeitalter, wo solche
Sachen online erledigt, per Software Daten ein- und ausgegeben werden. Die
Fakten sind nachprüfbar, kann man ausdrucken oder auch neu abspeichern als html
Datei, als txt oder wegen mir auch mit Copy/Paste in ein Word Dokument holen,
dann ein PDF draus machen und es sich dann als Backup in den Schrank stellen –
auf CD, USB Stick oder was auch immer. Auch stinknormal ausdrucken natürlich.
Das alles passiert innerhalb von Minuten, ach was sag ich, in Sekunden. Wenn
was online passiert, dann werden die Daten auf dem Server maximal alle paar
Stunden auf neustes Update gestellt, beim Online-Konto geht das auf der Stelle.
Nur nicht beim Geld.
Was macht denn eigentlich das Geld so in der Zwischenzeit?
Ist ihm langweilig? Also in der Phase zwischen abgebucht und gutgeschrieben. Im
Falle Custom-T-Shirt war das immerhin eine gute Woche, wohlwollend gerechnet.
Meistens sind das zwei Tage, oft auch drei, und wenn man superviel Glück hat,
dann sind es mal tatsächlich nur ein paar Stunden und passiert womöglich noch
am gleichen Tag. Ist aber wirklich total selten. Vor allem dann nicht, wenn ein
Wochenende dazwischenliegt oder Feiertage. An Ostern ja dann beides. Genau wie
Pfingsten und Weihnachten.
Wenn ich wegen allgemeiner Knochenbewegung die Post
wegbringe und die 9 Minuten bis zur DHL-Filiale Gelegenheit zum Denken habe,
dann stelle ich mir solche Fragen: Ist mein Geld dann in dieser Zeit im
Weltall? Wenn ja, was macht es dort? Besucht es die Crew auf der ISS? Kann es
mir was von dort mitbringen, als Andenken? Was macht das Geld all der anderen
Leute, denen das so geht wie mir? Trifft sich die ganze Kohle dieser
Vakuum-Phase im All und feiert eine ausgelassene Party solange bis es wieder
unten auf der Erde ankommt und endlich gutgeschrieben wird? Ist es bis dahin
wieder nüchtern oder hat es noch Restalkohol, der eventuell den Wert
möglicherweise sogar mindert?
Man soll ja über solche Sachen gar nicht nachdenken und sie schon gar
nicht komisch finden. Was, wenn das Geld gar keinen Ausflug ins Weltall macht,
sondern von kleinen fiesen Bankern heimlich abgegriffen und in Warentermingeschäfte
gesteckt wird. Huch? Da haben die jeden Tag das Vakuum-Geld für ein paar
Stunden oder, wie im Falle T-Shirt, sogar über mehrere Tagen in ihren komischen
Zinsfingern und können es nicht lassen und zocken halt damit. Rein in die
Fonds, raus aus den Aktienstapeln, hin auf das Tagesgeldkonto, weg vom Depot –
mannomann, allein der Gedanke daran muss einen ja schon heiß machen. Was da bei
rumkommt? Von einem Einzelnen seinem Vakuum-Geld nicht so viel, aber die Menge
macht´s (alter Kaufmannsspruch!). Wenn da also jeden Tag so vielleicht 20
Millionen Deutsche ihr Geld ab-, ver- und rumbuchen lassen und das erst zwei
oder drei Tage später, manchmal eben auch noch viel später, bei den Empfängern
eintrudelt, dann wird das doch für einen professionellen Geldzähler irgendwie
interessant, oder? Ich male mir in Gedanken aus, wie der dann in seine olle
Vintage-Rechenmaschine die Beträge eintippt, anschließend mit Zins und
Zinseszins verrechnet, rummultipliziert und addiert, dann nochmal schnell
irgendwas davon abzieht oder draufschlägt, sowas wie Provisionen, Gebühren,
Ausgabeaufschläge und all das. Und hinterher sich den Papierstreifen ausdrucken
lässt, mit feuchten Fingern von der Rolle reißt und dann, ho ho, die Zahl ganz
unten abliest. So so, das muss es also sein. Nun ja, jeder hat ja so seine
Leidenschaften. Mich macht alleine der Gedanke an dieses Szenario schon wieder
nüchtern. Ist ja eh nur Phantasie. In Wahrheit ist das alles ganz anders, weil
die Maschinen halt so ihre Zeit brauchen, bis sie diese Zahlen richtig
verbuchen können. Das dauert halt bei denen. Muss man Verständnis haben für
sowas. Anders gesagt: Die können nicht anders. Oder besser gesagt: Gelegenheit
macht Die**.