kpr56

15.11.2007 um 00:28 Uhr

Finden Sie sich eigentlich witzig?

von: kpr56

"Aber nein!", mag da die spontane Antwort sein. Und die ist natürlich gelogen. Selbstverständlich finde ich mich witzig. Was gibt es Besseres, als witzig zu sein? Komisch sein. Aha. Schlimm wäre es, genau das Gegenteil zu sein, nämlich unwitzig. Also die klassische Trübe Tasse. Natürlich ist man witzig nur im Auge des Betrachters. So wie man schön nur im Auge des Betrachters sein kann. Mmh. Der Komikeffekt hängt also vom Gegenüber ab? Nein, nicht wirklich. Ich kann über mich selber lachen. Uff! Ja, das stimmt. Blöd rumsitzen, dämlich an sich selber denken und dann anschließend drüber lachen. Ist das komisch? Ich glaube ja. Die Komik im Gegenüber ausfindig zu machen, ist eigentlich viel schwieriger. Gesicht anschauen, Mimik checken, Körpersprache auch. Es spricht eventuell. Und Stimme hat Farbe. Weil es Frequenzen sind. Fourier erklärt es, wenn man nicht weiß, wie das mit Farben und Frequenzen ist. Spontan grinsen oder nicht. Tja. Wenn die Intuition widerspricht: Nope. Wenn sie Ja sagt? Ha ha, sagt Nelson und macht damit nicht mehr als die passende Überleitung zu Bart oder Homer. Witzig ist also erklärungsbedürftig. Bedürftig ja, Erklärung nein.

10.11.2007 um 20:37 Uhr

Das ist Extra Fun!

von: kpr56

Was ist Extra Fun? Das ist das, was man normalerweise als angenehme Überraschung bezeichnet. Vor einigen Jahren hatte ich mit einem schwedischen Kollegen für ein Projekt zusammengearbeitet, es war die SID-Station und der schwedische Kollege war Daniel Hansson. Er war der Erfinder und Erbauer dieses Synths und zu dem Zeitpunkt war er glaube ich gerade mal so knapp 20 Jahre alt. Sowas ist ungewöhnlich, beides: Synthesizerbauer zu sein und das so frühzeitig zu bewerkstelligen. Jedenfalls hatte ich ihm einen ganzen Speicher voll Soundpresets programmiert und er ist dann anschließend mit der Maschine rund um den Globus gepilgert, von Musikmagazin zu Publikumszeitschrift und zurück. Hinterher konnten wir uns dann anschauen, was die Leute denn so zu seiner SID-Station und meinen Sounds zu sagen hatten. Die Leute haben ja immer was zu sagen, auch wenn sie nichts zu sagen haben. Gerade dann! Na, jedenfalls ist eine Vorstellung auch beim Spiegel gewesen. Ja, der Spiegel, das Magazin für, von und mit. Ist vergleichsweise dick, liegt in Ärtzewartezimmern und auf Wohnzimmertischen und wird auch in einer Auflage von sowas mit 1 Mio gelesen. Vielleicht auch mehr, weiß ich nicht auswendig. Da gab es in einer Ausgabe, ich hab sie noch hier archiviert, einen Bericht über die SID-Station! Kann normal gar nicht sein, denn das Blatt schreibt über viel, aber nicht so oft über Synthesizer und schon gar nicht über sowas Exotisches wie die SID-Station. Taten die aber doch! Und bildeten das Ding mit Foto ab und im Display erkannte ich auch mein Preset "Fatburger", denn das hatten sie wohl für die Fotosession ganz ulkig gefunden. Na, ich hatte das entdeckt, völlig unvermutet übrigens und schrieb dann gleich ein Mail an Daniel. Der antwortete dann auch umgehend:"Great, this is extra fun!" und meinte damit, dass er natürlich mit sowas gar nicht gerechnet hatte und sowas einfach eine super prima zusätzliche Überraschung ist, und zwar eben eine angenehme. Für mich hat sich dieser Spruch dann irgendwie zum geflügelten Wort entwickelt, bis heute, denn die Sache mit der SID-Station und dem Spiegel war in 1997! Und weil Daniel vor ein paar Wochen unglücklicherweise per Autounfall vorzeitig in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist, benutze ich den Spruch nun mit noch einem Tick mehr Pathos, um Daniel posthum ein klein wenig mehr Ehre für sein Wirken zu geben. Keine Ahnung ob das was nützt, aber ich glaube mal dran. Nun, hier schließt sich der Kreis, denn den extra fun habe ich jetzt gerade. Nach 3 zwar befriedigenden aber doch auch ziemlich anstrengenden Arbeitsjahren am "The more you know" Album mit Milo´s Craving hat sich diese Longplay doch tatsächlich auf Anhieb in eine ProgPoll 2007 geschafft und rappelt sich im Augenblick, also 2 Wochen vor Stichtag, um den Platz 30 der Top 100 Alben des Jahres. Die Poll ist Ende November durch und mal sehen, ob wir unter den Top 50 bleiben, doch selbst die Top 100 wären noch fein. Damit konnte man wirklich nicht rechnen, denn unter diesen Hunderten von CDs sind ja etablierte und angesehene Acts dabei. Und was ist das also? Na extra Fun!! Jedenfalls hätte das Daniel so gesagt. Und ich tue das auch.

02.11.2007 um 23:27 Uhr

Was ist Trumpf? Schwarz!

von: kpr56

Karo heißt es doch bei Loriot, nicht schwarz. Schwarz heißt es aber bei mir. Denn schwarz war die Katze, die ich 20 Jahre lang als Gefährten, Freund, Ratgeber und Spielkameraden nicht zu vergessen Schmusepartner erleben durfte. Ja, durfte. Es ist ein Geschenk, wenn man sich völlig ohne Erwartungshaltung als junger Mann ein Haustier an sich bindet, das ohne diese Aktion den ländlichen Ort seiner Herkunft kaum eine Woche später bereits als Katzenengelchen wieder verlassen hätte. Doch dazu ist es ja nicht gekommen, denn der Herr Musiker hat gemeint, eine Hauskatze haben zu wollen und das mit einer guten Tat verbinden zu müssen. Herausgekommen sind dann die o.g. 20 Jahre gemeinsamer Alltagsbewältigung, Lebenslehren und Spaßkram - eine wirklich anregende Mischung. Der kleine Schwarzpelz war einfach immer dabei, eine sogenannte Mitkatze, die es nicht ausgehalten hat, wenn man sie alleine lassen wollte für ein paar Stunden. Da kam es dem Tier wirklich gerade recht, wenn der Haus- und Essnapfherr gleich mal selbständig ist und nicht geregelten Bürozeiten hinterherhechelt, sondern seine Füße auch tagsüber in der Wohnung rumträgt und vor allem für Gesellschaft sorgt. Doch seit jetzt 8 Wochen ist es vorbei mit dieser Beziehung, zumindest im irdischen Sinn. Das Tier ist noch immer vorhanden, nicht wirklich, denn im September hat sie sich dazu entschlossen, in die ewigen Katzenjagdgründe einzugehen und Winnetou Guten Tag zu sagen, statt mir immer wieder Gute Nacht. Es war ein so natürlicher Abschied, für den sie sich entschieden hat und machte mir damit ein weiteres Mal einfach nur was vor. Nich vormachen in Form von Schwindelei, sondern von Vorführung. Das hatte sie so immer getan, denn sie war sehr direkt. Kuschel mich, fütter mich, lass mich ins Freie, hab was und geh mit mir zur Tierärztin. Das waren ihre Ansagen und ich habe die nicht nur verstanden, sondern auch kapiert. Dafür werde ich ihr wirklich für immer dankbar sein, auch wenn es gelegentlich zu einer Krokodilsträne kommt, weil mich ihr realer Daseinsverlust hin und wieder schmerzt. Doch das wird vergehen, das weiß ich ja, und es wird eine bestehende Erinnerung zurückbleiben. Danke, mein kleiner schwarzer Schatz, du hast mir gutgetan und ich hoffe ich dir auch!

01.11.2007 um 21:51 Uhr

Was ist eigentlich eine Raubkopie?

von: kpr56

Das haben sich schon eine Menge Leute gefragt. Ein paar haben Antworten gegeben. Und wieder ein paar sind davon betroffen. Ich zum Beispiel. Nicht als Macher von Raubkopien, sondern als Macher von Originalen, die dann später als Raubkopien erhältlich sind. Wenn man als Macher zum ersten Mal eine Raubkopie seines eigenen Werkes sieht, dann wird einem schlecht. Ja, genau so. Im Magen. Es flimmert vor den Augen, und es ist nicht eine geringe Bildfrequenz des Computermonitors. Es ist so eine merkwürdige Mischung aus "Kann ich nicht glauben, was ich gerade sehe!" und "Wem muss ich da jetzt auf der Stelle auf die Schnauze hauen?". Also Ausrufezeichen und Fragezeichen gleichzeitig im Kopf. Das kann ein normaler Kopf, selbst wenn es sich um einen Künstlerkopf handelt, nicht wirklich wechseln. Schwirr schwirr also. Aspirin her, oder nee, besser Scotch. Wegen mir auch ein guter Cocktail, MaiThai etwa. Oder zwei. Die Entdeckung einer Raubkopie ist was ganz anderes als eine normale Kopie. Eine normale Kopie ist die gebrannte CD, die man sich von der macht, die einem ein Kumpel empfohlen hat und der eben das Original besitzt. Oder die für´s Auto, weil die für zuhause, das Original, zu schade ist für die klimatischen Verhältnisse im Auto. Die Raubkopie dagegen ist die, die etwas Schlechtes an sich hat. Sie kostet nämlich erstmal Geld, und zwar ziemlich genausoviel wie das Original. Manchmal etwas weniger. Und wird an den Mann gebracht von jemandem, der sich das Original beschafft hat mit dem Vorsatz, es zu vervielfältigen und den späteren Käufern vorzugaukeln, es handele sich um ein legales Ding, was er da gegen Cash vertickt. Isses aber nich. Ist Lug und Trug. Der Inhalt der CD ist aber nicht gelogen, sondern authentisch. Dieser Widerspruch zwischen Original und Raubkopie erzeugt eine energetische Spannung, denn jemand merkt, ob er etwas metaphysisch Reines oder Unreines in der Hand hält oder dessen Inhalt hört. Klingt wie kosher oder nicht kosher? Ja, da kann was dran sein. Also: Kauft koshere CDs. Oder andersrum gesagt: Kauft nicht beim Raubkopierer. Brennt stattdessen lieber kostenlos eine, die vom Kollegen, denn der hat das Original. Nur so als Alternative. Denn Raub ist Abäh, Pfui Spinne, Scheißendreck.