Tja und als ich das nächste mal da war, begrüßte APunkt mich
freudestrahlend, was mich überraschte, denn siehe unten, 90 kg schwer
und Aussehen unter aller Kanone. Im Gegensatz zu APunkt, der schmal und
durchtrainiert zu mir rüber lächelte, verschmitzt unter einer schwarzen
Haarsträhne hervor, was für ein Lächeln, und ich völlig verunsichert,
ich gefalle einem Mann, der mir gefällt, kann gar nicht sein.
Grinsend
krähte er zu mir rüber: DUUUU lädst mich jetzt zum Frühstück ein, dann
sind wir quitt, ok? Und wir fangen schön an Milchkaffee zu trinken und
schon nach einer Stunde floss der erste Weißwein und schwupp waren wir
im klassischen Intimgespräch über all unsere Verletzungen, die wir mit
unseren Anfang und Ende zwanzig erlitten hatten, mit wem ist man
zusammen, mit wem war man zusammen, wann hatte man das erste Mal
Geschlechtsverkehr und wie war das und was sind eigentlich deine
Vorlieben so mit Männern mit Frauen, schnell, langsam, soft, hart, oje,
eben ganz unverfänglich. Spätestens beim fünften Glas war ich
überzeugt, dass er der Mann meines Lebens ist und dann sind wir zu ihm
und, wenn es sich um den Mann deines Lebens handelt, dann gilt
natürlich auch Regel Nummer Eins nicht, dann ist ja alles egal und mit
fünf Gläsern Weißwein im Kopp und einer halben Flasche Rotwein
hinterher macht man sich sowieso keine großén Gedanken, mit Ausnahme
uns Küchenphilosophen, die wir auf dem Sofa in den höchsten Tönen über
die Welt herzogen, wie grausam sie sei und warum, dann las er mir alle
seine Gedichte und einige seiner Texte vor und dann zog er seine
Gitarre aus der Zimmerecke und zog sich nackt aus (weil er so gut
spielen kann, wenn er nackt ist, später hab ich Robbie Williams
dasselbe sagen hören und musste nochmal heftig an APunkt denken), naja
und dann saß da der schmale nackte schöne Mann mit den schwarzen Haaren
und dem melancholischen Blick und sang und ich bin sicherlich kritisch
und finde nichts peinlicher als schlechte Hymnen auf der Gitarre, aber
er hatte alles dabei, STimme, Charme, Stil, und besoffen hin, besoffen
her, aber es war das längste, aufregendste und abwechslungsreichste
Frühstück, das ich je hatte. WIr starteten nach unserer
Gedankenvereinigung noch den Versuch körperlich einen drauf zu setzen,
aber das war dann nix mehr, da waren wir uns einig, also ließen
wir es, inzwischen war es 10 Uhr nächster Morgen, 24 h waren vergangen
und wir schliefen erstmal zwei Stündchen, dann kuscheln, das konnte er
acuh noch, Küssen, Geruch, alles stimmte, dann noch ein
Guten-Morgen-Ständchen auf der Gitarre und plötzlich:
Das wird nichts mit uns.
Was?
Ich bin noch nicht so weit, das merk ich gerade.
Was?
Ich häng noch zu sehr an meiner Ex-Freundin.
Aha.
Ja, ich kann mich einfach noch nicht wieder binden
Aha. Wer sagt, dass ich mich binden will? (Zurückrudern, so schnell wie möglich zurückrudern!!!)
Naja, ich wollte es dir nur sagen, falls du dir Hoffnungen auf was Ernsteres machst.
Na
Bravo! Da hatte ich den Salat. Gott sei Dank hatte ich einen Kater und
der machte, dass ich sauer wurde, ihm mächtig die Meinung geigte und
einen verdammt guten Abgang hinbekam. Als eitles Arschloch hab ich ihn
bezeichnet, das hatte gesessen, und mal abgesehen davon, dass er sich
das auch früher hätte überlegen können, zieht es jetzt auch noch die
letzten 36 h in den Dreck und herzlichen Dank nochmal für die schöne
Zeit, er solle sich seine Gitarre sonstwohin schieben und es sich vor
dem Spiegel selber machen, während er seine Texte vorliest, da müsse er
keine Menschen für missbrauchen.
Und währenddessen hatte ich
mich schon angezogen und mit einem "Wie vermessen kann man denn sein?"
schmiss ich die Tür zu und machte mich auf den Weg nach Hause.
Keine Tränen. Mann, war ich sauer!