Abseits von "der Israel-Sache" passieren zur Zeit noch 5328 andere Dinge.
Die nehmen zusammen zwar nicht mal 10% meiner Gedanken ein (ich bin schon fast besessen von "der Israel-Sache"), aber da es mir sehr viel leichter fällt darüber zu schreiben mache ich das jetzt einfach mal.
Dieses Jahr habe ich ja - dem ein oder anderen mag es ähnlich wie mir nicht richtig bewusst gewesen sein - Abi gemacht. Mit einem Traumschnitt von 1,4 (!). Da ich früher gerne mal Schnitte von so 2,9 oder 3,0 hatte und eigentlich auch überhaupt nicht aufs Gymnasium gehöre wenn man sich meine Grundschulnoten so betrachtet, grenzt das schon an ein kleines Wunder. Ein Grund zur Freude also. Jippieh.
Die ganzen Abifestle sind mittlerweile rum (soooo geil, echt. Hätte nicht gedacht, dass Abistreich oder sonstirgendwelche Parties mit meiner Stufe so Spaß machen könnten...). Aber da das ja doch immer das selbe ist, gehe ich da jetzt auch nicht näher drauf ein. Nur auf den Abiball.
Der Abiball ist eine wirklich noble Veranstaltung: Wir Mädchen machen uns schon Monate vorher Gedanken um das Kleid inklusive darauf abgestimmter Schuhe und Handtasche, die Haare, das Make Up usw. Auch unseren Jungs ist Styling offensichtlich sehr wichtig. So wurde vorher ein richtiger "Dresscode" festgelegt: Anzug, Krawatte, ja keine Turnschuhe. An diesem Tag wollten sie alle geschniegelt aussehen, und wer da "pseudo-individualistisch" in "Badehose oder sonstigem lächerlichen Freizeitoutfit" kommen würde, solle am Besten "gleich zu Hause bleiben" und "uns" ordentlich feiern lassen.
Spätestens in dem Moment wollte ich in Bikini oder Kartoffelsack kommen, nur um zu schauen, ob die Türsteher (ja, wir hatten Türsteher bei unserem Abiball: Eine Oma könnte ja Stress anfangen und wild mit Gabeln um sich schmeißen, so dass auch 50 starke, junge Kerle sie nicht bremsen können...) mich so reinlassen würden. Außerdem hatte ich sowieso kein Kleid.
Leider habe ich dann doch noch ein Kleidchen gefunden, so dass mein Auftritt als Kartoffelsack noch auf sich warten lassen muss. Ist zwar kein klassisches Abiballkleid (sondern rot mit großen weißen Blumen), aber ich mag es trotzdem. Mehr noch als den Kartoffelsack.
Und im Nachhinein war der selbst auferlegte Kleidungszwang meiner (Ex!-)Mitschüler doch eine gute Idee: Jungs in Anzügen sehen wirklich extrem... heiß aus. Hach.
Aber Schluss mit diesen Oberflächlichkeiten.
Was ich eigentlich sagen wollte: Seit sich meine Eltern vor 13 Jahren getrennt haben, war das wohl das erste Mal, dass wir alle fast wie eine richtige "Familie" zusammensaßen: Mein Papa, meine Mama (+ ihr Freund) und meine Großeltern. Es gab Platzkarten, und so mussten alle zusammensitzen, ob sie wollten oder nicht. Und den doch sehr ...skeptischen Blicken nach wollten sie wohl eher nicht. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, meine Eltern haben den ganzen Abend lang kein Wort miteinander geredet (also, zur Begrüßung haben sie sich jedenfalls nur zugenickt. Mit versteinerten Mienen). Und der Freund meiner Mutter hat meinen Vater die ganze Zeit über so angestarrt, als wolle er ihm seine Gabel in den Hals stechen. Dafür also die Türsteher, so ganz überflüssig waren sie wohl doch nicht.
Die Gabel ist dann doch nur in den Mund besagten Freundes gewandert. Sehr, sehr oft: Dieser Fresssack hat allen Ernstes vier voll beladene Teller des Hauptgerichtes, zwei Stück Kuchen und hinterher noch Salzstangen gefuttert ("So, jetzt hätt ich gerne noch einen Kaffee nach dem ganzen Essen. Damit es besser verdaut"). Außerdem hat er sich zwei Mal Gratissekt geschnorrt, und wenn die Flaschen nicht irgendwann ausgegangen wären hätte er sich wohl vollends besoffen. Das ist ein wirklich elendiger Schnorrer, der alles abgreift was irgendwie kostenlos ist (naja, ich hab die Eintrittskarten besorgt, deshalb war es für ihn kostenlos). Und eher würde er sich übergeben als mit dem Fressen aufhören solange es nichts kostet. Denn obwohl ihm das Essen nicht geschmeckt hat ("Die Spätzle sind kalt. Und das Fleisch zäh.") musste er es reinstopfen. Und überhaupt stand ich - wie alle anderen - so ungefähr eine dreiviertel Stunde in der Essenschlange, während er schon nach 10 Minuten zurück war. Also muss er sich vorgedrängelt haben... Bäh, dieser arrogante Widerling macht mich echt wütend!
Dem hätte meine Mutter mal den aktuellen "Knigge" schenken sollen, nicht mir.
Ja, ihr habt richtig gelesen: Meine Mutter hat mir zum bestandenen Abitur den aktuellen "Knigge" (= das Buch über die richtigen Umgangsformen) geschenkt.
Ich bin ja normalerweise wirklich verständnisvoll wenn es um bescheuerte Geschenke geht: Da ich nicht unbedingt die offenste Person bin die überall rumposaunt, was sie gerne möchte, hat man es als Schenkender wirklich schwer.
Aber zum Abi?! Und wo es doch so einfach wäre, mir ein passendes Geschenk zu machen: Sie weiß doch, das ich nach Israel gehe. Also einfach ein Buch zu dem Land, verdammt noch mal.
Geschenke sagen meist sowieso mehr über die schenkende Person aus als über die Beschenkte: So ist meine Mutter richtig vernarrt in angemessenes Benehmen und die richtigen Gepflogenheiten. Deshalb das Buch. Nicht, weil ich es so wahnsinnig nötig hätte (immerhin schlürfe ich anders als ihr Freund meine Suppe nicht und schlafe auch nicht einfach am Esstisch ein...).
Und so sagt das Geschenk ihres Freundes auch sehr viel mehr über ihn selbst als über mich: Ein Buch namens "Kommunikation klipp und klar - Besser verstehen und verstanden werden". Dieses Buch hat er mir nur aus einem einzigen Grund geschenkt: Er höchstpersönlich hat es übersetzt. Davon sollte ich mich dann natürlich wahnsinnig geehrt fühlen und am Besten am ganzen Tisch rumposaunen, was für ein toller, wahnsinnig schlauer Kerl er doch sei. Ein Buch übersetzt, ganz alleine, na, kann das hier sonst noch einer?!
Arschloch.
So. Genug der Beleidigungen.
Als alle "Erwachsenen" weg waren, wurde mein Abiball übrigens noch richtig toll.
Ich glaube, ich werde meine Stufe doch ein wenig vermissen...