Stimmung: *knurr*
Musik: Amplifier - "Everyday Combat"
Wie ich, glaube ich, schon einmal erwähnte, lebe ich etwa seit Anfang des Jahres vegetarisch. Hat ethische, bzw. Gewissensgründe. Erstaunlicherweise fällt es mir gar nicht schwer. Wenn ich bedenke, dass ich als Kind bei so ziemlich jedem Fitzelchen Gemüse, das auf den Tisch kam, ein Geschrei und/oder Gequengel sondergleichen gemacht habe, ich wirklich gerne esse und es auch genieße, und dass ich speziell Fleisch sehr gerne mag, bin ich immer noch etwas verwundert, wie leicht mir die Umstellung fiel. Zugegeben, gelegentlich fühle ich mich veranlasst, auf den Geruch von Döner, Gegrilltem (Ja, anscheinend grillen einige Leute bereits, fragt nicht mich.) und ähnlichem hin einen Hydralisken zu imitieren (Starcraft-Spieler wissen, wovon ich rede), aber ansonsten komme ich wunderbar klar.
Oh, und zum Wohl meiner Zähne, Verdauung und ähnlichem habe ich in den letzten Tagen auch wieder angefangen, auf Süßigkeiten zu verzichten, nachdem mein Konsum in den letzten Wochen etwas bedenkliche Ausmaße angenommen hatte. Nach etwa einer halben Woche Gewöhnungsphase auch kein Problem mehr.
Außerdem hat der Glaube erst kürzlich herausgefunden, dass Aluminium (in so ziemlich sämtlichen Deos enthalten) mit Hilfe von Monotatriumglutamat (Würzmischungen, etc.) den Weg ins Hirn finden kann, was langfristig gesehen sehr... unschöne Folgen haben kann. Fertigsoßen und so Zeuch meide ich praktischerweise ja schon seit ein paar Jahren, insofern gibt es da kaum Umstellungsprobleme, und nach Alu-freien Deos werde ich mich demnächst auch mal umschauen. Ohnehin alles sehr Bio gerade, bei mir. Das einzige wirkliche Problem dabei ist, dass (zumindest einigermaßen) umwelt- und gesundheitsbewusstes Einkaufen den Geldbeutel doch bisweilen deutlich feststellbar belastet. Na gut, derzeit wohne ich ja größtenteils bei Elterns und kaufe momentan auch keine Bücher/CDs oder ähnliche Luxusprodukte, da soll das gerade noch gehen.
Seit kurzem geht es jedoch nicht mehr, oder zumindest ist es ein Balanceakt am Rande des Abgrundes geworden.
Die kinesiologische Austestung bei meinem Hausarzt hat ergeben, dass mein Körper der Meinung ist, ich sollte anderthalb Monate auf Kuhmilch und entsprechende Produkte verzichten. Meine Khat glaubt anscheinend, damit meinen Haaren einen Gefallen zu tun, die ihrer Zeit etwa zehn Jahre voraus sind.
Verehrter Körper, ich möchte dir hiermit mitteilen, dass du ein verdammt undankbarer Mistkerl bist. Ich meine, was soll ich denn jetzt noch essen, hm? Butterbrote mit Käse und Senf? - Vergiss es! Getoastetes Körnerbrot mit Aldi-Kräuterquark (welcher allerdings vermutlich Glutamat enthält), was ein Gedicht ist? - Fehlanzeige. Kein Cappuccino morgens, um die Startdosis Koffein für den Tag zu bekommen, und kein gewürzter Müde-wird-Kakao für den späten Abend. Kein Parmesan mehr zu Reis und Nudeln! Kein überbackenes Gemüse mehr! In einem Wort zusammengefasst: Hmpf!
Da ich Honig, Marmelade und Consorten nicht wirklich als Brotaufstrich mag, habe ich mal die Bio-Regale diverser Supermärkte auf Brotaufstriche hin abgeklappert, und nach einigen Fehlschlägen haben sich die Sorten Tomate und Paprika-Cashew auch als tatsächlich essbar bzw. lecker erwiesen. Trotzdem denkt man sich bei jedem Bissen: „Wie gut das wohl erst auf Butter oder Frischkäse schmecken würd... Aaaaahhhhrrrgh!"
Was die Getränke betrifft: Ich habe es mit Sojamilch probiert. Ja, doch, schmeckt ganz interessant, das Zeug. Zwar etwas wässrig, aber ansonsten, dieses Aroma von nasser Vollkornpappe... Nein, das ist kein Tippfehler und soll ‚Pampe' heißen. Pappe, so wie Papier. Vollkorn. Pappe. Nass. Wer sich jetzt denkt „Ääh? Das klingt aber merkwürdig. Wie soll das schmecken?" - ja, genau! Die Version mit Bananengeschmack (oder besser: angeblichem Bananengeschmack) war zwar immerhin trinkbar, aber irgendwie habe ich die Befürchtung, dass da der gleiche halbkünstliche Aromamist drin ist, wie in den üblichen „Milch-Drinks" von Müller und Komplizen, denn es schmeckt kaum anders. Was nun „Soja Pur" betrifft: Beim Kakao schafft es das Zeug irgendwie, den Geschmack von weißem Pfeffer, Zimt und Muskat tatsächlich komplett zu eliminieren (und danach den Kakao nach wässriger Vollkornpappe schmecken zu lassen
), und beim Cappuccino denkt man sich: „Doch, ja, geht. Wenn man jetzt noch etwas Milch daz... GRRRROOOAAAAAAHHHHRRRRRH!!!" Spätestens, wenn man sich mit solchen Problemen rumschlägt, ist der Gedanke, das Vegetarierdasein ruhen zu lassen, und mit kehligem Knurren seine Zähne in das verführerische, warme Fleisch von zufällig vorbeikommenden Passanten zu schlagen sich mit einer Tiefkühl-Thunfischpizza in sein Zimmer zurückzuziehen und aggressive Musik zu hören, sehr verlockend (Khaibit, AUS! Böses Tier!).
Ja, soweit die Situation. Ich bin also, von Schafskäse und Eiern mal abgesehen, kurzfristig unfreiwillig veganisiert worden. Um den doch zwischendurch recht deutlichen Hunger zu bekämpfen (ihr glaubt gar nicht, wie „hohl" sich solche Mahlzeiten anfühlen), habe ich mein Süßigkeitenfasten dann doch erst mal vorzeitig beendet.
Falls ihr in Zukunft nichts von mir hören solltet, bin ich vermutlich zu schwach, eine Tastatur zu bedienen, oder meine Theorien bezüglich der Ursache von Lykanthropie haben sich als zutreffend erwiesen und ich plündere als ökologischer Protest-Werwolf südoldenburger Massentierhaltungsställe. Arrrooouuuuhhhh!