DU DENKST VIELLEICHT, dass dieses »Sei-wer-du-wirklich-bist«
eine einfache Sache ist, doch es handelt sich dabei um die
größte Herausforderung, der du dich je in deinem Leben stellst.
- aus: »Gespräche mit Gott« von Neale Donald Walsch (Goldmann) -
Mit der Zeit lernst du,
dass manche Menschen zu dir halten,
weil du so bist wie du bist
und andere sich abwenden,
weil du nicht so sein willst wie sie!
Therapie und Selbsthilfe Ein kleiner Junge wird erwachsen - aus dem Leben von Walther L.- 4 -
Ich konnte die Worte nur in mich hineinmurmeln. Ich spürte, wie sehr ich innerlich dabei wuchs, und sah auch das Wachstum bei den anderen Mitgliedern.
Als ich aber in eine andere Stadt umzog, fiel die alte Gruppe auseinander, weil niemand da war, der sie stützte.
1970 trafen wir beim 35. Geburtstag der AA in Miami Beach/Florida Marion und einige andere Mitglieder des 12-Schritte-Programms für emotionale Gesundheit. Ich wurde als Gast-Redner eingeladen und sprach über AA im Ausland.
Mein erstes EA-Meeting in den Staaten hat auf mich einen tiefen Eindruck gemacht, und hier begann das wirkliche Abenteuer.
Dies war tatsächlich der Anfang für mein Wachsen, das durch viele viele Jahre vorher vorbereitet war. Ich musste einen langen Weg gehen, und ich sehe, dass das notwendig war.
Ich habe viele Irrtümer begangen. Ich versuchte öfters, dem Programm zu entfliehen und gab mir große Mühe. Aber ich konnte ihm nicht entweichen, und das ist wunderbar.
Ich wollte mir immer wieder einreden, dies Programm sei gut für Menschen, die in einer schlimmeren Lage sind als ich. Aber schließlich nahm ich das Programm dann an. Heute kann ich mit den anderen sagen, dass das Programm, je länger ich in ihm bin, mir umso neuer erscheint. Ich entdecke Dinge, die ich vorher nicht gesehen habe. Je mehr ich aus dem Programm herausnehme, desto mehr kommt heraus.
Ich weiß, dass das für mich eine Lebensweise für den Rest meines Daseins sein wird.
Und heute kann ich mein Leben annehmen, meine Vergangenheit mit all den Fehlern, die ich machte, und mit dem Unrecht, das ich meinen Mitmenschen zufügte. Ich möchte gerne mit Euch gehen und mit Euch den ganzen Reichtum, die Fülle und den Überfluß des Lebens teilen für den Rest der Jahre, die mir noch beschieden mögen.
Meine Mutter ist 78 Jahre alt, und ihr Gedächtnis ist sehr schwach. Manchmal weiß sie nicht mehr, wo sie ist, aber neulich, als ich mit ihr spazierenging , sagte sie : "Walther, ich habe den Eindruck, Du hast Deinen Weg im Leben und den Sinn des Lebens gefunden."
Ich war überrascht, diese Worte von ihr zu hören. "Du weißt jetzt, was Du im Leben zu tun hast." Ich antwortete : "Mutter, Du hast recht. Es hat mich eine verdammt lange Zeit gekostet, dies einzusehen, und ich weiß auch, dass Du viel darunter gelitten hast. Ich bin Dir und Vater so dankbar für alle Geduld, die ihr mit mir gehabt habt."
Sie sagte : "Du weißt, Walther, ich habe darüber nachgedacht und habe eingesehen, dass wir vielleicht zuviel für Dich getan haben. Du hättest mehr selber für Dich tun sollen." Ich war glücklich.
Hier gab es wirkliches und wahres Verstehen zwischen zwei erwachsenen Personen.
Das war wunderbar. Es machte ja nicht mehr, ob meine Mutter sich zurechtfinden konnte oder ob sie wusste, welcher Tag war. Wir verstanden einander. Ich bin sehr dankbar.
- Walther ( Lechler ); aus dem "Blauen Buch" der EA - Noch einmal der Link zu EA / Emotions Anonymous - - >http://www.emotionsanonymous.de/
Therapie und Selbsthilfe Ein kleiner Junge wird erwachsen - aus dem Leben von Walther L.- 3 -
Meine Frau und ich wurden einen Freund in einem deutsch - französischem Club bekannt, wo man sich zu einem besseren, gegenseitigen Verständnis traf. Wir verliebten uns und kamen in nähere Beziehung zueinander, näher als ich es zuerst wünschte.
Ich wollte immer noch davonlaufen, wenn ich in persönlichen Beziehungen verantwortlich sein sollte. Als Arzt übernahm ich gerne Verantwortung; denn dort war ich sicher. Aber ich war nicht sicher in meinen persönlichen Beziehungen.
Als mir meine Frau sagte, sie sei in gesegneten Umständen, fühlte ich mich überhaupt nicht gesegnet. Ich fühlte mich un-wohl, elend. Dieselben Gedanken kamen wieder, die ich 1949 gehabt hatte.
Meine Frau war siebzehn Jahre jünger als ich, aber sie war zweiunddreißig Jahre reifer, als ich es war. Meine Frau sagte : "Na gut, Walther, Du kannst tun, was Du willst. Ich kann ganz sicher mit dieser Sache fertig werden. Ich will das Kind haben. Du tust, was Du tun willst."
Nun war ich festgenagelt! Ich entschied mich also zuletzt, dass ich so tun wollte, als übernähme ich Verantwortung. Ich wollte ein erwachsener Mensch sein, und darum "tat ich, als ob."
Aber das war auch schon alles. Wir heirateten. Als in der Hochzeitsnacht meine Frau im Bad war, um sich zu duschen, nahm ich drei Schlaftabletten. Das hatte ich nie vorher im Leben getan. Als meine Frau zurückkam, hübsch angezogen und frisch, lag da ein schnarchender Mann.
Man kann sich die Reaktion meiner Frau gut vorstellen : Ihr frisch gebackener Ehemann rührt sich nicht, schlief wie ein Toter und schnarchte.
So wanderte meine Frau also in jener Nacht in der Stadt herum und fragte sich, in was sie sich hier eingelassen habe. Heute weiß ich, dass das meine Art war, meiner Frau zu sagen, wie unfähig ich mich fühlte, all die Verantwortung auf mich zu nehmen, die jetzt auch mich zukam; dass ich nicht wusste, was ich tun sollte; das ich fliehen wollte, entkommen, davonrennen, sterben oder was auch immer; das ich aber keine Verantwortung übernehmen konnte.
Am nächsten Morgen erwachte ich mit einem schrecklichen Kopfweh. Meine Frau hatte kein Kopfweh, aber ich hatte es. Wir begannen nun, zusammen zu leben, und ich versuchte immer mehr, mit Hilfe meiner Frau ein erwachsener Mensch zu werden.
Durch ein amerikanisches Mitglied der AA , das von seiner Firma nach West – Deutschland geschickt worden war, hörte ich 1967 von einem 12-Schritte-Programm für emotionale Gesundheit. Sofort, als ich die Adresse bekam, schrieb ich hin.
Ich sagte mir : "Das muß die Gemeinschaft für mich selbst sein. Endlich habe ich etwas gefunden." Ich bestellte mir alle ihre Zeitschriften von Anfang an; ich las alle die Geschichten und konnte mich damit identifizieren. Ich sagte : "Das sind alles meine Brüder und Schwestern."
Ich begann mit einer Gruppe in der Klinik. Ich wartete, bis mein Chef auf Urlaub war, da er Gruppen nicht besonders schätzte.
Als er zurückkam, war er wirklich böse mit mir, weil ich das getan hatte. Später war er von der Gruppe recht beeindruckt. Bei den Meetings stand ich vor der Tatsache, dass ich hier nicht im weißen Mantel als der Chefarzt des Krankenhauses sitzen konnte. Ich denke, ihr alle versteht, wie schwierig es für mich am Anfang gewesen ist zu sagen : "Ich bin Walther, und ich bin ein Neurotiker."