Eine neue Spiritualität - für das 21. Jahrhundert
Wir leben in besonderen Zeiten – Zeiten, die Chancen und Möglichkeiten in sich tragen.
Natürlich leben wir auch in schwierigen Zeiten; natürlich können wir in gesellschaftlicher und politischer Hinsicht – sowohl hierzulande als auch weltweit – nicht wenig auch an unguten Entwicklungen feststellen.
Doch es gibt auch die positiven Entwicklungen – die kommen meist eher leise daher – und wir müssen oft näher hinschauen, um sie überhaupt wahrzunehmen.
Zu den Entwicklungen, die heilsame Möglichkeiten für die Zukunft in sich tragen – gehört das sich ausbreiten einer neuen Art und Weise von Spiritualität.
In der Vergangenheit war Spiritualität an religiöse Dogmen geknüpft – sie war dogmatisch – doktrinär von Außen vorgeschrieben – es bestand die Angst, wer das Vorgeschriebene nicht glaubte, käme in die Hölle.
Aus diesem Grund wendeten sich zunehmend viele Menschen vom Religiösen ganz ab.
Mit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts begann zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit etwas Neues. Es entstand ein Bewusstsein, dass Spiritualität bedeuten kann, auf die eigene Seele zu hören. Der eigenen Seele zu folgen. Überhaupt selbst zu denken.
Noch nie waren – hier in unserem Teil der Welt – sämtliche Religionen, spirituelle Traditionen und Weisheitslehren für alle und jeden frei zugänglich. Noch nie war ein Bewusstsein da – dass all das verschiedene Wege sind – und gleichwertig –
und dass jeder Mensch frei wählen kann, welchen Weg er gehen will.
Auch – ob er seinen Weg innerhalb der Religionen und spirituellen Traditionen gehen will – oder ausserhalb.
Es gibt verschiedene, glaubwürdige spirituelle Persönlichkeiten und Lehrer – die bezeugen, dass spirituelles Wachstum nicht notwendigerweise an eine Religion gebunden sein muss. Krishnamurti im vorigen Jahrhundert, oder gegenwärtig Byron Katie, Annette Kaiser und Eckhart Tolle.
Und es gibt auch innerhalb der Religionen Persönlichkeiten, die glaubwürdig neue Wege weisen.
Im Christentum etwa Eugen Drewermann, Anthony de Mello; der Benediktiner Bruder David Steindl-Rast, der auch Jahre in buddhistischen Klöstern verbrachte; Willigis Jäger, der sowohl christlicher Mönch als auch Zen-Meister ist; und viele andere.
Es besteht heute ein Bewusstsein, dass Mensch, Gott und Welt im letztendlichen Sinne e i n s sind – und dass unsere Seele sich zu Gott verhält, wie ein Sonnenstrahl zur Sonne.
Dass Gott – oder die Göttliche Kraft – nicht nur zu besonderen Zeiten zu besonderen Menschen gesprochen hat – sondern jederzeit – überall – und zu jedem spricht.
Davon zeugen die "Gespräche mit Gott"- Bücher von Neale Donald Walsch, die in vielem Wegweiser für das Neue Jahrtausend sein können.
Es entsteht auch ein neues Verständnis dahingehend, dass Weisheitslehrer wie Buddha, Jesus oder Laotse in keiner Weise als "besondere Menschen" gesehen werden wollten.
Es ging ihnen darum zu vermitteln, dass ein höheres Bewusstsein – im Osten "Erleuchtung" genannt – für jeden Menschen verwirklichbar ist. In der Hinsicht können wir von den östlichen spirituellen Traditionen viel lernen.
Auch Christus Jesus kann von daher völlig n e u gesehen werden. "Folge mir nach" bedeutet nicht, dass er "angebetet" werden wollte. Quasi auf einen Sockel gestellt. Es meint, dass wir alle in Einklang mit Gott, mit der Göttlichen Kraft gelangen können.
Wenn wir dem Weg folgen, den unsere Seele uns führen kann. Die verschiedenen Religionen – sagte Eugen Drewermann – sind wie verschiedene Medikamente.
Für den Einen ist eher dieser – für den Andern eher ein anderer Weg stimmig und heilsam.
Es geht darum, inne zu werden – wohin unser Innerstes uns führen will. Unser Innerstes – das die Buddhisten "Buddha-Natur" nennen; westliche Menschen unseren "göttlichen Wesenskern" .. viele Andere heute das "höhere Selbst".
Es ist ein Weg, der zu mehr Gelassenheit und innerem Frieden führt; und der auch zur Heilung von alten Verletzungen und Leiden führen kann – das zeigen die Erfahrungen etwa in den weltweiten 12 Schritte Selbsthilfegruppen.
Die alte Religiosität – die natürlich auch heute noch überall zu finden ist – fordert einen starren Glauben; und droht jedem, der sich eigene Gedanken macht.
Die Neue Spiritualität ermutigt zu einem e i g e n e n W e g – zu selbstständigem Denken – zu einem Weg der e i g e n e n E r f a h r u n g .
Mögen alle Wesen glücklich sein. (buddhistischer Segenswunsch) - Henri Hermes -