Kursbuch Lebensbalance - Texte und Weghinweise für Geist & Seele

09.10.2007 um 13:58 Uhr

Ein kleiner Junge wird erwachsen - - aus dem Leben von Walther L. (4)

Therapie und Selbsthilfe
Ein kleiner Junge wird erwachsen    
  -  aus dem Leben von Walther L.
   - 4 -

Ich konnte die Worte nur in mich hineinmurmeln.   Ich spürte, wie sehr ich innerlich dabei wuchs,  und sah auch das Wachstum bei den anderen Mitgliedern.
Als ich aber in eine andere Stadt umzog, fiel die alte Gruppe auseinander, weil niemand da war, der sie stützte.

1970 trafen wir beim 35. Geburtstag der AA in Miami Beach/Florida Marion und einige andere Mitglieder des 12-Schritte-Programms für emotionale Gesundheit.  Ich wurde als Gast-Redner eingeladen und sprach über AA im Ausland.
Mein erstes EA-Meeting in den Staaten hat auf mich einen tiefen Eindruck gemacht, und hier begann das wirkliche Abenteuer.
Dies war tatsächlich der Anfang für mein Wachsen, das durch viele viele Jahre vorher vorbereitet war. Ich musste einen langen Weg gehen, und ich sehe, dass das notwendig war.
Ich habe viele Irrtümer begangen. Ich versuchte öfters, dem Programm zu entfliehen und gab mir große Mühe. Aber ich konnte ihm nicht entweichen, und das ist wunderbar.
Ich wollte mir immer wieder einreden, dies Programm sei gut für Menschen, die in einer schlimmeren Lage sind als ich. Aber schließlich nahm ich das Programm dann an. Heute kann ich mit den anderen sagen, dass das Programm, je länger ich in ihm bin, mir umso neuer erscheint. Ich entdecke Dinge, die ich vorher nicht gesehen habe. Je mehr ich aus dem Programm herausnehme, desto mehr kommt heraus.
Ich weiß, dass das für mich eine Lebensweise für den Rest meines Daseins sein wird.

Und heute kann ich mein Leben annehmen, meine Vergangenheit mit all den Fehlern, die ich machte, und mit dem Unrecht, das ich meinen Mitmenschen zufügte.  Ich möchte gerne mit Euch gehen und mit Euch den ganzen Reichtum, die Fülle und den Überfluß des Lebens teilen für den Rest der Jahre, die mir noch beschieden mögen.
Meine Mutter ist 78 Jahre alt, und ihr Gedächtnis ist sehr schwach. Manchmal weiß sie nicht mehr, wo sie ist, aber neulich, als ich mit ihr spazierenging , sagte sie :  "Walther, ich habe den Eindruck, Du hast Deinen Weg im Leben und den Sinn des Lebens gefunden."
Ich war überrascht, diese Worte von ihr zu hören. "Du weißt jetzt, was Du im Leben zu tun hast." Ich antwortete : "Mutter, Du hast recht. Es hat mich eine verdammt lange Zeit gekostet, dies einzusehen, und ich weiß auch, dass Du viel darunter gelitten hast. Ich bin Dir und Vater so dankbar für alle Geduld, die ihr mit mir gehabt habt."
Sie sagte : "Du weißt, Walther, ich habe darüber nachgedacht und habe eingesehen, dass wir vielleicht zuviel für Dich getan haben.  Du hättest mehr selber für Dich tun sollen."  Ich war glücklich.

Hier gab es wirkliches und wahres Verstehen zwischen zwei erwachsenen Personen.
Das war wunderbar.  Es machte ja nicht mehr, ob meine Mutter sich zurechtfinden konnte oder ob sie wusste, welcher Tag war. Wir verstanden einander.  Ich bin sehr dankbar.

- Walther ( Lechler ); aus dem "Blauen Buch" der EA -
Noch einmal der Link zu EA / Emotions Anonymous - - >
http://www.emotionsanonymous.de/

05.10.2007 um 16:18 Uhr

Ein kleiner Junge wird erwachsen - aus dem Leben von Walther L. (3)

Therapie und Selbsthilfe
Ein kleiner Junge wird erwachsen   
  -  aus dem Leben von Walther L.   - 3 -

Meine Frau und ich wurden einen Freund in einem deutsch - französischem Club bekannt, wo man sich zu einem besseren, gegenseitigen Verständnis traf. Wir verliebten uns und kamen in nähere Beziehung zueinander, näher als ich es zuerst wünschte.
Ich wollte immer noch davonlaufen, wenn ich in persönlichen Beziehungen verantwortlich sein sollte. Als Arzt übernahm ich gerne Verantwortung; denn dort war ich sicher. Aber ich war nicht sicher in meinen persönlichen Beziehungen.
Als mir meine Frau sagte, sie sei in gesegneten Umständen, fühlte ich mich überhaupt nicht gesegnet.  Ich fühlte mich un-wohl, elend.  Dieselben Gedanken kamen wieder, die ich 1949 gehabt hatte.
Meine Frau war siebzehn Jahre jünger als ich, aber sie war zweiunddreißig Jahre reifer, als ich es war. Meine Frau sagte : "Na gut, Walther, Du kannst tun, was Du willst. Ich kann ganz sicher mit dieser Sache fertig werden. Ich will das Kind haben.  Du tust, was Du tun willst."

Nun war ich festgenagelt! Ich entschied mich also zuletzt, dass ich so tun wollte, als übernähme ich Verantwortung. Ich wollte ein erwachsener Mensch sein, und darum "tat ich, als ob."
Aber das war auch schon alles.  Wir heirateten.  Als in der Hochzeitsnacht meine Frau im Bad war, um sich zu duschen, nahm ich drei Schlaftabletten.  Das hatte ich nie vorher im Leben getan.  Als meine Frau zurückkam, hübsch angezogen und frisch, lag da ein schnarchender Mann.
Man kann sich die Reaktion meiner Frau gut vorstellen :  Ihr frisch gebackener Ehemann rührt sich nicht, schlief wie ein Toter und schnarchte.
So wanderte meine Frau also in jener Nacht in der Stadt herum und fragte sich, in was sie sich hier eingelassen habe.  Heute weiß ich, dass das meine Art war, meiner Frau zu sagen, wie unfähig ich mich fühlte, all die Verantwortung auf mich zu nehmen, die jetzt auch mich zukam; dass ich nicht wusste, was ich tun sollte; das ich fliehen wollte, entkommen, davonrennen, sterben oder was auch immer;  das ich aber keine Verantwortung übernehmen konnte.
Am nächsten Morgen erwachte ich mit einem schrecklichen Kopfweh. Meine Frau hatte kein Kopfweh, aber ich hatte es.  Wir begannen nun, zusammen zu leben, und ich versuchte immer mehr, mit Hilfe meiner Frau ein erwachsener Mensch zu werden.

Durch ein amerikanisches Mitglied der AA , das von seiner Firma nach West – Deutschland geschickt worden war, hörte ich 1967 von einem 12-Schritte-Programm für emotionale Gesundheit.  Sofort, als ich die Adresse bekam, schrieb ich hin.
Ich sagte mir : "Das muß die Gemeinschaft für mich selbst sein. Endlich habe ich etwas gefunden." Ich bestellte mir alle ihre Zeitschriften von Anfang an;  ich las alle die Geschichten und konnte mich damit identifizieren. Ich sagte : "Das sind alles meine Brüder und Schwestern."

Ich begann mit einer Gruppe in der Klinik.  Ich wartete, bis mein Chef auf Urlaub war, da er Gruppen nicht besonders schätzte.
Als er zurückkam, war er wirklich böse mit mir, weil ich das getan hatte.  Später war er von der Gruppe recht beeindruckt.    Bei den Meetings stand ich vor der Tatsache, dass ich hier nicht im weißen Mantel als der Chefarzt des Krankenhauses sitzen konnte. Ich denke, ihr alle versteht, wie schwierig es für mich am Anfang gewesen ist zu sagen :  "Ich bin Walther, und ich bin ein Neurotiker."

-  wird fortgesetzt  -

27.09.2007 um 15:09 Uhr

Ein kleiner Junge wird erwachsen - aus dem Leben von Walther Lechler (2)

Therapie und Selbsthilfe
Ein kleiner Junge wird erwachsen     
  -  aus dem Leben von  Walther L.   - 2 -


Ich bekam ein Stipendium, um in Frankreich Medizin zu studieren, um der Verantwortlichkeit
in meiner Ehe zu entfliehen. Während meines Aufentaltes in Paris ließ sich meine Frau von mir scheiden.
Später fand sie jemand, der wirklich ein reiferer Mensch war und Verantwortung für eine Ehe übernehmen konnte. Er übernahm auch die Verantwortung für meine Tochter. Ich konnte diese Verantwortung nicht übernehmen.
Da es bei uns in Deutschland zu viele Ärzte gab, hatte ich kein Einkommen. Im Jahr 1954 trat ich im Alter von 30
in München in die amerikanische Armee ein und diente dort vier Jahre als Arzt. Ich dachte, ich könnte in die Vereinigten Staaten auswandern.

Während des ersten Monats meines Dienstes, kam ein Sergeant in mein Büro und sagte :
"Sie sind unser neuer Battalions–Arzt ;  ich möchte gern mit Ihnen reden.
 Wissen Sie etwas über die Alcoholics Anonymus ?"  Ich antwortete : "Alcoholics Anonymus ?  Nein."
Ich dachte, das sein Club, wo die Leute anonym trinken, damit man ihnen keinen Vorwurf machen kann.

Nachdem ich die Zwölf Schritte gelesen hatte, meinte ich, es sei eine Sekte, eine der vielen Sekten, die in den Vereinigten Staaten existieren. Da ich aber einmal in den Vereinigten Staaten leben wollte, meinte ich, es sei
doch besser, diese Sekte kennen zu lernen. An den Namen des Sergeanten kann ich mich nicht mehr erinnern.
Aber heute glaube ich, dass Engel wirklich existieren, dass
sie in der Gestalt menschlicher Wesen erscheinen.
Der Sergeant fragte mich, wie ich Alkoholiker behandeln würde. Ich sagte : "Das ist leicht. Ich habe darüber in den medizinischen Vorlesungen gehört. Sie sind keine Freude für einen Arzt.  Sperr sie einfach ein, beobachte sie, leg
sie trocken und entlasse sie. Wenn sie einen Rückfall haben, dann sperre sie wieder ein, und wieder und wieder."
Er fragte : "Warum kommen Sie nicht zu unseren Meetings und sehen sich unseren Weg an ?"
Die Gruppe hatte sich erst seit Oktober 1953 getroffen, und es waren nur drei Deutsche in dieser amerikanischen Gruppe.  AA existierte also tatsächlich damals noch nicht in Deutschland.
Ich nahm regelmäßig an geschlossenen Meetings teil, und sie adoptierten ihren Battalions–Arzt. Sie behandelten mich sehr höflich, bis sie eines Tages bemerkten, ich sollte die Watte aus meinen Ohren nehmen und in meinen Mund stecken.
Das war eine wirklich rührende Art, mir zu sagen, dass ich lernen sollte, zuzuhören.
Es war ein guter Rat.
Am Anfang verletzte es mich ein bisschen.  Aber da sie mir gegenüber so nett waren, beschloss ich den Rat anzunehmen.  In jener Zeit wurde ich auch mit Al–Anon bekannt.  Nach dem AA – Meeting gingen wir
gewöhnlich zu einem Soldaten nach Hause und hatten dort ein AL–Anon–Meeting.

Ich bin dem Sergeant sehr dankbar, weil ich all diese Geschichten dieser Männer hören durfte.
Ich verstand, dass es meine eigenen Geschichten waren.
Ich erkannte, dass ihr Leben und mein Leben sehr ähnlich waren, mit dem Unterschied, dass ich nicht trank.
Ich fand aber viele Arten, wie man verantwortungslos leben konnte.
Ich konnte mich mit ihnen identifizieren und wollte zu ihrer Gemeinschaft gehören.  Ich fühlte mich eigentlich
elend bei dem Gedanken, dass ich tatsächlich nicht zu ihnen gehörte, da ich ja kein Alkoholiker war. Ich sagte
ihnen nicht, dass ich deswegen zu ihnen kam, weil ich einer von ihnen sein wollte, um von ihnen angenommen zu sein; dass es dies war, wonach ich suchte.
Ich fand eine Gemeinschaft, wo ich mich nicht mehr verbergen musste; wo ich nicht immer den starken Mann zu spielen hatte ; wo ich nicht alles zu wissen brauchte; wo ich meine Schwächen und mein Versagen zugeben konnte; wo ich nicht gerichtet oder verdammt, sondern angenommen und sogar geliebt wurde, wirklich geliebt.
In der Welt draußen, dachte ich, ich müsse eine Rolle spielen, viele verschiedene Rollen : Ich musste eine Rolle spielen bei meiner Freundin; eine Rolle als Battalionsarzt; eine Rolle bei den Soldaten; eine Rolle wenn ich als Deutscher in eine Stadt kam; eine Rolle als ein Arzt. In der AA konnte ich mich befreit fühlen, frei, weil hier keine Rolle erforderlich war, außer der, ein offener Mensch zu sein, aufrichtig zu sein; und das war alles.

Diese Gabe zu bekommen, angenommen zu sein, war etwas Wunderschönes. Im Rückblick fühlte ich damals keine große Wandlung in mir selbst.  Heute aber kann ich sehen, das das 12-Schritte-Programm der AA, das ich in den Meetings kennen lernte, eine starke Wirkung auf mich hatte.
Ich fühlte eine Führung von Gott, die damit begann, dass der Sergeant mir von der AA erzählt hatte. Ich fühlte mich nicht mehr allein.  Ich fühlte mich sicherer und spürte, dass es ein Ziel und einen Sinn im Leben gab.
Dann kamen viele Jahre der Verlassenheit und Finsternis. Ich machte viele Erfahrungen mit Frauen, weil ich meinte, wenn ich die richtige Frau gefunden hätte, wären all meine Probleme gelöst.
Ein Teil meiner Lebensgeschichte, der gut war, liegt darin, dass ich meine jetzige Frau kennenlernte.
Ich war Chefarzt und hatte große medizinische Verantwortung.
Ich verbarg mein wirklich Selbst hinter einem weißen Kittel, meinem Titel und meinem Gehirnwissen. Jedermann starrte mich an, jedermann glaubte an mich, jedermann glaubte, ich sei ein weißer Magier.  Aber unter diesem weißen Mantel war ein kleiner unsicherer Junge, der scheu und furchtsam war, der vor vielen Dingen Angst hatte, besonders vor Frauen.

- wird fortgesetzt -

26.09.2007 um 17:30 Uhr

Ein kleiner Junge wird erwachsen - aus dem Leben von Walther Lechler

Walther Lechler hat wesentlich dazu beigetragen, dass die 12 Schritte Selbsthilfegruppen
einen Weg hier nach Deutschland gefunden haben.
Er war viele Jahre Leiter der »Psychosomatischen Klinik Bad Herrenalb« –
und brachte dann den Förderkreis Ganzheitsmedizin Bad Herrenalb in die Welt.
Der Link zum »Förderkreis Ganzheitsmedizin« - - >
http://foerder-kreis.de/

Walther ist ein Pionier in Sachen seelische Gesundheit; wir schätzen ihn sehr.
Im folgenden erzählt er aus seinem bewegten Leben
.
Aus dem "Blauen Buch" der Selbsthilfegruppen  »EA/ Emotions Anonymous«  - - >  http://www.emotionsanonymous.de/
 
Therapie und Selbsthilfe
Ein kleiner Junge wird erwachsen    
  - aus dem Leben von  Walther L.

Als kleiner Junge war ich unzufrieden. Obwohl ich in einer Familie lebte, in der sich alle – meine Großeltern,
meine Eltern und mein jüngerer Bruder – sehr um mich kümmerten, suchte ich nach irgendetwas, ich wusste
nicht was. Mir schien, als gäbe es etwas, dass ich finden müsse. Ich fühlte mich uneins mit der Welt.

Als ich jung war, gab es in meiner Familie viele kranke Menschen, einschließlich meiner Mutter, die einmal
operiert wurde. Ich sah viele Krankenhäuser von innen und traf viele Ärzte.
Ich entschied mich, Arzt zu werden, damit ich dieses Gefühl des Un-Wohlseins überwinden könne. Aber das Medizin – Studium war nicht die Antwort, die ich suchte.  Meine Studien waren nicht die Antwort.  Meine Beziehungen zu anderen Menschen waren auch nicht die Antwort.
Meine Eltern, meine Großeltern und mein Bruder liebten mich.  Aber ich fühlte mich nicht wert genug, ihre
Liebe zu empfangen. Darum musste ich die besten Noten in der Schule erwerben. Wenn ich nicht die besten
Noten bekam, wenn ich schlechtere als die besten bekam, kam ich heim und heulte, und meine Eltern taten
alles, um mich zu beruhigen und sie sagten : "Es ist schon recht, Walther, wir wissen, dass Du arbeitest."
Viele Kinder spielten; ich nicht. Ich lernte nicht, weil ich lernen wollte, sondern weil ich meinen Eltern eine
Freude und ihre Zuneigung erwerben wollte. Alle waren stolz auf mich. Mein Bruder spielte lieber. Er hatte Freundinnen.  Zu meinem Bedauern hatte ich keine Freundinnen.  Ich lernte es, einen hohen Preis für die
Liebe meiner Eltern zu bezahlen.   Ich meinte, ich müsste für die Liebe, die sie mir unentgeltlich geben
wollten, einen hohen Preis bezahlen.

Ich tat alles, um andere Menschen zur Liebe zu mir zu bewegen.  Ich hatte Angst, den Kontakt mit den
anderen zu verlieren. Später war ich furchtsam. Ich liebte mich selber nicht. Ich war dünner als ich jetzt
bin und konnte darum nie kurze Hosen tragen.  Ich sah aus wie ein Storch!  Ich hatte auch Pickel.
Im Alter von fünfzehn hätte ich eine Brille tragen müssen; ich trug aber keine.
Wenn ich über Land wanderte, sah ich wunderbare Blumen;  aber das waren keine Blumen, es waren
weggeworfenes Papier und Zigarettenschachteln!  Während des Krieges habe ich viel gelitten. Ich konnte
nicht verstehen, warum Menschen einander töten, oder warum ich in ein fremdes Land geschickt werden
sollte, um dort Soldat zu sein und zu kämpfen. Während meines ersten Monats in der Deutschen Luftwaffe
wollte ich desertieren und in die Schweiz gehen.  Damals gab es aber ein Gesetz, nachdem die Familie
jedes Deserteurs in ein Konzentrationslager geschickt wurde. So musste ich also bleiben.
An jedem Tag in der Kaserne und bei den Märschen betete ich zu Gott.  Er solle mir helfen, da ich nicht
töten wollte.  Währen der drei Jahre meines Dienstes in der Luftwaffe habe ich persönlich niemanden
jemals getötet.  Ich war nicht im aktiven Kampf, sondern diente z.B. als Spezialist für Fallschirme oder
auf andere Art; und ich half dadurch, London und all die anderen großen Städte mit Bomben zu belegen ...
Ich war noch auf der Suche und wusste, dass das, was ich tat, nicht das war, was ich eigentlich tun wollte.
Ich dachte, die Medizin sei die Antwort auf mein Suchen ; sie war es aber nicht.

1949 habe ich geheiratet.  Meine Frau war schon Ärztin, da sie während des Krieges studiert hatte.
Sie war eine schöne Frau ;  aber ich war ein kleiner Junge und nicht fähig, Verantwortung für eine Ehe
auf mich zu nehmen. Als ich hörte, sie sei schwanger, heirateten wir, weil ich "das Richtige" tun wollte.
Ich fühlte mich aber so, als sei ich in einem Käfig oder einem Gefängnis. Ich empfand mich noch nicht
bereit zur Ehe, obwohl ich schon 26 Jahre alt war.  Ich war unreif und unfähig, auf die Situation die
richtige Antwort zu geben, unfähig zur Verantwortung ; ich war in einem Zustand von Un – Verantwortungsfähigkeit.
In dieser Zeit dachte ich an Abtreibung.  Ich schämte mich dieser Gedanken, weil ich wusste, das das
unrecht war ; aber ich dachte daran. Wenn ich heute meine Tochter sehe, die jetzt 27 Jahre alt ist, weiß
ich, dass es ein Verbrechen ist.  Aber ich war eben schwach, ein Schwächling, noch ein kleines Baby.
Wie kann ein kleines Baby ein Baby haben und verantwortlich sein ? Das ist unmöglich.
Meine Eltern und meine Schwiegereltern taten alles, um uns zu helfen.  Ich war entzückt, als das Baby
geboren war, fühlte mich aber doch wie ein Tier im Zoo, ruhelos wie sich ein Tiger im Käfig fühlt, weil er
nicht in seiner eigenen Welt lebt. Meiner Frau machte ich das Leben elend. Sie war viel reifer als ich.
Sie versuchte alles. Sie verstand, was im Leben notwendig ist, was vorrangig war. Ich aber dachte zuerst
immer an das zweitrangige.
In meinem Kopf hatte ich viele gute Ideen : Ich wollte reisen, in fernen Ländern studieren.
Aber ich wollte die Wirklichkeit nicht annehmen.

Das verursachte in mir Schwierigkeiten und führte zu einer ernsten Depression und vielen Selbstmord
–Versuchen.  Heute weiß ich, dass meine Selbstmordversuche, meine Phantasien und Ideen für mich
nur der Ausdruck, das Signal waren, dass ich meine Lebensweise ändern müsse.
Heute verstehe ich, dass Selbstmordgedanken ein Segen sein können, wenn Du ihre richtige Bedeutung
verstehst, die heisst :   Du sollst Dein Leben ändern, Deine jetzige Existenz loslassen und eine neue
Existenz finden.
Das war aber sehr schwer auszuführen.  Es ist ebenso hart, wie Selbstmord zu verüben.
In meiner Klinik halte ich Vorträge, und einer dieser Vorträge hat den Titel :  "Wie nehme ich mir
auf die richtige Art das Leben ?"
Die meisten meiner Gäste sind hier, um die beste Art und Weise zu finden, sich zu töten.
Dabei merken sie, dass ich nicht denselben Begriff von Selbstmord habe.  Die Lebensweise, mit der die
Wirklichkeit nicht gepackt werden kann, muss aufgegeben werden, damit wir eine neue Art zu leben,
eine neue Existenz finden können.  Eine Raupe muss sterben, um ein Schmetterling zu werden.
Sie könnte nie ein Schmetterling werden, wenn sie nicht bereit wäre, zu sterben.
Du weißt doch genau, dass Du, wenn Du noch eine Raupe bist, eben eine Raupe bist.  Wenn Du das
aber aufgibst, weißt Du nie, ob Du ein Schmetterling werden wirst.

- wird fortgesetzt -

24.09.2007 um 15:13 Uhr

Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg - 2 -

Die Gewaltfreie Kommunikation

   nach Marshall Rosenberg   - 2 -   

Nein, Rosenberg ist kein Offizier, "Marshall" ist einfach nur sein Vorname. Sein frühes

Leben allerdings entsprach durchaus dem martialischen Klang seines Vornamens : 

Rosenberg wuchs als Jude in einem überwiegend von Schwarzen bewohnten Viertel

einer US-amerikanischen Stadt auf. Um dort zu bestehen, war körperlicher Einsatz gefragt.

Auch später, z. B. im Psychologiestudium, war er von Menschen umgeben, die überzeugt waren,

daß man sich im Leben durchboxen müsse, wenn auch mit feineren Mitteln :  indem man andere

bewertet und abwertet.

Inzwischen fühlt sich Rosenberg selbst mit positiven Bewertungen unwohl.

Wenn ich sage: "Du bist ein guter Mensch", zeige ich, daß ich mich für jemanden halte, der

genau weiß, wer der andere, der Bewertete, ist.
Und eben diese Haltung verhindere es, so Rosenberg, sich wirklich in andere Menschen einzufühlen.

Einfühlung aber steht im Zentrum der gewaltfreien Kommunikation, wie Rosenberg

sie in den vergangenen 25 Jahren entwickelt hat. Rosenberg hat mit seiner gewaltfeien

Kommunikation große Erfolge gehabt, etwa bei der Vermittlung in interkulturellen

Konflikten in Israel und bei klärenden Gesprächen mit rebellierenden Schülern und

revoltierenden Häftlingen.

Giraffe oder Wolf - Herz oder Zähne zeigen   

Seit einigen Jahren gibt Rosenberg sein Wissen auch in Deutschland in Seminaren weiter. Protagonisten dieser überaus spannenden Seminare sind zwei Handpuppen mit sehr unterschiedlichem (Sprach-) Verhalten :  Der Wolf und die Giraffe.

Die »»Giraffe«« ist das Landtier mit dem größten Herzen und dem längsten Hals, dient

daher als Metapher für Liebe und Weitsicht.
Die "Giraffe" kann eine Kommunikationssituation gut einschätzen, ist einfühlsam,

handelt und kommuniziert verantwortlich und spricht offen über ihre Gefühle und Bedürfnisse.

Der »»Wolf«« dagegen zeigt keine Gefühle, sondern kommandiert, wertet ab und klagt an;

er diagnostiziert andere Menschen.
("Du bist egoistisch! ") und lehnt Verantwortung ab ("Es gibt Dinge, die man tun muß, ob man

will oder nicht.")

»»Wolf- und Giraffensprache««

stehen qualitativ zueinander wie (anklagende) Du-Botschaften -

und (um Verständnis und Verständigung werbende) Ich-Botschaften :

Der Wolf sagt z. B.: "Immer latschst du mit deinen Dreck-Potten durch den Flur und ich darf den

ganzen Kram wieder sauber machen, dir ist es völlig egal, wie es hier aussieht, du machst mich rasend!"

Das gleiche auf "Giraffisch" :  "Oh, ich sehe gerade, dass du mit schmutzigen Schuhen in den Flur

kommen willst.  Ich ärgere mich darüber, weil ich mich nur wohl fühle, wenn die ganze Wohnung

einschliesslich Flur sauber ist und ich gerade gewischt habe. Kannst du bitte deine Schuhe ausziehen

und sie vor der Tür stehenlassen.

Die Struktur der Giraffensprache ist also:

1 ) Beobachtungen mitteilen 
(ohne Wertung, also: "Schuhe", nicht, "Dreck-Potten")

2) Gefühle offen mitteilen 
("ich ärgere mich")

3) Wünsche. Bedürfnisse. Wertvorstellungen offenbaren

("Ich fühle mich nur in einer sauberen Wohnung wohl.").

4) Bitten äußern 
("Bitte ziehe deine Schuhe aus...").

Das entspricht ungefähr der üblichen Form der Ich-Botschaft.

Rosenberg hat diese allerdings bis zur Perfektion weiterentwickelt.
Er führt z. B. ganze Kataloge von Ausdrücken auf, die originäre Gefühle beschreiben (z. B. Ärger

und Angst) und andere, die das nicht tun (z. B.: "Ich habe das Gefühl, daß du mich nicht verstehst),

bzw. die eher dazu dienen, den anderen zu bewerten oder zu diagnostizieren (z. B: "Ich fühle mich

ausgenutzt.").  In Workshops zur gewaltfreien Kommunikation wird einem bewußt,

wie schwer es ist, reine Gefühle auszudrücken.

Wichtig außerdem :  Die Entstehung unserer Gefühle hängt immer mit unseren

ganz persönlichen Bedürfnissen und Wertvorstellungen zusammen : 

Wer den Flur als Eingangsbereich betrachtet, in dem noch mit Straßenschuhen gelaufen wird, kann

durch Fußstapfen im Flur nicht verärgert werden. Indem ich aber mein besonderes Bedürfnis

danach offenbare, daß die ganze Wohnung einschließlich Flur sauber ist, übemehme

ich mit Verantwortung für meine Gefühle, die entstehen, wenn der Flur dreckig wird.
Damit sind die Weichen weg von der Anschuldigung hin zur Verständigung gestellt.

Und zuletzt die Bitten : Wer einfach nur erklärt, weshalb er sich ärgert, hinterläßt bei dem anderen

oft nur Verwirrung oder Ärger.
Daher sollte zum Schluß eine konkrete Bitte in positiver, aktionsbezogener Sprache

stehen, die der andere tatsächlich umsetzen kann - aber nicht muß.  Zum Beispiel :

Wenn ich traurig bin, weil mein Bedürfnis nach körperlicher Nähe unbefriedigt ist,

bitte ich mein Gegenüber, mich in den Arm zu nehmen. Diese Person hat nun die freie Entscheidung, ja oder nein zu sagen.

Wenn sie mich mit Giraffenohren hört, aber z. B. das Gefühl hat, daß sie mich gerade nicht trösten

kann, weil sie lieber alleine sein will, bedankt sie sich bei mir - z. B. für meine Offenheit.

Giraffen sind einfühlsam und freundlich - aber nicht nett.  Sie opfern sich nicht

für andere auf, das bedeutet, daß sie in Kontakt mit ihrem eigenen Selbst, ihren

Gefühlen und Bedürfnissen sind und Verantwortung für diese übernehmen.

Nun haben wir die Wahl,  jemand anderen zu suchen, der bzw. die meine Bitte,

in den Arm genommen zu werden, erfüllt, oder ich bleibe mit mir alleine und gebe mir selber

Einfühlung, das heißt, daß ich mit mir selbst liebevoll umgehe.

Die Giraffe ist sich bewußt über das Risiko, daß ihre Bitte mit einem Nein zurückgewiesen

werden kann.  Sie ist für sich selbst verantwortlich.
- Quelle:  Infoblatt Mediation Magazine -

24.08.2007 um 14:43 Uhr

Gewaltfreie Kommunikation - die friedvollere Art, sich auseinanderzusetzen -1-

Gewaltfreie Kommunikation  
- die friedvollere Art, sich auseinanderzusetzen   - 1 -

In einem mir sympathischen Internet-Forum – in dem im Grunde Menschen sind, die 
den Wunsch und Anspruch haben, respektvoller und achtsamer miteinander umzugehen –
habe ich gerade Konflikte erlebt –
und konnte beobachten, wie schwer sich Viele von uns tun, mit Konflikten umzugehen;
wie leicht es zu Kränkungen kommt, zu einem »Kampsverhalten«, wie wenn man/frau "im Krieg" wäre …
genau so aber auch zu einem Sich-verletzt-fühlen, wo der Andere gar nicht verletzt hat; einem re-agieren,
das aus ganz alten (Kindheits-)Verletzungen herrührt.

Solche Situationen haben immer auch die »Chance« in sich: zu lernen.
Wir alle kennen das wahrscheinlich, wenn wir mit Anderen aneinander geraten – auch in der Familie, in Partnerschaften, Freundschaften .. im Arbeitsbereich …
Und wir sind Teil einer Menschheit, in der streiterische Auseinandersetzungen (leider) noch immer sogar
in form von Kriegen ausgetragen werden.
Die Chance ist – im Kleinen, im eigenen Leben – eine friedvollere, weniger aggressiv
geprägte Form der Auseinandersetzung selbst zu lernen und zu praktizieren.
Eine friedvollere Welt, die viele Menschen sich wünschen, kann ja nur wirklich werden –
wenn wir selber – quasi »von unten» – damit anfangen.

Eine Methode – und gleichzeitig Lebensart – auf friedvollere Weise zu kommunizieren und zwischenmenschliche Probleme zu lösen, ist die Gewaltfreie Kommunikation, die Marshall Rosenberg entwickelt hat.
Sie kann ganz konkret – im eigenen Alltag angewendet werden.
Ich möchte sie im folgenden – in mehreren Beiträgen – vorstellen.
Ausführlicher im Weblog - - > 
 Gutes Leben Webzeitschrift  -
Rubrik: Zwischenmenschlich - neue Wege, andere Wege - - > http://www.blogigo.de/gutesleben

Zu Beginn einige Gedanken daraus :
Wir betrachten unsere Art zu sprechen vielleicht nicht als "gewalttätig", dennoch führen unsere Worte
oft zu Verletzung und Leid - bei uns selbst oder bei anderen.  Die Gewaltfreie Kommunikation hilft uns
bei der Umgestaltung unseres sprachlichen Ausdrucks und unserer Art zuzuhören.
Aus gewohnheitsmäßigen, automatischen Reaktionen werden bewusste Antworten.
Wir werden angeregt, uns ehrlich und klar auszudrücken und gleichzeitig anderen Menschen unsere
respektvolle Aufmerksamkeit zu schenken.

Wenn wir die Gewaltfreie Kommunikation in unseren Interaktionen anwenden, ob mit uns selbst,
mit einem anderen Menschen oder in einer Gruppe, kommen wir an eine Tür, die auf allen Ebenen
der Kommunikation, in allen Altersklassen und in den unterschiedlichsten Situationen im Beruf,
im Privatleben und auf dem politischen Parkett erfolgreich geöffnet werden kann.

Die Gewaltfreie Kommunikation ist die verlorene Sprache
der Menschheit, die Sprache
eines Volkes, das rücksichtsvoll miteinander umgeht und die Sehnsucht hat, in Balance
mit sich selbst und anderen zu leben.

Eine Information über die GfK - - >
http://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation
Gewaltfreie Kommunikation in Deutschland - - > http://www.gewaltfrei.de/gk802/0417963.php?1=14&2=0

16.08.2007 um 17:22 Uhr

Elisabeth Kübler-Ross – Interview mit der international bekannten Sterbeforscherin - 4 -

Elisabeth Kübler-Ross –
  Über Tod und Leben, Schutzengel und die *andere Seite* Engel-Herz »Serenity – Heitere Gelassenheit«


Interview mit der international bekannten Sterbeforscherin  - 4 -


Franz Alt :
Tod und Sterben sich noch immer tabuisiert. Warum ist das so? Das ist doch schon deshalb überraschend,
weil es jeden betrifft.
Elisabeth Kübler-Ross :
Da haben Sie recht. Das ist doch ein echter Blödsinn.  Man wird so blöd erzogen.  Beim Tod werden noch
die Kinder weggeschickt. Das ist einfach lächerlich. Aber es gibt Fortschritte in Richtung Ent-Tabuisierung.

Franz Alt :
Was ist denn Ihre Hoffnung, wenn Sie an die Zukunft der Menschheit denken?
Elisabeth Kübler-Ross :
Dass wir lernen, friedlich zu leben.  Schwarze und Weiße und alle Religionen.
Es ist doch ekelhaft und unchristlich, wenn sich in Irland noch immer Protestanten und Katholiken
gegenseitig hassen und umbringen.

Franz Alt :
Ihr großes Verdienst ist, Frau Kübler- Ross, dass Sie weltweit Tod und Sterben zum Thema gemacht und enttabuisiert haben.  Sind Sie zufrieden mit Ihrem Leben?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ja, ich kann mich nicht beklagen.  Die Fortschritte kommen freilich viel zu langsam.
Wenn ich das sehe, bin ich sofort wieder ungeduldig.  Aber Sie wissen ja : Ich muss Geduld lernen,
damit ich endlich in Ruhe sterben kann.

Franz Alt :
Warum fällt Ihnen die Geduld haben so schwer.
Schweizer und Schweizerinnen sind doch von Natur aus keine ungeduldigen Draufgänger?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ich bin wahrscheinlich vom Tessin, dort sind die Leute sehr ungeduldig.
Ich will aber jetzt endlich sterben.

Franz Alt :
Haben Sie noch einen Wunsch?
Elisabeth Kübler-Ross :
Nein: Ich habe alles erledigt. Jetzt meinen an meinem 75. Geburtstag habe ich noch mal meine Heimat
besucht, meine früheren Spielkameraden getroffen und meine Zwillingsschwestern.
Ich wurde Ehrenbürgerin meines Heimatdorfes Meilen. Aber jetzt reicht"s endgültig. Ich fliege zurück
nach Phönix und will dort in der Wüste in meinem Schweizer Haus sterben.  Ich will so schnell
wie möglich hinüber.

Franz Alt :
Sie haben überhaupt keine Angst vor dem Tod?
Elisabeth Kübler-Ross :
Nein, überhaupt nicht. Ich lernte schon als kleines Kind beim Tod eines Nachbarn, dass der Tod
die natürlichste Sache der Welt ist.  Der Mann war vom Baum gefallen.  Dieser Nachbar hatte sich
von uns allen würdig verabschiedet - ohne jedes Theater ist er friedlich gestorben.

Franz Alt :
Woher kommt die weitverbreitete Angst vor dem Sterben?
Elisabeth Kübler-Ross :
Das ist hauptsächlich die falsche Erziehung. Wenn in Amerika ein Hund gestorben ist, kaufen die Eltern
oft und ganz rasch einen ähnlich aussehenden neuen Hund.  Die Kinder sollen ja nichts merken.
Als ob diese Lüge helfen würde!

Das ist weniger Angst als vielmehr Dummheit und sie wissen ja, gegen Dummheit kämpften Götter
selbst vergebens.  Dieses deutsche Sprichwort habe ich nach 40 Jahren USA noch in Erinnerung.
Ich freue mich, Sie bald in den Po zwicken zu dürfen - (lacht sehr lange!).

Franz Alt :
Ich bin gespannt, ob das klappt und bedanke mich herzlich bei Ihnen.

Das Interview führte Franz Alt mit Elisabeth Kübler-Ross aus Anlass ihres 75. Geburtstags,
den sie mit ihren beiden Trillingsschwestern Eva und Erika feierte.
Quelle : 
http://www.sonnenseite.com/index.php?flash=true

13.08.2007 um 16:30 Uhr

Elisabeth Kübler-Ross – Über Tod und Leben, Schutzengel und die *andere Seite*

Elisabeth Kübler-Ross –
  Über Tod und Leben, Schutzengel und die *andere Seite* Engel-Herz »Serenity – Heitere Gelassenheit«

Interview mit der international bekannten Sterbeforscherin   - 3 -


Franz Alt :
Hat Jesus eine Botschaft für die heutige Welt oder nur persönliche Botschaften?
Elisabeth Kübler-Ross :
Das frage ich ihn nicht.  Ich will keine Prophezeiungen machen.  Politisches Zeug frage ich nicht.
Wichtig ist, dass wir weniger habgierig werden.  Habgier ist das Hauptproblem unserer Zeit.

Franz Alt :
Sie bezeichnen sich als Schülerin der Sterbenden. Was haben Sie von Sterbenden am meisten gelernt?
Sie haben ja Hunderte beim Sterben begleitet.
Elisabeth Kübler-Ross :
Kleine Kinder, Sterbende und Geisteskranke sind die ehrlichsten Menschen. Diese drei Gruppen sagen
immer die Wahrheit. Heuchelei und Unehrlichkeit ekeln mich an. Sterbende aber sind absolut ehrlich.
Deshalb arbeite ich mit ihnen am liebsten.

Franz Alt :
Was passiert beim Sterben?
Elisabeth Kübler-Ross:  Das ist ein wunderschönes Erlebnis.
Ich sage Ihnen, wenn es bei mir vorbei ist. Ich komme zu Ihnen, wenn ich tot bin und zwicke Sie in den Po -
(lacht schon wieder!).

Franz Alt :
Ist das ein Versprechen?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ja, ich gebe Ihnen und all meinen Bekannten ein Zeichen.  Ich zwicke Euch.

Franz Alt :
Eine Ihrer Botschaften heißt: Lasst uns das Sterben menschlicher gestalten.  Was meinen Sie damit?
Elisabeth Kübler-Ross :
Da gab es große Fortschritte in den letzten 30 - 40 Jahren. Damals hat man mit den Sterbenden gar nicht
über das Sterben geredet. Man hat sie abgeschoben und nicht einmal ausreichend Schmerzmittel gegeben.
Das ist heute anders und besser.

Wer heute übers Sterben sprechen möchte, findet garantiert ein Hospiz.  Alles ist einfacher.
Sie bekommen in jedem Hospital ausreichend Schmerzmittel ohne dabei doof zu werden.  Sie können
in einem Hospiz oder auch zu Hause sterben.  Endlich gibt es eine freie Wahl wie ich heute sterben will.

Franz Alt :
Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung?
Elisabeth Kübler-Ross :
In den USA ja - da haben wir heute 2.500 Sterbehospize.  In Europa sind es noch zu wenig
und in der Schweiz haben wir ganz wenige; erst zwei oder drei.

Franz Alt :
Ein authentisches Leben ist die beste Voraussetzung für ein gutes Sterben, schreiben Sie.
Was ist denn authentisches Leben und was ist gutes Sterben?
Elisabeth Kübler-Ross :
Keine süße vordergründige Höflichkeit, sondern authentisch, so wie man es fühlt, leben, ehrlich leben!
Wer das tut, stirbt entsprechend.  Sie sterben so wie Sie gelebt haben.

Ein Beispiel für Authentizität: Wenn ich hier in Europa gefragt werde, was ich vom USA-Präsidenten halte,
dann sage ich offen und ehrlich : Er ist ein Arschloch.
Ein starkes Wort : Es ist aber eine authentische Aussage.

Franz Alt :
Sie haben mir gesagt, der Tod ist kein Tod, sondern ein Übergang.  Ein Übergang wohin?
Elisabeth Kübler-Ross :
So ist es. Der Tod ist ein Übergang in ein anderes Leben. Den Körper lassen Sie zurück, aber das Bewusstsein
bleibt und entwickelt sich weiter. Sie sehen alle Menschen wieder, denen Sie in diesem Leben nahestanden.
Körperlich haben Sie keine Mühsale mehr. Drüben kann ich auf Berge klettern, tanzen und im Garten arbeiten -
(lacht).

Franz Alt :
Meinen Sie?
Elisabeth Kübler-Ross:  Ich meine gar nichts. Ich weiß

Franz Alt :
Woher wissen Sie?
Elisabeth Kübler-Ross :
Weil ich oft drüben war auf der anderen Seite.
Dort ist es wunderschön.

Franz Alt :
Wen haben Sie denn getroffen - dort drüben?
Elisabeth Kübler-Ross :
Meine Eltern, meinen verstorbenen Mann, meine Bekannten, meine alten Lehrer.

Franz Alt :
Sie sind geschieden von Ihrem Mann.  Haben Sie sich drüben wieder gut verstanden?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ja. Ich habe ihm einen Fußtritt in den Po gegeben.  Er hat "Aua" geschrieen.  So ein dummes Huhn -
(lacht noch mehr!).

-  wird fortgesetzt  -

28.07.2007 um 14:49 Uhr

Elisabeth Kübler-Ross – Über Tod und Leben, Schutzengel und die *andere Seite*

Elisabeth Kübler-Ross – Über Tod und Leben, Schutzengel
und die *andere Seite*
I n t e r v i e w  mit der international bekannten Sterbeforscherin  - 2 -   Engel-Herz »Serenity – Heitere Gelassenheit«

Franz Alt :
Was sagen Ihnen die Engel ?
Elisabeth Kübler-Ross :
Sie sprechen über Dinge, die uns beschäftigen. Als meine Tochter aus den USA in der letzten Woche in Zürich war, sie ist im 7. Monat schwanger, musste sie immer Wasser brechen.  Sie hatte Angst das Baby zu verlieren.
Ich wollte, dass sie ihr Kind in der Schweiz bekommt, damit ich einen schweizer Enkel habe. Aber die Schutzengel sagten, das Kind wiege erst 900 Gramm, meine Tochter solle zurück in die USA. Da flog sie zurück.

Franz Alt :
Kann jeder Mensch mit seinem Schutzengel in Verbindung kommen?
Elisabeth Kübler-Ross :
Wenn man auf einer bestimmten geistigen Wellenlänge ist, ja!  Das ist wie bei einem Radio.
Ein bestimmtes Programm gibt es nur auf einer bestimmten Welle.

Franz Alt :
Sie haben geschrieben, dass Sie auch mit Jesus Verbindung haben.
Elisabeth Kübler-Ross :
Ja, das habe ich.  Ich habe ihn beschimpft, weil ich seit sechs Jahren gelähmt und folglich regungslos bin und zu leiden habe im Rollstuhl.  Das finde ich ungerecht und sage es Jesus auch. Ich sage ihm manchmal Schimpf und Schande.  Da lacht er nur - Jesus hat einen wunderbaren Humor.
Der lachte sogar als ich ihm sagte, er sei schlimmer als Hitler, weil er mich so schrecklich leiden lässt.

Franz Alt :
Sind das dann Selbstgespräche, die Sie führen ?
Elisabeth Kübler-Ross :
Nein, nein, das ist viel mehr.  Man spinnt doch nicht.  Man ist doch nicht verrückt.
Ich führe keine Selbstgespräche über so ernste Dinge!  Ich spreche mit Jesus.

Franz Alt :
Woher wissen Sie, dass es keine Selbstgespräche und Selbsttäuschungen sind, denn akustisch
können Sie ja nichts hören?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ich vernehme die Geister und auch Jesus viel deutlicher als akustisch.
Akustisch ist ja nur eine bestimmte Wellenlänge.  Es gibt auch eine geistige und spirituelle Akustik.
Das meine ich.  Ich höre auf dieser Welle ganz genau.

Franz Alt :
Sie sind sicher, dass das keine Illusionen sind ?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ja, da bin ich ganz sicher!

Franz Alt :
Und diese inneren Verbindungen mit dem Jenseits beeinflussen Sie und Ihr Leben ?
Elisabeth Kübler-Ross :
Die Beziehung zu Jesus ist für mich so real wie die Beziehung zu Maria.  Die Maria hilft uns wahnsinnig viel.
Maria hat mir zum Beispiel sehr geholfen, wenn ich mit sterbenden Kindern gearbeitet habe.
Sie kam, wenn ich Sie um Hilfe bat.  Sie stand immer rechts von mir.  Innerhalb einer Sekunde war sie da,
wenn ich sie rief. Und ich bin nicht katholisch. Religionen und Konfessionen spielen überhaupt keine Rolle
bei den wirklich wichtigen Ereignissen.

Franz Alt :
Das heißt aber nicht, dass Sie Maria gesehen haben ?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ich habe sie wahrgenommen.  Es gibt geistige Wahrnehmungen, die Sie nicht mit dem Auge sehen können.
Es ist eine innere Kommunikation, die über den Geist geht.  Eine Art mentaler Kommunikation!
Maria hat mir unheimlich geholfen.  Eines Tages kam ein Filmregisseur aus Hollywood.  Er wollte einen Film
über meine Arbeit mit sterbenden Kindern drehen. Da kam die Maria dazu. Zuerst dachte ich : Was will denn
die jetzt hier?  Es geht doch jetzt gar nicht um sterbende Kinder .  Da wurde mir bewusst, dass es ja im Film
um sterbende Kinder gehen soll.  Der Regisseur war ganz aufgeregt und wollte ebenfalls Maria sehen.
Ich sagte ihm, er könne sie nicht sehen, nur wahrnehmen.  Da bat der Regisseur Maria um ein Zeichen.
"Laß mich wissen, dass Du da bist".  Da war plötzlich das ganze Zimmer voller Rosenduft.  Ganz stark.
Wir beide haben uns gefragt :  Woher der Rosenduft - und warum.  Als Nichtkatholiken wussten wir nicht,
dass die Rose die Lieblingsblume von Maria war. Das haben wir erst im nachhinein erfahren.
Rosenduft : Das war ihr Zeichen - dreimal gab sie solche Zeichen.

Franz Alt :
Das ist für einen Menschen wie mich schwer zu verstehen.  Was muss ein rationalistischer Mensch wie ich
oder was können unsere Zuschauer tun, um solche Wahrnehmungen auch zu haben ?
Elisabeth Kübler-Ross :
Das kann man nicht forcieren.  Erst wenn Sie eine bestimmte Stufe geistiger Entwicklung erreicht haben,
haben Sie solche Erlebnisse. Und je mehr Sie diese Stufe entwickeln, desto mehr haben Sie solche Erlebnisse!

-  wird fortgesetzt  -

15.07.2007 um 17:14 Uhr

Elisabeth Kübler-Ross – Über Tod und Leben, Schutzengel und die *andere Seite*

Elisabeth Kübler-Ross   
  –  Über Tod und Leben, Schutzengel und die *andere SeiteEngel-Herz »Serenity – Heitere Gelassenheit«
I n t e r v i e w  mit der international bekannten Sterbeforscherin  - 1 -

Elisabeth Kübler-Ross war eine international bekannte und geachtete Sterbeforscherin; was Sigmund Freud und C.G. Jung für die Erforschung der Psyche waren – das leistete sie sicher auf dem Gebiet der Sterbeforschung.
Der Journalist und Querdenker Franz Alt führte gegen Ende ihres Lebens mit ihr ein Interview,
in dem sie von ihren Erfahrungen spricht – und dabei auch ungewöhnliche Dinge sagt.
Im  W e b l o g  Gutes Leben Webzeitschrift
habe ich bereits Auszüge davon veröffentlicht - - >
http://www.blogigo.de/gutesleben
Hier in - mehreren Teilen – das ganze Interview.
Quelle : Die Website von Franz Alt - - >
http://www.sonnenseite.com/index.php?flash=true

Franz Alt :
Frau Kübler-Ross, Sie haben immer wieder geschrieben, der Grund unseres Hierseins ist bedingungslose Liebe.
Was ist das?

Elisabeth Kübler-Ross :
Das gibt es auf dieser Welt gar nicht. Das gibt es nur auf der anderen Seite. Bedingungslose Liebe ist eine Haltung ohne Erwartung.  Einfach bedingungslos.  Es gibt kein anderes Wort dafür.

Franz Alt :
Können Sie selbst bedingungslos lieben?

Elisabeth Kübler-Ross :
Nur bestimmte Leute (lacht!)  Nicht alle - genau das ist das Problem.

Franz Alt :
Sie behaupten, eigene Nahtoderfahrungen zu haben.  Wie sieht es denn im Jenseits aus?

Elisabeth Kübler-Ross :
Ohne eigene Erfahrungen kann man sich das schwer vorstellen.  Da gibt es keine Hoffnung, dass etwas so oder so sein wird.  Da gibt es eben nur bedingungslose Liebe.  Es ist dort schön, wunderbar und friedlich.
Man hat keine Bedürfnisse - nicht einmal auf Zigaretten und Schweizer Schokolade.  Sie wissen, was das
für mich als Schweizerin heißt - (lacht).

Franz Alt :
Sie haben in Ihren Büchern über Ihre Kontakte zu Geistern geschrieben.
Haben Sie noch Kontakt zu Ihren "Spooks"?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ich spreche immer mit denen.  Das sind meine Helfer.

Franz Alt :
Wie kann ich mir das vorstellen?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ich spreche mit denen so wie wir jetzt sprechen - auch mit meinem verstorbenen Mann.

Franz Alt : Das ist aber kein hörbares Sprechen?
Elisabeth Kübler-Ross : Nein

Franz Alt :
Ein inneres Gespräch?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ja, man nimmt die Spooks zur Kenntnis.  Man spürt, dass sie da sind und spricht mit Ihnen!
Aber nicht über die Ohren.  Man hört nur über den Geist und mit dem Herzen gut. So ist es.
Das ist eine erfahrbare Realität für jeden.

Franz Alt :
Was sagen Ihnen die Geister?
Elisabeth Kübler-Ross :
Sie erzählen mir von Dingen, die ihnen im Leben gefallen haben.  Zum Beispiel, dass sie gerne
Rösti gegessen haben so wie Schweizer das nun mal tun.

Franz Alt :
Also die Geister sind gestorbene Menschen?
Elisabeth Kübler-Ross :
Nicht alle, aber die meisten.  Viele sind unsere Schutzengel.  Die sind immer in Kontakt mit uns.

Franz Alt :
Hat jeder Mensch einen Schutzengel?
Elisabeth Kübler-Ross :
Mindestens einen.  Ich habe 44.  Vor allem, wenn es mir schlecht geht.

Franz Alt :
Warum gerade 44?
Elisabeth Kübler-Ross :
Ich weiß es nicht.  Die denken wahrscheinlich, ich hab's nötig - (lacht).

10.07.2007 um 15:12 Uhr

Die großen Psychoanalytiker - Gerhard Wehr; Erinnerungen, Träume, Gedanken von C. G. Jung - >zwei Bücher<

Noch ein weiteres Mal zum Thema Psychoanalyse –
ein Buch, das sympathisch geschrieben, eine Einführung und einen Überblick gibt –
und ein zweites, das in die Gedankenwelt C.G. Jung’s einführt.

Die großen Psychoanalytiker. Profile, Ideen, Schicksale   Die großen Psychoanalytiker
  -   Profile, Ideen, Schicksale -  von Gerhard Wehr (Patmos)

In diesem Buch werden die Pioniere der Psychoanalyse porträtiert -
Sigmund Freud, Josef Breuer, Alfred Adler und Individualpsychologen, wie z. B., C. G. Jung.  Ihre Ideen,
ihre Taten und ihre Wirkung bis in unsere Zeit werden ausführlich erläutert.  Eine aktuelle Darstellung
der Anfänge einer weltbewegenden Disziplin.

Buchbeschreibung :
16 Portraits großer Psychoanalytiker der ersten Stunde  :  Sigmund Freud und Josef Breuer, Alfred Adler
und die Individualpsychologen, C.G. Jung, der Erforscher des Kollektiven Unbewussten und der Archetypen.
Auffallend die große Anzahl von Frauen, die nicht nur als Patientinnen und Klienten, sondern als
Therapeutinnen mit Profil zur Geschichte der modernen Tiefenpsychologie gehören.
Die Einzelportraits des reich illustrierten Bandes sind so aufeinander bezogen, dass die aufregenden Schicksalsverflechtungen deutlich werden, durch die die Geschichte der Psychoanalyse geprägt ist.
Im Anhang : »Wie Psychoanalytiker übereinander urteilen« und eine Zeittafel.

Der Autor : Gerhard Wehr ist Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie. Er ist Buchautor mit dem Schwerpunkt Biographien, u.a. über C.G. Jung, Rudolf Steiner, Meister Eckhart sowie Martin Buber.

Erinnerungen, Träume, Gedanken von C. G. Jung
- von Carl G. Jung, Aniela Jaffe (Walter)


Kurzbeschreibung
Das Buch eröffnet überraschende Ausblicke sowohl für den, der mit dem Werk C.G. Jungs vertraut ist, wie auch
für den, der sich bisher noch nicht mit ihm beschäftigt hat. Es gibt kaum eine bessere Einführung in die Geisteswelt eines Forschers als den Bericht über das, was an subjektivem Erleben hinter seinen Ideen und Erkenntnissen steht.

Über C.G. Jung
Carl Gustav Jung wurde am 26. Juli 1875 in Kesswil in der Schweiz geboren.
Jung gehört mit Sigmund Freud und Alfred Adler zu den drei Wegbereitern der modernen Tiefenpsychologie.
Er entwickelte nach der Trennung von Sigmund Freud (1913) die eigene Schule der Analytischen Psychologie.
Anders als Freud bezog er auch die »spirituelle Ebene« mit ein.  C.G. Jung starb am 6. Juni 1961 in Küsnacht.

07.07.2007 um 17:43 Uhr

Rückblick : Zu Sigmund Freud's 150stem - 2 -

Rückblick : Zu Sigmund Freud's 150stem  - 2 -

?  Alfred Döblin hat zum 70sten Geburtstag von Freud eine herrliche Rede gehalten.
Er spricht von der vernachlässigten Seele, die zu Pfarrern und Poeten floh.
Die Pfarrer wollten sie bekehren und die Dichter gingen mit ihr ins Grüne.
Freud aber führte sie in sein Sprechzimmer, schloss die Tür hinter ihr und sagte :
Legen Sie ab, gnädige Frau. Ja, bitte, ziehen Sie sich aus.

Und bis zum heutigen Tag – also 1926 – sei die Seele erschrocken an der Tür stehen
geblieben und hat nicht mehr abgelegt, als ihren Hut.
Was glauben Sie, wie steht die Seele 2006 da ?

Schmidtbauer : Wenn ich das Bild von der Seele als schöne Frau aufnehme, dann vermute ich eher,
dass jedes Kleidungsstück, das sie ablegt, an anderer Stelle wieder etwas verdeckt.

In der Analyse merkt man, dass man sich immer nur auf einen Ausschnitt konzentriert.
Wenn wir heute das Narzisstische betrachten, vernachlässigen wir das Triebhafte – und wenn wir
die Frühstörungen anschauen, sehen wir den Ödipuskomplex nicht.
Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Seele irgendwann einmal nackt vor uns liegen könnte.

Buchhinweis: Der Mensch Sigmund Freud – Ein seelisch verwundeter Arzt ?   Der Mensch Sigmund Freud. Ein seelisch verwundeter Arzt?
- Wolfgang Schmidtbauer (Kreuz Verlag)


Kurzbeschreibung
»Warum noch eine Freud-Biografie? 
Von Jones bis Gay und Clark haben die Biografen Freud mit den Instrumenten seiner eigenen Methode
erfasst.  Sie haben den Ödipuskomplex gedeutet und seine Selbstanalyse übernommen.
Aber die Psychoanalyse hat sich weiterentwickelt. So will ich versuchen, Freud neu zu sehen. Ich will ihn
anders sehen, als er selbst sich sehen konnte, denn er hat zwar den Begriff des Narzissmus eingeführt, aber
nur sehr wenig davon auf sich selbst und sein Verhalten zu den Schülern angewandt.
Ich hoffe auf diese Weise das Verständnis dafür zu vertiefen, warum die Psychoanalyse durch Freud
so geschaffen wurde, wie es geschah.«  - Wolfgang Schmidbauer -

Über den Autor  Wolfgang Schmidbauer, Dr., geb. 1941, studierte Psychologie und promovierte 1968
über »Mythos und Psychologie«.  Ausbildung zum Psychoanalytiker, Gründung eines Instituts für
analytische Gruppendynamik, 1985 Gastprofessur für Psychoanalyse an der Gesamthochschule Kassel, Psychotherapeut und Lehranalytiker in München.  Autor zahlreicher Publikationen.

01.07.2007 um 15:40 Uhr

Rückblick : zu Sigmund Freud’s 150stem - 1 - >Verschiedenes<

Sigmund Freud   Rückblick : zu Sigmund Freud’s 150stem  - 1 -

Anlässlich Freuds 150stem Geburtstag - und des aktuellen Buchs des Psychoanalytikers
Wolfgang Schmidtbauer – ein Auszug aus einem Gespräch mit W. Schmidtbauer

?   Bei Freuds Analysen ging es vor allem um Sexualität.
Ist das auch heute noch das Hauptproblem
?

Wolfgang Schmidtbauer :  Thematisch ist nichts vorgegeben.  Es beginnt ein Forschungsprozess
zwischen zwei Personen, der keine festgelegten Ziele hat.

?   Hat der Analysand eher eine Kopfarbeit oder eine Gefühlsarbeit zu leisten ?

Schmidtbauer :  Das ist eine unzulässige Unterscheidung.  Rein anatomisch sind die Gefühle
im Kopf anzusiedeln und mythologisch im Bauch oder im Herzen.
Der Reichtum des Gefühlslebens entsteht ja durch Fantasie, und Fantasien werden durch Intelligenz
und Geist angeregt.  Die Analyse spielt sich in inneren Welten ab – mit Gefühlen und Gedanken.
Alles andere sind Zerrbilder.

?   In ihrem neuen Buch schreiben Sie, dass Freud Angst vor Sexualität hatte.
Deshalb wollte er alles über sie wissen.

Schmidtbauer :  Aber nicht, um sie auszuleben, sondern um sie zu kontrollieren.

?   Dann empfand Freud sexuelle Lust eher im kreativen Denken ?

Schmidtbauer :  In einer Form, die er sublimiert nennt. …

?   Fortschrittlich, wie er war, forderte er auch Sexualkundeunterricht in Schulen
und plädierte dafür, dass Unverheiratete miteinander schlafen sollten.
Heute halten ihn viele für antiquiert.

Schmidtbauer :  Ich warte eher auf seine Entdeckung und darauf, dass er ernst genommen wird.
Die Psychoanalyse hat durch orthodoxe Regelwerke und strickte Ausbildungsregularien viel von
ihren kreativen und revolutionären Impulsen verloren. …

?   Darwin, Marx und Freud, sagen Sie, sind die drei großen Denker, die entweder idealisiert
oder verteufelt werden.

Schmidtbauer :  Weil viele glauben, ohne Evolutionstheorie, Kapitalismuskritik
oder Psychoanalyse wäre das Leben sicherer gewesen, weniger irritierend.
Und Freud ist eben mal Heros und mal überholt. Spricht natürlich für seine große Vitalität. …

-  wird fortgesetzt  -

28.06.2007 um 15:04 Uhr

Träume - Wegweiser von innen

Zum Thema Träume noch einige Gedanken von Verena Kast, eine bekannte psychologische Autorin
und jung'sche Psychoanalytikerin.

Träume - Wegweiser von innen

Träume können Wegweiser sein, die uns zu verstehen geben, wo der Weg weiter geht -
oder die uns auch bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.


Unsere Träume gehören zu uns Menschen wie unsere Gedanken, Absichten, Gefühle usw.
Sie sind ein wichtiger Aspekt unserer alltäglichen Wirklichkeit;  bedenken wir nur einmal, wie sehr
ein "guter" Traum uns beflügeln kann, uns mit Schwung in den Alltag hineingehen lässt -
wie andererseits ein "schlechter" Traum uns beunruhigt, und wie wir diese Beunruhigung auch in den Tag hineinnehmen - der dann irgendwie grauer zu sein scheint, als er ist.

Nun kann aber gerade ein solcher "schlechter" Traum von großer Wichtigkeit für uns sein :
Er kann uns aufrütteln, uns dazu bringen, eine Lebenssituation einmal mit den Augen des Traumes anzusehen - einmal wirklich hinzusehen, was wir mit uns, mit dem Leben, mit anderen Menschen machen.

So können Träume Wegweiser sein, die uns zu verstehen geben, wo der Weg weiter geht, oder die uns auch bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Wir Menschen sind meistens froh, wenn wir in diesem Leben, das oft so schwer zu bewältigen ist,
"Wegweiser" finden.
Die Träume – diese "Wegweiser von innen"! – haben den großen Vorteil, dass sie unserer
eigenen Seele und unserer eigenen Wirklichkeit entspringen und uns nicht von außen
angeboten werden.   - Verena Kast -

22.06.2007 um 14:38 Uhr

Arbeit mit Träumen - >Verschiedenes, Interessantes, Hilfreiches<

Arbeit mit Träumen ist eine alte und weit verbreitete Methode, sich auf eine tiefere Weise verstehen zu lernen, Vergangenes aufzuarbeiten - und sich bewusster mit der eigenen Entwicklung auseinander zu setzen.
In folgenden ein Text aus einer Therapeuten-Website.


T r a u m a r b e i t    

Der Traum ist eine Botschaft des Unbewussten an das Bewusstsein.  Dieses Feedback verfolgt das Ziel, die Persönlichkeit sicher auf einem Lebenskurs zu halten, der ihr in ihrer Besonderheit entspricht.  Da Träume
nicht lügen, ist Traumarbeit ein wertvolles Instrument der Selbsterfahrung und der Persönlichkeitsentwicklung.

Träume als Lebensbewegung unserer Seele weben nicht nur mit an den Lösungsmöglichkeiten für unsere Lebensprobleme. Sie sind vielmehr, als Botschaften unseres Unbewussten oft ein gutes Stück weiter, als wir es in unserem Wachbewusstsein sind.

Wir können unsere Träume als Spiegel unserer tiefsten Gefühle und Gedanken erleben. In ihrer Weisheit gehen sie dabei oft über unser gewöhnliches Wahrnehmen und Verstehen hinaus. Als Ratgeber, Wegweiser und Suchbilder auf dem Weg unserer Selbstfindung sind sie aller Aufmerksamkeit wert.

Träume zu verstehen und richtig zu analysieren bedarf sowohl der nüchternen Betrachtung und Beachtung der jeweiligen Lebenssituation des Träumers, als auch der phantasievoll intuitiven Offenheit.

Das gemeinsame Betrachten und Bearbeiten der Träume in der Einzelsitzung oder in der Gruppe, eröffnet eine reiche Palette von Möglichkeiten, sich dem Traumverstehen und der Sprache der inneren Bilder zu nähern.
Der Reichtum verschiedener Sichtweisen, Verstehens- und Erlebensmodelle kann helfen, den eigenen Verstehenshorizont weiter und klarer werden zu lassen.
Bild :   www.psp-tao.de