Lesen oder Lassen?

16.01.2009 um 11:58 Uhr

Ich ziehe um

von: chil

Liebe Leser und Zufällig-Vorbeischauer,

da ich mich von blogigo zunehmend verlassen fühle und es da draußen unzählige Gratis-Bloganbieter mit tatsächlich vorhandenem Support und vielen tollen Funktionen gibt, sehe ich keinen Grund mehr, hier noch länger darauf zu hoffen, dass eines Tages alles besser wird. Im Laufe des Monats ziehe ich um, ich würde mich freuen, wenn ihr mich auf

http://blattclaus.blogspot.com

besucht.

Liebe Grüße und vielen Dank an alle, die hier mitgelesen haben.

Chil

31.01.2008 um 22:39 Uhr

Catch me if you can

von: chil   Kategorie: Biografie

Autor: Frank Abagnale/Stan Redding

Original: Catch me if you can (1980)

meine Bewertung: VerrücktVerrücktVerrücktVerrückt von 5

Frank Abagnale ist gerade mal fünfzehn, als seine Karriere als Betrüger beginnt. Mit der Mobil-Karte seines Vaters dreht er allerhand krumme Dinger, um seine größte Lust und somit sein einziges Laster finanzieren zu können: Frauen. Sein Vater verzeiht ihm gnädigerweise die 3.400 Dollar, die er an Mobil zahlen muss, doch Frank hat Lust an der Sache bekommen. Er geht nach New York, wo er erst einen respektablen Weg einschlagen will, doch dann entdeckt er endgültig seine Leidenschaft und sein Talent für das Verbrechen. Der Teenager, der zehn Jahre älter aussieht, als er ist, beginnt mit seinen Recherchen. Durch geschicktes Aushorchen und Telefonieren gelangt er schnell an eine Pilotenuniform der Pan Am, auch seine Fluglizenz und seinen Pilotenausweis sind Marke Eigenbau.

Schnell eignet er sich den Jargon der Flieger an, um in Gesprächen mithalten zu können, stellt sich seine eigenen Gehaltsschecks aus, die er im ganzen Land einlöst, sonnt sich im Ansehen eines Piloten und fliegt als Mitglied einer Fluglinie um die ganze Welt. Doch nicht nur als angeblicher Pilot versucht sich Frank. Er wird in seiner Karriere außerdem Kinderarzt, Universitätsprofessor und Schriftsteller. Längst hat er sich das nötige Geld beschafft, um ein sorgenfreies Leben führen zu können, doch das Verbrechen reizt ihn einfach zu sehr. Er ist ständig auf der Flucht, weil ihm mittlerweile alle möglichen Staatsbehörden auf den Fersen sind, doch dann beschließt er, sich in Frankreich zu verkriechen.

Doch ausgerechnet da wird er schließlich gefasst und nach Perpignan ins Gefängnis gebracht. Ausgerechnet eine Frau wurde ihm zum Verhängnis. Die ehemalige Stewardess hatte ihn wiedererkannt und ihn angezeigt. In Perpignan verbringt Abagnale 5 Monate unter unmenschlichen Bedingungen, bevor er schließlich nach Schweden ausgeliefert wird. Dort ergeht es ihm besser. Eigentlich haben fast alle Staaten der Welt Abagnales Auslieferung beantragt, doch ein milde gesinnter Richter in Schweden schickt ihn zurück nach Amerika, wo er von den Bundesbehörden am Flughafen in Empfang genommen werden soll. Doch Abagnale schafft es, durch die Flugzeugtoilette zu fliehen…

Die Geschichte ist wahrscheinlich vielen von der Verfilmung mit Leonardo DiCaprio in der Rolle des Frank Abagnale und Tom Hanks in der Rolle des FBI-Agenten O’Reilly geläufig, doch das Buch wurde von Abagnale selbst geschrieben, es liest sich wie eine humorvolle, actiongeladene Autobiografie… na gut, ist sie ja auch. Gerade wenn man denkt: „Nein, das gibt’s jetzt nicht. Damit kommt der nie und nimmer durch“, fällt einem ein, dass es sich um die wahre Lebensgeschichte von Frank Abagnale handelt, der nach seiner Verbrecherkarriere zum gefragten Fachmann für Dokumentensicherheit avancierte.

Zwischen dem Buch und dem Film gibt es eklatante Unterschiede, auf die Abagnale auch in einem Epilog am Ende seines Buches hinweist. Zum ersten das Äußere Abagnales: Dieser war ein großer, dunkelhaariger Mann, der leicht um zehn Jahre älter aussah, als er tatsächlich war. Nun wird im Film Abagnale von Leonardo DiCaprio gespielt, der seine Sache zwar gut macht, aber ein eher kleingewachsener, heller Typ ist, der immer mindestens zehn Jahre jünger wirkt, als er tatsächlich ist. Einige Szenen werden im Film weggelassen, da sich das Buch über fünf Jahre hinzieht und ein Kinofilm eben in seiner Zeit auf 180 Minuten beschränkt ist.

Auch der Vater-Sohn Konflikt kommt im Film viel stärker vor, als er tatsächlich war. Abagnale beschreibt in seinem Buch seinen Vater sehr liebevoll, als einen Menschen, den er respektiert und liebt. Spielberg interpretierte in diese Beziehung mehr Drama rein, als scheinbar tatsächlich war. Außerdem unterscheiden sich manche Orte und Zeitangaben im Film von denen im Buch, der Aufenthalt im Malmöer Gefängnis wird im Film beispielsweise gar nicht erwähnt, ebenso wie seine Flucht aus dem Staatsgefängnis.

Alles in allem eine sehr spannende Geschichte, deren Authentizität sie umso lesenswerter macht. Es kommt zwar nie vor, dass ein Film das Buch genau so wiedergibt, wie es gemeint war, dennoch trifft die Verfilmung von „Catch me if you can“ nach Abagnales Angaben 80% des Buches und der wahren Ereignisse. Wer sich gerne in die bunte Kinowelt der 60er Jahre entführen lässt, sollte sich auch den Film ansehen.

  • Taschenbuch
  • Verlag: Heyne; Auflage: 1 (Februar 2003)
  • ISBN-10: 3453188713
  • ISBN-13: 978-3453188716
  • 31.01.2008 um 18:54 Uhr

    Das Wildpferd unterm Kachelofen

    von: chil   Kategorie: Kinder

    Autor: Christoph Hein

    Original: Das  Wildpferd unterm Kachelofen (1984)

    meine Bewertung: VerrücktVerrücktVerrückt von 5

    Der Erzähler, ein Erwachsener, trifft hin und wieder auf den kleinen Jakob Borg. Der Erzähler bittet Jakob dann immer um eine Geschichte, denn davon kennt der Junge genug. Kein Wunder, denn schließlich leben unter seinem Bett seine Freunde, allesamt seltsame Gestalten. Da wäre zuerst einmal Schnauz der Esel. Schnauz ist nicht besonders klug, dafür aber ums liebenswürdiger und seinen Freunden immer ein treuer Gefährte. Dann ist da noch der falsche Prinz, der viel träumt und ein begabter Klavierspieler ist, was wiederum Katinka höchst beeindruckt, obwohl die normalerweise nur Augen für Pferde hat. Außerdem gehört Panadel der Clochard noch zu dieser illustren Runde. Er erzählt gerne und viel, auch Dinge, die nicht unbedingt immer der Wahrheit entsprechen. Und zu guter Letzt wäre da noch Kleine Adlerfeder. Er möchte unbedingt Erfinder und Entdecker werden. Gemeinsam mit seinen Freunden erlebt Jakob die tollsten Dinge, die er dann auch immer an den staunenden Erzähler weitergibt.

    „Das Wildpferd unterm Kachelofen“ ist ein sehr schönes Kinderbuch, das so manches Körnchen Moral enthält, den erhobenen Zeigefinger sucht man allerdings zum Glück vergebens. Die Zeichnungen von Rotraut Susanne Berner machen aus dem Buch wirklich sehr empfehlenswerte Lektüre für Kinder jeden Alters. Außerdem eignen sie sich gut als Vorlesegeschichten. Sehr nett, nicht unbedingt spannend aber dennoch die Lektüre wert.

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (Juli 2006)
  • ISBN-10: 3866151144
  • ISBN-13: 978-3866151147
  • 23.01.2008 um 22:26 Uhr

    Über den grünen Klee der Kindheit

    von: chil   Kategorie: Biografie

    Autor: Alois Brandstetter

    Original: Über den grünen Klee der Kindheit (1982)

    meine Bewertung: VerrücktVerrücktVerrückt von 5

    In diesem Werk beschreibt Alois Brandstetter seine Kindheit im Oberösterreichischen Pichl, einem kleinen, bäuerlichen Dorf wo jeder jeden kennt. Obwohl seine Kindheit vom Krieg geprägt, anstrengend und alles andere als idyllisch war, tut er das mit unüberhörbarer Liebe und mit leisem Bedauern, dass seine Kindheit nun unwiederbringlich verloren ist.

    Brandstetters kluger Wortwitz und sein Spiel mit der Sprache ist einfach unvergleichlich. Der Sprachwissenschafter in ihm lässt sich auch immer wieder dazu verleiten, Ausflüge ins Mittelhochdeutsche zu machen, was nebenbei auch noch den Effekt hat, dass man durchaus etwas über die etymologischen Wurzeln der (in meinem Fall eigenen) Mundart lernen kann.

    Obwohl „Der Leumund des Löwen“ insgesamt witziger ist, ist es doch ein Buch, das einem vor allem dann ans Herz gelegt sei, wenn man Österreicher oder gar Oberösterreicher/ Niederösterreicher ist, oder sich für das kleine Ländle interessiert.

    21.01.2008 um 22:01 Uhr

    Der Golem

    von: chil   Kategorie: Klassiker

    Autor: Gustav Meyrink

    Original: Der Golem (1915)

    meine Bewertung: VerrücktVerrücktVerrückt von 5

    „Der Golem“ ist eigentlich eine Geschichte in der Geschichte. Ein unbekannter Erzähler ist nach Prag auf Besuch gekommen und liest vor dem Einschlafen noch in einem Buch über das Leben von Buddha Gotama. Daraufhin schläft er ein, doch es ist ein unruhiger Schlaf, in den er fällt. Er erlebt in seinem Traum das Leben des Gemmenschneiders Athanasius Pernath, einem Einwohner des Prager Ghettos Ende des 19. Jahrhunderts.

    Pernath bekommt eines Tages Besuch von einer seltsamen Gestalt, die ihm das Buch Ibbur bringt und bald darauf wieder verschwindet. Der Gemmenschneider liest in dem Buch, nichts ahnend, dass sich daraufhin sein Leben komplett verändern wird. Er hat den Verdacht, die mysteriöse Gestalt sei vielleicht der Golem gewesen, eine seelenlose Figur aus Lehm und Ton, die alle 33 Jahre im Prager Ghetto umgehen soll und einst als Beschützer der Juden von Rabbi Löw geschaffen wurde.

    Doch es bleibt weiter seltsam. Der unbescholtene Pernath wird in Intrigen verwickelt, die ihn schließlich sogar für einige Zeit ins Gefängnis bringen, weil er des Raubmordes verdächtigt wird. Außerdem verliebt er sich in Mirjam, die Tochter des Archivars Hillel, mit dem ihn eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet. Dann ist da noch Charousek, ein armer Medizinstudent, der einen persönlichen Rachefeldzug gegen den Trödler Aaron Wassertrum führt, für den er Pernath gewinnen möchte.

    Das Buch „Der Golem“ ist eine phantastische Geschichte mit vielen Traumelementen, Halluzinationen und Symbolen. Man begleitet Meister Pernath beim Versuch, eben jene zu entschlüsseln und zu verstehen und auf seiner Reise in sein Selbst. Gerade weil die Grenzen zwischen den Erzählungen, den Geschehnissen in der Geschichte und diesen phantastischen Elementen oftmals verschwinden, wird Spannung aufgebaut. Die Geschichte ist nicht allzu leichte Kost, doch man hat damit etwas, das sicher nicht spurlos an einem vorübergeht.

  • Sondereinband: 320 Seiten
  • Verlag: Langen/Müller; Auflage: 2., Aufl. (November 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3784424988