Lesen oder Lassen?

16.01.2009 um 11:58 Uhr

Ich ziehe um

von: chil

Liebe Leser und Zufällig-Vorbeischauer,

da ich mich von blogigo zunehmend verlassen fühle und es da draußen unzählige Gratis-Bloganbieter mit tatsächlich vorhandenem Support und vielen tollen Funktionen gibt, sehe ich keinen Grund mehr, hier noch länger darauf zu hoffen, dass eines Tages alles besser wird. Im Laufe des Monats ziehe ich um, ich würde mich freuen, wenn ihr mich auf

http://blattclaus.blogspot.com

besucht.

Liebe Grüße und vielen Dank an alle, die hier mitgelesen haben.

Chil

21.01.2008 um 22:01 Uhr

Der Golem

von: chil   Kategorie: Klassiker

Autor: Gustav Meyrink

Original: Der Golem (1915)

meine Bewertung: VerrücktVerrücktVerrückt von 5

„Der Golem“ ist eigentlich eine Geschichte in der Geschichte. Ein unbekannter Erzähler ist nach Prag auf Besuch gekommen und liest vor dem Einschlafen noch in einem Buch über das Leben von Buddha Gotama. Daraufhin schläft er ein, doch es ist ein unruhiger Schlaf, in den er fällt. Er erlebt in seinem Traum das Leben des Gemmenschneiders Athanasius Pernath, einem Einwohner des Prager Ghettos Ende des 19. Jahrhunderts.

Pernath bekommt eines Tages Besuch von einer seltsamen Gestalt, die ihm das Buch Ibbur bringt und bald darauf wieder verschwindet. Der Gemmenschneider liest in dem Buch, nichts ahnend, dass sich daraufhin sein Leben komplett verändern wird. Er hat den Verdacht, die mysteriöse Gestalt sei vielleicht der Golem gewesen, eine seelenlose Figur aus Lehm und Ton, die alle 33 Jahre im Prager Ghetto umgehen soll und einst als Beschützer der Juden von Rabbi Löw geschaffen wurde.

Doch es bleibt weiter seltsam. Der unbescholtene Pernath wird in Intrigen verwickelt, die ihn schließlich sogar für einige Zeit ins Gefängnis bringen, weil er des Raubmordes verdächtigt wird. Außerdem verliebt er sich in Mirjam, die Tochter des Archivars Hillel, mit dem ihn eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet. Dann ist da noch Charousek, ein armer Medizinstudent, der einen persönlichen Rachefeldzug gegen den Trödler Aaron Wassertrum führt, für den er Pernath gewinnen möchte.

Das Buch „Der Golem“ ist eine phantastische Geschichte mit vielen Traumelementen, Halluzinationen und Symbolen. Man begleitet Meister Pernath beim Versuch, eben jene zu entschlüsseln und zu verstehen und auf seiner Reise in sein Selbst. Gerade weil die Grenzen zwischen den Erzählungen, den Geschehnissen in der Geschichte und diesen phantastischen Elementen oftmals verschwinden, wird Spannung aufgebaut. Die Geschichte ist nicht allzu leichte Kost, doch man hat damit etwas, das sicher nicht spurlos an einem vorübergeht.

  • Sondereinband: 320 Seiten
  • Verlag: Langen/Müller; Auflage: 2., Aufl. (November 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3784424988
  • 14.01.2008 um 22:33 Uhr

    Der Wunde Punkt

    von: chil   Kategorie: Empfehlungen

    Autor: Mark Haddon

    Original: A Spot of Bother (2006)

    meine Bewertung: VerrücktVerrücktVerrücktVerrücktVerrückt von 5

    Eigentlich ist die Familie Hall ja eine Familie wie jede andere. Sie besteht aus dem gerade erst pensionierten George Hall, seiner Frau Jean, seinem Sohn Jamie und seiner Tochter Katie. Natürlich gibt es wie in jeder Familie ein paar Kleinigkeiten, die nicht unbedingt optimal sind. Die beiden Kinder sind längst erwachsen und außer Haus, da langweilt sich so eine brave Ehefrau wie Jean natürlich. Und was tut man in so einer Situation? Richtig, sie beginnt ein Verhältnis mit dem ehemaligen Arbeitskollegen ihres Mannes. Und ihr Mann? Der ahnt davon nichts, genauso wie seine Frau nicht weiß, dass er vor kurzem an seiner Hüfte einen besorgniserregenden wunden Punkt entdeckt hat, den er für Krebs hält und deshalb selbst mit der Küchenschere entfernen will.

    Und die Kinder? Katie hat den Vater ihres vierjährigen Sohnes verlassen und lebt nun mit ihrem Sohn bei Ray, der sie liebt und heiraten möchte. Blöd nur, dass Katie sich ganz und gar nicht sicher ist, ob sie ihn auch liebt – oder ist es nur sein Haus und die Art, wie sich Ray mit ihrem Sohn versteht? Dann ist da noch Jeans und Georges Sohn Jamie. Ein ganz netter Kerl, der als Immobilienmakler sein Geld verdient und gerade ärgste Schwierigkeiten mit seinem Freund Tony hat.

    Mark Haddon hat eine dramatische Familiengeschichte geschrieben, die einem zu Herzen geht. Natürlich wird man in seiner eigenen Familie nicht dieselben „Probleme“ so geballt haben, wie die Halls, aber keine Familie ist perfekt. Man findet sehr schnell in die Geschichte, die Charaktere sind sympathisch und es entwickelt sich sogar soetwas wie Spannung. Zwar empfand ich persönlich „Supergute Tage“ als noch besseres Werk, aber auch gegen „Der Wunde Punkt“ spricht nichts – fantastische Unterhaltung mit einem gewaltigen Schuss schwarzem, britischem Humor und tragischer Komik.

  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: Blessing (Februar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896672924
  • 11.01.2008 um 11:08 Uhr

    Nur ein toter Mann ist ein guter Mann

    von: chil   Kategorie: Trash und Schund

    Autorin: Gaby Hauptmann

    Original: Nur ein toter Mann ist ein guter Mann (1996)

    meine Bewertung: Verrückt von 5

    Ursula Winkler ist knapp über 50 Jahre alt und eine graue Maus. Sie hat ihr Leben an der Seite ihres selbstsicheren und erfolgreichen Mannes gelebt, dessen Sarg sie nun hinterhersieht, wie er in der Erde verschwindet. Jetzt ist sie allein, ist Walter los. Doch anstatt zu trauern, hängt sich Ursula in die Arbeit.

    Zuerst lässt sie das Wohnzimmer umgestalten, denn es ist nach Walters Geschmack eingerichtet, nicht nach ihrem. Da fällt ihr auf, dass das Klavier auch weg müsste, sie spielt sowieso nicht. Auch in der Firma, eigentlich ihrer gemeinsamen Firma, gilt es, die Geschäfte am Laufen zu halten. Doch irgendwie scheint alles daneben zu gehen. Plötzlich stornieren zwei Kunden ihre Aufträge, außerdem will Willy Waffel von der Konkurrenz-Firma ihre Firma übernehmen.

    Auch privat tut sich bei Ursula einiges. Sie schafft reihenweise Männer aus dem Weg, die nicht annähernd so stark sind, wie ihr Mann es war – obwohl sie doch auch froh ist, dass der nicht mehr unter den Lebenden weilt. Im Verlauf der Geschichte kommt Ursula dann hinter das Geheimnis, wer ihrer Firma so zusetzt (der Leser weiß das wahrscheinlich schon nach den ersten 50 Seiten – aber egal) und erkennt auch, dass sie keine Freunde hat. Wies der Zufall so will, lernt sie dann Elisabeth und deren Tochter Jill kennen, Elisabeth erledigte einige Jobs für Walter. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden Frauen und Ursula lernt viel über das Leben, sich selbst und die Geschäftspraktiken ihres Mannes.

    Nachdem sie in alle Geheimnisse eingeweiht ist, holt sie zum Rückschlag und zur Rache aus, was für ihre Feinde verhängnisvoll wird. Außerdem entdeckt sie eine sympathische Seite an sich und lebt diese nun auch aus, so dass aus einer verbitterten Frau doch noch sowas wie ein normaler Mensch wird.

    „Nur ein ungeschriebener Hauptmann ist ein guter Hauptmann“ könnte das abschließende Fazit lauten, dennoch möchte ich meine Bewertung noch etwas ausführen. Abgesehen davon, dass die Protagonistin nicht unbedingt sympathisch ist und scheinbar auch nicht besonders intelligent – schließlich hat sie sich bis zum Tod ihres Mannes von diesem Despoten unterdrücken lassen – ist die Geschichte sehr flach. Keine der Personen bekommt so richtig Farbe und wenn, dann ist es einfach nur klischeehaft. Einen Punkt gibt es dafür, dass das Buch immerhin einen überraschenden Schluss hat, den man amüsant finden könnte, über den man aber auf jeden Fall nachsinnieren wird. Auch im Bereich der sogenannten „Frauenliteratur“ gibt es Intelligentes, empfohlen sei eines der Werke von Lauren Weisberger.

  • Taschenbuch: 301 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 19., Aufl. (1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492222463
  • 08.01.2008 um 20:46 Uhr

    Wie die Tiere

    von: chil   Kategorie: Krimi

    Autor: Wolf Haas

    Original: Wie die Tiere (2001)

    meine Bewertung: VerrücktVerrücktVerrücktVerrücktVerrückt von 5

    Jetzt ist schon wieder was passiert – und das in Wien. Den Brenner, seines Zeichens Ex-Polizist, hat es nach Wien verschlagen. Es ist nicht ein neuer Fall, sondern eher ein Termin bei der Amtsärztin, denn der Brenner ist jetzt doch auch schon über 50 und möchte gerne um Frühpension ansuchen. In den Alpenländern nicht so einfach, in Wien hast du’s einfach, haben ihm seine Kollegen im Kaufhaus erzählt, wo er zuletzt als Kaufhausdetektiv gearbeitet hat. Nicht gerade rühmlich, aber das, was ihn in Wien erwartet, ist auch nicht gerade ein Aufstieg.

    Denn damit er in Wien um Frühpension ansuchen kann, braucht der Brenner in Wien eine Arbeit. Und die hat er vom Bordellbesitzer Schmalzl bekommen. Denn in Wien ist ein wahnsinniger Hundehasser unterwegs, der speziell präparierte Hundekekse im Augarten streut. Die Hunde, die diese Kekse fressen, verenden qualvoll. Der Bordellbesitzer möchte quasi etwas PR für sich und sein Gewerbe, deshalb beauftragt er den Brenner, den Täter zu finden. Der sucht zuerst in den Reihen der Kinderliebhaber, denn Kinderliebhaber und Hundehalter quasi Todfeinde. Auch wenn der Fall anfangs noch nicht gerade prestigeträchtig ist, so bekommt der Brenner es dann doch noch mit zwei Leichen zu tun, deren Täter er natürlich finden möchte. Doch wie immer beim Brenner geht das halt alles nicht so fix.

    Für mich ist Wolf Haas einfach nur genial. Der Stil, den er konsequent verfolgt ist jener, den man vom Wirtshaustisch kennt, man sitzt sich gegenüber und bekommt den neuesten Brenner-Fall lauwarm serviert. Einfach genial, so witzig und doch so trocken, morbide und doch genial – Haas gehört gelesen! Soviel Lokalkolorit und Stimmung schafft so schnell keiner!

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 8 (Dezember 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499233312