Autor: Stephen King
Original: Lisey's Story (2006)
meine Bewertung: 


von 5
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Lisey Landon ist die Witwe des verstorbenen Bestsellerautors Scott Landon. Sie denkt, nach zwei Jahren genug getrauert zu haben, und beschließt, den Nachlass ihres Mannes zu ordnen und sein Büro, das in der Scheune ein wenig abseits des Hauses lag, aufzulösen. Hilfe bekommt sie dabei von ihrer ältesten Schwester Amanda. Die Arbeit ist zermürbend und wird durch die Hitze und das etwas getrübte Verhältnis zwischen den Schwestern nicht gerade erleichtert. Lisey verliert sich immer wieder in Gedanken an die Zeit mit ihrem geliebten Ehemann Scott und merkt, dass sie noch nicht über dessen plötzlichen Tod hinweggekommen ist.
Sie und Amanda kommen nicht besonders weit damit, Scotts Nachlass zu sichten. Amanda fährt nach Hause, Lisey hängt ihren Erinnerungen nach und so wird die Geschichte der Landon-Ehe nach und nach erzählt. Der Leser erfährt einiges von früher, wie Blitzlichter tauchen dazwischen aber immer wieder Gedanken von Lisey auf, die sich an eine Zeit zu erinnern scheinen, die vor allem für Scott alles andere als schön war. Liseys Erinnerungsorgie wird jedoch jäh gestoppt, als ihre andere Schwester Darla sie anruft und darüber informiert, dass ihre Schwester Amanda wieder einmal in einen katatonischen Zustand verfallen ist, nachdem sie sich tiefe Schnittwunde zugefügt hatte, um darüber hinwegzukommen, dass ihre frühere Liebe eine neue Frau gefunden hat.
Lisey fährt zu Amanda nach Hause, wo sie die total erschöpfte Darla und eine völlig reaktionslose, vor sich hinstarrende Amanda antrifft. Lisey schickt Darla weg und erklärt sich dazu bereit, die Nachtschicht zu übernehmen und Amanda zu versorgen. Gemeinsam bringen die beiden Schwestern Amanda zu Bett. Darla fährt, Lisey legt sich zu ihr und verbringt eine unruhige Nacht. Gegen Morgen wacht sie auf, weil Amanda zu ihr zu sprechen scheint. Amanda liegt zwar mit dem Rücken zu ihr im Bett, doch Lisey erkennt sofort, dass es Scotts Stimme ist, die durch Amanda zu ihr spricht. Scotts Stimme schickt sie auf eine Art Schatzsuche, an deren Ende Lisey eine Belohnung finden soll. Mehr intuitiv sorgt Lisey dafür, dass ihre katatonische Schwester in die nahegelegene Nervenheilanstalt gebracht wird, sie selbst begibt sich wieder in Scotts Büro, wo sie mit ihrer Schatzsuche beginnt.
Diese Schatzsuche führt sie in die Kindheit Scotts, in eine geheime, wunderschöne und genauso gefährliche Welt namens Boo'ya Mond, in die Vergangenheit ihrer Liebe und zu einem Schatz. Die Suche wird allerdings durch einen Verrückten erschwert, der in Liseys Anwesen einbricht und sie schwer verletzt. Der Typ will Scotts Nachlass und droht Lisey damit, wieder zu kommen und sie noch schwerer zu verletzten, wenn er nicht bekommt, was er will. Lisey hat Angst, aber Scotts Stimme leitet sie und zeigt ihr Lösungen auf. Bevor sie sich selbst retten und den Schatz finden kann, muss sie aber erst noch ihre Schwester Amanda aus der Katatonie holen - denn nur sie scheint ihr in ihrem finalen Kampf beistehen zu können.
Die Horror-Elemente in diesem King-Werk sind eher subtil eingesetzt, ein Monster kommt allerdings auch vor; wie das Amen im Gebet. Das Hauptmotiv ist die Liebe zwischen Scott und Lisey, die vieles überstanden hat und sehr tief ist, außerdem geht es um das Gespür, das man im Lauf der Ehe füreinander entwickelt und die geheimen Witzchen und Ausdrücke, die man sich als Ehepartner aneignet. Kings Roman ist spannend und irgendwie schön - einfach gute Unterhaltung. Was will man also mehr? Vielfach wird das Werk für seine King untypische Art kritisiert. Doch nur weil ein Werk mal anders als seine Artgenossen ausgefallen ist, sollte man es nicht gleich als "schlecht" abtun. Und so anders ist das Werk gar nicht, man muss sich halt nur die Mühe machen, genau hinzusehen. Dann sieht man King in jeder Zeile. Gönnt dem Großmeister zu seinem 60. Geburtstag (im April) doch, alte Schema mal kurz hinter sich lassen zu können.
Natürlich findet man auch in "Love" (die Übersetzung des englischen Titels ist wirklich kein besonderer Glücksgriff) zahlreiche Verwandtschaften ins King-Universum. So liest Lisey beispielsweise ein Werk von Michael Noonan - Noonan war die Hauptfigur in Kings Roman "Sara". Der Ort der Handlung ist einmal mehr Castle View. Das Buch ist außerdem voll von Anspielungen auf andere Autoren und Musiker, welche genau wird im Nachwort von Stephen King persönlich kommentiert.
Alles in allem lässt sich sagen, dass Kings Werk wieder einmal erreicht hat, was ein gutes Buch sollte: es hält den Leser gefesselt und führt einen in ein anderes Universum. Die Länge wirkt wahrscheinlich ein wenig abschreckend, aber wenn man erst mal drin ist, kommt man so leicht da nicht mehr heraus. Diversen Motzern sei gesagt: zuerst lesen, dann kritisieren. Und nur weil ein Autor kommerziell erfolgreich ist, sollte sein Werk nicht als Schund abgetan werden.
Gebundene Ausgabe: 730 Seiten
Verlag: Heyne; Auflage: 1 (Oktober 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453265327