Lesen oder Lassen?

06.04.2007 um 22:22 Uhr

Der stille Amerikaner

von: chil   Kategorie: Historische Romane

 

Autor: Graham Greene

Original: The quiet American (1955)

meine Bewertung: VerrücktVerrückt von 5

Ich will mir selbst eine Meinung bilden!

Fowler ist ein in Indochina stationierter, etwas ältlicher Journalist, der als Kriegsberichterstatter arbeitet. Es ist eine unruhige Zeit; doch noch gelingt es den Franzosen, die Stellung zu halten. Es sind die frühen Fünfzigerjahre. Fowler lebt in Saigon, gemeinsam mit seiner viel jüngeren, vietnamesischen Freundin Phuong. Eigentlich ist sein Leben geruhsam, doch dann lernt er den jungen Alden Pyle, einen Amerikaner, kennen. Pyle verliebt sich in Phuong und gibt dies auch offen vor Fowler zu. Um die Etikette zu wahren, wirbt Pyle in Gegenwart Fowlers um die Gunst Phuongs. Da Fowler immer noch verheiratet ist und sich seine Frau nicht scheiden lassen will, zieht es Phuong immer mehr zu dem jungen Amerikaner hin, der sie heiraten möchte und sie mit nach Amerika nehmen will.

Irgendwann sieht Fowler ein, dass er eine denkbar schlechte Ausgangsposition dem jungen und unabhängigen Amerikaner gegenüber hatte und er gibt Phuong frei. So ganz findet er sich aber mit seiner Niederlage nicht ab. Mehr zufällig setzt sich in seinem Kopf ein immer genaueres Bild von Pyle zusammen, und Fowler muss erkennen, was für ein Mensch der sonst so korrekte Amerikaner in Wirklichkeit ist und welche Abgründe sich hinter einem so glatten Äußeren verbergen. Wird Fowler es schaffen, sich aus diesem Krieg herauszuhalten? Oder wird er - vielleicht, um Phuong wieder zurück zu gewinnen - seine Grundsätze verraten?

Greene hat eine klassische Dreiecks-Geschichte in die Kriegswirren der Fünfzigerjahre versetzt. Nicht nur die Liebe, sondern auch das wahre Gesicht des Krieges werden aufgezeigt, allerdings muss man trotz der stellenweise spannenden Handlung viele, viele Längen in Kauf nehmen, die dem Buch nicht gerade einträglich sind. Die Sprache Greenes ist unumstritten faszinierend, sein Bericht erhellend. Schade also, dass sich das Buch dennoch schleppend liest.


  • Taschenbuch: 234 Seiten
  • Verlag: Dtv (Mai 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423131292
  • 21.11.2006 um 20:08 Uhr

    Des Königs dunkle Botin

    von: chil   Kategorie: Historische Romane

     

    Autorin: Vera Chapman

    Original: The King's Damosel (1975)

    meine Bewertung: Verrückt von 5

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    Diesen Monat sind mir einfach keine guten Bücher vergönnt. Vera Chapman bearbeitet in ihren Büchern die Artus-Saga von einer etwas anderen Warte aus. Sie stellt Frauen in den Mittelpunkt und erzählt von deren Schicksal. In diesem Band geht es um die junge Lynett, die nicht als Dame, sondern als Junge erzogen wurde. Der größte Wunsch des jungen Wildfangs ist es, später einmal Ritter zu werden. Nach vielen Schicksalsschlägen, unter anderem einer Vergewaltigung und einer Zwangsehe, wird ihr ihr größter Wunsch endlich erfüllt und sie wird Botin des jungen König Artus.

    Im Auftrag von König Artus reist Lynett in Begleitung von vier Rittern der Tafelrunde durch das Land, um die Botschaften des Königs an seine Untertanen zu verkünden. Sie wird allerdings eines Tages entführt und eingesperrt, dann wieder gerettet, findet schließlich ihre große Liebe und den Heiligen Gral...

    Man mag nun einwenden, dass die Geschichte ja eigentlich recht spannend klingt. Ja, tut sie auch tatsächlich. Allerdings passiert all dies auf gerade mal 156 Seiten, obwohl die Story an sich das Potential zu einem richtigen Wälzer hätte. Allerdings denke ich, dass man sich nicht durch mehr als 156 Seiten von Chapmans emotionsloser Schreibe und die beinahe völlige Abwesenheit von Dialogen quälen würde. Wieder einmal schade ums Geld, denn mehr als ein Punkt für die doch nette Handlung ist wirklich nicht drin. Wenn man sich für geschichtliche Romane interessiert, sollte man lieber zu einem Werk von Noah Gordon oder Iny Lorentz greifen.


  • Broschiert: 160 Seiten
  • Verlag: Dtv (2001)
  • ISBN: 3423204516