1.9.2008
Liebe Frau Sturm,
verurteilen werde ich nicht. Aber nur, weil ich denke, dass ich zu den wenigen Personen gehören kann, die annähernd nachvollziehen können, welche Gedanken Du gehabt haben musst. Und weil Du letzen Endes doch Mut hattest.
Trotzdem will ich, dass Du weisst wie wütend Du mich machst. Ich habe keine Ahnung, in wie weit Du überblickst, was Du getan hast. Du kamst, Du nahmst, und jetzt? Gibst Du uns ein zerbrochenes Herz wieder. Wir werden ihn auffangen. Da kannst Du Dir sicher sein. Diejenigen von uns, die noch da sind. Diejenigen von uns, die er nicht für Dich geopfert hat. Und diejenigen von uns, die Dir ins Gesicht gesehen haben und wussten, dass es irgendwann so weit kommen wird. Diejenigen von uns, die genau da nichts gesagt haben, weil sie's ihm so sehr gewünscht haben.
Es macht mich wütend, wie sehr Du einem Freund von mir weh tun kannst. Einem der größten Menschen, die ich in meinem Leben je kennenlernen durfte. Einem Menschen, der für ein kleines bisschen "ja" von Dir so unglaublich viel auf's Spiel setzt und aufgibt. Einem Menschen, der sogar jetzt noch bereit war, soviel weiter zu gehen. Für Dich. Einem Menschen, der sich grade die größte Maske seines Lebens aufsetzt. Und immer noch versucht, seine Brille aufzubehalten.
Ist Dir jemals bewusst gewesen, wie groß Deine Macht über ihn war?
Gestern hätte ich Dich fast angerufen. Und es gelassen, weil ich zu irrational gewesen wäre. Er wird aufgefangen werden. Aber mehr können wir nicht tun.
Ich wünsche Dir alles Gute.
Deine Anke.
