Wie man sich mit Liebe ruiniert

30.11.2016 um 13:34 Uhr

So fing alles an

Er ist ein Fremdgänger. Ein versierter Betrüger. In einer Singlebörse gezielt auf der Suche nach einer Affäre, weil er, so schrieb er, nicht mehr länger ohne erfüllenden Sex leben möchte.

Nein, er liebt seine Freundin, zehn Jahre sind sie schon zusammen und er will sie auch niemals verlassen. Nur der Sex, der ist eingeschlafen, sie hat keine Lust mehr auf ihn und er braucht es aber sehr. 

Tut mir leid, aber mit gebundenen Männern fange ich nichts an, schrieb ich ihm. Ich kam gerade aus einer sehr langen Ehe und war neugierig auf andere Männer. Ich flirtete und datete und war offen und fröhlich und lebendig. Genoss meine neue Freiheit wie einen neuen Frühling. Mir ging es gut. Zu gut. Deshalb wurde ich leichtsinnig.

Er sei kein Fremdgänger, teilte er mir mit, und ich lachte. Realitätsflüchtling, eindeutig. Und damit so wunderbar zu mir passend, wo ich doch auch einen Großteil meines Lebens in einem Elfenbeinturm verbringe, inmitten meiner Phantasien, Wünsche, Träume. 

Wir schrieben uns. Täglich. Lange Nachrichten, zahlreiche SMS. Dann trafen wir uns. Es erwischte mich sofort - er hatte mich schon zuvor erwischt, mit seiner Art, zu schreiben, seinen Gedanken, dem Humor, den Phantasien, die wir teilten und die uns einten. Und als er vor mir stand und mich anlächelte, war es um mich geschehen. Ich hatte mich nicht langsam und stetig in ihn verliebt. Ich hatte mich verknallt. Innerhalb von Sekunden. Ich wusste ab der ersten Minute, dass dieser Mann mein Schicksal sein würde. Dass er mir großen Herzschmerz und Kummer bereiten würde. Dass er mich zugrunde richten würde, wie es noch nie ein Mann vor ihm geschafft hatte.

 Ich war noch ganz. Heil. Keine Wunden auf dem Herzen. Kein Liebeskummer. Einige langjährige Beziehungen, alle von mir selbst beendet, keine Affären, keine ONS, nichts dergleichen. Ich war naiv wie ein Teenager, wenn es um die Liebe ging. Und mit all meiner Naivität raste ich hinein. Lächelnd mitten in die Kreissäge.

30.11.2016 um 13:26 Uhr

Der Doc und ich

von: deinkaetzchen   Stichwörter: affäre, liebe, unglücklich, verliebt

"Mit Liebe hat das hier nichts zu tun."

"Das sagst Du immer. Aber ich spüre Deine Liebe, wenn wir zusammen sind. Ich spüre sie einfach."

Er hat graue Augen. Sie sind manchmal so eisig, dass ich eine Gänsehaut bekomme. Manchmal so warm, wenn er mich ansieht, dass ich schmelzen möchte. Besonders warm sind sie, wenn wir Sex haben. Dann sehen wir uns minutenlang in die Augen, weil wir es gern ganz innig, ganz intensiv miteinander treiben. Er ist kein Rammler, im Gegenteil. Er ist zärtlich, zugewandt, er kümmert sich um mich, er gibt mir alles und nimmt alles von mir. Er ist der beste Sex meines Lebens. Er ist der Mann, an den ich jeden Morgen und jeden Abend denke, obwohl wir uns nur einmal im Monat sehen. 

Einmal im Monat, ein halber oder ein ganzer Tag. Sechs, sieben, acht Stunden des Glücks, die mich tragen, durch den Monat tragen. Die mir die Illusion von Liebe vermitteln. Seit über einem Jahr.

Letzten Monat hat er geheiratet. Und mir am Tag seiner Hochzeit abends eine SMS geschickt.
"Ich habe sie geheiratet. Ich habe große Sehnsucht nach Dir, vermisse Dich sehr. Möchte Dich spüren, küssen, mit Dir lachen."

Die Nachricht hat mich zerrissen. Ich war fassungslos. Alles ist vorbei, dachte ich. Jetzt ist alles vorbei. Endlich. Nach über einem Jahr kann ich aufhören, an ihn zu denken.

Kann ich aber nicht. Konnte ich nie. Und er - denkt offenbar auch noch an mich.

Nur Sex. Freunde, sehr mögen, das ist erlaubt, schreibt er, aber nicht mehr. Ich sehne mich so sehr nach Dir. Ich liebe sie auch, meine Frau, das weiß ich. Aber ich liebe auch Dich. Ich brauche Euch beide.

Seit über einem Jahr versuche ich alle paar Monate, von ihm loszukommen. Wir haben alles versucht - wirklich alles. Wir leiden, wenn wir nichts voneinander hören, wenn wir uns nicht haben, und wir leiden, wenn wir uns haben. In den Zeiten zwischen den glücklichen Momenten jedenfalls. Aber eine Beziehung ist nicht vorstellbar, nicht machbar. Es geht einfach nicht. 

Kann man jemanden lieben, der diese Liebe nicht erwidert? Kann man im ständigen Unglücklichsein das kurze Glück genießen? Oder ruiniert man sich damit auf lange Sicht selbst?

Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass ich ihn nicht loslassen kann. Ich weiß, dass ich nicht ganz ohne ihn sein will. Lieber die wenigen Momente mit ihm als gar nichts mehr von ihm. Ich brauche ihn, so wie er mich braucht. Ein Ende?

Nicht in Sicht. Noch immer nicht.