Liebes Kind ....

05.11.2009 um 23:29 Uhr

Es tut mir leid ...

... da ich wohl eine schlechte Mutter bin, habe ich noch überhaupt nichts für Dich aufgeschrieben. Nicht wann Du zum ersten mal gelacht hast, nicht wann es Deinen ersten Brei gab, nicht wann Du Dir zum ersten mal den Kopf angestoßen hast. In 20 Jahren werden wir wohl so gar nichts mehr aus Deinem ersten Jahr wissen, denke ich mal. 

Dabei wäre es doch sooo einfach gewesen. Einfach eines dieser wunderbaren Erinnerungsalben kaufen, vielleicht mit Bärchen oder mit Schmetterlingen oder sonst irgendwelchen kitschig-häßlichen amateurhaft gemalten Bilderbuchfiguren (natürlich in hellblau - Du bist ja ein Junge) und wir hätten alles, vom ersten Gedanken direkt nach der Zeugung bis zu den am 1. Geburtstag geschnittenen Zehennägeln aufheben und katalogisieren können ... mit Bildern natürlich, damit die Nachwelt uns auch geglaubt hätte, dass Deine Breischnute an diesem Tag auch genau SO aussah.

Das alles haben wir verpasst, tut mir leid. Und jetzt sind schon über 8 Monate Deines Lebens vorbei und keiner hat sich die Mühe gemacht irgendwas davon fest zu halten. Na ja, ganz so stimmt das nun auch wieder nicht, schließlich hat Dein Vater gefühlte 2 Millionen Bilder von Dir geknipst, die sich auf dem Rechner befinden, zumindest bis zum nächsten Festplattenabsturz ... dann wird wohl auch dieses Zeugnis Deiner Existenz verloren gehen.

Dabei hätten wir doch so viel für Dich tun können - ein Internet-Fotoalbum erstellen, zum Beispiel. Oder eine eigene Homepage. Wäre doch schön gewesen, www.pupsel.de oder so ähnlich. Natürlich auch mit vielen hellblauen Bärchen, Du bist ja ein Junge und damit die Nachwelt das nicht vergisst, sind hellblaue Bärchen unerlässlich. Nun, während ich mal wieder zu Hause gelangweilt vor dem Rechner sitze und im Internet surfe, kam mir die Idee wenigstens einen kleinen Teil von Dir zu verewigen. Oder zumindest dass, was Dich vielleicht interessieren könnte, irgendwann einmal, was Deine Eltern so getan und gedacht, worüber sie gelacht und sich geärgert haben, wer unsere Freunde waren und wenn wir nicht ausstehen konnten. Und am wichtigsten natürlich - wie wir jeden Tag versucht haben, so zu tun als wüssten wir, was wir mit einem kleinen, (nun nicht mehr ganz so) hilflosen Baby anstellen sollen, damit wir uns ELTERN nennen dürfen ...

Liebes Kind, ich hoffe Du nimmst es uns nicht krumm, dass die ersten 8 Monate Deines Lebens ein schwarzes Loch sind.

Nichts für ungut, Deine Mutter.