liebetiger - Briefe an einen geliebten Menschen

05.07.2005 um 23:15 Uhr

Heidelberg

Vertraute Stadt in einer vertrauten Landschaft. Vertraute Straßen, vertraute Plätze, vertraute Häuser, vertraute Geräusche und Gerüche.
Aus der Ferne vertraute Gesichter in der Menge, die fremder nicht sein könnten, je näher sie kommen. Und in den Augenwinkeln immer wieder die Ahnung deiner vertrauten Gestalt, die verschwindet sobald mein Verstand versucht ihrer habhaft zu werden.

Es hat viel Kraft gekostet, den Weg den wir so oft gemeinsam nach dem Kino oder zum Einkaufen gegangen sind, alleine zu gehen. Gegen all die Menschen anzugehen die mir aus der Menge entgegen eilten um ohne Erkennen wieder mit ihr zu verschmelzen.
Immer in der Hoffnung irgendwo dein vertrautes Gesicht zu sehen und immer in der Furcht es im gleichen Moment mit glücklich geschlossenen Lidern wieder aus den Augen zu verlieren.

Müde und erschöpft vom Anrennen gegen die Menge und der Stärke der Erinnerungen war eine Parkbank meine letzte Rettung um Atem und Herzschlag zu beruhigen.

„Kann ich Ihnen helfen, fehlt Ihnen etwas?“.  Es war eine ältere Frau, die neben mir saß und mir diese Frage stellte. Ein leichtes Lächeln um den Mund schüttelte ich den Kopf.
„Nein danke, Sie können mir nicht helfen. Ich habe etwas verloren, aber ich werde es auf dieser Welt nicht mehr finden.“
Sie nickte verständnisvoll, sagte leise „ich weiß“ und ließ ihren Blick wie ich suchend über die vorbeiwogende Menge schweifen. So schwiegen wir uns beide lange in unsere Erinnerungen. Irgendwann ist sie gegangen. Ich habe es nicht bemerkt.

Pass auf dich auf, wo immer du auch bist.
Ich dich „liebetiger“.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenblue schreibt am 15.07.2005 um 07:34 Uhr:erinnerungen sind das land,

    aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    blue...*umarm*
  2. zitierenMachopan schreibt am 15.07.2005 um 22:27 Uhr:Der Junge ist mein Sohn.

    Er heißt Ingo und ist seit 5 Jahren tot. Als er starb war er 19 Jahre alt. Er war mein bester Freund. Sowas vergißt man nicht.

    Das hat Blue mit den Erinnerungen gemeint.

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