LÖWENZAHN || Weblog für Gedankenspiele

12.04.2011 um 11:11 Uhr

Haizara X

von: loewenzahn   Stichwörter: Blog, Werbung, Sprache, Politik, Wirtschaft


Wer hier ist,
kann auch mal
hierher schauen.
 

07.04.2011 um 16:19 Uhr

Bevor mich jemand des Plagiats bezichtigt ...

von: loewenzahn   Stichwörter: Plagiat, Identität

... muss er erst mal wissen, wer ich bin!

Löwenzahn

07.04.2011 um 16:09 Uhr

Ich schau doch noch mal vorbei...

von: loewenzahn   Stichwörter: Nostalgie

Ich hatte das Password

doch noch nicht vergessen!

Bin gerührt.

Verdammt lang --

verdammt lang her! 

05.07.2006 um 20:42 Uhr

Ende



Dieser Blog ist abgeschlossen.

05.07.2005 -- 04.07.2006







04.07.2006 um 10:08 Uhr

Vielleicht

Vielleicht ist das der letzte Eintrag. Vielleicht auch nicht. Es ist ja erst Vormittag, kurz nach 10, an diesem 4. Juli 2006.

Noch ein Zitat aus meinem Karl-Karsutzke-Archiv (2005).

"Manchmal frage ich mich: Warum werde ich nicht, zusammen mit meinen querschießenden Gedanken, als vollständiges Individuum anerkannt. Als einer der -- zwanghaft, ja, und gegen Widerstände allüberall -- das mitteilt, was die Mitteilungen ihm auftragen. Große Künstler, sie sind ja nur Transporteure für das Umzugsgut der Ewigkeit.  Der Weltgeist wechselt wieder mal die Wohnung und bedient sich ihrer, um bei der Gelegenheit seine Schreibtischschublade zu leeren. Und die Künstler dann: Sie komponieren, malen, schreiben auf, was ihnen übergeben wurde.
    Stattdessen aber, bei mir: Vor jedem näheren Verwandten hatte ich mich, als Kind und auch später noch, ständig zu rechtfertigen, wenn ich zu spät zur Messe gekommen bin. Und heute muß ich mich noch immer vor jeder Schaffnerin dumm anreden lassen, wenn ich da im Zug schreibe und nicht gleich meine Fahrkarte finde. Warum erkennt die Schaffnerin denn nicht, daß ich gerade eine sehr, sehr wichtige Weltgeist-Zeile zu Papier gebracht habe? Warum lächelt sie nicht einfach freundlich und sagt im Vorbeigehen: 'Danke! Sie haben ja eine Dauerkarte. Ich sehe es Ihnen an.'"

Ach, Karl, was bist du doch für ein unverbesserlicher Romantiker!

04.07.2006 um 09:48 Uhr

Robert Gernhardt

Im SPIEGEL von gestern ein Nachruf auf Robert G., von Benjamin von Stuckrad-Barre. 'Ausgerechnet von BVSB!', denke ich, als ich den Kasten sehe und anfange zu lesen. Von dem, der damals auf dem Tübinger Bücherfest -- und wahrscheinlich nicht nur da -- mit einem Leibwächter aufkreuzt** und nicht ohne das allerbeste Hotel am Platz auskommt.*** Der Nachruf auf Gernhardt dann aber: informativ, einfühlsam, sehr persönlich. Zwei Göttinger, am Ende, unter sich.

--

* Man kommt ja leicht auf die verrücktesten Gedanken, wenn ein so vitaler, lustiger Mann vor der Zeit stirbt und man das in einem Interview mit G. liest: "Wo hatten Sie das Geld her? Ich bekam Bafög und ich habe gejobbt. Als Latein-Nachhilfelehrer, als Hilfskraft in einer Schreinerei, im Tiefbau und in der chemischen Industrie." Hat die chemische Industrie vor vielen Jahren, nun ja, sozusagen: den Grabstein gelegt?

** 'einem Gerücht zufolge' stand da mal. Aber das paßt nicht. Entweder -- oder.

*** Beim näheren Hinsehen gilt natürlich: BVSB hat es nicht leicht mit sich selbst. Beneide ihn keiner vorschnell um Ruhm und Anke Engelke.

04.07.2006 um 09:33 Uhr

Sei allem Abschied...

... voran als wäre er hinter /  dir, wie der Winter, der eben geht. / Denn unter Wintern ist einer so endlos Winter, / daß, überwinternd, Dein Herz überhaupt widersteht.*

"Woher kommt nur das Bedürfnis, sich immer mit anderer Leute Zeilen zu versichern, daß man nicht allein ist auf der Welt?" An diese Frage von Karl Karsutzke (persönliche Mitteilung, 1989) mußte ich eben denken, als ich, durchaus ein wenig unter Zwang, diese Zeilen gesucht habe.

"Sei allem Abschied voran..." Schöne Zeilen Rilkes. Nur: Es ist Sommer. Un estate tedesca? Ein perfekter Sommer-Abschied. Letzter Tag in einem Blog, den ich auf den Tag genau 1 Jahr lang mit Zeilen gefüllt habe. Am Ende war es fast entsprechend dem alten "Nulla dies sine linea".

Ich werde also das heutige Halbfinale Deutschland -- Italien hier nicht mehr kommentieren. Auch nicht den -- möglichen -- Gewinn der WM durch die deutsche Nationalmannschaft. So, nur viel härter und unendlich** intensiver müssen sich Drafi Deutscher*** und Robert Gernhardt gefühlt haben, vor Tagen.****


--

* Eigenartig: Da will ich bei der Gelegenheit Rilkes 13. Sonett noch einmal ganz lesen, greife zum Projekt Gutenberg, lese, stutze, irgendwas stimmt nicht. "Denn unter Wintern ist einer so endlich Winter" steht da. Endlich. Endlos, oder? Endlos, dachte Rilke sich diesen Winter. Neugierig geworden prüfe ich die Alternative im Netz: Hier ist der Winter auch endlich. Aber wohl nur hier und in der (nicht auffindbaren) Quelle. Nichts passiert. Nur ein Scanfehler im Projekt Gutenberg. Das läßt sich sicherlich ausbügeln und bald steht es richtig da.

** Hier stimmt dieses Wort, das so gerne als Floskel verwendet wird, endlich einmal in vollem Wortsinn.

*** Unbedingt die dazugehörige Wikipedia-"Diskussion" beachten!

**** Ich weiß, ich weiß: dieser Vergleich ist ohne Maß und Ziel. Die Bitte um Verzeihung an die gerichtet, die an so was Anstoß nehmen.


03.07.2006 um 13:27 Uhr

Zuschrift

Eine Zuschrift, soeben eingetroffen, vollständig und fast unkommentiert:
Ich glaube, etwas mehr Demut wäre bei Ihnen angebracht. Als Deutschsprachiger können Sie sich keine Urteile zur englischen Sprache erlauben und mich sogar als "hochnäsig" bezeichnen. Sie glauben ja wirklich, Sie hätten die Gescheitheit mit dem Löffel gefressen, was? 
Übersetzungen ins Englischen dürfen nur von englischen Muttersprachlern angefertigt werden, und schon gar nicht von Deutschen (Piefken), die ihre Fremdsprachenkenntnisse immer über alle Maße überschätzen (so wie Sie offensichtlich auch).
Schämen Sie sich in Grund und Boden. Wenn es ein Beispiel für Hochnäsigkeit gibt, dann sind Sie das, Sie armer Dummkopf und Narr.*

Mein Kommentar dazu. Er lautet: Tja...

--

* Die Zuschrift ohne Anrede, Grußformel, Name. Na gut, das würde alles auch nicht zu dem Text passen. (Natürlich ist eine E-Mail-Adresse angegeben; aber die lasse ich mal weg. Manchmal ist es ja gut, Menschen vor sich selbst in Schutz zu nehmen.) -- Ich habe mir spontan gesagt: Das ausgerechnet mir! Wo es keinen gegenüber dem Englischen demütigeren Menschen gibt als mich! -- Schließlich, der eigentliche Witz bei der Sache: Trotz einigen Nachdenkens und am Ende sogar unter Suchmaschinen-Benutzung habe ich nicht rausfinden können, wen ich in letzter Zeit als "hochnäsig" bezeichnet habe. Den Betreiber der entsprechenden Seite, der mich da im Ton so herzerfrischend-bescheuert anraunzt, doch offenbar nicht. Oder doch? Oder ist jemand unter Benutzung meines Namens unterwegs? In der Mail auch kein weiterer Bezug auf das, was angesprochen wird. -- Lassen wir mal alles auf sich beruhen und nehmen wir das hier Einkopierte nur als Beispiel für den Ton, der in den Weblogs manchmal so herrscht.

Nachtrag: In der Nacht ist mir auf einmal klargeworden, worauf der Schreiber dieser Invektive sich bezieht. Ich habe noch einmal nachgelesen: Eine für meine Begriffe recht sachliche, nachdenkliche Bemerkung. Für die ich eine Seite und daraus einen Satz des hier Aufschreienden, zufällig gefunden, als Nebenbei-Beispiel genommen habe. -- Ich kann die Seite und meine Bemerkungen nicht angeben, weil es sonst mit der Anonymität Essig wäre; aber erstaunt bin ich schon -- und das
nur will ich sagen --, womit man giga-überempfindliche Naturen in eine derartig besinnungslose Totalrage bringen kann. (04.07.2006, 10:25)

03.07.2006 um 12:06 Uhr

WM und Österreich

Eva Menasse, Wienerin mit Wohnsitz in Berlin, zum deutsch-österreischischen WM-Verhältnis:

"Ich habe [...] einen kleinen, boshaften Grund, den Deutschen den WM-Sieg von Herzen zu wünschen. So frenetisch, wie in normalen Ländern die Menschen feiern, wenn ihre Fußballmannschaft gewonnen hat, jubelt man in Österreich nämlich nur, wenn Deutschland verliert. Und die empörte, beleidigte Grabesstille zwischen Boden- und Neusiedlersee nach dem WM-Finale, die würden in meinen Ohren ganz zauberhaft klingen."


Aus eigenen, also empirisch zu nennenden Gründen, kann ich nur sagen: Gilt teilweise, das mit dem Jubel. Ich habe auch österreichische Anhänger der deutschen Nationalmannschaft erlebt, die unverdächtig sind, Deutschnationale zu sein.

Wenn das kein Grund ist, um ganz ernsthaft zu hoffen, dann weiß ich nicht.

--

* Quelle: SZ Nr. 148, 30. Juni 2006, Fußball, S. 33.

01.07.2006 um 17:55 Uhr

Mitwirkung

Dieser Einträg könnte jetzt sehr lang werden. Ein veritables 500-Seiten-Buch wäre angemessen. Das ist hier nicht möglich, und darum auch nur so viel: Wir brauchen eine gute -- die Praxis in der rechten Weise  beeinflussende --  Theorie der allgemeinen Mitbestimmung und des allgemeinen Fragens und Vorschlagens. 

Im einzelnen:

1. Unser politisches Gemeinwesen sieht vor, daß wir uns an das Parlament wenden können, um zu sagen, was wir nicht verstehen, verändert sehen möchten. Die Stelle, die das verwaltet heißt, wie allgemein bekannt, "Petitionsausschuss". Schon der Begriff ist altmodisch bis überholt. Eine Petition trägt man, meinem Sprachgefühl nach, einem absolutistischen Regenten vor. Man wird zum Bittsteller und hofft auf die Einsicht eines weisen Herrschers.

2. Ich werde den Verdacht nicht los, daß die Sache mit den "Eingaben", den "Petitionen" auch heute noch so gesehen wird, ohne daß das natürlich zugegeben wird. Hier der kleine Einzelbürger, dort die Sachwalter von politischem Verstand und inhaltlicher Kompetenz.  Es steht dahinter: Wenn etwas wirklich möglich und vernünftig wäre, dann wäre es uns, den ExperInnen, natürlich längst eingefallen.

3. Die Formeln, die einem aus dem Petitionsausschuß entgegenkommen, sind -- ich habe einige wenige, allerdings recht geschlossene Erfahrungen in diesem Punkt -- alle von der Art (informelle Formulierungen von mir): Vielen Dank für Ihr Interesse. Wir werden uns Ihrem Problem ernsthaft widmen. Allerdings haben Sie schon mal mit folgenden Problemen vertraut machen ... Gesetzeslage. So was hatten wir schon. Da kann man nicht ändern weil, ...

Anders gesagt: Es gibt kein lebendiges Interesse an dem, was vorgetragen wird. Der "Petitent" ist eher ein Störenfried, der nicht so genannt werden darf.

Das Mitwirkungswesen, das Nachfragen wird durch geschlossene Zirkel systematisch geblockt. Ausweitung, mit einem persönlich erlebten, hier verallgemeinten Beispiel:

Eine Frau, 60, pflegt ihre 83jährige Mutter. Die Hausärztin will die pflegende Tochter nach 3 Jahren anstregender Arbeit auf Kur schicken. Die Amtärztin in einer 30 Kilometer entfernten Stadt, lehnt die Kur ab.* Ohne die betreffende Person gefragt, gesehen, untersucht zu haben -- Nachfrage bei dem medizinischen Amt, wie das geschehen kann. -- Die Amtsärztin ist nicht ans Telefon zu bekommen. Sie wird systematisch verleugnet, über einen längeren Zeitraum hin. Sie rechnet nicht mit der Hartnäckigkeit des Anrufers. Schließlich ein geharnischerter Brief. Keine Antwort. Nach vier Wochen ein Nachsetzen mit einem knappen Protokoll der Abläufe und dem Hinweis: Wenn jetzt keine Antwort kommt, gehen diese Seiten mit allen Klartextangaben und Namen an sämtliche Sendungen mit dem Thema "Gesundheit" beim Rundfunk und beim Fernsehen. Darauf ist in drei Tagen eine Antwort da, des Inhalts: Die Kur wird genehmigt.

Weil dieser Blog jetzt zu einem Ende kommt, halte ich vorher noch fest: von den drei zum Thema "Gewerkschaftsunternehmen" angeschriebenen Gewerkschaftern haben zwei nicht geantwortet. Bei einem hat ein Mitarbeiter** mit süffisant-lapidaren 5 Zeilen. Nun ja, die Gewerktschaften sind, nach VW-Affäre, österreichischem Bawag-Skandal und allgemein der Fortentwicklung des Kapitalismus, ein eigenes Thema. Ebenso die Goldrand-SPD.

Natürlich würde ich auch gerne wissen, was aus der unsäglichen Dosenpfand-Sache des Ex-Ministers Trittin wirklich, jenseits inzwischen eingeführter Routinen, geworden ist. Entstanden ist mit der DGP ein Moloch, der den "Pfandschlupf" und andere Wahnsinnigkeiten vewaltet. Ich habe vor kurzem die Probe gemacht: von 30 Plastikflaschen, die ich in einen Supermarkt getragen habe, mußte ich die Hälfte wieder mitnehmen. Nach dem 1. Mai 2006!***

Abschlußfeststellung: Alle Institutionen haben die Tendenz, sich nach außen hin möglichst vollständig abzuschotten. Vorschlagende und Anfragende zerfallen in der Regeln intern in (Mehrfach-Anstreichungen natürlich jederzeit möglich)
  • Unwissende, also Laien
  • Einfach-Denkende, die die Komplexität der Sache nicht sehen können
  • Leute, die nichts besseres zu tun haben, als uns zu stören
  • Wichtigtuer
  • Querulanten
Wie kann man dieses Abschotten systematisch, nicht nur auf den Einzelfall bezogen, aufbrechen? Möglicherweise gar nicht, weil Systeme sich notwendig abschotten. Dann gilt: "Don't call us. We will call you -- never."

--

* Gespräche mit Menschen in einem oberfränkischen Dorf zu dieser Sache: Ja, so etwas komme laufend vor. In Ton und Inhalt: 'Das, solche amtlichen Mitteilungen, nehmen wir als höhere Gewalt, wie das Wetter.' Ausbuchstabiert heißt das aber: Die sog. 'einfachen Leute' werden in der Fläche weiterhin wie 'dumme Masse', die nicht weiß, wie man sich zur Wehr setzt. Von -- sicherlich gestreßten und oft durch den Alltag und Vorgaben 'von oben' überforderten -- Entscheidungsbefugten. -- Was man da machen könnte? Fallbeispiele untersuchen und einfache Richtlinien einbauen. Hier beispielsweise: Man kann die Notwendigkeit einer Kur in einem solchen Fall nicht entscheiden, ohne die betreffende Person als Mensch und 'Körper' gesehen und gesprochen zu haben.

** So war das natürlich auch gedacht. Nicht das die Großfunktionäre auf so eine Anfrage selbst antworten könnten. Ich hatte nur gedacht, daß da Antwort-Institutionen vorhanden sind, die eine solche Anfrage ernstnehmen und entsprechend reagieren können.

*** Wo hab ich nur die schöne Karikatur gesehen: Ein Riesen-Rohbau. Ein Schild davor: "Hier baut die Bundesregierung das Amt für Bürokratie-Abbau".

28.06.2006 um 18:59 Uhr

Turiner Fenstersturz

... wird die seltsame, vollkommen unpassende Analogie flugs bedichtet.

Staunen über Italien. Ein Land auf kaltem Entzug. Erst das Rauchen in den Bars verboten, dann Mafiosi gefunden, jetzt der Fußballskandal konsequent öffentlich gemacht. Mit Folgen, an die wir uns  über den Tag hinaus erinnern sollten.

Der 35-Jährige [Juve-Manager Pessotto] soll sich zur Zeit des Fenstersturzes alleine in seinem Büro aufgehalten haben. Mit einem Rosenkranz in der Hand, berichtet die Polizei, sei er im Hof aufgefunden worden. Ein klares Indiz für Pessottos Suizid-Absicht
.*

Welcher deutsche Sportfunktionär oder Manager würde bei der Gelegenheit zum Fenster und vorher noch zum Rosenkranz greifen?

--

* Nachtrag: "Der 22fache Nationalspieler hatte sich vom Dach des Juventus Turin-Clubhauses gestürzt. [...] Als mögliche Gründe für seinen Selbstmordversuch werden Depressionen und familiäre Probleme vermutet. Pessottos Frau Reana erklärte, ihr Mann habe sich der neuen Aufgabe als Manager nicht gewachsen gefühlt."

28.06.2006 um 17:50 Uhr

Minne

Die unüberbrückbare Schranke zwischen Kultur und nackter Biologie, sie ist auch durch die Heinesche Ironie nicht genauer zu bestimmen. Im Gegenteil, Harry Heine wird zu einem ganz normale Witzemacher. Mit Gefühl für den Endreim.

Eine Jungfrau von Gemüt  / muß sich schämen, wenn sie sieht,
wie ihr höchstes Ideal / wird entweiht so trivial! / Wie der Hochaltar der Minne / wird zur ganz gemeinen Rinne!


Die Biologie stellt sachlich fest, daß das männliche Glied für den Samenerguß wie für das Urinieren vorgesehen ist. Und sie weiß: daß Minne da, in ihrem Denken, nicht vorgesehen ist. Das Körper-Geist-Problem, Syntax und Semantik auf einer neuen Ebene.

28.06.2006 um 17:37 Uhr

Medien

Das Wort "Mediokratie" findet Google gegenwärtig 27.800 mal. Es sollte häufiger da stehen, und es sollte dieses Schlagwort diskutiert und immer weiter diskutiert werden.

Natürlich wurde das, was die Menschen ganz selbstverständlich als "gegeben", "vorhanden", "wirklich" angesehen haben, zu jeder Zeit durch das Kommunizieren der Leute gemacht. Aber heute, immer weiter sich verstärkend seit 200 Jahren, werden "die Medien" zu Bewußtseinsbildnern in einem Sinn, den wir jenseits der trivialen Botschaften und Schlagworte, nicht verstehen.

So weit, so gut. Doch wehe, wenn das mit der Mediokratie zu einfach gedacht wird! Springer und die Bildzeitung sind keine Herrschaftsmittel wie Gewehre. Man könnte hübsche Apercus in diese Richtung schmieden, die Sache bliebe dennoch haarsträubend falsch.

Das Individuum wählt sehr rasch aus. Die Modelle entstehen nach der Auswahl. Woher kommen aber die Auswahlmechanismen? Sie entstehen in hochkomplizierten Wechselspielen, die allesamt in ihren Gesetzlichkeiten unbekannt sind. Vielleicht sind die Dinge zu komplex, als daß wir von Gesetzen reden dürften. Schütte 30.000 Stoffe in einem Bottich zusammen und rühre um. Was ist das, was da entstanden ist? Gib ihm einen Namen! "Das Gebräu".  Oder nimm das Wetter! Sag voraus, ob es hier, an diesem Ort, in den nächsten drei Tagen einen Sturm geben wird...

Was ist eine wichtige Nachricht? Wie kommt ein Bär dazu, die Schlagzeilen zu beherrschen? Was für Mechanismen stecken dahinter, wenn der Bär die Gespräche beherrscht? Nicht die ermordeten Menschen im Umkreis von 500 Kilometern um den Wohnort des Lesers / der Leserin. Fallstudien sollten das mit den Mechanismen en detail herausarbeiten im Jahre 2007.

Wohin geht die Meldung, daß -- angeblich -- Menachem Begin Konrad Adenauer, den ersten Kanzler der Bundesrepublik durch einen Bombenanschlag umbringen lassen wollte?*

Schnee von gestern. Wer von den unter 50jährigen weiß noch, wer Begin war? Dafür kennen alle Bruno, den toten Braunbär.

Nachtrag: Was hab ich mich allein gefühlt mit meiner Ansicht! Und wie immer, wenn man sich allein fühlt, waren da Zweifel: Hast du dich vielleicht vom gesunden Menschverstand und vor allem: dem gesunden Menschengefühl abgekoppelt? Und dann lese ich heute, am 4. Juli, in der WELT:

An Bruno, dem Bären, läßt sich vieles lernen. Zum Beispiel, daß bei an sich vernünftigen Menschen ein naives Tierschutzdenken den Verstand blockieren und die Gefühle verwirren kann. Die "Trauer" um Bruno gab furchterregende Einblicke in die Pathologie der Volksseele.

Auf einmal fühle ich mich nicht mehr ganz so allein!

--

* "Rache im Paket". DER SPIEGEL Nr. 25 / 19.06.2006, S. 20f.

28.06.2006 um 12:54 Uhr

Origo

"Wer sich wirklich auf sein Denken und dann auf sein Schreiben einläßt, dem sollte man keine Eitelkeit, kein Sich-zu-wichtig-Nehmen vorwerfen", hat mir Karl Karsutzke vor vielen Jahren einmal geschrieben. "Denn ein solcher Mensch verschmilzt mit seiner Zeit und mit seiner Umgebung zu einer Einheit."

Ich habe gestern, als mir der Brief in die Hände fiel, gegrübelt, was das wohl heißen mag. Vor allem, weil Karl K. noch etwas hinzugefügt hat, sind die Sätze schwierig zu verstehen.

"Es sind allerdings sehr wenige, die sich wirkich auf das Denken und Schreiben ganz einlassen. Die paar Originalen halt."

27.06.2006 um 14:51 Uhr

Gnade

Ein Traum in sehr jugendlichem Alter war das: Ich laufe die rechte Außenlinie entlang, nehme ein Zuspiel elegant an, stoppe den Ball, leite ihn weiter. Schlafwandlerische Sicherheit. Meine Fußballfähigkeiten am Tag: nicht vorhanden.

Später, in "Matrix". Die Helden stehen vor einem Hubschrauber, der die Rettung bringen soll. Neos Frage an die Frau, Trinity: "Kannst du das Ding fliegen?"

Trinity: "Noch nicht. -- Operator?"

Und der Operator überspielt das Programm, und dann kann sie den Hubschrauber perfekt fliegen, als ob sie die letzten 10 Jahre nichts anderes getan hätte.

So stellen wir uns die Gnade in der weltlichen Welt vor: Nichts gelernt haben und doch alles können. Klavierspielen zum Beispiel. So gut wie der beste Pianist der Welt. Auf einmal. Einfach so.

"Operator?"